Im Roman „Die Terranauten“ wird von den verschiedenen Akteuren, besonders von der Hauptprotagonistin Dawn Chapman, immer wieder von ‚Natur‘ gesprochen oder Dinge werden als ‚natürlich‘ bezeichnet. Dabei habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, ob man hierbei wirklich von Natur sprechen kann, da sich dieses ‚Natürliche‘ innerhalb der Glaskuppel von ‚Ecosphere 2‘ befindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Wie wird im Roman „Die Terranauten“ Natur im Gegensatz zur Kultur dargestellt und gibt es eine Grenze zwischen diesen beiden Konstrukten?
2. Analyse der ökologischen Konstrukte und der Grenze zwischen Natur und Kultur
3. Untersuchung von Naturvorstellungen und dem Einfluss von Technik
4. Die Rolle der blinden Passagiere und das gestörte ökologische Gleichgewicht
5. Sexualität und Schwangerschaft als Ausdruck menschlicher Natürlichkeit
6. Vergleichende Betrachtung mit der Eroberung der Natur durch technische Bauwerke
7. Fazit und Zusammenführung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur im Roman „Die Terranauten“. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob in einem vollständig von Menschen erschaffenen, geschlossenen Habitat eine Unterscheidung zwischen ‚natürlich‘ und ‚künstlich‘ aufrechterhalten werden kann oder ob diese Grenze konsequent verschwimmt.
- Darstellung und Konstruktion von Natur innerhalb der „Ecosphere 2“
- Einfluss von technischer Steuerung auf als natürlich wahrgenommene Lebensabläufe
- Die Bedeutung unbeabsichtigter ökologischer Faktoren (blinde Passagiere) für das System
- Sexualität und Reproduktion als Indikatoren für menschliche Natürlichkeit in einer künstlichen Umgebung
- Transfer der ökologischen Fragestellung auf reale historische Landschaftsveränderungen
Auszug aus dem Buch
Wie wird im Roman „Die Terranauten“ Natur im Gegensatz zur Kultur dargestellt und gibt es eine Grenze zwischen diesen beiden Konstrukten?
Im Roman „Die Terranauten“ wird von den verschiedenen Akteuren, besonders von der Hauptprotagonistin Dawn Chapman, immer wieder von ‚Natur‘ gesprochen oder Dinge werden als ‚natürlich‘ bezeichnet. Dabei habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, ob man hierbei wirklich von Natur sprechen kann, da sich dieses ‚Natürliche‘ innerhalb der Glaskuppel von ‚Ecosphere 2‘ befindet.
Mit ‚Ecosphere 2‘ (kurz E2), wollten Wissenschaftler einen abgeschlossenen Lebensraum für ausgewählte Pflanzen und Tiere schaffen. Das Ziel des Experiments war es, ein solches Habitat am Mars aufbauen zu können, wenn der Zeitpunkt kommt, an dem die Erde komplett zerstört sein würde. In diese Ökosphäre unter dem Glasdach wurden zum zweiten Mal acht ausgewählte Forscherinnen und Forscher – vier Frauen und vier Männer – für zwei Jahre eingeschlossen, um dort zu arbeiten und zu leben. Diese werden als Terranauten bezeichnet. Der erste Versuch des Experiments war allerdings gescheitert, sodass dieses Mal alles perfekt laufen sollte. Da die Umwelt innerhalb von E2 von Menschen erstellt wurde, müsste man sie als Kulturlandschaft bezeichnen. ‚Mission Control‘, die Zentrale, die dieses Experiment durchführt, erklärte diese Landschaft aber zur Natur, legitimiert durch die Abhängigkeit der Lebewesen dort voneinander, besonders der Abhängigkeit zwischen den Menschen und der ‚Natur‘.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wie wird im Roman „Die Terranauten“ Natur im Gegensatz zur Kultur dargestellt und gibt es eine Grenze zwischen diesen beiden Konstrukten?: Das Kapitel führt in die Ausgangslage des Experiments ein und thematisiert die anfängliche Widersprüchlichkeit, ein künstliches Habitat als „Natur“ zu definieren.
2. Analyse der ökologischen Konstrukte und der Grenze zwischen Natur und Kultur: Hier wird untersucht, wie T.C. Boyle durch die Gegenüberstellung von technischer Steuerung und Naturgeräuschen die Fragestellung nach einer klaren Grenze zwischen Natur und Kultur verschärft.
3. Untersuchung von Naturvorstellungen und dem Einfluss von Technik: Dieses Kapitel erörtert, inwiefern die Umwelt in E2 trotz einer gewissen Natürlichkeit nur als minimale Version von Natur betrachtet werden kann, da sie strengen Auswahlkriterien unterliegt.
4. Die Rolle der blinden Passagiere und das gestörte ökologische Gleichgewicht: Die Analyse zeigt auf, wie unerwartete biologische Eindringlinge das künstliche System destabilisieren und als Teil einer „echten“ Natur wahrgenommen werden.
5. Sexualität und Schwangerschaft als Ausdruck menschlicher Natürlichkeit: Das Kapitel verdeutlicht, dass biologische Triebe und Schwangerschaften trotz wissenschaftlicher Kontrolle die Unausweichlichkeit menschlicher Naturhaftigkeit beweisen.
6. Vergleichende Betrachtung mit der Eroberung der Natur durch technische Bauwerke: Durch den Vergleich mit der historischen Eroberung der Natur mittels Staudämmen wird die Problematik der technischen Überformung von Landschaften reflektiert.
7. Fazit und Zusammenführung der Ergebnisse: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass trotz dominierender Technik und Kultur das Vorkommen biologischer Prozesse stets auf die unaufhebbare Präsenz von Natur hinweist.
Schlüsselwörter
Ecocriticism, Die Terranauten, Natur, Kultur, Ecosphere 2, Habitat, Konstrukt, Technik, Ökosystem, Anthropozän, Biologie, Sexualität, Landschaftsgeschichte, Staudämme, Mensch-Natur-Verhältnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Natur und Kultur im Roman „Die Terranauten“ und hinterfragt, ob eine Abgrenzung zwischen diesen Konstrukten in einer technologisch kontrollierten Umgebung überhaupt möglich ist.
Welche Themenfelder sind zentral?
Im Fokus stehen die ökologische Konstruktion des Habitats „Ecosphere 2“, der Einfluss menschlicher Technik, biologische Prozesse wie Reproduktion sowie der interdisziplinäre Vergleich mit landschaftsgeschichtlichen Entwicklungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob die Grenze zwischen dem „Natürlichen“ und dem „Künstlichen“ in einem vollständig von Menschen geschaffenen System wie E2 als reale Trennung oder als fließender Übergang zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse im Rahmen des Ecocriticism durchgeführt, kombiniert mit einem komparativen Ansatz unter Einbeziehung von Fachliteratur zur Landschaftsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der künstlichen Ökosphäre, die Rolle unerwünschter biologischer Faktoren (blinde Passagiere), die Problematik menschlicher Sexualität als biologischer Faktor sowie den Vergleich mit realen technischen Eingriffen in die Natur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Ecocriticism, Ecosphere 2, das Mensch-Natur-Verhältnis, technische Kontrolle, biologische Prozesse und das Konzept der Kulturlandschaft.
Warum spielt die Figur Dawn Chapman eine zentrale Rolle bei der Grenzziehung?
Dawn fungiert als Identifikationsfigur, die ihre eigene Schwangerschaft und die Tierwelt in E2 zunächst als kulturelles Problem sieht, dann aber deren fundamentale Natürlichkeit erkennt und damit die Ambivalenz des Experiments verkörpert.
Welchen Stellenwert haben die „blinden Passagiere“ für die Argumentation?
Sie dienen als Gegenbeweis zur totalen technischen Kontrolle, da ihr Auftreten zeigt, dass ökologische Dynamiken sich den Intentionen der „Mission Control“ entziehen und somit die künstliche Natur durch eine eigenständige, lebendige Natur stören.
Was verdeutlicht der Vergleich mit Blackbourns Werk über Staudämme?
Der Vergleich untermauert, dass die Problematik der Vortäuschung von Natürlichkeit durch menschliche Technik kein rein fiktionales Phänomen ist, sondern eine reale historische Parallele in der Landschaftsgestaltung darstellt.
- Quote paper
- Jasmin Brinkmann (Author), 2020, Natur und Kultur im Roman „Die Terranauten“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901827