Im Ursprung war Schlesien von den ostgermanischen Stämmen der Silinger und Lugier besiedelt. Der heutige Landesname Schlesien leitet sich von den wandalischen Silingern ab. Im Zuge der Völkerwanderung wanderten Ostgermanen nach Süden und ermöglichten somit eine Ansiedlung, in der Mitte des 5. Jahrhunderts, von Slawen in Schlesien. Diese nahmen gegen Endes des 10. Jahrhunderts an der Bildung des polnischen Reiches unter Mscislaw I. teil. Aus dem Haus der Piasten (im 12. Jh.) kristallisierte sich im weiteren Verlauf der Geschichte eine eigenständige schlesische Herzogs-Herrschaftslinie heraus. Besonders das Entgegenstellen des Herzogs Heinrich I. dem Bärtigen (1208-38) gegen Polen förderte eine bewusste Ansiedlung von deutschen Handwerkern, Bauern, Bergleuten und Kaufleuten. In erster Linie handelte es sich hierbei um Siedler aus fränkischen, thüringischen und obersächsischen Gebieten, doch auch Westfalen und Hessen kamen der Möglichkeit einer Migration nach. Allein diese Tatsache ließ viele Spracheinflüsse in den schlesischen Raum eindringen und lässt eine heutige Mundartenkarte des Gebietes sehr reich und bunt erscheinen.
Gerade die Ansiedlung von Arbeitern aus dem ehemals Deutschen Reich führte zu einer Gründung zahlreicher Dörfer und Städte im Zeitraum von 1300-1500. Schon 1320 gab es bedingt durch eine dynastische Aufteilung zehn niederschlesische und sieben oberschlesische Fürstentümer, die in ihrer Orientierung stark nach Böhmen ausgerichtet waren und letztendlich sogar 1327 die böhmische Lehnshoheit anerkannten. 1526 ging Schlesien mit dem Königreich Böhmen in Habsburgische Herrschaft über, doch hielt die Vorherrschaft des fürstlichen Geschlechts der Piasten noch bis 1675 an. Erst der eben mit 1675 datierte Tod des letzten Piasten ließ Schlesien zu einer österreichischen Provinz werden.
Im weiteren Verlauf der Historie wurde Schlesien von drei schlesischen Kriegen überzogen, was einen Abtritt der Schlesischen Provinz an Preußen hervorbrachte und nur ein kleines Gebiet um Troppau und Teschen als Herzogtum Schlesien bei Österreich bestehen ließ. Der südöstliche Teil Schlesiens wird als Oberschlesien bezeichnet. Der nordwestliche Teil, welcher sich der Tiefenebene zuwendet, nennt man Niederschlesien.
Struktur des Werkes
1. Zum Ursprung und Geographie Schlesiens – des Schlesischen
2. Der schlesische Dialekt
2.1 Die schlesischen Teilmundarten
2.1.1 Das Gebirgsschlesische
2.1.2 Das Gleetzische (Glätzische auf dt.)
2.1.3 Die Oberlausitzer Mundart
2.1.4 Das Neiderländische „Aiber der Auder“
2.1.5 Die Kräutermundart
2.1.6 Die Breslauische Mundart
2.1.7 Oberschlesisch (auch „Wasserpolnisch“ genannt)
3. Lateinische und französische Einflüsse in der schlesischen Sprache - „Fremdwörter“ -
3.1 Einfluss des Polnischen auf die schlesische Sprache
4. Satzlehre und Satzbildung im Schlesischen
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die sprachliche Struktur und historische Entwicklung des schlesischen Dialekts unter Berücksichtigung verschiedener Teilmundarten sowie externer Spracheinflüsse. Das primäre Ziel ist es, die Charakteristika des Schlesischen im Vergleich zum Standarddeutschen aufzuzeigen und die Vielfalt der dialektalen Ausprägungen wissenschaftlich zu beleuchten.
- Historische Herleitung des schlesischen Raums und dessen Siedlungsgeschichte.
- Differenzierung der schlesischen Teilmundarten in Stamm- und Diphtongierungsmundarten.
- Analyse von Fremdworteinflüssen, insbesondere aus dem Lateinischen, Französischen und Polnischen.
- Untersuchung der abweichenden Satzstruktur und Syntax im Vergleich zur Schriftsprache.
- Dokumentation einer vom Aussterben bedrohten Sprachvarietät.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das Gebirgsschlesische
Wie bereits erwähnt zeichnet sich das Gebirgsschlesisch durchaus als Hauptsprache der schlesischen Varietät ab. Viele der Unterkategorien des Schlesischen gehen aus ihm hervor bzw. sind nahe mit ihm verwandt, somit ist es nur allzu logisch, diese Ausprägung als Erste im Zuge einer Analyse zu betrachten, da sich aus dem Gebirgsschlesischen nicht nur Parallelen zu den anderen schlesischen Mundarten ziehen lassen, sondern einige Charakteristika, wie z.B. einige Idiome, übergreifend vertreten sind.
Zum einen ist auffallend, dass das „a“ als wichtige Endung im Gebirgsschlesischen gilt, aber auch darüber hinaus im allgemeinen Sprachgebrauch als unbestimmter Artikel oder als Pronomen verwendet wird.
Verben werden durchgehend mit „a“ versehen, wie z.B. „schloofa, lacha, flenna, renna“ und auch Nomen, die die Endung -en tragen, werden durchgehend mit dem benannten „a“ ausstaffiert „Menscha, Kerscha, Tauba“. Zu erwähnen ist auch der so genannte „water- Laut“, welcher im Gebirgsschlesischen ein langes –„a“ zu einem „ǻ“ werden lässt, bei dem es sich um einen trüb eingefärbten Laut zwischen „a“ und „o“ handelt (Bahn -> „Bǻhn“; Hase -> „Hǻse“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zum Ursprung und Geographie Schlesiens – des Schlesischen: Dieses Kapitel behandelt die Besiedlungsgeschichte Schlesiens durch ostgermanische und slawische Stämme sowie die Entwicklung unter der Herrschaft der Piasten und den Einfluss späterer Migrationsbewegungen.
2. Der schlesische Dialekt: Hier erfolgt eine Einordnung des Schlesischen als ostmitteldeutsche Mundart und eine detaillierte Unterteilung in Stamm- und Diphtongierungsmundarten sowie deren spezifische regionale Ausprägungen.
3. Lateinische und französische Einflüsse in der schlesischen Sprache - „Fremdwörter“ -: Der Autor beleuchtet die Integration lateinischer und französischer Lehnwörter, die sich oft zu eigenständigen schlesischen Idiomen weiterentwickelt haben.
3.1 Einfluss des Polnischen auf die schlesische Sprache: Dieses Kapitel diskutiert die Auswirkungen des slawischen Sprachraums auf das Schlesische und identifiziert polnische Ableitungen in der Wortbildung.
4. Satzlehre und Satzbildung im Schlesischen: Die Untersuchung zeigt auf, warum die schlesische Syntax sich durch eine Abneigung gegen komplexe Nebensatzstrukturen und eine Fokussierung auf den Redefluss auszeichnet.
5. Schluss: Der Autor resümiert die Ergebnisse, betont die Relevanz des Erhalts dieser schwindenden Sprachvarietät und verweist auf den Mangel an aktueller wissenschaftlicher Auseinandersetzung.
Schlüsselwörter
Schlesisch, Dialekt, Gebirgsschlesisch, Mundart, Sprachgeschichte, Syntax, Lehnwörter, Oberschlesisch, Niederschlesisch, Glätzisch, Sprachvarietät, Stammmundart, Diphtongierung, Sprachwandel, Schlesien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die linguistische Struktur, die historische Entwicklung und die regionalen Varianten des Schlesischen als deutsche Dialektform.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dialektklassifizierung, den Einflüssen durch andere Sprachen wie Polnisch oder Französisch und den Besonderheiten der schlesischen Satzlehre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Erfassung der schlesischen Mundart, um ihre Charakteristika im Vergleich zur deutschen Standardsprache zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine sprachwissenschaftliche Analyse durch, die auf der Auswertung historischer Quellen und Dialektbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der verschiedenen Teilmundarten, die Analyse von Fremdworteinflüssen und die Untersuchung syntaktischer Abweichungen vom Standarddeutschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Schlesisch, Dialekt, Sprachgeschichte, Syntax, Lehnwörter und Sprachvarietät.
Was ist das „Gebirgsschlesische“ im Kontext der Arbeit?
Es wird als die Hauptsprache der schlesischen Varietät definiert, von der viele andere Unterkategorien abstammen oder mit der sie eng verwandt sind.
Wie unterscheidet sich die schlesische Satzbildung vom Deutschen?
Das Schlesische zeigt eine Aversion gegen Nebensatzkonstruktionen, neigt zu parataktischen Satzfügungen und setzt Kernaussagen oft an den Satzanfang.
Warum ist die Erforschung des Schlesischen laut Autor dringlich?
Da es nur noch schätzungsweise 10.000 Sprecher gibt, ist das Schlesische eine aussterbende Sprache, die vor dem Verlust ihrer mündlichen Tradition bewahrt werden sollte.
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- David Liniany (Author), 2006, "Uuba druuba", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89975