Der Schüler Sven, geb.08.1989 - Eine Fallanalyse aus Sicht therapeutisch orientierter Religionspädagogik nach Oskar Randak


Seminararbeit, 2004
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

0. Einleitung

1. Alter des Schülers, Einordnung zu einer Grunderfahrung und Formulierung des dazugehörigen Ziels

2. Thesenbildung aufgrund der Verhaltensbeschreibungen aus dem Schülerbogen bzgl. der Probleme des Schülers, mit Hilfe des Symptomkataloges (Fremdbeobachtungen)

3. Formulierung von Erziehungszielen für den Schüler mit Hilfe der Testergebnisse (PFK und AFS) sowie dem Handbuch zum Diagnose-und Therapieraster; Unterscheidung bzgl. dem pädagogischen und therapeutischen Handlungsbedarf

4. Unterschiede (falls es sie gibt) zwischen Fremdbeobachtungen und Eigenwahrnehmung des Schülers

5. Bildung einer These über das Leistungsvermögen und Leistungsverhalten

6. Beschreibung notwendiger Fördermaßnahmen für die Persönlichkeitsentwicklung und für die Förderung der Leistungsfähigkeit

7. Schluss

8. Literaturverzeichnis

0. Einleitung

Im Lehrplan für das Fach Katholische Religionslehre in der Schule für Lernbehinderte steht folgendes: „Katholischer Religionsunterricht will dazu beitragen, daß der lernbehinderte Schüler durch den Glauben Geborgenheit erfährt, Hoffnung gewinnt und die Aufgabe annimmt, sein Leben in unserer Gesellschaft sinnvoll zu führen. Auf den Anspruch. der christlichen Botschaft bezogen, bedeutet dies: (...) Der Schüler soll erfahren, daß er in der Begegnung mit Jesus, dem Christus, Ermutigung gewinnen kann, weil Jesus Benachteiligungen und Geringschätzung von Menschen nicht gelten ließ, sondern sich zum Bruder aller machte und deren Kreuz als seines angenommen hat.“[1]

In der heutigen pluralen Gesellschaft ist es für ein Kind sehr schwer allen Ansprüchen, die an es gestellt werden, gerecht zu werden. Heutzutage ist es keine Seltenheit, dass SchülerInnen schon im Grundschulalter evtl. auch schon im Kindergarten in ihrem Sozialverhalten auffällig sind oder in der Grundschule Probleme im Lesen und Schreiben haben. Da stellt sich natürlich immer die Frage des „Warum“? Glaubt man PISA I und II so hängt das hauptsächlich mit dem schlechten deutschen Bildungssystem zusammen. Aber es muss auch einmal gesagt werden, dass die Kinder gerade in den ersten Entwicklungsphasen ihrer Umwelt und der Erziehung ihrer Eltern hilflos ausgeliefert sind. Und um das zu verstehen soll die Tiefenpsychologie nach Oskar Randak eine Hilfe sein, um eine therapeutisch orientierte Religionspädagogik zu verstehen.

Vorweg möchte ich noch hinzufügen, dass ich mich bei meiner Fallanalyse hauptsächlich auf die Erkenntnisse des Tiefenpsychologen Oskar Randak stütze, dessen Ziel es ist die Verhaltensweisen der Menschen zu erforschen, um diese dann mit einer entsprechenden christlich-religiösen Perspektive zu konfrontieren.

1. Alter des Schülers, Einordnung zu einer Grunderfahrung und Formulierung des dazugehörigen Ziels

Der 13 Jahre alte Sven besucht die 7.Klasse einer regulären Hauptschule. Seinem Schülerbogen ist zu entnehmen, dass Sven wohl bis jetzt eine sehr chaotische schulische Laufbahn hinter sich hat. Sven besuchte vier Jahre lang eine reguläre Grundschule, in der sich seine schulischen Leistungen jedoch von Jahr zu Jahr verschlechterten. Im vierten Schuljahr werden sowohl im Dezember als auch im Januar verschiedenartige Tests (CFT 20; Konzentrationstest d2 und ein Fragebogen für Schüler,AFS) mit Sven (damals 10 Jahre alt) durchgeführt, da er im schulischen Bereich Leistungsprobleme hat. Besondere Schwierigkeiten bereiten ihm Mathematik und Deutsch. Am Testverlauf zeigte er sich interessiert, fasste die Arbeitsanweisung rasch auf und führte dann die Aufgaben selbstständig und konzentriert aus.

Die Ergebnisse der drei Tests zeigen allerdings, dass Svens kognitive Fähigkeiten im unterdurchschnittlichen Bereich liegen, dass er eine überdurchschnittlich hohe Prüfungsangst hat und dass seine Schulunlust sehr hoch ist.

Auf Grund dieser Resultate riet die Beratungslehrerin Frau L. Sven und seinen Eltern, auf eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“ zu wechseln. Jedoch entschieden sich die Eltern bzw. in erster Linie die Mutter (da sich die Eltern wohl des öfteren trennen) gegen die Einschulung in eine FöS L. Sie behauptet: „ Ihr Sohn sei doch kein Depp“. In der regulären Hauptschule muss er jedoch dann die 5. Klasse wiederholen, da er das Klassenziel in den Fächern Deutsch, Mathe, Englisch und Bio/Chemie nicht erreicht hat. Deshalb besucht Sven nun mit 13 Jahren die 7. Klasse einer regulären Hauptschule und ist ein Jahr älter als seine Mitschüler, sofern diese nicht auch wiederholt haben.

Vom Alter her ist Sven mit seinen 13 Jahren im Strukturenkreis der „Geborgenheit“ angekommen. Jeder Mensch durchläuft von seiner Geburt an vier verschiedene Phasen der Grunderfahrung. Bis circa drei Monate erlebt der Säugling die intentionale Phase, die mit der Grunderfahrung der „Zuwendung“ verbunden ist und die im Alter von 11/12 Jahren wiederholt wird. Von drei Monaten bis ca. zwei Jahren wird die orale Phase gerechnet, die mit der Grunderfahrung der „Geborgenheit“ einhergeht und in der sich Sven als Pubertierender gerade wiederfindet, da sich auch jene im späteren Alter wiederholt. Die letzten zwei Phasen sind die anale Phase mit der Grunderfahrung der „Freiheit“ und die phallische Phase mit der Grunderfahrung der „Zuordnung“. Für diese zweite Struktur sind einige Ziele formuliert, die Svens depressive Persönlichkeit bearbeiten können und müssen.

Erstens ist die Pubertät die Phase, in der der Jugendliche schöpferische Spontaneität entwickeln muss. Die Bedingungen sind dabei, dass er sich loslösen muss von bestimmten Fixierungen und eine gewisse kontrollierbare, aber nicht übertriebene Emotionalität entwickeln muss. Dazu kommt noch, dass die Reflexionsfähigkeit vertieft werden muss, was eine gewisse Kritikfähigkeit und Toleranz mit sich bringt. Zweitens kann es Ziel dieser Struktur sein, Haben und Nichthaben zu ertragen. Das heisst also, dass der Jugendliche lernen muss, dass sein Über-Ich bzw. sein Gewissen die Instanz ist, die ihm sagt, dass er nicht alles machen kann, wozu er gerade Lust hat. Er muss drittens lernen, dass er seine Emotionen und seine Gefühlsäußerungen unter Kontrolle hat. Die Grundangst vor Selbstständigkeit und die Verlustangst dominieren in dieser Phase der „Geborgenheit“ sehr stark.

In Bezug auf die religiöse Entwicklung ist es ein mögliches viertes Ziel, dem Jugendlichen Antworten auf die Frage über die Kirche und bzgl. der Hinterfragung der Kirche zu geben. Auch in der Gottesfrage sollen ihm selbstständige Ansätze vermittelt werden.

Eine therapeutisch orientierte Religionspädagogik formuliert all diese pädagogischen Ziele innerhalb der Grunderfahrung der „Geborgenheit“.

2. Thesenbildung aufgrund der Verhaltensbeschreibungen aus dem Schülerbogen bzgl. der Probleme des Schülers, mit Hilfe des Symptomkataloges (Fremdbeobachtungen)

Svens Schülerbogen enthält einige sehr aufschlussreiche Fakten über sein Arbeits-und Sozialverhalten, woraus man die Probleme des Schülers entnehmen kann. Anbei enthält der Schülerbogen Zwischen-und Jahreszeugnisbeurteilungen, ein Kurzgutachten, eine zusammenfassende Schülerbeurteilung am Ende der GS und seine Leistungen in Form von Noten. Aus diesem ganzen Sammelsurium werden Svens Probleme aus der Sicht seines Umfeldes und seiner mangelnden Intelligenz ersichtlich. Vorweg ist schon einmal zu bemerken, dass Svens schulische Probleme in erster Linie an seiner kognitiven Leistung liegen, die nur teilweise durch sein Sozialverhalten beeinflusst werden. Dies kann man aus den Ergebnissen des Schülerbogens über Fremdbeobachtungen schließen.

Bereits in der ersten Klasse zeigt Sven eine geringe Konzentrationsfähigkeit (Struktur 3/4), die sich bis zur 7. Klasse hoch durchzieht. Die Zwischen-und Jahreszeugnisse lassen immer wieder erkennen, dass Sven mit wenig Ausdauer und Konzentrationskraft dem Unterrichtsgeschehen folgt (Struktur 4.8). Sein Lernverhalten ist zwar nicht kontraproduktiv, aber er zeigt zu geringe Anstrengungsbereitschaft und Selbstständigkeit (Struktur 3), die bei Sven schnell zu Desinteresse führen und er dann seine Mitschüler gerne ablenkt, somit also eine abschweifende Haltung einnimmt (Struktur 4). In der 3. Klasse wirkt Svens Arbeitshaltung sogar etwas verträumt (Struktur 2/3), laut der Klassenlehrerin Frau M. In Bezug auf die häusliche Arbeit hat er sich während seiner Grundschul- und Hauptschulzeit enorm verbessert. Am Anfang war er wohl ein sehr fauler (Struktur 2) Schüler, der im Laufe der Zeit gewissenhaft und zuverlässig bei Hausaufgaben geworden ist (Struktur 3). Aus der zusammenfassenden Schülerbeurteilung am Ende der GS ist ersichtlich, dass Sven unterdurchschnittlich intelligent ist (Struktur 3) und dass er ein schwaches Auffassungsvermögen hat (Struktur 1.7). Bei Sven kommt außerdem noch als negativ beeinflussender Faktor hinzu, dass er während der 3. Klasse über 100 Fehltage aufgrund von Grippe, Bauch-,Hals-und Kopfschmerzen (Struktur 3) hatte. Dies wirkt sich natürlich negativ auf seine schulischen Leistungen aus, da er gegenüber seinen Mitschülern deutliche Vorwissenslücken im Laufe der Jahre mitbringt.

Somit kann man aufgrund von Svens schulischen Leistungen durchaus an eine Überweisung an ein Förderzentrum (FöS L)denken.

Im Gegensatz zu Svens Leistungen ist sein Verhalten in der Schule durchschnittlich gut und zufriedenstellend und gibt eigentlich auf den ersten Blick keinen Grund ihn in ein Förderzentrum zu überweisen.

In der Grundschulzeit ist Sven ein offener, freundlicher (Struktur 3) und aufgeschlossener und kontaktfreudiger (Struktur 1) Schüler, der bei seinen Mitschülern beliebt ist. Gegenüber Erwachsenen ist er meist freundlich, kann aber nur schwer Kritik (Struktur 2) annehmen und ist ihnen gegenüber emotional unsicher (Struktur 2). Er bemüht sich um gutes Betragen, fällt jedoch durch unruhiges (Struktur 2) Verhalten auf. Er ist seinen Mitschülern gegenüber empfindsam (Struktur 4). Laut dem Fragebogen hat der Schüler Sven eine überdurchschnittlich hohe Prüfungsangst, was eine Angst zu versagen miteinschließt. Auch die Schulunlust ist sehr hoch.

Zusammenfassend kann man bei Sven davon ausgehen, dass er Probleme damit hat ein gewisses vorgegebenes Leistungsniveau nicht erreichen können und deswegen zu wenig Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten hat, wobei auch noch sein Selbstbewusstsein darunter leidet. Bei Sven sind demnach die Voraussetzungen für die Diagnose „Lernbehinderung“ in seinen kognitiven Fähigkeiten zu sehen, die dann zusammen mit seinem Sozialverhalten seine schulischen Leistungen im Lernen behindern.

[...]


[1] Lehrplan für das Fach Katholische Religionslehre in der Schule für Lernbehinderte, S.2

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Schüler Sven, geb.08.1989 - Eine Fallanalyse aus Sicht therapeutisch orientierter Religionspädagogik nach Oskar Randak
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Beiträge der Tiefenpsychologie für eine adäquate Sonderreligionspädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V90002
ISBN (eBook)
9783638041485
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schüler, Sven, Eine, Fallanalyse, Sicht, Religionspädagogik, Oskar, Randak, Beiträge, Tiefenpsychologie, Sonderreligionspädagogik
Arbeit zitieren
Veronika Bernau (Autor), 2004, Der Schüler Sven, geb.08.1989 - Eine Fallanalyse aus Sicht therapeutisch orientierter Religionspädagogik nach Oskar Randak, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90002

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