Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Aussage des damaligen Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung Dr. Norbert Blüm "Die Rente ist sicher" vom 10. Oktober 1997 im Bundestag noch mit der Realität im Jahr 2017 übereinstimmt. Herr Blüm versprach, dass jeder Arbeitgeber durch die gesetzliche Rente im Alter abgesichert ist und aus den Erträgen gut leben kann. Doch laut einer Studie der Politikforschung von TNS Infratest im Frühjahr 2016 glauben 73 % der unter 18- bis 34-Jährigen nicht daran, dass ihre gesetzliche Rente einmal zum Leben reichen wird. Da ist es nicht verwunderlich weshalb der deutsche Staat die private Altersvorsorge mit steuerlichen Vorteilen und Prämien für seine Bevölkerung fördert. Jedoch was bedeutet dies alles für die zukünftige, am Start des Arbeitslebens stehende, Generation?
In den Medien ist die private Altersvorsorge stets präsent. Es wird uns vermittelt, dass die gesetzliche Rente alleine nicht mehr zum Erhalt des Lebensniveaus ausreicht. Die Banken-, Finanz- und Versicherungsindustrie überhäufen die Arbeitnehmer mit Werbung für die verschiedensten Produkte rund um die Altersvorsorge. Die schirre Produktvielfalt und Regelungen können schnell überfordernd wirken. Hinzu kommt nach einer repräsentativen Umfrage der ING-DiBa unter 1010 Befragten, dass sich jeder 2. Deutsche eingesteht nichts von Finanzen zu verstehen. Deshalb kommt die Frage auf wie können gerade junge Leute Geld zur Seite legen und auf welcher Weise ist es, als Berufseinsteiger, am sinnvollsten Geld für ein später erträgliches Leben zurückzulegen?
Die Arbeit soll das Ziel haben junge Menschen bei dem Weg zum Sparen fürs Alter zu unterstützen. Es wird ein Bestandsbericht erstellt über das gesetzliche Rentensystem in Deutschland. Nicht nur der gesellschaftliche Wandel der deutschen Bevölkerung, sondern auch das Finanzpolitische Umfeld üben Druck auf das derzeitige Rentenmodell aus. Der Staat reagierte auf die gesellschaftlichen Veränderungen indem die betriebliche und private Vorsorge gefördert wird. Folgend wird auf die Produkte eingegangen, was muss beachtet werden, welche Chancen aber auch Fallstricke sind mit den Altersvorsorgepolicen verbunden. Dabei die Frage beantwortet, welche Klasse sich am besten zur Altersvorsorge oder zum langfristigen Sparen anbietet. Letztendlich wird eine Möglichkeit konstruiert wie neben der gesetzlichen Rente ein Vermögen aufgebaut wird um im Alter einen angemessenen Lebensstandard beizubehalten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Gesellschaftlicher Druck auf das Rentensystem
2.1 Demografischer Wandel
2.2 Verhältnis Erwerbstätige zu Rentenempfänger
2.3 Sinkende Beschäftigungsjahre
2.4 Wandel am Arbeitsmarkt
2.5 Sinkendes Leistungsniveau der gesetzlichen Rente
3 Finanzpolitisches Umfeld
3.1 Entwicklung der Leitzinsen
3.2 Ankaufprogramm der EZB
3.3 Wachsende Inflation
4 Auswirkungen auf den Sparer
4.1 Kaufkraftverlust der Bevölkerung
4.2 Struktur des Geldvermögens der Privathaushalte
4.3 Geringe Zinsen auf Spareinlagen
4.4 Rentenlücke im Alter
5 Zusätzliche Altersvorsorge
5.1 Versicherungen
5.2 Riester Rente
5.3 Rürup Rente
5.4 Die betriebliche Altersversorgung
6 Ausgewählte Anlageklassen zur Altersvorsorge
6.1 Anleihen
6.2 Aktien
6.3 Aktienfonds
6.4 Indexfonds
6.5 Steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen
7 Wege aus dem Niedrigzinsumfeld
7.1 Kein alleiniger Verlass auf die gesetzliche Rente
7.2 Frühzeitiges Ansparen zur Nutzung des Zinseszinseffektes
7.3 Wandlung zum risikofreudigeren Anleger
7.4 Kombination zum langfristigen Vermögensaufbau
7.4.1 Nutzung starrer staatlicher Altersvorsorgeprodukte
7.4.2 Nutzung flexibler Sparpläne
8 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit befasst sich mit der Herausforderung der privaten Altersvorsorge in Deutschland unter den Bedingungen eines anhaltenden Niedrigzinsumfelds. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie junge Berufseinsteiger trotz sinkender Leistungen der gesetzlichen Rente und inflationsbedingter Kaufkraftverluste durch eine gezielte Anlagestrategie einen angemessenen Lebensstandard im Alter sichern können.
- Analyse der demografischen Herausforderungen und des Drucks auf das gesetzliche Rentensystem.
- Untersuchung der Auswirkungen des finanzpolitischen Umfelds und der EZB-Geldpolitik auf private Sparer.
- Bewertung staatlich geförderter Vorsorgemodelle wie Riester-Rente, Rürup-Rente und betrieblicher Altersvorsorge.
- Vergleich verschiedener Anlageklassen unter Berücksichtigung von Risiko und Rendite.
- Entwicklung einer Handlungsempfehlung für langfristigen Vermögensaufbau mittels ETF-Sparplänen.
Auszug aus dem Buch
6.1 Anleihen
Festverzinsliche Wertpapiere wie Staats- und Unternehmensanleihen sind bei den deutschen Sparern sehr beliebt. Dem Anleger bieten diese Papiere klare Rendite- und Rückzahlungsmodalitäten. Anleihen besitzen eine hohe Liquidität, da diese Produkte börsentäglich gehandelt und somit jederzeit veräußert werden können. Aber auch bei diesen Produkten ist die Anlage nicht zu 100 Prozent sicher. Die Funktionsweise von Anleihen, auch Bonds oder Rentenpapiere genannt, wird folgend untersucht. Ein Staat oder Unternehmen leiht sich auf eine bestimmte Zeit Geld über den Kapitalmarkt bei einem Anleger oder Gläubiger. Diese so genannten Schuldverschreibungen besitzen einen festen Nominalzins, der jährlich als Zinszahlung bezahlt wird. Dabei ist der Ausgabepreise festgelegt und die Rückzahlung entspricht dem Nennwert der Papiere. Während der Laufzeit an der Börse kann der Gläubiger die Anleihe handeln. Anleihen sind ein klassisches Instrument, um Fremdkapital ohne Bereitstellung zusätzlicher Sicherheiten zu beschaffen. Somit entstand in der Vergangenheit ein riesiger weltweiter Bondmarkt.
Alleine bei deutschen Bundeswertpapieren wechseln an einem durchschnittlichen Handelstag 20 Milliarden Euro den Besitzer. Derzeit befinden sich zehnjährige Bundesanleihen im Wert von fast 500 Milliarden Euro im Umlauf. Pro Jahr wird ein Volumen von etwa 2,6 Billionen Euro gehandelt. Hauptabnehmer von deutschen Staatsanleihen sind Versicherer und Pensionsfonds. Diese sind gesetzlich verpflichtet, einen Teil ihrer Gelder in Staatsanleihen anzulegen. Bundesanleihen gelten weltweit als sicheres Anlageinstrument und werden in Krisenzeiten zum Kapitalerhalt stark nachgefragt. Jedoch sinkt mit der weltweiten Nachfrage die Rendite kontinuierlich. Geschuldet dem niedrigen Zinsniveau in der EU notierte die 10-jährige Bundesanleihe am 14.06.2016 zum ersten Mal in ihrer Geschichte mit 0,003 Prozent im Minus. Somit zahlt der Anleger für die Sicherheit, Geld an den deutschen Staat zu leihen, drauf. Durch diese Situation verliert nicht nur der Anleger Geld, auch Versicherungspolicen werden durch eine Rendite im Minusbereich uninteressant.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Altersvorsorge ein und hinterfragt das Versprechen der Sicherheit der gesetzlichen Rente unter Berücksichtigung demografischer und wirtschaftlicher Herausforderungen.
2 Gesellschaftlicher Druck auf das Rentensystem: Dieses Kapitel thematisiert den demografischen Wandel sowie die veränderten Arbeitsmarktbedingungen, die das Umlageverfahren der Rentenversicherung zunehmend destabilisieren.
3 Finanzpolitisches Umfeld: Hier werden die Auswirkungen der EZB-Nullzinspolitik und des Wertpapierankaufprogramms auf die Zinslandschaft und die Inflation erläutert.
4 Auswirkungen auf den Sparer: Das Kapitel analysiert den schleichenden Kaufkraftverlust des Geldvermögens und definiert die Rentenlücke als zentrales Versorgungsproblem der jüngeren Generation.
5 Zusätzliche Altersvorsorge: Es erfolgt eine detaillierte Bewertung verschiedener Vorsorgeoptionen wie Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Rente sowie der betrieblichen Altersversorgung.
6 Ausgewählte Anlageklassen zur Altersvorsorge: Dieses Kapitel analysiert theoretische Grundlagen und Funktionsweisen von Anleihen, Aktien, Aktienfonds und Indexfonds als Instrumente zur langfristigen Renditeerzielung.
7 Wege aus dem Niedrigzinsumfeld: Es werden Handlungsempfehlungen für junge Anleger gegeben, die den Fokus auf den Zinseszinseffekt, Diversifikation und den Aufbau flexibler Sparpläne legen.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit für junge Generationen zusammen, eigenverantwortlich mittels Aktien und Indexfonds für das Alter vorzusorgen, da die gesetzliche Rente allein nicht ausreicht.
Schlüsselwörter
Altersvorsorge, gesetzliche Rente, Rentenlücke, Niedrigzinsumfeld, EZB, Inflation, Aktienanlage, Indexfonds, ETFs, Rendite, Zinseszinseffekt, Riester-Rente, Rürup-Rente, betriebliche Altersversorgung, Diversifikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie junge Berufseinsteiger in Deutschland angesichts eines schwierigen Rentensystems und des Niedrigzinsumfelds eigenverantwortlich für das Alter vorsorgen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse des demografischen Wandels, der Auswirkungen der EZB-Geldpolitik auf Sparer, der staatlich geförderten Altersvorsorge und der Bedeutung von Aktien und Indexfonds für den langfristigen Vermögensaufbau.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines sinnvollen Weges für junge Menschen, um neben der gesetzlichen Rente ein Vermögen aufzubauen, das den Lebensstandard im Alter absichert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Untersuchung statistischer Daten, Renditeberechnungen und Prognosen staatlicher und finanzwirtschaftlicher Institutionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rentenproblematik, die Untersuchung des Zinsumfelds, die kritische Bewertung gängiger Vorsorgeprodukte und die theoretische Fundierung verschiedener Anlageklassen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Altersvorsorge, gesetzliche Rente, Rentenlücke, Niedrigzinsumfeld, Aktienanlage und Indexfonds.
Warum ist laut Autor die gesetzliche Rente allein nicht ausreichend?
Der Autor argumentiert, dass das Umlageverfahren aufgrund des demografischen Wandels und sinkender Beitragszahlerzahlen unter Druck steht, was zu einem stetig sinkenden Rentenniveau führt.
Warum werden ETF-Sparpläne als besonders empfehlenswert hervorgehoben?
ETF-Sparpläne bieten Kostenvorteile, Transparenz, Flexibilität und eine breite Diversifikation, was sie besonders für langfristiges, eigenverantwortliches Sparen attraktiv macht.
Wie bewertet die Arbeit die klassische Lebensversicherung?
Lebensversicherungen werden kritisch gesehen, da sie in Zeiten niedriger Zinsen kaum attraktive Renditen erwirtschaften und oft mit hohen Abschluss- und Verwaltungskosten belastet sind.
- Arbeit zitieren
- Markus Schmid (Autor:in), 2018, Altersvorsorge in Deutschland. Wege aus dem Niedrigzinsumfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/900868