Die strukturellen Veränderungen im deutschen Gesundheitswesen und der dadurch kontinuierlich steigende Kostendruck führen zu zahlreichen Reorganisationsprozessen in Krankenhäusern. Viele Krankenhäuser in Deutschland sind gegenwärtig von einer Schließung bedroht. Aus diesem Grund versuchen Krankenhäuser mit Reorganisationsmaßnahmen ihre Stellung am Gesundheitsmarkt zu verbessern - es wird umstrukturiert, rationalisiert und optimiert. Unter Reorganisation wird verstanden, dass eine Organisation ganz bewusst und planerisch optimal für ihr Wettbewerbsumfeld gestaltet werden kann. Krankenhäuser als sog. Expertenorganisationen tun sich aber besonders schwer, die nötige Flexibilität für Änderungen im Betriebsalltag aufzubringen.
Im Krankenhaussektor geht die Entwicklung hin zum Käufermarkt. Die Krankenhäuser sind gezwungen, sich intensiv mit den zusätzlichen Schlüsselfaktoren des Wettbewerbs auseinanderzusetzen (vgl. DULLINGER 1996, 18).
Jeder Reorganisationsprozess verändert etwas Bekanntes und wird von der Belegschaft positiv bzw. negativ aufgenommen. Mitarbeiter können Veränderungsprozesse als etwas Bedrohliches erleben, falls sie nicht rechtzeitig und richtig informiert bzw. aufgeklärt werden. Es kann zu Konflikten zwischen den Berufsgruppen kommen. Motivation und Zufriedenheit bei den Mitarbeitern sinken. Demzufolge verrichten verunsicherte und ängstliche Mitarbeiter ihre Arbeit unvollständig und ungern. Die Folgen der Mitarbeiterunzufriedenheit sind auch bei der Patientenzufriedenheit zu spüren. Das Vertrauen der Mitarbeiter in die Vorgesetzten und in das Management ist anhaltend in Frage gestellt worden. Das Krankenhausmanagement sollte ethisch fundierte Führungsgrundsätze anwenden und auf diese Weise das Personal beim Reorganisationsprozess führen und unterstützen.
Das Pflegepersonal sollte auf ein bevorstehendes Reorganisationsvorhaben richtig und rechtzeitig vorbereitet werden. Mit Hilfe der Informationsveranstaltungen sollten Ängste und Unsicherheiten beim Personal abgebaut werden. Außerdem sollten sogenannte Change Agents eingesetzt werden, um die Mitarbeiter während der Reorganisation adäquat zu unterstützen. In größeren Krankenhäusern sind auch interne Beratungsstellen eine sinnvolle Ergänzung zu Unterstützungsmaßnahmen bei der Reorganisation.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Vorgehensweise
2 Reorganisation im Krankenhaus
2.1 Organisation
2.1.1 Begriff Organisation
2.1.2 Krankenhaus als Expertenorganisation
2.2 Begriff Reorganisation
2.3 Gründe für eine Reorganisation
2.4 Folgen einer Reorganisation
2.4.1 Positive Folgen einer Reorganisation
2.4.2 Negative Folgen einer Reorganisation
3 Mitarbeiterzufriedenheit
3.1 Bedürfnisse der Mitarbeiter
3.2 Begriff Zufriedenheit
3.3 Feststellung der Zufriedenheit
3.4 Einfluss der Reorganisation auf die Mitarbeiterzufriedenheit
3.5 Mitarbeiterzufriedenheit vs. Patientenzufriedenheit
3.6 Führungskräfte und Mitarbeiterzufriedenheit
3.6.1 Transparente Mitarbeiterführung
3.6.2 Einfluss der Führungsethik auf die Mitarbeiterzufriedenheit
4 Entwicklung einer strukturierten Entscheidungshilfe
4.1 Bekannte Unterstützungsmaßnahmen bei einer Reorganisation
4.1.1 Informationsveranstaltungen
4.1.2 Interne Beratung und Change Agents
4.1.3 Grenzen und Schwächen der bekannten Unterstützungsmaßnahmen
4.2 Strukturierte Entscheidungshilfe für Führungskräfte
4.2.1 Gründe für die Entwicklung einer strukturierten Entscheidungshilfe
4.2.2 Entwicklung einer strukturierten Entscheidungshilfe
4.2.3 Strukturierte Entscheidungshilfe als Führungsinstrument
4.2.4 Anwendungsbereich der strukturierten Entscheidungshilfe
4.2.5 Vor- und Nachteile der strukturierten Entscheidungshilfe
5 Bewertung und Ausblick
5.1 Kritische Bewertung
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung einer strukturierten Entscheidungshilfe (Checkliste) für Führungskräfte in Krankenhäusern, um Reorganisationsprozesse unter expliziter Berücksichtigung der Mitarbeiterzufriedenheit erfolgreich zu steuern und zu begleiten.
- Analyse der Dynamik und Besonderheiten von Expertenorganisationen (Krankenhäusern) bei Veränderungen.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Reorganisation, Mitarbeiterzufriedenheit und Patientenzufriedenheit.
- Kritische Würdigung bestehender Unterstützungsmaßnahmen (z. B. Change Agents, interne Beratung).
- Konzeption eines strukturierten Führungsinstruments zur systematischen Begleitung von Reorganisationsprojekten.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Krankenhaus als Expertenorganisation
Die Organisationen können bürokratisch sein, ohne zentralisiert zu sein. Die betriebliche Arbeit in solchen Organisationen ist stabil, aber auch komplex, und muss direkt von den ausführenden Mitarbeitern in eigener Verantwortung kontrolliert werden. Die Organisation benutzt als Koordinationsmechanismus die Standardisierung der von den ausführenden Mitarbeitern erwarteten Qualifikationen. Eine so geschaffene strukturelle Konfiguration wird als Profibürokratie bezeichnet und ist oft in Universitäten, Krankenhäusern, Schulsystemen, Sozialeinrichtungen etc. zu finden (vgl. MINTZBERG 1992, 256).
Der operative Kern ist der Hauptteil der Organisation der Professionals. Die unterstützenden Einheiten sind der einzige andere Teil, der voll entwickelt ist und ist besonders auf die Unterstützung des operativen Kerns ausgerichtet (s. Abb. 2). Die Technostruktur und das mittlere Management sind nicht besonders ausgeprägt, sie können zur Koordination der professionellen Arbeit nicht viel beitragen. Da die Kosten für die Professionals sehr hoch sind, ist es sinnvoll, ihnen alle mögliche Unterstützung zu geben. Die Professionals passen sich gegenseitig an, der Bedarf an der direkten Überwachung der Professionals ist daher sehr gering. Die Professionals kontrollieren nicht nur ihre eigene Arbeit, sondern üben auch eine starke kollektive Kontrolle dadurch aus, dass sie bestimmte Verwaltungsaufgaben selbst übernehmen (vgl. MINTZBERG 1991, 187).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung definiert die Problemstellung durch den Kostendruck in Krankenhäusern und erläutert die Zielsetzung sowie die Vorgehensweise der theoretischen Arbeit.
2 Reorganisation im Krankenhaus: Das Kapitel erläutert die Besonderheiten des Krankenhauses als Expertenorganisation und definiert den Prozess sowie die Gründe und Folgen einer Reorganisation.
3 Mitarbeiterzufriedenheit: Hier werden die Bedürfnisse von Mitarbeitern, die Einflussfaktoren auf ihre Zufriedenheit sowie der Zusammenhang zur Patientenorientierung und zum Führungsstil untersucht.
4 Entwicklung einer strukturierten Entscheidungshilfe: Dieses Kapitel bewertet bestehende Maßnahmen zur Unterstützung bei Reorganisationen und leitet daraus die Notwendigkeit und den Aufbau eines neuen Führungsinstruments ab.
5 Bewertung und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die Ergebnisse der Arbeit kritisch und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Anwendbarkeit der Entscheidungshilfe.
Schlüsselwörter
Reorganisation, Krankenhaus, Expertenorganisation, Mitarbeiterzufriedenheit, Patientenzufriedenheit, Führungskräfte, Führungsethik, Entscheidungshilfe, Change Agents, Interne Beratung, Organisationsentwicklung, Personalmanagement, Change Management, Motivationspsychologie, Qualitätsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen bei der Umsetzung von Reorganisationsmaßnahmen in Krankenhäusern und wie Führungskräfte dabei die Mitarbeiterzufriedenheit erhalten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Struktur des Krankenhauses, die Psychologie der Veränderung, Mitarbeiterführung und die Entwicklung konkreter Management-Tools.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung einer strukturierten Entscheidungshilfe in Form einer Checkliste, die Führungskräfte dabei unterstützt, Reorganisationen erfolgreich und mitarbeiterorientiert zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, bei der bestehende Fachliteratur gesammelt, strukturiert, analysiert und in einem neuen Anwendungskontext erörtert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Reorganisation, die Faktoren der Mitarbeiterzufriedenheit, die Rolle der Führungskraft sowie die Wirksamkeit und Schwächen bisheriger Unterstützungsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Reorganisation, Krankenhausmanagement, Mitarbeiterzufriedenheit, Führungsinstrumente und Change Agents.
Warum ist das Krankenhaus als Expertenorganisation besonders schwer zu reorganisieren?
Expertenorganisationen weisen eine hohe fachliche Autonomie der Mitarbeiter auf, was bei zentralen, top-down verordneten Veränderungen häufig zu Widerständen und einer mangelnden Identifikation mit den organisatorischen Zielen führt.
Wie unterstützt die entwickelte Checkliste die Führungskräfte?
Sie bietet eine zeitliche Strukturierung (vor, während, nach der Reorganisation) und fungiert als Feedback- und Kontrollinstrument, um den Prozess nicht nur operativ zu steuern, sondern auch ethisch fundiert zu reflektieren.
- Quote paper
- Dipl.-Pflegew. (FH) Stanislav Koren (Author), 2007, Reorganisation im Krankenhaus unter Berücksichtigung der Mitarbeiterzufriedenheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89990