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Erlebnispädagogik als Methode der Sozialarbeit. Klettern - ein Weg, die Bulimie gehen zu lassen?

Titel: Erlebnispädagogik als Methode der Sozialarbeit. Klettern - ein Weg, die Bulimie gehen zu lassen?

Diplomarbeit , 1999 , 189 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Susanne Schoen (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im ersten Teil wird zunächst der historische Werdegang der Erlebnispädagogik bis in die Gegenwart geschildert. Anschließend steht der Begriff Erlebnispädagogik selbst im Fokus, um ihn zu beleuchten und einzugrenzen. Darauf folgen die Darstellung von erlebnispädagogischen Grundlagen und Kriterien sowie die Beschreibung der Lernchancen durch erlebnispädagogische Aktivitäten im Allgemeinen und schließlich eine Betrachtung erlebnispädagogischer Erklärungsansätze und Wirkungsmodelle. Abschließend soll die Rolle von Körper und Risiko im erlebnispädagogischen Setting herausgehoben werden.
Bulimie und Anorexie sind zwei völlig unterschiedliche Störungen, es kommt jedoch nicht selten vor, dass eine bulimische Frau zuvor anorektisch war. Daher werden im zweiten Teil die Krankheitsbilder Bulimie und Anorexie darsgetellt. Die Beschreibung der Psychodynamik und der Familiendynamik soll eine Vorstellung von markanten Merkmalen der Eßstörung aus analytischer und systemischer Sicht vermitteln. Um das Bild zu ergänzen, werden anschließend eine Auswahl der verschiedenen Forschungs- und Therapieansätze vorgestellt.

Da Essstörungen immer auch in einem kulturellen und gesellschaftlichen Kontext zu betrachten sind, werden im dritten Teil die Zusammenhänge zwischen Geschlechterrollenwandel, Gesellschaftsumbrüchen und der Entstehung des bulimischen Krankheitsbildes aufgezeigt. Darauf folgt die Beschreibung verschiedener Phasen und Bereiche weiblicher Sozialisation, die nach diversen Autor*innen einen wesentlichen Einfluss hinsichtlich der Genese von Essstörungen haben und die auch bei erlebnispädagogischem Vorgehen mit Mädchen und Frauen berücksichtigt werden müssen.

In einem anschließenden Resümee werden die komplexen Zusammenhänge zwischen Sozialisation und Essstörungen überschaubar dargestellt und mögliche Dimensionen der Erlebnispädagogik für Bulimikerinnen betrachtet. Zur Ergänzung der vorangegangenen Ausführungen wird nochmals der Aspekt „Bewegung“ aufgegriffen und beschrieben, der in dieser Themenstellung eine zentrale Rolle spielt.

Der abschließende Teil der Arbeit verbindet auf den Grundlagen der Kapitel 1-4 sowohl Erlebnispädagogik und Bulimie als auch Theorie und Praxis. Es sollen am Beispiel „Klettern“ die Punkte herausgearbeitet werden, an denen die Erlebnispädagogik bei bulimischen Mädchen und Frauen ansetzen kann. Dabei werden Erlebnispädagoginnen und bulimische Frauen mit Klettererfahrungen zu Wort kommen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Erlebnispädagogik

1.1 Die Wegbereiter in der Geschichte der Erlebnispädagogik

1.1.1 Jean-Jacques Rousseau

1.1.2 David Henry Thoreau

1.1.3 Kurt Hahn und die „Erlebnistherapie“

1.1.4 Weg der Erlebnispädagogik - von 1945 bis heute

1.2 Definitionen – Grundlagen - Lernchancen

1.2.1 Begriffsklärung

1.2.2 Grundlegende Kriterien der Erlebnispädagogik

1.2.3 Ziele und Chancen des Lernens in erlebnispädagogischen Angeboten

1.3 Erklärungsmodelle zur Wirkung erlebnispädagogischen Vorgehens

1.3.1 Die Theorie der Erlernten Hilflosigkeit

1.3.2 Das metaphorische Lernen nach Bacon

1.3.3 Erlebnispädagogik aus systemtheoretischer Perspektive

1.4 Körper, Risiko und Wagnis - ihre Rolle in der Erlebnispädagogik

1.4.1 Die Rolle des Körpers

1.4.2 Die Rolle von Risiko und Wagnis

2 Zu den Eßstörungen – ein Einblick

2.1 Anorexia nervosa - Diagnosekriterien, Psychodynamik und Familiendynamik

2.2 Bulimia nervosa

2.2.1 Diagnosekriterien

2.2.2 Aspekte der Psychodynamik

2.2.3 Familiendynamische Muster

2.3 Forschungsansätze zur Bulimie

2.3.1 Psychoanalytischer Ansatz

2.3.2 Der familientherapeutische Ansatz

2.3.3 Der feministische Ansatz

2.3.4 Der kulturtheoretische Ansatz

3 Weibliche Sozialisation – ein Rundblick

3.1 Der Wandel geschlechtsspezifischer Sozialisationsforschung

3.2 Wandel der Geschlechterrollen durch gesellschaftliche Umbrüche

3.3 Sozialisationsaspekte, die Mädchen zu „Mädchen“ und „Frauen“ werden lassen

3.3.1 Familie und frühe Kindheit

3.3.2 „peer groups“

3.3.3 Mädchen in der Schule

3.4 Zur Pubertät

3.4.1 Menstruation

3.4.2 Veränderungen des Körpers

3.4.3 Die besondere Rolle der heterosexuellen Beziehung

3.4.4 Erfahrungen sexueller Gewalt

4 Resümee – Exkurs - Ergänzung

4.1 „Wie sich der Kreis zur Bulimie schließt“

4.2 Exkurs: Bewegung in der Therapie

4.3 Zur Rolle von Bewegung und Sport bei bulimischen Mädchen und Frauen

5 Ausblick: Erlebnispädagogik für Mädchen mit Eßstörungen

5.1 Die Interviews

5.1.1 Auswahl der Interviewpartnerinnen - Erkenntnisinteresse

5.1.2 Zu qualitativer Methode und Interviewstruktur

5.1.3 Vorgehen und Rahmenbedingungen

5.2 Darstellung der Praxis: das Medium Felsklettern mit bulimischen Mädchen

5.2.1 Grenzen – Innen und Außen

5.2.2 Dimensionen des Zeiterlebens

5.2.3 Wahrnehmung: Innen und Außen - Emotionen und Körper

5.2.4 Aufbau eines positiven Körperbezugs

5.2.5 Kontrolle, Selbstwirksamkeit, Selbstvertrauen

5.2.6 Naturerfahrung

5.2.7 „Urlaub von der Bulimie“

5.3 Rahmenbedingungen für erlebnispädagogische Projekte mit bulimischen Mädchen

5.3.1 Schutz besonderer Bedürfnisse bulimischer Mädchen

5.3.2 Die Rolle der Leiterin

5.3.3 Kontinuität - Zeitfaktor – Verbindlichkeit

Schlußbetrachtung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Potenzial der Erlebnispädagogik, insbesondere durch das Medium Felsklettern, als unterstützende Methode in der Sozialarbeit für Mädchen und Frauen mit Bulimia nervosa. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie durch gezielte erlebnispädagogische Angebote ein positiver Körperbezug, die Stärkung der Selbstwirksamkeit und der Abbau von Kontrollzwängen bei bulimischen Symptomen gefördert werden können.

  • Historische und theoretische Grundlagen der Erlebnispädagogik
  • Psychodynamische und familiendynamische Hintergründe von Bulimie
  • Weibliche Sozialisation und der Einfluss gesellschaftlicher Rollenbilder
  • Bedeutung von Bewegung, Körpererfahrung und Risiko im erlebnispädagogischen Setting
  • Qualitative Analyse der therapeutischen Wirkungsweise durch Experteninterviews und Fallbeispiele

Auszug aus dem Buch

1.2.3.1 Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein

In der Erlebnispädagogik werden die Teilnehmerinnen mit Situationen konfrontiert, in denen sie an ihre eigenen Grenzen kommen, sie überschreiten und erweitern können. Die Bewältigung ungewohnter und neuer Herausforderungen ermöglicht der Einzelnen, positive Gefühle wie Stolz und Freude zu erleben. Etwas geleistet zu haben, was vorher nicht vorstellbar war, steigert das Selbstwertgefühl. Beim Medium „Klettern“ kann das Selbstbild sowohl in der Rolle der Sichernden als auch in der Rolle der Kletternden positiv(er) erlebt und bewertet werden. Verantwortung für andere zu übernehmen (als Sichernde), wirkt auch stärkend auf das eigene Selbstwertgefühl. Sowohl das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als auch Vertrauen zu anderen der Gruppe wird aufgebaut bzw. gestärkt.

Bei erlebnispädagogischen Aktivitäten bekommen die Teilnehmerinnen unmittelbare Rückmeldung über ihr Handeln z.B. beim Abseilen, ein oft mit großer Überwindung und Angst gekoppelter Moment, sich mit Hilfe eines Abseilachters, womöglich über eine Felskante hinaus, selbständig am Seil in die Tiefe abzulassen. Ein weiterer Aspekt, der letztlich auch auf das Selbstwertgefühl zurückwirkt, liegt in dem FLOW-Erleben, das in Situationen mit hoher Herausforderung entstehen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Erlebnispädagogik: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung der Erlebnispädagogik und definiert deren grundlegende Kriterien, Ziele und Erklärungsmodelle zur Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung.

2 Zu den Eßstörungen – ein Einblick: Hier werden die klinischen Merkmale sowie die psychoanalytischen und systemischen Aspekte von Anorexia und Bulimia nervosa sowie Forschungsansätze dazu dargestellt.

3 Weibliche Sozialisation – ein Rundblick: Dieses Kapitel analysiert die komplexen Bedingungen weiblicher Sozialisation, inklusive Rollenkonflikten, Pubertät und der Auswirkung von Gewalt auf die Selbstwahrnehmung.

4 Resümee – Exkurs - Ergänzung: Diese Zusammenführung beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Sozialisation und Essstörungen und erörtert die zentrale Rolle von Bewegung in therapeutischen Kontexten.

5 Ausblick: Erlebnispädagogik für Mädchen mit Eßstörungen: Das abschließende Kapitel überträgt die gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis und analysiert anhand von Interviews, wie Felsklettern Mädchen mit Essstörungen stärken kann.

Schlüsselwörter

Erlebnispädagogik, Bulimie, Eßstörungen, Felsklettern, Sozialarbeit, weibliche Sozialisation, Selbstwirksamkeit, Körperwahrnehmung, Identität, Körperbild, Gruppendynamik, Flow-Erleben, Adoleszenz, Psychodynamik, systemische Ansätze.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Diplomarbeit untersucht, inwiefern erlebnispädagogische Methoden, speziell Klettern, Mädchen und Frauen mit Bulimie bei ihrer Genesung unterstützen und stärken können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft die Bereiche Erlebnispädagogik, klinische Aspekte von Essstörungen (insbesondere Bulimie) und die soziologische Betrachtung weiblicher Sozialisation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch körperorientierte und gruppendynamische Aktivitäten in der Natur alternative Problemlösungsstrategien erlernt und das Selbstvertrauen der betroffenen Frauen gestärkt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Fundierung (Psychologie, Systemtheorie) sowie auf eine qualitative Forschungsmethode, die leitfadengestützte Interviews mit betroffenen Mädchen und Erlebnispädagoginnen umfasst.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der erlebnispädagogischen Wirkung, die Erläuterung der psychodynamischen Hintergründe von Essstörungen und eine umfassende Analyse der weiblichen Sozialisation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Erlebnispädagogik, Bulimia nervosa, Selbstwirksamkeit, Körperbild, Sozialisation und weibliche Identitätsfindung.

Wie hilft das Klettern konkret gegen Bulimie?

Klettern dient als Medium, um das Gefühl für den eigenen Körper ("Körperbezug") zu verbessern, Selbstwirksamkeit durch bewältigte Herausforderungen zu erfahren und durch die Gruppendynamik alternative soziale Interaktionsmuster zu erlernen, die dem bulimischen Kontrollzwang entgegenwirken.

Welche Rolle spielt die Naturerfahrung für die Betroffenen?

Die Natur dient als "Heiliger Ort" und Raum für Grenzerfahrungen; sie ermöglicht den Mädchen, ihre Wahrnehmung für sich selbst und ihre Umgebung in einem geschützten Rahmen zu erweitern, der losgelöst vom Leistungsdruck des Alltags ist.

Ende der Leseprobe aus 189 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Erlebnispädagogik als Methode der Sozialarbeit. Klettern - ein Weg, die Bulimie gehen zu lassen?
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Autor
Susanne Schoen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
189
Katalognummer
V901440
ISBN (eBook)
9783346204943
ISBN (Buch)
9783346204950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essstörungen Klettern Therapie Körperbild Bulimie Erlebnispädagogik Weibliche Sozialisation Selbstwirksamkeit Grenzerfahrung Kontrolle Selbstvertrauen Vertrauen Körperwahrnehmung Bewegung Risiko Therapeutisches Klettern Zeiterleben Flow Pubertät GGeschlechterrollen Sozialisationsaspekte Sozialisationsforschung Gesellschaftlicher Wandel Erlernte Hilflosigkeit Anorexia nervosa Systemtheorie Metaphorisches Lernen Kurt Hahn David Henry Thoreau Jean Jaques Rousseau PPsychodynamik Familiendynamische Muster Peer groups Menstruation sexuelle Gewalt heterosexuelle Beziehungen geschlechtsspezifische Sozialisationsforschung Naturerfahrung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Susanne Schoen (Autor:in), 1999, Erlebnispädagogik als Methode der Sozialarbeit. Klettern - ein Weg, die Bulimie gehen zu lassen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901440
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