Nachhaltiges Wirtschaften. Fördert das duale Bildungssystem die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen?


Bachelorarbeit, 2018

59 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nachhaltigkeit
2.1 Leitbild der nachhaltigen Entwicklung
2.2 Bildung für nachhaltige Entwicklung

3. Geschichtliches
3.1 Carl Carlowitz
3.2 Club of Rome
3.3 Brundtland-Bericht 1987
3.4 Rio Deklaration 1992
3.5 Agenda 21
3.6 UN-Bildungsdekade

4. Nachhaltigkeitsmodelle
4.1 Ökologische Nachhaltigkeit
4.2 Ökonomische Nachhaltigkeit
4.3 Soziale Nachhaltigkeit
4.4 Lernfeldkonzept in der beruflichen Bildung

5. Initialisierung der Bildung für nachhaltige Entwicklung an Schulen
5.1 Ganztagsschulen
5.2 Fächerübergreifender Unterricht
5.3 Schule öffnen
5.4 Stärkung von Chancengleichheit

6. Allgemeine Zielsetzungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung an Schulen
6.1 Orientierungsrahmen
6.2 Zwischenstand und Weiterführung

7. Orientierung von Jugendlichen an Nachhaltigkeit

8. Pädagogisch – Didaktische Voraussetzungen des Lernbereichs Globale Entwicklung

9. Berufliche Bildung
9.1 Handlungsorientierung im Lernbereich Globale Entwicklung
9.2 Kompetenzen im Lernbereich Globale Entwicklung in der beruflichen Bildung
9.3 Themenbereiche und Themengestaltung

10. Nachhaltigkeit im dualen System der Berufsausbildung lernen im Fachbereich Wirtschaft
10.1 Kaufmann im Einzelhandel und Kauffrau im Einzelhandel / Verkäufer und Verkäuferin
10.2 Lernfeld 1: Einzelhandelsunternehmen repräsentieren

11 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Kompetenzmodelle verknüpft

(Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2017)., S. 389)

1. Einleitung

Nachhaltigkeit als Begriff, wie wir ihn aus dem alltäglichen Gebrauch kennen, ist längst den meisten Bürgern bekannt. Auch die Notwendigkeit eines veränderten Lebensstils, um den folgenden Generationen eine gute Lebensgrundlage zu erhalten, ist uns bewusst.1 Auf vielfältige Weise nehmen sich Menschen in Institutionen und Vereinen Fragestellungen um Nachhaltigkeit an. Der sogenannte ökologische Fußabdruck zeigt, dass wir in Deutschland in Bezug auf verfügbare Ressourcen auf Kosten kommender Generationen leben. Somit müssen zunehmend Konzepte entwickelt werden und mehr eigeninitiatives Handeln erfolgen, um das Leben stärker unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit zu gestalten.2 Es ist unsere moralische Verpflichtung unseren derzeitigen Lebensstil so zu gestalten, dass wir nachfolgende Generationen ebenso gute Lebensbedingungen hinterlassen. Ein weiteres Umdenken in der Gesellschaft ist also von existentieller Bedeutung, darum muss Nachhaltigkeit auch Bildungsauftrag in Schulen sein.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein reformiertes Bildungskonzept, das pädagogische und politische Themenbereiche berücksichtigt. In den Rahmenplänen deutscher Schulen ist „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ allerdings noch nicht integriert. Der Wissensstand von Jugendlichen muss umfassender mit dem Themenfeld Nachhaltigkeit gefüllt werden. Hier hat die duale berufliche Bildung mit ihrer Komplexität der Lernprozesse in Schule und Betrieb Chancen und Umsetzungsmöglichkeiten.3

Daraus folgend wähle ich als Thema dieser Arbeit „Grenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung im dualen Bildungssystem an beruflichen Schulen“. Anhand dieser Ausarbeitung soll die Frage „Fördert das duale Bildungssystem die Kompetenzen der Schülerinnen und Schülern für das nachhaltige Wirtschaften?“ beantwortet werden.

Zu Beginn dieser Arbeit wird der Begriff Nachhaltigkeit erläutert, gefolgt von einem geschichtlichen Überblick. Teil drei erfasst die Nachhaltigkeitsmodelle, die im Laufe der Arbeit immer wieder relevant werden.

Nachfolgend wird sich mit den Herausforderungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung an Schulen unter ausgewählten Aspekten befasst. Teil fünf beinhaltet die allgemeinen Zielsetzungen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schulen, welche auf den folgenden Teil des Orientierungsrahmens aufbaut. Die Orientierung von Jugendlichen an Nachhaltigkeit wird im siebten Teil angesprochen und anhand von ausgewählten Studien aufgezeigt. Auf pädagogische und didaktische Voraussetzungen des Lernbereichs Globale Entwicklung wird im achten Teil Bezug genommen und die Wichtigkeit des Kompetenzerwerbs aufgegriffen.

Teil neun nimmt Bezug zur Fragestellung und beschäftigt sich mit dem Bereich der beruflichen Bildung, welcher hier grob durch die Thematiken: Lernfeldkonzept, Handlungsorientierung, Themenauswahl und Kompetenzen beschrieben wird. Abgerundet wird diese Arbeit in Kapitel zehn, mit dem Bezug auf tatsächliche Lernprozesse im Bereich Wirtschaft im dualen Bildungsprozess, welcher durch den Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im Einzelhandel skizziert wird. Ein Fazit folgt anschließend.

2. Nachhaltigkeit

Beschäftigen wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit, denken wir hier meist direkt an Begriffe wie Umweltschutz, Naturschutz, Energiewende oder Ressourcenschonung. Doch die genaue Definition dieser Begrifflichkeit ist meist gar nicht richtig bekannt und eher schwer definierbar. Sie wird meist mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung synonym verwendet. Doch was genau unterscheidet Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung jetzt eigentlich?

Nachhaltigkeit beschreibt einen Wunschzustand, zudem uns die nachhaltige Entwicklung als laufender Prozess, voller Rücksichtnahme auf die gesamte Erdbevölkerung, hinführen soll. Nachhaltigkeit steht immer in der Verknüpfung von Menschen und Natur und kann als stets voranschreitender Entwicklungsprozess verstanden werden. Der Prozess der Nachhaltigkeit wird nicht wie ein Zustand beschrieben, sondern als Orientierung angesehen. Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung versucht sich hier als Problemlöser für aktuelle und zukünftige globale Umweltprobleme, um die gewünschte Richtung für ein gutes Leben unserer Gesellschaft anzustreben. Dieses Prinzip soll es zukünftigen Generationen ermöglichen ein problemfreies und gutes Leben zu führen. Kommende Generationen sind in diesem Punkt stark gefährdet, viele zukünftige kritische Zustände, sind aktuell noch nicht problematisch, was häufig zu geringer Beachtung führt. Die Erderwärmung ist zum Beispiel schon länger ein aktuelles Gesprächsthema, ausgelöst durch die wachsenden Kohlendioxidemissionen, welche hauptsächlich durch Verbrennung von energetischen Stoffen verursacht wird4. Diese Treibhausgase halten explizite Strahlen vorm Austritt ins Weltall ab und erwärmen die Atmosphäre. Trockenheit, Hitze oder ansteigende Meeresspiegel haben Auswirkungen auf das Tierreich, die Landwirtschaft oder das Trinkwasser.5 Durch wirtschaftlichen und technischen Fortschritt wird der Bedarf an Ressourcen immer höher, die selbst aber immer knapper werden. In Industrieländern wie Japan, China oder den USA ist der Bedarf enorm hoch. Begrenzte Rohstoffe steigen daher immer weiter im Wert an.6 Aber dass Lebensräume für viele Tierarten aussterben, die Meere verschmutzt werden und manche Länder in Müll untergehen wird einfach ausgeblendet. So wird also der Prozess der nachhaltigen Entwicklung mit vielen Problemen konfrontiert, die heute und auch zukünftig aktuell sein werden. Denn es geht nicht nur um die Umwelt und unsere Natur, sondern auch um gesellschaftliche Fragen, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche und kulturelle Herausforderungen, sowie um nötige Maßnahmen und Handlungsweisen zur Hinführung unserer Ziele.7

2.1 Leitbild der nachhaltigen Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung dient somit als globales Leitbild, dass die Existenz der Menschheit sicherstellen soll. Es zielt auf die Verbindung von Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Umwelt ab.8 Gelingen soll dies durch die Bewahrung alternativer Ressourcen. Mit diesem Leitbild werden unterschiedliche Interessen verfolgt. Unter anderem umwelt-, entwicklungspolitische und ökonomische Ideale.9

Das Leitbild wurde in der UN-Konferenz in Rio de Janeiro in 1992 mit der Agenda 21 entworfen und verankert. Sie zielt darauf ab, eine bedachte Gestaltung der globalen Verhältnisse zu schaffen, die Bildung und Wissenschaft neu auszurichten, sowie die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen des heutigen Jahrhunderts neu aufzubauen. Bedacht werden hier hauptsächlich die zukünftigen Generationen, denen gesunde und intakte Lebensbedingungen zur Verfügung stehen sollen.10 Die Agenda 21 kann als Weg hin zu einer dauerhaften Aufrechterhaltung der Lebensgrundlagen und zur Minimierung von weltweiten Ungerechtigkeiten angesehen werden.

Die Voraussetzungen und die Idee der nachhaltigen Entwicklung müssen somit an die heutigen und zukünftigen Generationen herangetragen und in der Bildung verankert werden.11

Zieldimensionen sind hier unter anderem, dass aktuelle und zukünftige Bedürfnisse der Generationen gestillt werden können und der Umweltschutz in den Entwicklungsprozess integriert betrachtet wird. Die Ermöglichung von Frieden, Sicherheit und Stabilität wird ebenso berücksichtigt. Außerdem das allgemeine Recht auf Entwicklung, sowie die Wahrung der kulturellen Vielfalt. Soziale, ökonomische und ökologische Aspekte verknüpft zu betrachten, sollte außerdem als Zieldimension nicht ausgeschlossen werden.12

2.2 Bildung für nachhaltige Entwicklung

Bildung für nachhaltige Entwicklung orientiert sich an dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Ziele wie soziale Eingliederung, wirtschaftliches Leistungsvermögen, ökologische Kompatibilität und demokratische Politikgestaltung werden hierdurch verbunden, dabei sollte der kulturelle Hintergrund nicht außer Acht gelassen werden. Es geht hierbei um das Bereitstellen von qualitativer, im Alltag relevanter Bildung.13 „Umwelt und wirtschaftlich soziale Entwicklung werden als gleichermaßen wichtige und aufeinander abzustimmende Handlungsfelder gesehen, in denen Betroffene und Akteure demokratische Möglichkeiten der Mitgestaltung erhalten“.14

Nachhaltige oder zukunftsorientierte Entwicklung ist darauf ausgerichtet, dass die Bedürfnisse der heutigen Zeit befriedigt werden, ohne das künftigen Generationen dies nicht mehr möglich ist. Sie versteht sich als ein lebenslanger Lernprozess, der Kompetenzen fördert, die Möglichkeiten geben, nicht umweltschonende Prozesse, Strukturen und Lebensformen zu erkennen und an ihrer zukünftigen Gestaltung mitzuwirken. „Sie kann Grundelement aller Fächer und Lernbereiche sein und ist wesentlicher Bestandteil der Aufgabengebiete Umwelterziehung, Globales Lernen, interkulturelle Erziehung, Gesundheitsförderung und Mobilitätserziehung“.15

Bildung für nachhaltige Entwicklung wird daher auch auf Seiten der Lehrerbildung eine wichtige Funktion zuteil, da sie sich vorzugsweise an dem Leitbild (siehe Gliederung 2.1) orientieren sollte, um einer Bildung für nachhaltige Entwicklung entsprechen zu können.16 Somit sind für die Entstehung einer nachhaltigen Entwicklung Bildungsprozesse ein wichtiger Knotenpunkt. Denn hierbei ist der Zugang sowie die Qualität von Bildung ein notwendiger Prozess um Sichtweisen, Kompetenzen, Wahrnehmung und das Wissen zu verändern. Das Ganze sollte unter der Verknüpfung von Mensch und Natur betrachtet werden. Dabei spielen Lehrer und Lehrerinnen sowie die Schule eine Schlüsselrolle und entsprechend auch deren Aus- und Weiterbildung.17

Ein Ziel, der auf dem Gipfel der Vereinten Nationen 2015 verabschiedeten Agenda 2030 ist es:

„Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung“18

Modelle für Kindergärten, Schulen und Hochschulen wie beispielsweise das Programm Transfer 21 machten deutlich, welche Möglichkeiten dieses Bildungsverständnis für Gegenwart und Zukunft für die Standardentwicklung der Bildungsinstitutionen beinhaltet. Festgestellt wurde, dass es durch Bildung nachhaltiger Entwicklung zu einer stärkeren Wahrnehmung und einem stärkeren Verständnis für Mensch und Natur kommen kann. Die Bereitschaft und Bemühung zur Beteiligung an der Entwicklung des direkten Umfelds, im Sinne des Leitbildes, kann gefördert werden. Mit Schlüsselproblemen für eine nachhaltige Entwicklung geeignet umzugehen und die damit verbundenen komplexen und systemischen Denkprozesse, sowie Toleranz für kulturelle Vielfalt kann durch Bildung für nachhaltige Entwicklung erlernt werden. Modellversuche allein reichen nicht aus, um Bildung für nachhaltige Entwicklung gesellschaftlich vollständig einzubinden. Bildung für nachhaltige Entwicklung muss direkt in die Struktur des Bildungssystems integriert werden.19 Sie setzt sich zusammen aus Umweltbildung, sie beschäftigt sich mit den individuellen Verhaltensmustern bezüglich Umwelt, natürlicher Ressourcen und der Erhaltung von Lebensgrundlagen. Außerdem besteht sie aus dem Globalen Lernen. Dieses fokussiert sich auf globale Zusammenhänge, die die Perspektiven eines jeweiligen Individuums erweitern sollen um Bezüge zu einem selbst und der eigenen Umwelt besser herstellen zu können. Nur umfassendere Perspektiven lassen Thematiken besser begreifen.20

3. Geschichtliches

3.1 Carl Carlowitz

Beschäftigen wir uns nun mit der Geschichte des Begriffs Nachhaltigkeit. Seinen Ursprung fand er schon im Jahr 1713. Carl Carlowitz bezog sich damals auf eine sinnvolle Waldrationierung, hauptsächlich auf die Wichtigkeit des Nachpflanzens. Dieser stellte fest, dass nur durch das Auszehren der Ressourcen Land schnell unwirtschaftlich wird. Die langfristige Planung und Vorbereitung, die wir heute als Ressourcenschonung verstehen, erkannte Carlowitz schnell als wichtige Grundlage.21

3.2 Club of Rome

Im Jahre 1972 schwang das Thema Nachhaltigkeit noch einmal neu auf, durch die Veröffentlichung des Berichts Grenzen des Wachstums, der vom Club of Rome veröffentlicht wurde. Er zeigte eine ganz neue Wirtschaftslage auf und sorgte damit für viel Gesprächsstoff. Es wurde Folgendes festgehalten:

„Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“22

Gefordert wurde hiermit das Erreichen eines ausgeglicheneren Zustandes von Wissenschaft, Umwelt und sozialen Aspekten, um das vorhersehbare „Runterwirtschaften“ unserer Welt zu vermeiden.23

3.3 Brundtland-Bericht 1987

1983 wurde von den vereinten Nationen die Weltkommission für Umwelt, eine Kommission von Sachverständigen gegründet, aus deren Zusammenarbeit der sogenannte „Brundtland-Bericht“ entstand. Der Brundtlandt-Bericht ist das Resultat des Club of Rome, der nach dem Aufzeigen der dramatischen Lage nun zukünftige Perspektiven für eine führsorgliche Umweltentwicklung bis zum Jahr 2000 aufzeigt. Er kann als Handlungsempfehlung gesehen werden. „Und damit war hier konkret gemeint: eine dauerhafte Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen weltweit unter Berücksichtigung der Tragekapazität der natürlichen Umwelt sowie der Konfliktlinien zwischen Umwelt- und Naturschutz, Armutsbekämpfung und Wirtschaftswachstum“.24

Der Bericht entstand aus dem Anlass, dass sich die Emissionswerte in dieser Zeit drastisch änderten und damit die Klimaveränderung beeinflussten. Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung wurde mit diesem Bericht erstmals als globales Leitbild konkretisiert und der Öffentlichkeit greifbar gemacht. Denn schon damals wusste man: Umweltprobleme weltweit entstehen aus Konsum, Wirtschaft und Armut.25

3.4 Rio Deklaration 1992

Mit der Rio Deklaration sollten nun endlich Taten folgen, so entstand die bis dahin größte Umweltkonferenz der Welt. 12 Tage, 178 Staaten und 17000 Menschen tagten über umwelt- und entwicklungspolitische Themen, um ein gemeinsames weltweit gültiges Abkommen zu entwickeln - eine nachhaltige Entwicklung, die über die ganze Welt hinaus verankert werden sollte. Der Gesellschaft ihr Handeln zu verdeutlichen, anhand der Verbindlichkeit unserer Umwelt für ein zukünftiges, gesundes und lebenswertes Leben, war eines der großen Anliegen der Mitwirkenden. Die Konferenz verabschiedete sechs Dokumente: Die Deklaration für Umwelt und Entwicklung, die Klimaschutz-Konvention, die Biodiversitätskonvention, die Walddeklaration, die Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung und die Agenda 21.26

3.5 Agenda 21

Die Agenda 21, welche auf der oben erläuterten Riokonferenz entwickelt wurde, beinhaltet globale Handlungsaufträge, die soziale, ökologische sowie ökonomische Aspekte berücksichtigen, um einer Verschlechterung der Situation vorzubeugen. Die Agenda 21 konzentriert sich auf Maßnahmen, die sich umweltpolitisch an alle Bereiche richtet. Die jeweiligen Regierungen haben die Aufgabe diese strategisch umzusetzen. Erfolg im umweltpolitischen Sinne, gelingt aber nur in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit, denn ohne gesellschaftliche Mithilfe können diese Ziele nicht erreicht werden. Wenn wir den Fokus auf Umwelt und Entwicklung legen, können wir unsere Grundbedürfnisse erhalten, Lebensstandards aller Menschen und vor allem derer in Krisenregionen verbessern. Es geht um unsere Zukunft – sie soll durch eine weltweite Partnerschaft und eine nachhaltige Entwicklung gefördert werden.27

3.6 UN-Bildungsdekade

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen rief die Jahre 2005 - 2014 zur Weltdekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung aus. Bedeutung haben hier die in Rio formulierten Ziele und die Millennium Entwicklungsziele aus dem Jahr 2000. Hier geht es um acht Ziele, derer sich die Staaten der vereinten Nationen zur Erfüllung verpflichtet haben:

1. Verringerung der unter Hunger leidenden Weltbevölkerung,
2. für alle Kinder soll eine Grundschulausbildung ermöglicht werden,
3. die Rechte der Frauen, wie Gleichstellung und Einfluss, fördern,
4. Kindersterben verringern,
5. Müttersterblichkeit senken,
6. Lebensbedrohliche Krankheiten wie AIDS oder Malaria zu verringern,
7. eine durch umweltbewusste Nachhaltigkeit fördern,
8. eine globale Partnerschaft für Entwicklungshilfe ermöglichen.28

Die UN-Dekade stützte damit den pädagogischen Rahmen der UN. Bildungschancen, wie das Aneignen von Wissen und Werten, sowie das Erlernen von Benehmen und Lebensweisen, kann als Vision der UN-Dekade gesehen werden. Eine positive lebenswerte Zukunft steht hier im Vordergrund, die eine nachhaltige Entwicklung voraussetzt. Die UN-Dekade scheint hier eine Erziehungs- sowie Bildungsbotschaft zu haben. Die Herausforderung liegt nicht nur bei der Vermittlung des nachhaltigen Handlungsbedarfs, sondern auch bei dem Entstehungsprozess in den jeweiligen Köpfen. Schule soll stärker durch Bildung für nachhaltige Entwicklung geprägt werden, dies sieht auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung so, sowie die Kultusministerkonferenz, welche die Ziele der UN-Dekade unterstützen.29 Die UN-Dekade ist eine Orientierung, die den gesellschaftlichen Auftrag der nachhaltigen Entwicklung in der Schule integrieren soll. Sie diente als Grundlage für die Entwicklung einiger Bildungspläne.30 Der in 2005 von der UNESCO entwickelte internationale Umsetzungsplan31 wurde der Rahmen für die Verwirklichung der UN-Dekade. Die Förderung der weltweiten Partnerschaft der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung wurde als Ziel des Umsetzungsplanes genutzt. Die UNESCO nahm die Umsetzung der Dekade in die Hand, mit der Forderung, dass alle Sektoren auf nationaler und internationaler Ebene eine Mitverantwortung bei der Umsetzung tragen. Die Herausforderungen von Bildung für nachhaltige Entwicklung und folgende konkrete Ziele sollten während der UN-Bildungsdekade verfolgt werden:

- Unterstützung der Länder bei der Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele mit Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Bildungsreform.
- Bildung für nachhaltige Entwicklung sollte die Qualität der Bildung und der Lernprozesse verbessern, in dem Bezug auf lebenslanges Lernen zur Verbesserung der eigenen sowie der allgemeinen Lebensqualität.
- Die Reformation von Lehrplänen ist hier ein zwingender Punkt, das Bildungssystem muss neu strukturiert und überdacht werden, um Bildung für nachhaltige Entwicklung zielgerecht integrieren zu können.
- Die Orientierung an die Öffentlichkeit ist für das Bewusstsein der Gesellschaft notwendig.
- Wirtschaftliche Nachhaltigkeit soll durch die Bildung für Beschäftigte gefördert werden.32

Der internationale Umsetzungsplan zielt darauf ab, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung die Millenniumsentwicklungsziele erreicht und die Qualität von Bildung verbessert.33

4. Nachhaltigkeitsmodelle

Menschen leben meist in einem unbewussten und stark gefilterten Alltag. Betrachtet wird meist nicht die alltägliche Umwelt, der Fokus liegt auf dem Individuum selbst, da der Menschen sich selbst als existentiell wichtigstes Gut ansieht. Doch was alles vom Menschen und seinem Handeln abhängig ist und wovon der Mensch selbst abhängig ist, wird meist unberücksichtigt gelassen. Um das menschliche Umfeld besser zu verstehen, benötigen wir mehrere Blickwinkel. Somit wird im Folgenden die Dreidimensionalität der Nachhaltigkeit erläutert. Daher steht im Punkt Nachhaltigkeit die Dreidimensionalität zwischen Ökonomie, Ökologie und Sozialem und deren Zusammenspiel an oberster Stelle.34

4.1 Ökologische Nachhaltigkeit

Die ökologische Nachhaltigkeit nimmt sich dem Zusammenspiel aller Nachhaltigkeitsmodelle an und versucht eine wechselseitige Beziehung und damit die Beständigkeit der Menschheit und ihrer Umwelt zu ermöglichen. Ohne einen ausgeglichenen Zustand der Ökosysteme ist die Welt nicht zum Überleben fähig. Ökonomische Nachhaltigkeit fokussiert sich auf die nachhaltige Nutzung von Ressourcen und der Umwelt und versucht Risiken zu minimieren. Für den Umweltschutz stellt sie daher eine der größten Anknüpfpunkte dar.35

4.2 Ökonomische Nachhaltigkeit

Die ökonomische Nachhaltigkeit beschreibt den Zustand des wirtschaftlichen Wachstums, der sich hauptsächlich auf technischen Fortschritt, Kapitalsteigerung und Produktivitätsanstieg bezieht. Dies lässt sich aber langfristig mit den natürlichen knappen Ressourcen nicht vereinbaren. Hier geht es um die Gesundheit, die Grundversorgung, die Existenzsicherung, die Umweltnutzungsmöglichkeiten. Eine effiziente und schonende Nutzung wäre hierbei die Lösung.36

4.3 Soziale Nachhaltigkeit

Die soziale Nachhaltigkeit fokussiert sich auf ein vom Menschen genutztes System. Das Anliegen ist es, dass dieses fortlaufend durch die Gesellschaft erhalten bleibt. Soziale Aspekte wie Toleranz, Integration oder die Gerechtigkeitssinne spielen eine große Rolle. Es gibt hier noch eine Vielzahl von Problemen, wie beispielsweise die große Spanne zwischen Arm und Reich, Geschlechterproblematik sowie die Ausbeutung in Entwicklungsländern. Soziale Nachhaltigkeit bezieht sich also auf Chancengleichheit, Teilhabe an Entscheidungsprozessen und kulturelle Erhaltung.37

5. Initialisierung der Bildung für nachhaltige Entwicklung an Schulen

Wie bereits erläutert, kann eine von der Politik gewünschte dauerhaft nachhaltige Entwicklung, ohne die Verknüpfung mit schulischer Bildung nicht stattfinden.

Schulen sind heute dazu aufgerufen den Bildungsauftrag in eigener Verantwortung umzusetzen. Das eigene Schulprofil und die Fokussierung der jeweiligen Einrichtung muss hier mit dem Bildungsauftrag in einem eigenen schulspezifischen Curriculum umgesetzt werden. Wegweisend ist hier die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. Seither tragen einige Schulen den Leitgedanken der Nachhaltigen Entwicklung in ihrem Schulprofil. Als Hilfestellung und Umsetzungsstütze dient hier der Lernbereich nachhaltige Entwicklung, um die didaktische und strukturelle Ausführung zu erleichtern.38

5.1 Ganztagsschulen

Die Umsetzung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung kann durch das wachsende Angebot von Ganztagsschulen gefördert werden. In voll gebundenen Ganztagsschulen müssen alle Schülerinnen und Schüler an den Angeboten der Schulen teilnehmen. Der Rahmen dieser Schulformen bietet einige Umsetzungsmöglichkeiten für Bildung für nachhaltige Entwicklung.39 Ganztagsschulen lassen laut Holtappels verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zu:

- Talent- und Stärkenförderung sowie die Förderung von Lernschwachen Schülerinnen und Schülern
- Lösen von festen unterrichtlichen Lernstrukturen und Umsetzung von flexiblen Lernprozessen
- Interessen- und talentfördernde Wahlangebote, die über den grundsätzlichen Unterricht hinausgehen, um die Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler zu erweitern
- Soziales und interkulturelles Lernen wird durch die Möglichkeit von Gemeinschaftserlebnissen gefördert
- Die Möglichkeit der Verantwortungsübernahme und Mitbestimmung fördert die Urteilsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und erweitert die Perspektiven, um somit Urteilsfähigkeit und Gestaltungskompetenz zu erlangen40

5.2 Fächerübergreifender Unterricht

Für den Lernbereich Globale Entwicklung ist die Integration in den Stundenplan und somit in ein einzelnes Fach sehr schwierig. Der allgemeine Fächerkanon der Schulen lässt das Konstruieren der gesellschaftlichen Wirklichkeit nur begrenzt zu. Wenn Fachgrenzen überwunden werden und somit inhaltliche und methodisch unterschiedliche Fachperspektiven aufgezeigt werden, kann dies den Schülerinnen und Schülern die Vernetzung von Problemen erkennbar machen.

Zeigt der Unterricht verschiedene Interessen und fachliche Sichtweisen für eine Problemstellung auf, können Alltagsprobleme aber auch globale Krisen kognitiv gelöst werden. Fächerübergreifendes Lernen kann also die erweiterte Wahrnehmung und den Perspektivenwechsel fördern, ohne den Fächerkanon grundlegend zu verändern. Nachhaltigkeit sollte mental in jedem Menschen als Grundhaltung verankert sein. Berührungspunkte gibt es fast in jedem schulischen Fachgebiet und genau da sollten die Schüler sensibilisiert werden.41

[...]


1 vgl. Kehren, 2015, S. 48

2 vgl. Weckernagel & Rees, 1997, S. 16

3 vgl. Deutsche UNESCO-Kommission, 2011

4 vgl. Pufé, 2014, S. 76

5 vgl. Bode, Stiller, Wedemeier, Koller, Pflüger & Blohmke, 2007, S. 10

6 vgl. Pufé, 2014, S. 79-81

7 vgl. Holfelder, 2018, S. 29-30; Michelsen, Rode, Wendler & Bittner, 2013, S. 15

8 vgl. Kater-Wettstädt, 2015, S. 24

9 vgl. Holfelder, 2018, S. 20

10 vgl. Kehren, 2015, S. 48

11 vgl. Grundmann, 2016, S. 1

12 vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2017, S. 35

13 vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2017 S. 31

14 Behörde für Schule und Berufsbildung, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg, 2014, S. 2

15 Behörde für Schule und Berufsbildung, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg 2014, S. 2

16 vgl. Lindau, Hottenroth & Linder, 2016, S. 140

17 vgl. Stoltenberg & Holz, 2017, S. 7

18 Generalversammlung der Vereinten Nationen, 2015, S. 18

19 vgl. Stoltenberg & Holz, 2017, S. 8-9

20 vgl. Stiftung Umweltbildung Schweiz, 2012, S. 13; Stiftung Umweltbildung und Entwicklung, 2010, S. 3

21 vgl. Carlowitz, 1732/2009; Pufé, 2014, S. 34-35

22 Meadows, 1972, S. 17

23 vgl. Pufé, 2014, S.37-39”

24 Pufé, 2014, S.42

25 vgl. Pufé, 2014, S.42

26 vgl. Pufé, 2014, S. 48-52

27 vgl. Pufé, 2014, S. 53-55; Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung, 1992, S. 1

28 vgl. Kehren, 2015, S. 105; Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung, 1992

29 vgl. Kehren, 2015, S. 105 - 106

30 vgl. KMK /DUK, 2007, S.2

31 vgl. Deutsche UNESCO-Kommission, 2005

32 vgl. Deutsche UNESCO-Kommission, 2005

33 vgl. Kehren, 2015, S.106 -108

34 vgl. Pufé, 2014, S. 104-110

35 vgl. Pufé, 2014, S. 104-110

36 vgl. Pufé, 2014, S. 104-110

37 vgl. Pufé, 2014, S. 104-110

38 vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2017, S. 72; Deutsche UNESCO-Kommission, 2011

39 vgl. Michelsen, et.al., 2013, S. 29

40 vgl. Holtappels, 2006, S. 5-29

41 vgl. Schnack, 2011, S. 6-9; Moegling, 2015, S. 1-2

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Nachhaltiges Wirtschaften. Fördert das duale Bildungssystem die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen?
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
59
Katalognummer
V900507
ISBN (eBook)
9783346204387
ISBN (Buch)
9783346204394
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungssystem, fördert, kompetenzen, nachhaltiges, schüler, schülerinnen, schulen, wirtschaften
Arbeit zitieren
Lucie Dahmer (Autor), 2018, Nachhaltiges Wirtschaften. Fördert das duale Bildungssystem die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/900507

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