Diese Arbeit widmet sich der Frage: Inwiefern ist das xenophobische Verhalten gegenüber afrikanischen Migranten aus dem Apartheidsystem gewachsen? Einige Sozialwissenschaftler wie Jonathan Crush und Vincent Williams haben sich bereits der Frage des Systemwechsels nach der Apartheid in Bezug auf das Migrationssystem in Südafrika gewidmet. Darüber hinaus sollen südafrikanische Online-Artikel, die sich ausgiebig mit den xenophobischen Ausbrüchen befasst haben, als mögliches Analysenmaterial verwendet werden. Zwei Interviews wurden mit einem Migranten äthiopischen Ursprungs und mit einem südafrikanischen Einheimischen geführt. Durch die Analyse beider Interviews sollen einige Annahmen untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Historischer Kontext
II.1 Das Apartheidsystem: soziale, politische und wirtschaftliche Auswirkungen
II.2 Das Migrationssystem vor 1994
III. Südafrika nach 1994
III.1 Auswirkung der Apartheid auf das neue Südafrika
III.2 Auswirkung der Apartheid auf das Migrationssystem in post-Apartheid Südafrika
III.3 Ursache der Xenophobie in post-Apartheid Südafrika?
III.3.1 Theorien der Fremdenfeindlichkeit
III.3.2 Xenophobie, ein Resultat der Apartheid?
IV. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem historischen Apartheidsystem in Südafrika und der heute bestehenden xenophobischen Gewalt gegenüber afrikanischen Migranten. Das primäre Ziel der Forschungsarbeit ist die Beantwortung der Frage, inwiefern das gegenwärtige fremdenfeindliche Verhalten als direktes Erbe oder Folge der strukturellen Gewalt des ehemaligen Apartheidregimes betrachtet werden kann.
- Historische Analyse des Apartheidsystems und seiner sozialen sowie wirtschaftlichen Auswirkungen.
- Untersuchung des Migrationssystems in Südafrika während und nach der Apartheidära.
- Anwendung sozialwissenschaftlicher Konzepte wie der relativen Deprivation und der Theorie des realistischen Gruppenkonflikts.
- Qualitative Auswertung von Expertenmeinungen, Statistiken und persönlichen Interviews.
- Analyse der sozio-kulturellen Dekonstruktion und des Einflusses der "unfreien Unabhängigkeit".
Auszug aus dem Buch
III.3.1 Theorien der Fremdenfeindlichkeit
Mit zwei Konzepten, die sich in die Theorien der Fremdenfeindlichkeit einordnen lassen, soll die angeführten Erklärungen von William Gumede und Warner und Finshinlescu im südafrikanischen Kontext näher erläutert werden, um letztlich die Frage zu beantworten, wie die xenophobischen Ausbrüche mit der Apartheid korrelieren. Während es weitere Theorien gibt, die zur Fremdenfeindlichkeit führen, konzentrieren wir uns im groben Rahmen auf die folgenden zwei Konzepte: das Konzept der relativen Deprivation und die Theorie des realistischen Gruppenkonfliktes.
Das Konzept der relativen Deprivation (RD) versucht, nachzuweisen, dass fremdenfeindliche Einstellungen und Gefühle der Benachteiligung im Zusammenhang stehen und weshalb somit eine bestimmte Gruppe in einer Gesellschaft gegen eine andere Gruppe (meist Minderheiten) protestiert. Als Erklärung dieses Verhaltens steht bei der RD im Vordergrund, dass es sich hier um Menschen handelt, die sich in der Gesellschaft ohnehin schon benachteiligt fühlen. Sie fühlen sich beraubt oder entbehrt von bestimmten Sachen, die sie begehren oder sich wünschen. Außerdem führt die prekäre soziale Lage vieler Menschen zur Abwertung anderer Gruppen, weil eigene Benachteiligungsgefühle (relative Deprivation) dadurch kompensiert werden sollen. (Schlüter/Schmidt/ Winkelnkemper/Wolf 2006: 67-85)
Diesem Konzept folgend lässt dich gut das Verhalten der Schwarzen Südafrikaner gegenüber den anderen Afrikanern erklären. Als ehemals oder noch immer benachteiligte Gruppe der Gesellschaft, versuchen die Schwarzen Südafrikaner ihre miesere Lage vergebens zu begründen, indem sie sich einen Sündenbock aus der Gesellschaft suchen. Nach Zick (1997) dient die ethnische Minderheit meist als Sündenbock für die Frustration einer Person. Für die Südafrikaner sind es die Migranten, da die Minderheitsgruppe oder in diesem Fall die afrikanischen Migranten, sich in einer machtloseren Lage befinden und oftmals keinen rechtmäßigen Status haben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik xenophobischer Gewalt in Südafrika ein und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
II. Historischer Kontext: Hier werden die strukturellen Grundlagen der Apartheid und deren Auswirkungen auf das Migrationssystem vor 1994 historisch aufgearbeitet.
III. Südafrika nach 1994: Dieses Hauptkapitel analysiert das Fortbestehen sozialer und wirtschaftlicher Disparitäten nach dem Zusammenbruch des Apartheidsystems und beleuchtet die Ursachen der Xenophobie durch soziologische Theorien.
IV. Schluss: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die politische Transformation nicht zu einer wirtschaftlichen Gleichstellung führte, was den Nährboden für fremdenfeindliche Gewalt bildet.
Schlüsselwörter
Südafrika, Apartheid, Xenophobie, Migration, Kolonialismus, relative Deprivation, Gruppenkonflikt, Arbeitslosigkeit, soziale Diskriminierung, Ubuntu, wirtschaftliche Ungleichheit, Systemwandel, Gewaltkultur, Migrationssystem, sozio-kulturelle Dekonstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen von fremdenfeindlicher Gewalt gegenüber Migranten in Südafrika im Kontext der post-Apartheid-Ära.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Apartheid, die Entwicklung des Migrationssystems, soziologische Theorien zur Fremdenfeindlichkeit und die sozio-ökonomische Situation nach 1994.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, inwiefern das heutige xenophobische Verhalten ein direktes Erbe der unterdrückerischen Strukturen des Apartheidsystems darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse, der Anwendung soziologischer Konzepte (Habitus, relative Deprivation) sowie der qualitativen Auswertung von Interviews und Statistiken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Struktur der Apartheid, das Migrationssystem, die ökonomische Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung und erklärt mittels Theorien, warum Migranten heute als Sündenböcke dienen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Apartheid, Xenophobie, Migration, soziale Ungleichheit, relative Deprivation und den Systemwandel nach 1994.
Welche Rolle spielt das "Ubuntu"-Konzept in der Analyse?
Das Ubuntu-Konzept dient als Kontrastfolie, um aufzuzeigen, wie das heutige gewaltvolle Verhalten gegenüber Migranten den eigentlichen Werten einer harmonischen, gemeinschaftsorientierten südafrikanischen Gesellschaft widerspricht.
Was versteht die Autorin unter einer "unfreien Unabhängigkeit"?
Dieser Begriff beschreibt den Zustand Südafrikas nach 1994, in dem zwar eine politische Machtüberführung stattfand, die wirtschaftliche und sozio-kulturelle Struktur der Unterdrückung jedoch fortbesteht.
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- Anonym (Author), 2020, Xenophobie und Migration in Post-Apartheid-Südafrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901364