Der demographische Wandel. Einfluss auf die gesetzliche Altersabsicherung in Deutschland


Essay, 2020

14 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographischer Wandel
2.1 Mortalitat
2.1 Fertilitat
2.3 Migration

3 Finanzielle Probleme des demographischen Wandels auf die gesetzliche Alterssicherung

4 Verschiedene Szenarien der zukünftigen Entwicklung durch den demographischen Wandel auf die gesetzliche Alterssicherung in Deutschland
4.1 Standard-Szenario
4.2 High-Employment-Szenario 1
4.3 High-Employment-Szenario 2

5 Lösungsansatze
5.1 Anpassungen im Arbeitsmarkt
5.2 Dynamische Regelaltersgrenze

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prognose der Einwohnerzahl von Deutschland von 2019 bis 2060

Abbildung 2: Anzahl der Geburten und Sterbefalle in Deutschland in den Jahren von 1950 bis 2018

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich der Szenarien

1 Einleitung

In dem folgenden Scientific Essay wird der demografische Wandel und der Einfluss dessen auf die gesetzliche Alterssicherung in Deutschland naher beleuchtet. Es wird naher auf die kommenden Probleme der immer alter werdenden Bevölkerung eingegangen, sowie auf Lösungen, damit das deutsche Rentensystem nicht überlastet wird. Desweiteren werden im Rahmen dieser Arbeit verschiedene Szenarien behandelt, in wie weit der demographische Wandel einen Einfluss auf das deutsche Rentensystem hat. Zu erst wird kurz das deutsche Rentensystem und die Zusammensetzung des demographischen Wandels erklart.

Mit der Rentenreform 1957 wurde ein System eingeführt, bei dem die erwerbstatige Bevölkerung einen Teil ihres Lohns an den Staat abgeben muss, damit dieser an die nicht mehr arbeitenden Bürger verteilt werden kann. Dies bedeutet naher betrachtet, dass immer mehr Leistungsempfanger auf immer weniger Beitragszahler kommen und so die gesetzliche Rentenversicherung vor einem Problem steht, da die Beitrage immer weiter nachlassen. Es besteht seit der Einführung des Rentensystems ein „Generationenvertrag“ in Deutschland, das bedeutet, dass die jüngere Bevölkerung für die altere in das Rentensystem einzahlt. Hierbei handelt es sich um ein Umlageverfahren, welches Vorteile aber auch Nachteile mit sich bringt, da es von der Leistungsfahigkeit der arbeitenden Generation abhangig ist. So ist das Umlageverfahren nicht so anfallig für inflationare Entwicklungen, da es immer wieder an die aktuellen Lohnzahlungen angepasst wird.1

2 Demographischer Wandel

Wenn von einem demographischen Wandel gesprochen wird, müssen drei Kennzahlen über einen langfristigen Zeitraum beachtet werden. Bei den Kennzahlen handelt es sich um die Geburtenzahlen (Fertilitat), die Lebenserwartung (Mortalitat) und das Wanderungsverhalten der Bevölkerungen (Migration).2

Abbildung 1: Prognose der Einwohnerzahl von Deutschland von 2019 bis 2060

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, Prognose der Einwohnerzahl von Deutschland von 2019 bis 2060, 2019. Wie dieses Diagramm aufzeigt, wird die Einwohnerzahl in Deutschland noch bis 2025 auf 83,09 Millionen ansteigen and ab dann alle fünf Jahre um circa 1,5 Millionen Bewohner bis 2060 auf 74,39 Millionen sinken. In den nachsten Abschnitten werden Gründe für den Rückgang der Bevölkerung dargelegt.

Abbildung 2: Anzahl der Geburten und Sterbefalle in Deutschland in den Jahren von 1950 bis 2018

Anzahl der Geburten und der Sterbefalle in Deutschland in den Jahren von 1950 bis 2018

Geburten und Sterbefalle in Deutschland bis 2018

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In diesem Diagramm ist zu erkennen, dass von 1950 bis 1970 die Fertilitat über der Mortalitat liegt. Personen, die in diesem Zeitraum geboren wurden, werden auch „Babyboomer“ genannt. Ab 1980 liegt die Sterberate über der Geburtenrate und damit beginnt das Hauptproblem des demographischen Wandels.

2.1 Mortalitat

Seit vielen Jahrzehnten sinkt die Sterberate kontinuierlich. Diese Entwicklung kann auf eine gute medizinische Versorgung, steigende Hygiene, Wohn- und Arbeitsbedingungen zurückgeführt werden.3 Die Mortalitat ist bei den Mannern im Zeitraum von 1990 bis 2008 um 36 Prozent und bei Frauen um 30 Prozent zurückgegangen.4 Um 2000 starben circa 0,5 Prozent aller geborenen Kinder, im Gegensatz dazu lag die Zahl etwa 50 Jahre früher bei 6 Prozent. Darüber hinaus steigt die Lebenserwartung auch wegen der andauernden Urbanisierung, da Bewohner einer Stadt haufig bessere medizinische und psychologische Versorgungen zur Verfügung stehen.5

2.1 Fertilitat

In Deutschland liegt die Sterberate seit 1970 über der Geburtenrate, das bedeutet, dass die Anzahl der Bevölkerung sinkt. Diese Entwicklung lasst sich auf die abfallende Geburtenrate zurückführen. Das wiederum führt zu einem Rückgang der Fertilitat unter dem Generationenersatz. Es gibt immer kleiner werdende Geburtenjahrgange und damit auch einen immer kleineren Teil der jungen Altersgruppe. Die Auslöser für diesen Rückgang sind zum Beispiel die veranderte Bereitschaft zum Elternsein und die geringe Kindersterblichkeit.3 Die Lebenserwartung ist bei Frauen in dem Zeitraum 1986 bis 2006 um 4,37 Jahre gestiegen und bei Mannern 5,47 Jahre. Werden die Unterschiede von Frau und Mann in Bezug auf die mittlere Lebenserwartung betrachtet, liegt eine Differenz von

5.2 Jahre zwischen Frau und Mann.

2.3 Migration

Bei der Migration handelt es sich um politische,4 gesellschaftliche und wirtschaftliche Faktoren für den demographischen Wandel. Um die Kennzahl der Migration zu bestimmen, muss die Differenz aus Zu- und Auswanderungen über die Landesgrenze berechnet werden. 1961 lag der Anteil von Auslandern in Westdeutschland bei 1,2 Prozent und nahm bis 2016 auf 11,2 Prozent zu. Im Durchschnitt ist die auslandische Bevölkerung jünger als die deutsche. Trotzdem hat sich die altere Bevölkerungsgruppe (ab 65 Jahren) erhöht und die unter 20-Jahringen verringert. So sank im Zeitraum 1980 bis 2013 der Anteil von unter 20-Jahrigen Auslandern von 35,7 Prozent auf 14,2 Prozent und stieg wahrend der groBen Flüchtlingskrise 2016 wieder auf 17,7 Prozent an.5

3 Finanzielle Probleme des demographischen Wandels auf die gesetzliche Alterssi- cherung

Der demographische Wandel kann nicht aufgehalten oder durch Eingriffe in das Marktgeschehen auBer Kraft gesetzt werden. Es nicht möglich einen Ausgleich zwischen Erwerbstatigen und Rentnern zu finden, viel mehr müssen sich die Systeme dem Wandel anpassen. Ebenso wird das gesamtwirtschaftliche Wachstum sinken. Wegen dieser Aussagen hat der Sachverstandigenrat das gesetzliche Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt. Aktuell kommen auf zwei Beitragsempfangende circa drei Beitragszahlende, 2060 wird sich dieses Verhaltnis auf eins zu eins geandert haben. Selbst wenn ab heute mehr Geburten stattfanden, ware die Versorgungslast immer noch zu hoch. Darüber hinaus sind Kinder, die dieses Jahr geboren werden, erst ab 2040 bereit, zum Wirtschaftsleben beizutragen.6

Mitte 2014 hat die Bundesregierung eine der gröBten Rentenreformen aller Zeiten beschlossen. Dies führt zu dauerhaften Mehrausgaben in der gesetzlichen Rentenversicherung, die zum Teil auf die Mütterrente und die Frührente mit 63 Jahren zurückzuführen sind.7 Die Mütterrente kostet den Staat 6,5 Milliarden Euro mehr pro Jahr und dieser Wert wird bis 2040 nicht viel weniger. Zudem konnte mit der Erhöhung keine Steigerung der Fertilitat erreicht werden, viel mehr werden in Zukunft die jüngeren Generationen starker mit der Finanzierung dieser Anhebung belastet sein.8

Bei der abschlagsfreien Rente mit 63 besteht für Personen, die vor dem 1.1.1953 bis zum 31.12.1963 geboren sind, das Recht früher in Rente zugehen. Eigentlich gilt bei der gesetzlichen Rentenversicherung das Prizip, dass eine geleistete Beitragszahlung zu gleichem Rentenanspruch führen soll, was aber gerade bei den geburtenstarken Jahrgangen nicht funtkioniert, da diese einen früheren Rentenzugang erhalten und dazu auch eine überdurchschnittliche Rentenzahlung. Beide Faktoren führen dazu, dass es hohe Mehrausgaben für die Rentenversicherung geben wird.

Wenn all dies beachtet wird, werden dadurch Rentner und rentennahe Personen bevorzugt und die jüngeren Personen durch höhere Beitrage und spater niedrigerer Rente benachteiligt.9

4 Verschiedene Szenarien der zukünftigen Entwicklung durch den demographi- schen Wandel auf die gesetzliche Alterssicherung in Deutschland

Die zukünftige Entwicklung des Verhaltnisses zwischen Rentnern und Erwerbstatigen hangt vor allem von dem Arbeits-, Gesundheits-, und Bildungsmarkt ab. In den folgendene Abschnitten werden drei Szenarien skizziert, wie sich der Arbeitsmarkt und somit die Beitragszahler für die gesetztliche Rente in Zukunft entwickeln. Alle Szenarien gehen von einem Basisjahr (2013) und zwei Vergleichsjahren (1. Vergleichsjahr 2040 und 2. Vergleichsjahr 2060) aus. Darüber hinaus ist die Rede von einer ökonomischen Abhangigkeitsquote , welche verschiedene Altersgruppen in ein Verhaltnis setzt, also wie viele Beitragszahler auf wie viele Rentner treffen.10

Tabelle 1: Vergleich der Szenarien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Türk, E., et al., Den demografischen Wandel bewaltigen, 2018, S. 12 - 15.

4.1 Standard-Szenario

Bei diesem Standard Szenario wird eine pessimistische Bevölkerungsprognose angenommen.

Bei den Frauen im Alter zwischen 15 und 64 wird sich die Erwerbstatigenquote von 72,8 Prozent im Basisjahr auf 72,4 Prozent im zweiten Vergleichsjahr entwickeln. Dagegen werden bei den Mannern 65,4 Prozent im Basisjahr und 66,6 Prozent im zweiten Vergleichsjahr erwerbstatig sein. Somit sinkt die Zahl der Personen im Erwerbsalter von 35,2 Millionen im Basisjahr auf 26,3 Millionen in 2060. Dazu im Vergleich gibt es im Basisjahr 20,2 Millionen Rentner, die aber in 2060 auf 24,1 Millionen ansteigen. Die ökonomische Abhangigkeitsquote lag 2013 bei 68 Prozent, bis 2060 kann von einem Anstieg auf 103 Prozent ausgegangen werden. Anhand dieser Daten kann gesagt werden, dass die ökonomische Abhangigkeitsquote deutlich ansteigt und Potentiale für eine Erwerbsintegration nicht genutzt werden.11 Wie diese Potentiale genutzt werden können, wird zu einem spateren Zeitpunkt erlautert.

4.2 High-Employment-Szenario 1

Bei diesem Szenario wird eine pessimistische Bevölkerungsprognose angenommen.

Im Basisjahr werden 57,8 Prozent der Frauen und 72,8 Prozent der Manner im Alter zwischen 15 und 64 Jahren erwerbstatig sein und im zweiten Vergleichsjahr liegen die Frauen bei 76,7 Prozent und die Manner bei 80,6 Prozent. Die gesamte Erwerbstatigenzahl wird von 35,2 Millionen auf 31,9 Millionen Personen im zweiten Vergleichsjahr sinken, was eine deutlich geringere Abnahme bedeutet als im Standard- Szenario. Dagegen vermehrt sich die Anzahl der Rentner auf 24,3 Millionen in 2060. Somit gehen wir von einer ökonomische Abhangigkeitsquote von 80 Prozent aus im zweiten Vergleichsjahr. Diese positive Entwicklung lasst sich darauf zurückführen, dass in diesem Szenario die zur Verfügung stehenden Erwerbspotentiale genutzt und durch politsche Wachstumsstrategien unterstützt werden.12

4.3 High-Employment-Szenario 2

Bei diesem Szenario wird eine optimistischere Bevölkerungsprognose angenommen. Sollten im Jahr 2060 in Deutschland 80,7 Millionen Menschen leben und etwa 4 Millionen Menschen migrieren, kann sich die ökonomische Abhangigkeitsquote auf lediglich 74 Prozent im zweiten Verlgeichsjahr entwickeln. Die Zahl der Erwerbstatigen würde 2060 auf 37 Millionen sinken und die Anzahl der Renter auf 26,3 Millionen erhöhen. Somit würde zwar die Zahl der Renter gegenüber dem Standard-Szenario steigen, aber die ebenso erhöhte Zahl der Erwerbstatigen würde dies kompensieren.13

[...]


1 Vgl. Horn, S., Schuchardt, D., Deutsche Rentenversicherung, 2015, S. 12 f.

2 Vgl. Kerschbaumer, J., Schroeder, W., Sozialstaat und demographischer Wandel, 2005, S. 44.

3 Vgl. ebd., S. 11.

4 Vgl. Gaber, E., Wildner, M., Gesundheitsberichterstattung des Bundes, 2011, S. 14 - 15.

5 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Auslandische Bevölkerung, https://www.bpb.de/nachschla- gen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61622/auslaendische-bevoelkerung, [Zugriff am 13.04.2020]

6 Vgl. Schmidt, C. M., Rentenpolitik im Angesicht des demografischen Wandels, 2015 S. 7 ff.

7 Vgl. ebd., S. 8,

8 Vgl. Rürup, B., Huchzermeier, D., Das RV-Leistungsverbesserungsgesetz, 2014, S. 56-73.

9 Vgl. Schmidt, C. M., Rentenpolitik im Angesicht des demografischen Wandels, 2015 S. 12.

10 Vgl. Türk, E., et al., Den demografischen Wandel bewaltigen, 2018, S. 12 f.

11 Vgl. ebd., S. 13.

12 Vgl. ebd., S. 14.

13 Vgl. ebd., S. 15.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der demographische Wandel. Einfluss auf die gesetzliche Altersabsicherung in Deutschland
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V901596
ISBN (eBook)
9783346224569
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wandel, einfluss, altersabsicherung, deutschland
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Der demographische Wandel. Einfluss auf die gesetzliche Altersabsicherung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901596

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