Das Leben, der Tod und die Nachwirkung Kaiser Friedrich Barbarossas. Es gibt Menschen, die ihren Tod überdauern. Es gibt Menschen, die kraft ihrer
Grösse und Stärke sich auch noch nach ihrem Ableben weiter zu entwickeln
vermögen. Und es gibt Menschen, die sich in der Überlieferung von der historischen
Persönlichkeit zu einem Begriff wandeln - sie werden zum Symbol.
Kaiser Friedrich I. Barbarossa gehört zu diesen Menschen, mit denen sich die
Menschen auch noch viele Jahrhunderte nach deren Tod befassen. Sein Wirken und
die Zeit verliehen ihm eine solche Grösse, dass die Persönlichkeit in der heutigen
Betrachtung selbst ihre Zeit zu überragen vermag.
Dies glorreiche Leben eines grossen Menschen fand jedoch einen Abschluss, der
vielen Betrachtern – ob Zeitgenossen oder nicht – etwas gar unwürdig erschien. Hat
ihn nun das Schicksal im schöpferischen Element von Mutter Natur aufgehen lassen;
einem Element das für Wandel und Stärke steht und die Kraft hat, Leben zu spenden
- oder ist er einfach wie ein Stück Vieh in einem Bach ersoffen?
Es ist eine Frage der Betrachtungsweise, wie viel Glorie und Kraft man einem
Moment zusprechen will, oder eben auch nicht - wie folgenreich er auch immer sein
mag.
Ich werde folgend der Frage nachgehen ob sich denn nun die genauen Umstände
des Todes von Kaiser Friedrich I. Barbarossa noch klären lassen und welche
Auswirkungen dieses Ereignis auf den weiteren Verlauf des dritten Kreuzzuges
gehabt hat.
Ich werde versuchen nachzuzeichnen wie dieser Kaiser zu Tode gekommen ist und
dann werde ich mich auf sein Nachleben konzentrieren. Wie vermochte Friedrich
auch noch nach seinem Tod Wirkung zu entfalten und wurde sein Name für
Absichten verwendet die den seinen sicher nicht entsprochen hätten? Hielt die
doktrinäre Instrumentalisierung aller Jahrhunderte auch vor dieser grossen Gestalt
nicht ein?
Auch die Legenden die sich um seinen Namen ranken haben ihren Ursprung nicht
nur in blosser Phantasie – sie spiegeln die Ängste und Hoffnungen der Menschen
wieder, die sie weitergegeben haben. Ich werde versuchen diese volkstümlichen
Überlieferungen richtig zu lesen und zu deuten, auf das sich mir ein Bild Friedrichs
erschliesse, das ihm - und der Figur die ihn überdauerte - gerecht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. KURZE EINFÜHRUNG
3. DER TOD KAISER FRIEDRICHS I. BARBAROSSA AUF DEM DRITTEN KREUZZUG
3.1 Die Schlacht bei Ikonium
3.2 Des Kaisers Tod
3.3 Entsetzen und Ratlosigkeit
3.4 Weiterreise
3.5 Aufteilung des Leichnams
3.6 Das Ende des Kreuzzuges
4. LEGENDENBILDUNG
4.1 Friedrich II.
4.2 Das „Volksbuch“
4.3 Legenden
4.4 Instrument der Reformation
4.5 Wiederentdeckung Friedrichs im 19. Jahrhundert
4.6 Die Legenden werden Kulturgut
4.7 Die Rückkehr des Königs
4.8 Von den Hohenstaufern zu den Hohenzollern
4.9 Barbarossa im 20. Jahrhundert
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Umstände des Todes von Kaiser Friedrich I. Barbarossa während des dritten Kreuzzuges und analysiert im Anschluss daran die vielschichtige Entwicklung seines Nachruhms und die Instrumentalisierung seiner Person durch spätere Generationen.
- Historische Analyse der Todesumstände Friedrichs I. Barbarossa am Fluss Saleph.
- Untersuchung der Auswirkungen des Kaisertodes auf den Verlauf des dritten Kreuzzuges.
- Erforschung der Entstehung und Entwicklung des Barbarossa-Mythos in der Literatur und Volkskultur.
- Analyse der politisch-ideologischen Instrumentalisierung Barbarossas vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
3.2 Des Kaisers Tod
Am 26. Mai brach das Heer Richtung Küste auf. Um ans Mittelmeer zu gelangen, musste man das Taurusgebirge überqueren. Dem Aufstieg folgte der Weg hinunter ins Tal zu einem Fluss der zu der Stadt Seleucia - die heute Silifke heisst – führen sollte. Der Fluss war ein kaltes, an seinem Oberlauf wildes Berggewässer dem die Griechen den Namen Kalykadnos und die Araber den Namen Saleph gaben. Heute heisst der Fluss Gök-su und liegt in der Türkei.
Was genau an diesem folgenschweren Sonntag, dem 10. Juni 1190 an diesem Gebirgsfluss geschehen ist, bleibt bis heute bloss Gegenstand wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher Spekulation. Allerdings ist grundsätzlich davon auszugehen dass die Todesursache ein Unfall war, da anderweitige Hinweise nirgends Erwähnung finden.
Kaiser Friedrich hatte sich wohl mit einer kleinen Eskorte vom Gros des Heeres entfernt, um schneller in Seleucia an zu kommen, darin sind sich die meisten Berichte einig. Doch dann variieren die Schilderungen. Der Kaiser kann bei der Durchquerung des Flusses weggespült worden sein. Es besteht auch die Möglichkeit dass der Kaiser vom Pferd gestiegen war, dieses ausglitt und den Herrscher in den Fluss riss, wo er unter der Last der Waffen und der Rüstung ertrunken ist. Eine andere Version besagt dass der Kaiser freiwillig in den Fluss gestiegen war. Er hatte zuvor vielleicht noch eine kleine Rast eingelegt und etwas gegessen und entschied sich dann zu einem abkühlenden und reinigenden Bad. Denn obwohl Barbarossa zuvor keine Schwierigkeiten bekundet hatte, war doch ein so heisser und staubiger Marsch über das Gebirge eine gewaltige Anstrengung für einen beinahe 70jährigen Mann. Diesen erhitzten Körper in das kalte Gebirgswasser zu tauchen, dürfte wohl einen Kälteschock oder einen Herzschlag oder ähnliches zur Folge gehabt haben, was zum Tode Kaiser Friedrichs I. Barbarossa führte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Intention, die historischen Fakten des Todes Barbarossas zu klären und seine spätere mythologische Überhöhung kritisch zu hinterfragen.
2. KURZE EINFÜHRUNG: Überblick über den Kontext des dritten Kreuzzuges und die politische Ausgangslage des christlichen Abendlandes unter Führung Friedrichs I.
3. DER TOD KAISER FRIEDRICHS I. BARBAROSSA AUF DEM DRITTEN KREUZZUG: Detaillierte Schilderung der Kampfhandlungen, des tödlichen Unfalls am Fluss und der anschließenden Auflösung des Heeres.
4. LEGENDENBILDUNG: Analyse der Entwicklung des Mythos vom "schlafenden Kaiser", von der Übertragung auf den Großvater durch das "Volksbuch" bis hin zur nationalistischen Instrumentalisierung.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassendes Fazit über die historische Bedeutung der Ereignisse und die Reflexion über die postmortale Verwertung einer historischen Gestalt.
Schlüsselwörter
Friedrich I. Barbarossa, dritter Kreuzzug, Mythos, Legendenbildung, Kyffhäuser, Staufer, Reformation, Instrumentalisierung, Historie, Identität, Volksglaube, Mittelalter, Kaiser, deutsche Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Leben und vor allem dem Tod von Kaiser Friedrich I. Barbarossa während des dritten Kreuzzuges sowie der nachfolgenden Mythenbildung um seine Person.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die historischen Umstände des Kaisertodes, der Verlauf des Kreuzzuges nach diesem Ereignis und die Entwicklung einer langlebigen Sagenwelt um den "schlafenden Kaiser".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den historischen Kern vom mythologischen Überbau zu trennen und aufzuzeigen, wie verschiedene Epochen die Figur Barbarossas für ihre eigenen politischen oder religiösen Zwecke instrumentalisiert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Der Autor stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse historischer Quellen und Sekundärliteratur, um die historische Faktenlage von legendarischen Ausschmückungen zu unterscheiden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine präzise Darstellung der Todesumstände im Jahr 1190 sowie eine chronologische Untersuchung der Legendenbildung, die vom Mittelalter über die Reformation bis in das 20. Jahrhundert reicht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Barbarossa-Mythos, Staufer, Kyffhäuser, Instrumentalisierung, Kreuzzug und das "Volksbuch" von 1519.
Warum ist der Tod Barbarossas in einem Fluss bis heute Gegenstand von Spekulationen?
Obwohl die meisten Quellen von einem Unfall ausgehen, führten das plötzliche Ableben eines so bedeutenden Herrschers und die widersprüchlichen Berichte der Zeitgenossen zu verschiedenen Erzählungen, von ertrunkenen Rüstungen bis hin zu Kälteschocks nach einem Bad.
Wie beeinflusste das "Volksbuch" von 1519 das Bild Barbarossas?
Das Buch war entscheidend, da es den Mythos des im Berg schlafenden Kaisers, der ursprünglich dem Enkel Friedrich II. zugeschrieben wurde, systematisch auf den Großvater Friedrich I. übertrug, um ihn als Idealfigur der deutschen Nation zu stilisieren.
Welche Rolle spielte der Barbarossa-Mythos im 19. Jahrhundert?
In Zeiten der Sehnsucht nach nationaler Einheit diente Barbarossa als kraftvolles Symbol für ein geeintes Deutschland, wobei er als Vorbild für Reichsgründer und Herrscher wie Bismarck oder Wilhelm I. instrumentalisiert wurde.
Wie beurteilt der Autor die Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten?
Der Autor ordnet diese Form der Instrumentalisierung als eine bewusste Umdeutung ein, bei der der historische Barbarossa trotz seiner christlichen Prägung als Symbol für deutsche Aggression und Expansionsmacht missbraucht wurde.
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- David Venetz (Author), 2005, Kaiser Friedrich I. Barbarossa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90161