Taufe aus systematisch-theologischer Sicht


Seminararbeit, 2005
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung: Das Beziehungsgeschehen der Taufe als Beginn eines Weges und einer Beanspruchung

2. Die Taufe als Übereignung an Christus
2.1 Christuszugehörigkeit aufgrund der Taufe
2.2 Taufe als Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu Christi
2.3 Taufe als Aufnahme in den Leib Christi

3. Taufe und Heiliger Geist
3.1 Die Taufe als Geistsakrament
3.2 Das Wasserzeichen und der Geist

4. Entwicklung der Firmung zu einem selbstständigen Sakrament
4.1 Historische Loslösung von Taufe und Firmung
4.2 Firmung als Besiegelung der Taufe
4.3 Die Firmung als Sakrament der Sendung

5. Schluss: Zusammenhang von Taufe und Firmung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung: Das Beziehungsgeschehen der Taufe als Beginn eines Weges und einer Beanspruchung

Die Taufe ist ein Sakrament, das zu den drei Initiationssakramenten zählt. Die beiden anderen sind neben jener die Eucharistie und die Firmung. Das bedeutet, dass alle am Anfang eines Prozesses bzw. des menschlichen Weges stehen, der das ganze Leben lang wirksam ist. Bei dem Sakrament der Taufe wird die Entscheidung getroffen, selbst und sichtbar ein Fest auf Gott hin zu richten. Jene steht am Beginn eines Glaubensweges.

Die Taufe hat im Neuen Testament verschiedene Bedeutungen.[1] „Sie ist christliche Praxis (Apg 2,38 u. ö.) von Anfang an, sie bedeutet die große Lebenswende durch die Übereignung an Jesus Christus (Mt 28,18 f; Röm10, 9), sie spricht von einer wirksamen Verbindung mit Christus und seinem Schicksal (Röm 6, 2-6), sie ist auf den Glauben angewiesen (Röm 10,9) und wirkt zudem kirchenübergreifend (Apg 2, 41f; Eph 5,25f.).“[2] Somit steht der Mensch also schon immer in der Relation zu Gott, zu seinem Sohn Jesus Christus und zur Glaubensgemeinschaft, die ihren Ursprung im Volk Israel hat. Im Sakrament der Taufe wird jene Beziehung zu einem wirklichen Geschehen von gegenwärtiger Bedeutung. Sie passiert hier zeichenhaft und es geschieht das, was das Neue Testament „Wiedergeburt“ nennt.[3] Es wird die Begründung christlicher Einheit zwischen den vielen Glaubenden sichtbar, es passiert die Übereignung an Jesus Christus, die Errettung von Sünde, die Illumination durch den Heiligen Geist. Der Christ soll eine Reise antreten, welche die Sehnsucht nach Vollendung und nach dem Heil des Menschen bzw. nach der Gnade Gottes zum Ziel hat. Die Taufe betrifft eine Beziehung, was theologisch dadurch hervorgehoben wird, dass sie die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott begründet. „Das trinitarische Gottesbild ist ein zutiefst von Relationalität und spannungsvollen Beziehungen geprägtes Gottesbild.“[4] Der Täufling kommt bereits mit Gott, mit Jesus und mit der Gemeinschaft der Glaubenden in Verbindung. Es geschieht Gnade.[5] „Die Nähe Gottes und des anderen Menschen ist uns schon gegeben, bevor wir uns dies bewusst machen. Diese Nähe wird nicht durch uns hergestellt oder vermittelt, sondern geht unserer Existenz voraus.“[6]

2. Die Taufe als Übereignung an Christus

2.1 Christuszugehörigkeit aufgrund der Taufe

Das Entscheidende der urchristlichen Taufe im Gegensatz zur Taufe des Johannes des Täufers, ihrem Vorreiter, ist, dass erstere „auf den Namen Jesu Christi” vollzogen wird. Dazu werden bei Kurt Koch mehrere Bibelstellen des Neuen Testaments angegeben. In Apostelgeschichte 2,38 heißt es: „Petrus antwortete ihnen: Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“[7]. In Apostelgeschichte 8,16 lautet es wie folgt: „Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft.“[8]. „Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.“[9], kann man in Apostelgeschichte 10,48 lesen. In Apostelgeschichte 19,5 steht geschrieben: „Als sie das hörten, ließen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen.“[10]. Somit kann man die „Taufe als Übereignung an Christus“[11], den neuen Herren des Täuflings sehen. Dieser gehört von nun an ganz Christus. Dazu gibt Paulus im Brief an die Galater 3,29 ein gutes Beispiel: „Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheißung.“[12]. Bei der Taufe nimmt sich der Herr des Getauften an und schenkt ihm Heil. Christus lädt beim Taufgeschehen jeden Menschen zu einem Bund mit Gott ein und bietet diesem eine äußerst persönliche Relation an. Sie ist von so grundlegender Bedeutung, dass dem Täufling der Zutritt zum Reich Gottes ausreichend über seine Relation zu Jesus Christus gegeben ist.[13]

In der Überzeugung der Alten Kirche gilt das Taufgeschehen als Absage an die heidnischen Götter bzw. Dämonen und als Eintritt in die Kirche, dem Raum der Herrschaft Christi. Jene schließt eine rücksichtslose Daseinsveränderung von der körperlichen zur geistigen Sünde in der Art einer Errettung zum wahrhaftigen Sein mit ein. Sie verlangt also eine kompromisslose Änderung der Lebensweise.

Das heißt, dass die Taufe in der Alten Kirche notwendige Folgen im Leben der Christen hatte.[14] Deshalb kamen „viele heidnische Berufe für getaufte Christen und Christinnen nicht mehr in Frage, und zwar genauer hin alle Berufe, die mit dem heidnischen Kult in Berührung standen - wie beispielsweise Schauspieler und Gladiatoren, Astrologen und Traumdeuter, Zuhälter und Dirnen.“[15]. Taufbewerber mussten also bereit sein solche Berufe sein zu lassen. Denn der Täufling darf nur Jesus Christus, seinem Kyrios unterstehen. Dies kann er nur durch eine Veränderung seines aktuellen Lebens, vor allem aber durch das Glaubensbekenntnis. Taufe und Glaube gehören unlösbar zusammen. Damals ging dem Aussprechen der Taufformel ein langer Lern- und Lebensprozess voraus, der zugleich als Expression eines neuen Daseinsweges exerziert wurde.[16]

2.2 Taufe als Teilhabe an Tod und Auferstehung Jesu Christi

Wenn wir Christen auf den Namen Jesu Christi“ getauft sind, bedeutet das nicht nur die Übereignung des Getauften an Christus, sondern es besagt auch, dass wir in das Heilsgeschehen Jesu Christi aufgenommen werden. Sein Name steht hier für das gesamte Heilsereignis, das mit diesem Namen assoziiert wird. Vor allem der Apostel Paulus sieht die Taufe als eine Teilhabe am Heilsgeschehen von Jesu Christi Tod und Auferstehung, auch wenn die Auferstehung für die Getauften noch ein zukünftiges Ereignis bleibt.[17]

„Diese Spannung von „schon“ und „noch nicht“, die bereits für die Botschaft Jesu vom Kommen des Gottesreiches charakteristisch ist, wird von Paulus dabei deutlich artikuliert: ‚Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich mit ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein’ (Röm 6,4-5).“[18]

Analog zu Jesus Christus, der selbst in das Bad des Todes untergetaucht ist und am Ostermorgen als der vollendet neue Mensch Gottes erschienen ist, taucht der Täufling in der Taufe in das Grab Jesu Christi hinunter, damit er gemeinsam mit dem Heiland aus diesem Grab des Todes als neuer Mensch auferstehen kann.[19] Wenn ein Säugling oder ein Erwachsener getauft werden, heißt das, dass er als alter Mensch zusammen mit Christus stirbt, um dann mit ihm durch das Bad der Taufe als neuer Mensch auferweckt zu werden. Das, was am Pascha-Fest am Grab des Heilands geschehen ist, passiert im Bad der Taufe durch Christus bei jedem einzelnen Menschen, nämlich der endgültige Vorübergang vom Tod ins Leben. In der Taufe geschieht also das ganz persönliche Osterfest für jeden einzelnen Menschen.[20]

So wie Gott seinen eigenen Sohn Jesus Christus nicht im Tod im Stich gelassen, sondern ihn durch die Auferweckung gerettet hat, werden die Getauften mit Jesu Tod errettet. Der Täufling wird in den Tod Christi hineingetauft, damit er in seiner eigenen Todesstunde nicht von Gott und seinem Leben getrennt wird. In der Taufe wird der eigene zukünftige Tod zeichenhaft vorweggenommen und mit dem Tod Jesu in Verbindung gebracht, um mit Christus leben zu können.

Die frühen Christen waren deshalb davon überzeugt, dass sich die Taufe durch Untertauchen im Wasser vollziehen sollte, weil die Täuflinge dann in den Tod Jesu Christi hineingetauft worden sind.[21]

[...]


[1] Vgl. E. Dirscherl, Die Bedeutung der Taufe, 160

[2] E. Dirscherl, Die Bedeutung der Taufe, 160

[3] Vgl. E. Dirscherl, Die Bedeutung der Taufe, 160

[4] E. Dirscherl, Die Bedeutung der Taufe, 161

[5] Vgl. E. Dirscherl, Die Bedeutung der Taufe, 162

[6] E. Dirscherl, Die Bedeutung der Taufe, 162

[7] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1216

[8] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift,1223

[9] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1226

[10] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1236

[11] K. Koch, Die christliche Taufe, 6

[12] Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1299

[13] Vgl. K. Koch, Die christliche Taufe, 6

[14] Vgl. K. Koch, Die christliche Taufe, 7

[15] K. Koch, Die christliche Taufe, 7/8

[16] Vgl. K. Koch, Die christliche Taufe, 8

[17] Vgl. K. Koch, Die christliche Taufe, 8

[18] K. Koch, Die christliche Taufe, 8

[19] Vgl. K. Koch, Die christliche Taufe, 8

[20] Vgl. K. Koch, Die christliche Taufe, 9

[21] Vgl. K. Koch, Die christliche Taufe, 9/10

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Taufe aus systematisch-theologischer Sicht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Das Grundsakrament der Taufe
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V90003
ISBN (eBook)
9783638036900
ISBN (Buch)
9783638938075
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Taufe, Sicht, Grundsakrament
Arbeit zitieren
Veronika Bernau (Autor), 2005, Taufe aus systematisch-theologischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90003

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