Die kommenden Ausführungen dieser Hausarbeit verfolgen ein konkretes Ziel. Es soll aufgezeigt werden, wie eine ideale Passung der individuellen Persönlichkeit eines Menschen mit einem objektiv beschriebenen Anforderungsprofil ermittelt werden kann. Daraus leiten sich folgende Fragen ab: Was bedeutet Persönlichkeit und wie wird diese definiert? Welche grundlegenden Theorien gibt es hierzu? Welche Persönlichkeitsmerkmale sind für die Arbeitswelt relevant und wie können die individuell vorhandenen Merkmale der Bewerber objektiv ausgewertet und beschrieben werden, um einen Abgleich mit formulierten Stellenbeschreibungen vornehmen zu können?
Personalauswahl ist ein erfolgskritisches Thema für Arbeitgeber, da die Investition in Humankapital einen entscheidenden Wettbewerbsfaktor darstellt. Hinzu kommt, dass Organisationen mit immer weniger Personal deutlich mehr leisten müssen, Aufgaben immer komplexer werden und es bereits heute einen Fach- und Führungskräftemangel gibt. Mitarbeiter, die mit ihren Persönlichkeitsmerkmalen nicht zum beschriebenen Anforderungsprofil passen, können einen großen Schaden verursachen, entweder durch Minderleistung oder spätestens im Rahmen einer notwendigen Trennung. Eine sach- und fachgerechte Personalauswahl ist wichtig, da davon auszugehen ist, dass alleine in der Bundesrepublik Deutschland jährlich ein zweistelliger Milliardenbetrag als volkswirtschaftlicher Schaden durch gescheiterte Beschäftigungsverhältnisse entsteht. Personalauswahl erfolgt nicht intuitiv, sondern kann als Handwerk bezeichnet werden. Ein effektiver Auswahlprozess der Bewerber/Interessenten beginnt bereits mit einem aussagekräftigen Anforderungsprofil die zu besetzende Stelle betreffend und damit einhergehender interner/externer Stellenausschreibung. Dies lässt erahnen, dass Persönlichkeitsmerkmale der (künftigen) Mitarbeiter eine entsprechende Relevanz für die Besetzung von Stellen in Bezug auf die durch den Suchenden formulierten Anforderungen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Persönlichkeit?
3. Theoretische Grundlagen
3.1. Humanistischer Ansatz der Persönlichkeit
3.2 Konzept der Selbstverwirklichung von A.Maslow
3.3 Personenzentrierter Ansatz von Carl F. Rogers
4. Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen in der Arbeitswelt
4.1 Persönlichkeitstest Big Five
5. Diskussion
5.1 Chancen und Vorteile von Persönlichkeitsmodellen/-tests
5.2 Risiken und Nachteile von Persönlichkeitsmodellen/-tests
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin aufzuzeigen, wie die ideale Passung zwischen der individuellen Persönlichkeit eines Menschen und einem objektiv beschriebenen Anforderungsprofil im Rahmen der Personalauswahl ermittelt werden kann. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche theoretischen Grundlagen der Persönlichkeitsdefinition existieren, welche Persönlichkeitsmerkmale für die heutige Arbeitswelt relevant sind und wie diese objektiv ausgewertet werden können.
- Definition und wissenschaftliche Einordnung des Begriffs Persönlichkeit
- Analyse des humanistischen Ansatzes nach Maslow und Rogers
- Bedeutung von Persönlichkeitsmerkmalen in der modernen, agilen Arbeitswelt
- Einsatzmöglichkeiten und Wirkungsweise des Big-Five-Modells
- Kritische Diskussion der Chancen und Risiken von Persönlichkeitstests
Auszug aus dem Buch
4.1 Persönlichkeitstest Big Five
Die amerikanischen Forscher Paul Costa und Robert McCrae konnten Mitte der 1980-er Jahre nachweisen, dass es fünf stabile Dimensionen der Persönlichkeit gibt und entwickelten hieraus das Fünf-Faktoren-Inventar zur Messung dergleichen. (vgl. Fehr 2006, S.114) Durch weitreichende Forschungstätigkeit in den letzten zwei Jahrzehnten existieren mittlerweile viele Persönlichkeitsinventare, die auf diesem Modell basieren.
Das Modell Big Five gilt mittlerweile als State oft the Art, insbesondere die Qualität des diagnostischen Verfahrens betreffend, und wird als kulturübergreifendes Referenzsystem dargestellt. (vgl. Fehr 2006, S.114) Die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit lauten wie folgt:
Negative Emotionalität versus Belastbarkeit
Extraversion versus Introversion
Verträglichkeit versus Konkurrenz
Gewissenhaftigkeit versus Nachlässigkeit
Offenheit versus Konservatismus
Bei den angegebenen Polen handelt es sich um die Ausprägungsextreme einer Skalierung i.S. eines Kontinuums. Für jede Hauptdimension der Persönlichkeit werden sechs verschiedene Facetten beschrieben, die die Möglichkeit bieten, das Individuum skalierend zwischen den Ausprägungsextremen zu beschreiben. (vgl. Fehr 2006, S. 116) Die in Kapitel 4 beispielhaft für zukünftige agile Arbeitswelten aufgeführten Persönlichkeitsmerkmale lassen sich den fünf Hauptdimensionen der Big Five ebenso zuordnen. Beispielhaft seien hier die Hauptdimensionen Verträglichkeit sowie Offenheit aufgeführt. Verträglichkeit bezieht sich auf die Eigenschaft, anderen entgegenzukommen, sich verständnisvoll und mitfühlend zu verhalten. Der extrem nachgiebig angepasste Mensch neigt dazu, seine persönlichen Bedürfnisse den anderen unterzuordnen und Normen derer zu übernehmen. Hingegen fokussiert sich der Antagonist deutlich stärker auf seine persönlichen Normen, konkurriert gerne und verschafft seinem Anliegen Geltung. Im mittleren Bereich der Ausprägung pendelt das Individuum entsprechend der Situation flexibel zwischen Nachgeben und Verfolgung seiner eigenen Anliegen. (vgl. Fehr 2006, S. 120) Die Ausprägung der Dimension Verträglichkeit wird auch in der zukünftigen Arbeitswelt eine wichtige Stellung einnehmen, da u.a. in der Zukunft Empathie i.S. Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, gefordert wird. (vgl. Hofert 2019, S. 14)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Relevanz der professionellen Personalauswahl zur Vermeidung volkswirtschaftlicher Schäden und definiert das Ziel der Arbeit, eine ideale Passung zwischen Bewerbern und Anforderungsprofilen methodisch aufzuzeigen.
2. Was ist Persönlichkeit?: Das Kapitel erläutert den etymologischen Ursprung des Begriffs, grenzt die Alltagspsychologie von der wissenschaftlichen Persönlichkeitspsychologie ab und definiert den Menschen durch seine zeitstabilen Besonderheiten des Erlebens und Verhaltens.
3. Theoretische Grundlagen: Hier werden die wichtigsten Paradigmen der Psychologie vorgestellt, wobei der Fokus vertiefend auf dem humanistischen Ansatz liegt, insbesondere durch das Konzept der Selbstverwirklichung von Maslow und den personenzentrierten Ansatz von Rogers.
4. Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen in der Arbeitswelt: Dieses Kapitel verknüpft Persönlichkeitsprofile mit Anforderungen im modernen Arbeitskontext und stellt das Big-Five-Modell als zentrales diagnostisches Instrument vor.
5. Diskussion: Es findet eine kritische Auseinandersetzung mit Persönlichkeitstests statt, bei der sowohl die Objektivierung subjektiver Eindrücke als auch die Risiken wie mangelnde Ganzheitlichkeit und Manipulierbarkeit gegenübergestellt werden.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird betont, dass Persönlichkeitstests einen wertvollen Beitrag zur Eignungsdiagnostik leisten, jedoch stets in einen breiteren Auswahlprozess integriert werden müssen, um die Komplexität menschlicher Potenziale angemessen zu erfassen.
Schlüsselwörter
Persönlichkeit, Personalauswahl, Humanistische Psychologie, Big Five, Selbstverwirklichung, Anforderungsprofil, Eignungsdiagnostik, Selbstkonzept, Arbeitswelt, Persönlichkeitstest, Personalentwicklung, Humankapital, Empathie, Kompetenzentwicklung, Personenzentrierter Ansatz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung der Persönlichkeit im Kontext der Personalauswahl und untersucht, wie Arbeitgeber durch strukturierte Methoden die Eignung von Bewerbern objektiv beurteilen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie, insbesondere der humanistische Ansatz, sowie die Anwendung von Persönlichkeitsmodellen wie den Big Five in der Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie eine ideale Passung zwischen der individuellen Persönlichkeit eines Menschen und einem spezifischen Anforderungsprofil der Stelle ermittelt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender psychologischer Ansätze sowie eine methodische Analyse von Eignungstests und deren Einbettung in den Personalauswahlprozess.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und wissenschaftliche Herleitung der Persönlichkeitstheorien, die praktische Relevanz von Persönlichkeitsmerkmalen in der Arbeitswelt sowie eine diskursive Betrachtung der Chancen und Risiken von Testverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Personalauswahl, Big Five, Persönlichkeit, humanistische Psychologie und Eignungsdiagnostik charakterisieren.
Warum ist das Big-Five-Modell in der Arbeit so präsent?
Das Modell dient als Referenzsystem der Persönlichkeitsanalyse, da es aufgrund seiner fünf stabilen Dimensionen ein hohes Maß an Vergleichbarkeit bietet und in der modernen Personalauswahl einen hohen Standard darstellt.
Wie bewertet die Arbeit den Einsatz von Persönlichkeitstests?
Die Arbeit sieht in Tests eine nützliche Unterstützung zur Objektivierung von Auswahlentscheidungen, warnt jedoch davor, diese als alleiniges Kriterium zu betrachten, da sie keine ganzheitliche Erfassung des Menschen erlauben.
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- Marcel Kollmann (Author), 2020, Welche Persönlichkeitsmerkmale sind für die Arbeitswelt relevant und können sie objektiv ausgewertet werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901014