Die Hausarbeit beschäftigt sich mit Theorien und Studien zur Analyse von Ungleichheiten in der Schule. Dabei geht es speziell um in Deutschland lebende Jugendliche mit Migrationshintergrund.
Die Bundesrepublik Deutschland etablierte sich in den letzten vierzig Jahren als Einwanderungsland und es entwickelte sich eine große Multikulturalität und Vielsprachigkeit. Das Recht auf Bildung herrscht hier für alle. Seit einigen Jahren ist durch die PISA-Studie bekannt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund mehr Defizite in ihrer Schullaufbahn aufweisen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Um bessere Bildungserfolge zu gewährleisten, ist eine erfolgreiche Integration seitens der Bildungspolitik unausweichlich.
Zunächst wird auf den Punkt der Bildungsgerechtigkeit eingegangen. Darauffolgend soll ein empirischer Einblick in Studien über Bildungsungleichheiten eröffnet werden. Anschließend erläutert der Autor die Thematik der "Theorien der kulturellen Defizite" sowie den Begriff der "institutionellen Diskriminierung" im Kontext Schule. Diese beiden Ursachen werden anhand von Fachliteratur und verschiedenen Autorenmeinungen analysiert und in Zusammenhang mit den empirischen Befunden beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungsgerechtigkeit
3. Empirische Einblicke in Bildungsungleichheit
4. Ursachen der Bildungsungleichheit
4.1.Theorie der kulturellen Defizite
4.2.Institutionelle Diskriminierung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern individuelle Voraussetzungen, familiäre Kontexte und institutionelle Rahmenbedingungen innerhalb der Schule zu ungleichen Bildungschancen beitragen.
- Analyse des Begriffs der Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schulsystem
- Empirische Untersuchung von Bildungsungleichheiten
- Diskussion der Theorie der kulturellen Defizite
- Untersuchung von institutioneller Diskriminierung bei Selektionsentscheidungen
Auszug aus dem Buch
4.1. Theorie der kulturellen Defizite
Um die Ursachen von Bildungsbenachteiligungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu analysieren, stößt man häufig auf den Begriff des „kulturellen Defizits“. Dieser wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich ausgelegt und nicht ohne vorige Erläuterung benutzt. Damit man Ursachen der Bildungsungleichheit, anhand von kulturellen Ressourcen, feststellen kann, sollte zunächst das Thema des kulturellen Guts genauer betrachtet werden.
Dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu gelang es, eine anerkannte Theorie zu diesem Thema aufzustellen. Die Theorie des „kulturellen Kapitals“ findet in der heutigen Wissenschaft immer noch Erwähnung. Auch für diese Hausarbeit sind Bourdieus Aussagen bezüglich dem kulturellen Gut sehr wertvoll. Bourdieu bleibt mit seinen Aussagen über das kulturelle Kapital stets neutral, das heißt, er benutzt nicht das Wort „Defizit“, welches negativ konnotiert ist. Er nimmt in seinen Erklärungen keine Wertung ein, sondern „attestiert“ höchstens Nachteile, die bei Kindern und Jugendlichen auftreten können, wenn sie weniger kulturelles Kapital besitzen als andere.
Um das kulturelle Kapital an die Kinder weiterzugeben, ist für Bourdieu die Familie ein zentraler Punkt. Schon für Kinder im frühen Alter ist die Familie, als vertrauter Ort, der Platz zum dauerhaften Lernen. Um Zugang zu kulturellem Kapital zu erhalten, muss laut Bourdieu ein gewisser Zutritt zu bestimmten Bereichen vorhanden sein. Beispielsweise ist ein Zugang zur klassischen Musik oder ein Kunstverständnis für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Ein sicheres Auftreten und ein gutes sprachliches Ausdrucksvermögen sind durch die Kommunikation innerhalb der Familie ebenfalls bedeutsam. In der familiären Alltagskultur sollten diese Aspekte also eine Rolle spielen. Damit sich ein Kind positiv entwickelt und sich viele nützliche Fähigkeiten aneignet. Die Voraussetzung, durch das Vermehren des kulturellen Kapitals seitens der Familie sollte im Idealfall also gegeben sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Bildungsgerechtigkeit: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Bildungsgerechtigkeit und setzt ihn in den Kontext des deutschen Schulsystems und der Chancengleichheit.
3. Empirische Einblicke in Bildungsungleichheit: Hier werden ausgewählte empirische Studien vorgestellt, die sich mit den Ursachen von Bildungsungleichheit, insbesondere im Hinblick auf kulturelle Aspekte und institutionelle Diskriminierung, befassen.
4. Ursachen der Bildungsungleichheit: Das Kapitel analysiert vertieft die „Theorie der kulturellen Defizite“ sowie die Mechanismen der „institutionellen Diskriminierung“ im schulischen Kontext.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Bedeutung von familiären Einflüssen sowie institutionellen Faktoren für den Bildungserfolg.
Schlüsselwörter
Bildungsgerechtigkeit, Bildungsungleichheit, Migrationshintergrund, Chancengleichheit, kulturelles Kapital, institutionelle Diskriminierung, Schulerfolg, Bildungsbeteiligung, Selektion, Sozialisation, Sprachkompetenz, Schulleistung, Bourdieu, Bildungsbenachteiligung, Förderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen und empirischen Hintergründen von Bildungsungleichheiten, unter denen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem leiden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Konzept der Bildungsgerechtigkeit, die Auswirkungen des familiären Hintergrunds (kulturelles Kapital) und die Rolle der Schule als Institution bei Selektionsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die zur Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund führen, um ein besseres Verständnis für notwendige Verbesserungen im Bildungssystem zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Ansätze und empirische Befunde renommierter Bildungsforscher zusammenführt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Theorie der kulturellen Defizite nach Bourdieu sowie Konzepte der institutionellen Diskriminierung (nach Gomolla und Radtke) analysiert und mit empirischen Studien verknüpft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Bildungsungleichheit, Migrationshintergrund, institutionelle Diskriminierung, kulturelles Kapital und Chancengleichheit.
Was besagt die „Theorie der kulturellen Defizite“ im Kontext dieser Arbeit?
Sie beschreibt, wie ungleiche Startvoraussetzungen aufgrund des in der Familie erworbenen kulturellen Kapitals den schulischen Erfolg beeinflussen können, wobei der Begriff „Defizit“ kritisch hinterfragt wird.
Wie unterscheidet sich „direkte“ von „indirekter“ institutioneller Diskriminierung?
Direkte Diskriminierung bezieht sich auf explizite Regeln und Normen, während indirekte Diskriminierung auf alltäglichen Routinen und subjektiven, oft fürsorglich gemeinten Entscheidungen der Lehrkräfte basiert, die jedoch benachteiligend wirken können.
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- Anonym (Author), 2017, Bildungsgerechtigkeit im Schulsystem. Bildungsungleichheiten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/899896