"Uuba druuba"

Schlesisch - Analyse und Vergleich unter Einbeziehung des Deutschen


Seminararbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zum Ursprung und Geographie Schlesiens – des Schlesischen

2. Der schlesische Dialekt
2.1 Die schlesischen Teilmundarten
2.1.1 Das Gebirgsschlesische
2.1.2 Das Gleetzische (Glätzische auf dt.)
2.1.3 Die Oberlausitzer Mundart
2.1.4 Das Neiderländische „Aiber der Auder“
2.1.5 Die Kräutermundart
2.1.6 Die Breslauische Mundart
2.1.7 Oberschlesisch (auch „Wasserpolnisch“ genannt)

3. Lateinische und französische Einflüsse in der schlesischen Sprache - „Fremdwörter“ -
3.1 Einfluss des Polnischen auf die schlesische Sprache

4. Satzlehre und Satzbildung im Schlesischen

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Zum Ursprung und Geographie Schlesiens – des Schlesischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Ursprung war Schlesien von den ostgermanischen[1] Stämmen der Silinger[2] und Lugier[3] besiedelt. Der heutige Landesname Schlesien leitet sich von den wandalischen Silingern ab. Im Zuge der Völkerwanderung wanderten Ostgermanen nach Süden und ermöglichten somit eine Ansiedlung, in der Mitte des 5. Jahrhunderts, von Slawen in Schlesien. Diese nahmen gegen Endes des 10. Jahrhunderts an der Bildung des polnischen Reiches unter Mscislaw I. teil. Aus dem Haus der Piasten[4] (im 12. Jh.) kristallisierte sich im weiteren Verlauf der Geschichte eine eigenständige schlesische Herzogs-Herrschaftslinie heraus. Besonders das Entgegenstellen des Herzogs Heinrich I. dem Bärtigen (1208-38) gegen Polen förderte eine bewusste Ansiedlung von deutschen Handwerkern, Bauern, Bergleuten und Kaufleuten. In erster Linie handelte es sich hierbei um Siedler aus fränkischen, thüringischen und obersächsischen Gebieten, doch auch Westfalen und Hessen kamen der Möglichkeit einer Migration nach. Allein diese Tatsache ließ viele Spracheinflüsse in den schlesischen Raum eindringen und lässt eine heutige Mundartenkarte des Gebietes sehr reich und bunt erscheinen.

Gerade die Ansiedlung von Arbeitern aus dem ehemals Deutschen Reich führte zu einer Gründung zahlreicher Dörfer und Städte im Zeitraum von 1300-1500. Schon 1320 gab es bedingt durch eine dynastische Aufteilung zehn niederschlesische und sieben oberschlesische Fürstentümer, die in ihrer Orientierung stark nach Böhmen ausgerichtet waren und letztendlich sogar 1327 die böhmische Lehnshoheit anerkannten. 1526 ging Schlesien mit dem Königreich Böhmen in Habsburgische Herrschaft über, doch hielt die Vorherrschaft des fürstlichen Geschlechts der Piasten noch bis 1675 an. Erst der eben mit 1675 datierte Tod des letzten Piasten ließ Schlesien zu einer österreichischen Provinz werden.

Im weiteren Verlauf der Historie wurde Schlesien von drei schlesischen Kriegen überzogen, was einen Abtritt der Schlesischen Provinz an Preußen hervorbrachte und nur ein kleines Gebiet um Troppau und Teschen als Herzogtum Schlesien bei Österreich bestehen ließ.

Der südöstliche Teil Schlesiens wird als Oberschlesien bezeichnet. Der nordwestliche Teil, welcher sich der Tiefenebene zuwendet, nennt man Niederschlesien.

2. Der schlesische Dialekt

Wie bereits in der Einführung beschrieben ist Schlesien von fast allen Altstämmen des ehemaligen Deutschen Reiches besiedelt worden, somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich einige Eigenarten und Merkmale des Mittelhochdeutschen erhalten haben.

Als Hauptsprache gilt das „Gebirgsschlesische“, welches vom Isergebrige über das Riesengebirge, das Waldenbruger Bergland, die Glatzer Gebirge bis in den Altvater reicht. In Form eines breiten Gürtels zieht es sich von den Bergen bis fast an die Oder und schneidet jenseits der Berge im Sudetendeutschen die deutsch-tschechische Sprachgrenze. Schlesisch ist ein hochdeutscher Dialekt, genauer gesagt eine ostmitteldeutsche Mundart und lässt sich weiterführend in folgende Gruppen unterteilen:

- Glätzisch, Grafschaft Glatz
- Neiderländisch
- Kräutermundart
- Breslauische Mundart
- Gebirgsschlesisch
- Oberschlesisch
- Oberlausitzer Mundart

Am wichtigsten bei der genaueren Betrachtung des Schlesischen, inklusive seiner Teilmundarten, ist die Tatsache, dass es eine Unterteilung bzw. Zweiteilung in Stammmundarten und Diphtonierungsmundarten gibt. Unter den Stamm-mundarten versteht man im Allgemeinen alle Teilmundarten, welche sich den im Schlesischen entstandenen Selbstlautstandard erhalten haben. Bei den so genannten Diphtongierungsmunarten hat sich im Zuge dessen eine Art „Evolution“, Weiterentwicklung vollzogen, die sich in der „Zerdehnung“ des Vokalismus äußert.[5]

In den Bereich der Stammmundarten fallen:

- Gebirgsschlesisch
- Glätzisch
- Oberlausitzermundart
- Kräutermundart

Zu den Diphtongierungsmundarten sind zu zählen:

- Neiderländisch
- Kräutermundart

In der folgenden Karte ist schon einmal mit einer roten Linie die Grenze zwischen Stamm- und Diphtongierungsmundarten grob vermerkt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf die genauen Spezifikationen und geographischen Zugehörigkeiten der o.g. einzelnen Ausprägungsformen des Schlesischen werde ich noch im weiteren Verlauf dieser Arbeit kommen.[6]

2.1 Die schlesischen Teilmundarten

2.1.1 Das Gebirgsschlesische

Wie bereits erwähnt zeichnet sich das Gebirgsschlesisch durchaus als Hauptsprache der schlesischen Varietät ab. Viele der Unterkategorien des Schlesischen gehen aus ihm hervor bzw. sind nahe mit ihm verwandt, somit ist es nur allzu logisch, diese Ausprägung als Erste im Zuge einer Analyse zu betrachten, da sich aus dem Gebirgsschlesischen nicht nur Parallelen zu den anderen schlesischen Mundarten ziehen lassen, sondern einige Charakteristika, wie z.B. einige Idiome, übergreifend vertreten sind.

Zum einen ist auffallend, dass das „a“ als wichtige Endung im Gebirgsschlesischen gilt, aber auch darüber hinaus im allgemeinen Sprachgebrauch als unbestimmter Artikel oder als Pronomen verwendet wird.

Verben werden durchgehend mit „a“ versehen, wie z.B. „schloofa, lacha, flenna, renna“ und auch Nomen, die die Endung -en tragen, werden durchgehend mit dem benannten „a“ ausstaffiert „Menscha, Kerscha, Tauba“. Zu erwähnen ist auch der so genannte „water- Laut“, welcher im Gebirgsschlesischen ein langes –„a“ zu einem „ǻ“ werden lässt, bei dem es sich um einen trüb eingefärbten Laut zwischen „a“ und „o“ handelt (Bahn -> „Bǻhn“; Hase -> „Hǻse“).[7]

Wird das Diminutivum angewendet, bzw. jemand betont emotional angesprochen, wird durchgehend ein „-la“ angehängt, was sowohl für Eigennamen als auch allgemeingültige Anreden gilt. Der Vater wird als „Voaterla“ vom Kind gerufen und dieser ruft ebenso sein Kind als „Kindla“ zu sich. Heißt dieses Kind nun Richard, so wird es im Gebirgs-schlesischen als „Richla“ angesprochen.

Kontrastierend zum Standarddeutsch ist auch die Tatsache, dass alle runden Laute breit gesprochen werden. So würde im Schlesischen der Satz „Ein Künstler tritt auf die Bühne.“ lauten „A Kinstler tritt uff de Biehne.“[8] Diese Regel ist jedoch nicht nur auf das Gebirgsschlesische zu beschränken, sondern als allgemeingültig und verbindlich für das übrige Schlesien zu betrachten. So werden zum Beispiel durchgängig „ö“ und „ü“ nicht deutlich gesprochen, sondern abgeschwächt mit „e“ oder, wie bereits oben aufgezeigt, „i“ ersetzt (Löwe -> „Lewe“; Hölle -> „Helle“; müssen -> „missen“). Ebenso werden, im Gegensatz zu dem uns geläufigen „Deutschen“ lange Vokale kurz gesprochen und kurze lang. Somit wird ein langes „–e“ zu einem „–i“ im Schlesischen (Schnee -> „Schnie“; Reh→ „Rieh“) und ein langes „–i“ zu „–e“ (böse -> „beese“; hören -> „heern“ bzw. „hiern“). Dies geht auch deutlich aus den folgenden Sätzen hervor. „A hoot an schinn Hutt“ und „s ies schunt gutt“, lassen sich demnach als „Er hat einen schönen Hut“ und „es ist schon gut“ übersetzen. Jedoch kommt es auch nicht selten vor, dass ein kurzes „–a“ zu einem kurzen „–o“ wird, wie bei „Tod“ -> „Tude“ oder auch ein kurzes „–o“ zu „–u“, was an „Lohn“ der zu „Luhn“ wird, zu erlesen ist. Dies ließe sich nun beliebig weit fortführen und anhand zahlreicher Beispiele belegen, jedoch würde das in einer gänzlichen Verzettelung im Regelwerk bezüglich der Beugung, Ersetzung usw. der schlesischen Vokale führen. Erwähnenswert wäre höchstens noch das Beispiel des Wolfes, dessen „o“ nicht nur eine Ersetzung durch „u“ aufweist, sondern noch darüber hinaus das „f“ im Schlesischen zu einem erweichten labialen Laut werden lässt, welcher sich als „w“ darstellt.

[...]


[1] Lukasz Bielecki: http://www.polishroots.org/genpoland/schles.htm (25.09.2006)

[2] Die Silingen oder auch Silinger waren ein ostgermanischer Teilstamm der Vandalen, der auf dem Gebiet des heutigen Schlesien siedelte.

[3] Die Lugier (Lygier) waren eine Ost-germanische Stammesgruppe im 1. Jh. nach Chr. in Schlesien und Kleinpolen.

[4] Die Piasten waren eine europäische Dynastie, deren Ursprung im 9. Jahrhundert beim westslawischen Stamm der Polanen lag.

[5] Menzel, Wilhelm: Mundart und Mundartdichtung in Schlesien. München: Delp’sche Verlagsbuchhandlung KG. 1972. S. 22- 37.

[6] Entnommen aus Hausdorff „Unser Schlesien“, erschienen im Karl Mayer Verlag – Stuttgart, jedoch um eine Grenze zwischen Stamm- und Diphtongierungsmundarten ergänzt.

[7] Peuckert Will Erich: Schlesisch. München: R. Piper & Co. Verlag 1950. S. 18- 22.

[8] Menzel, Wilhelm: Mundart und Mundartdichtung in Schlesien. München: Delp’sche Verlagsbuchhandlung KG. 1972.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Uuba druuba"
Untertitel
Schlesisch - Analyse und Vergleich unter Einbeziehung des Deutschen
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Struktur der deutschen Sprache 2: Satz und Text
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V89975
ISBN (eBook)
9783638042192
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Uuba, Struktur, Sprache, Satz, Text
Arbeit zitieren
David Liniany (Autor), 2006, "Uuba druuba", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89975

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