Diese Arbeit analysiert den deutschen Aktienmarkt hinsichtlich einer IPO-Underperformance in der jüngeren Vergangenheit. Zentrale Fragestellung ist, inwiefern dort eine empirische Underperformance zu beobachten war. Darauf aufbauend stellt sich die Arbeit auch der Frage, ob es Determinanten gibt, die am deutschen Aktienmarkt einen signifikanten Einfluss auf das Vorliegen sowie die Höhe der Underperformance haben und um welche Faktoren es sich handelt.
Das Initial Public Offering (IPO) beschreibt die Erstemission von Aktien eines bis dahin nicht börsennotierten Unternehmens am Primärmarkt. Gesellschaftliche Be-kanntheit erlangte der Begriff in Deutschland erstmals während der Entwicklung des Neuen Marktes rund um die Jahrtausendwende, als es weltweit zu einer regelrechten Börseneuphorie kam, die insbesondere junge Unternehmen vielfach zum Gang an die Börse verleitete. Während dieser Phase verzwölffachte sich bspw. die Anzahl der jährlichen IPOs auf dem deutschen Markt.
Nachdem die oftmals jedoch mangelhafte Qualität der während dieser Zeit emittierenden Unternehmen bekannt wurde und es deshalb zu starken Kursverwerfungen an den internationalen Aktienmärkten kam, waren in der jüngeren Vergangenheit insbesondere deutsche Unternehmen beim Gang an die Börse vorsichtiger. Die Anzahl der deutschen IPOs hielt sich zuletzt auf einem konstant niedrigen Niveau von unter zehn Börsengängen im Jahr. Im Gegensatz dazu nutzen allerdings weiterhin viele ostasiatische und angloamerikanische Unternehmen regelmäßig die Möglichkeit zur Finanzierung über die Börse. Während 2017 in Deutschland ledig-lich acht Unternehmen ein IPO wagten, wurden 582 Unternehmen an die chinesischen bzw. 174 Unternehmen an die US-amerikanischen Börsen gebracht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 IPO – Initial Public Offering
2.1 Der Gang an die Börse
2.2 Motive eines Börsengangs
2.2.1 Kapitalbeschaffung
2.2.2 Spin-Off
2.2.3 Unternehmensnachfolge
2.2.4 Reputationsgewinn
2.3 Preisfindungsverfahren beim IPO
2.3.1 Bookbuilding-Verfahren
2.3.2 Festpreisverfahren
3 Underperformance von IPOs und Erklärungsansätze
3.1 Phänomen der IPO-Underperformance
3.2 Potenzielle Ursachen
3.2.1 Divergence of Opinion
3.2.2 Small-Firm-Effekt
3.2.3 Window Dressing
3.2.4 Windows of Opportunity
3.3 Hypothesenbildung
4 Datenbasis und Methodik der quantitativen Analyse
4.1 Datengrundlage
4.2 Definition der Variablen
4.2.1 Spezifikation der Zielvariable
4.2.2 Emissionsspezifische Werte
4.2.3 Leistungskennzahlen
4.2.4 Unternehmenstypologische Daten
4.3 Methodisches Vorgehen
4.4 Lineare Regressionsdiagnostik
4.4.1 Güte der Kleinste-Quadrate-Schätzung
4.4.2 Nichtlinearität
4.4.3 Erwartungswert der Residuen
4.4.4 Autokorrelation
4.4.5 Heteroskedastizität
4.4.6 Multikollinearität
4.4.7 Normalverteilung der Residuen
5 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
5.1 Analyse der empirischen Underperformance
5.2 Untersuchung möglicher Einflussfaktoren
5.3 Ableitung eines Prognosemodells zur IPO-Performance
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Master-Thesis analysiert das Phänomen der „Long-run Underperformance“ bei Börsengängen (IPOs) an der Frankfurter Börse im Zeitraum von 2005 bis 2014, um empirisch zu prüfen, ob IPO-Unternehmen gegenüber einer Benchmark schlechter performen und welche Einflussfaktoren (Determinanten) für diese Underperformance verantwortlich sind.
- Empirische Validierung der IPO-Underperformance am deutschen Aktienmarkt
- Analyse theoretischer Erklärungsansätze wie Divergence of Opinion und Small-Firm-Effekt
- Einsatz quantitativer Methoden (multiple lineare Regression) zur Identifikation signifikanter Determinanten
- Vergleich der Performance von IPOs mit dem DAX als Benchmark
- Entwicklung eines Prognosemodells zur IPO-Performance basierend auf den identifizierten Faktoren
Auszug aus dem Buch
3.1 Phänomen der IPO-Underperformance
Neben dem Phänomen des IPO-Underpricings, bei dem der erste Kurs einer Aktie am Sekundärmarkt signifikant über ihrem Emissionspreis liegt, existiert in der empirischen Praxis ein weiterer regelmäßiger Effekt hinsichtlich der IPO-Performance. Während das Underpricing die kurzfristige Performance einer Aktienemission betrachtet, widmet sich der als IPO-Underperformance bezeichnete Effekt der mittelfristigen Performance im Zeitraum von ein bis fünf Jahren nach dem Emissionsstichtag.
In verschiedenen empirischen Untersuchungen wurde hinsichtlich der mittelfristigen Rendite von IPOs festgestellt, dass diese unabhängig vom Betrachtungszeitraum und dem gewählten Kapitalmarkt regelmäßig signifikant schlechter ausfällt als die Rendite vergleichbarer Benchmarks oder Peer-Group-Unternehmen, die bereits längere Zeit an der Börse gelistet sind.
Gemäß dem Capital-Asset-Pricing-Modell (CAPM) wäre hingegen anzunehmen, dass die in der Regel risikoreicheren IPOs ihrem Investor eine Risikoprämie vergüten, die über derer etablierter Aktiengesellschaften liegt. Nach dem CAPM richtet sich die Gesamtrendite einer Anlage nach dem der Anlage innewohnenden Risiko.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema IPOs ein, beschreibt das Phänomen des Underpricings sowie die Long-run Underperformance und definiert die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit.
2 IPO – Initial Public Offering: Das Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund von Börsengängen, die zentralen Motive für Unternehmen sowie die in Deutschland gängigen Preisfindungsverfahren.
3 Underperformance von IPOs und Erklärungsansätze: Hier wird das Phänomen der IPO-Underperformance wissenschaftlich hergeleitet und relevante theoretische Erklärungsansätze werden zur Ableitung der Hypothesen diskutiert.
4 Datenbasis und Methodik der quantitativen Analyse: Dieses Kapitel stellt die Datengrundlage der 151 untersuchten IPOs dar, definiert die Variablen und begründet die methodische Vorgehensweise mittels linearer Regression.
5 Darstellung der Untersuchungsergebnisse: Hier werden die empirischen Analysen ausgewertet, die Ergebnisse mit den Hypothesen abgeglichen und ein Prognosemodell für die IPO-Performance abgeleitet.
6 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit sowie die Beantwortung der zentralen Forschungsfrage zusammen.
Schlüsselwörter
IPO, Initial Public Offering, Underperformance, Frankfurter Börse, Aktienmarkt, Regressionsanalyse, Bookbuilding, Underpricing, Small-Firm-Effekt, Divergence of Opinion, Performance, Finanzierung, DAX, Determinanten, Börsengang
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der mittelfristigen Underperformance von Unternehmen nach einem Börsengang (IPO) an der Frankfurter Börse im Vergleich zu einer Markt-Benchmark.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Motive von IPOs, die Analyse theoretischer Erklärungsmodelle für Underperformance (wie Small-Firm-Effekt oder Window Dressing) sowie die quantitative Überprüfung dieser Theorien am deutschen Markt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob und durch welche spezifischen Faktoren (Determinanten) die Höhe der Underperformance deutscher IPOs beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quantitative Datenanalyse durchgeführt, wobei eine multiple lineare Regression zur Identifikation und Gewichtung signifikanter Einflussfaktoren verwendet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die detaillierte Vorstellung der Datenbasis und Methodik sowie die empirische Darstellung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie IPO, Underperformance, Frankfurter Börse, Regressionsanalyse und Small-Firm-Effekt charakterisieren.
Was ist das „Book-to-Market-Verhältnis“ im Kontext dieser Arbeit?
In dieser Arbeit wird das Book-to-Market-Verhältnis als Proxy für die Nachfrage der Investoren verwendet, um zu analysieren, wie sich eine hohe Nachfrage bei Emission auf die spätere Performance auswirkt.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich des Prognosemodells?
Der Autor stellt fest, dass das entwickelte Modell zwar statistisch signifikant ist und vergangenheitsorientierte Determinanten wie das Unternehmensalter oder das Book-to-Market-Verhältnis gut einbezieht, die Erklärungskraft jedoch nicht für präzise Zukunftsprognosen ausreicht.
- Citar trabajo
- Tim Jakobeit (Autor), 2018, Empirische Analyse der Determinanten der Underperformance bei IPOs an der Frankfurter Börse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/900907