Influencer auf Instagram und ihr sozialisierender Einfluss auf junge Heranwachsende


Hausarbeit, 2019

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sozialisation

3. Instagram als soziales Netzwerk

4. InfluencerInnen als Sozialisationsinstanz

5. Unterschiede in der Beeinflussung von Mädchen und Jungen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nicht nur die Jugend ist zu einer Medien-Jugendgeworden, sondern die Gesellschaft auch zu einer Wissens- bzw. Medien-Gesellschaft.“(Alfert 2015, S. 83).

Medien dienen, wie das vorangestellte Zitat verdeutlicht, nicht mehr länger nur Unterhaltungs­oder Werbezwecken. Vielmehr haben sie an gesellschaftlicher Funktion gewonnen. Dies ist zwar grundsätzlich keine neue Erkenntnis, das Zitat lässt sich aber auch auf die neueren Medien, wie Smartphones und soziale Netzwerke anwenden. Diese sind allgegenwärtig und aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken. Dadurch, dass uns Informationen und Inhalte jederzeit verfügbar sind, haben die „neuen“ Medien längst einen prägenden Einfluss auf die Gesellschaft und auch auf die in ihr lebenden Individuen erlangt. Von dem Lesen der Zeitung oder der Nachrichten auf dem Smartphone am Frühstückstisch, bis hin zum letzten Blick auf das Handy vor dem Schlafengehen, wird unser Leben tagtäglich von Medien begleitet. Davon können sich vor allem Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit nicht frei machen.

Im Fokus der Diskussionen stehen diesbezüglich immer mehr auch die Sozialen Netzwerke. Das “Soziale“, dass sie in ihrem Namen tragen, lässt vermuten, dass von ihnen auch die „Sozialisationskontexte[n]“(Alfert 2015, S.75) beeinflusst werden. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll auf einen Aspekt von sozialen Netzwerken eingegangen werden, der für Kinder und Jugendliche immer mehr an Bedeutung gewinnt, in der Forschung allerdings noch ein relativ neues Phänomen ist, die InfluencerInnen. Diese sind gerade in dem sozialen Netzwerk „Instagram“ präsent, weshalb sich diese Arbeit auf dieses soziale Netzwerk im Speziellen beschränken wird. Diese Internetpersönlichkeiten lassen ihre Follower augenscheinlich an beinahe jedem Aspekt ihres Alltages teilnehmen. Interessant ist, ob und wieso gerade Kinder und Jugendliche so eingebunden sind in das Leben ihrer InfluencerInnen und worin deren sozialisierender Einfluss bestehen könnte. Dazu muss zunächst einmal erklärt werden, wie Sozialisation theoriegeleitet definiert werden kann, um auf dieser Grundlage genauer auf die sozialisierende Funktion von Medien einzugehen. Außerdem muss theoretisch in die Sozialisation des Geschlechts eingeführt werden, da die sozialen Netzwerke auf diesen Aspekt einen entscheidenden Einfluss haben. Im Anschluss wird dann zunächst untersucht, was Instagram als soziales Netzwerk auszeichnet, um im nächsten Schritt detaillierter auf die InfluencerInnen einzugehen. Dazu muss zuerst dargestellt werden, wer sich als InfluencerIn bezeichnen kann und worin ihre Internetpräsenz motiviert ist. Anschließend soll betrachtet werden, worin die sozialisierende Funktion von InfluencerInnen besteht, ob die Sozialisation bewusst geschieht und wieso der sozialisierende Einfluss so hoch ist. Zuletzt ist schließlich von Interesse, was empirische Forschungsergebnisse über die unterschiedliche Beeinflussbarkeit von Jungen und Mädchen aussagen. Dabei beschränke ich mich zum einen auf das Körperbild der Jungen und Mädchen und auf die Wahrnehmung des Geschlechts, da Instagram sich als Netzwerk, indem hauptsächlich Fotos und Videos hochgeladen werden, auch durch seine visuelle Darstellung von unterschiedlichen Körpern und Geschlechtsentwürfen auszeichnet.

2. Sozialisation

2.1 Begriffserklärung „Sozialisation“

Sozialisation als Ganzes kann im Folgenden nicht im Detail definiert oder erläutert werden, da dies zu umfangreich ausfallen würde. Dennoch ist es notwendig, eine theoretische Grundlage zu schaffen, indem ich mich auf die Aspekte beschränke, die für mein Erkenntnisinteresse relevant sind. Stützen werde ich mich dabei vor allem auf den Sozialisationsforscher Klaus Hurrelmann.

Nach diesem kann Sozialisation im Allgemeinen als ein „Prozess der „Persönlichkeitsentwicklung“ (Hurrelmann 2012, S.52) verstanden werden, in dem sich das Individuum in einem ständigen Wechselspiel zwischen den „Anlage[] und seine[n] sozialen und psychischen Umweltbedingungen“(ebd.). Konkret bedeutet das, dass das Individuum mit „körperlichen, psychischen, sozialen und ökologischen Anforderungen“ (Alfert 2015, S.79) konfrontiert wird, die es miteinander vereinen muss. Dabei wird von dem Individuum erwartet, dass es sich für „einen Menschen als angemessen erachteten Verhaltensweisen“ (Hurrelmann 2012, S.53) aneignet.

Nach Hurrelmann muss das Individuum im Laufe des Sozialisationsprozesses bestimmte Entwicklungsaufgaben bewältigen. Diese seien zum Teil von kulturellen und sozialen Normen der jeweiligen Gesellschaft abhängig, zum Teil seien sie allerdings auch „universal“ (ebd., S.78) gültig. Ein Beispiel dafür ist unter anderem die Akzeptanz des eigenen Aussehens (vgl. ebd., S.53). Seine eigene Erscheinung zu akzeptieren erfordert die Auseinandersetzung mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung bezüglich des eigenen Körpers. Es scheint sich also unabhängig von der Kultur jeder mit der gesellschaftlichen Auffassung, was als attraktiv oder als unattraktiv zu bewerten ist, auseinandersetzen zu müssen und dies vor allem im Jugendalter, wenn sich der eigene Körper zunehmend verändert (vgl. ebd., S.78).

Im Kindheits- und Jugendalter gehören zu den Entwicklungsaufgaben zudem die Ausbildung der Fähigkeit, „soziale Kontakte zu Gleichaltrigen zu knüpfen“ (ebd., S.78) und der Kompetenz, sich gemäß „sozialer Umgangsformen“(ebd.) zu verhalten. Um diese Entwicklungsaufgaben bewältigen zu können, müssen sich die Kinder und Jugendlichen an Vorbildern orientieren, von denen sie gesellschaftlich erwünschte Verhaltensweisen ableiten können. In der Jugendphase findet dabei gleichzeitig die „Ablösung von den Eltern“(ebd.) statt. Die Jugendlichen distanzieren sich daher von ihren Eltern in einer Zeit, in der sie ihre eigene Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung der Anderen hinterfragen. Sie können sich dabei allerdings nicht mehr an dem elterlichen Vorbild orientieren. An dieser Stelle erhöht sich daher die Relevanz der Peer-Group und gleichzeitig kann auch der Einfluss von Internetpersönlichkeiten steigen, die ebenfalls als Modell dienen können. (vgl. ebd., S.78)

2.2 Sozialisation durch soziale Medien

Nach Hurrelmann lassen sich die Medien im Allgemeinen den sogenannten „tertiären Sozialisationsinstanzen“ (ebd., S.161) zuordnen, die er weitergehend als „Instanzen der sozialisationsrelevanten Lebenswelt“(ebd.) definiert. Es handle sich hierbei um „soziale[...] Systeme, die nicht ausdrücklich mit dem Ziel der Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung ihrer Mitglieder etabliert wurden“ (ebd.). Damit sagt er allerdings nicht, dass sie keinen sozialisationsrelevanten Einfluss auf die Persönlichkeit der Individuen haben. Die Sozialisation findet durch die Medien aber indirekter statt und die Art des Einflusses muss daher tiefergehend untersucht werden, weil sie auf den ersten Blick möglicherweise nicht ersichtlich wird.

Wie bereits angeführt, nimmt die Bedeutung der „Freundes- und Gleichaltrigengruppen“ (ebd., S.164) im Laufe der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu. Hurrelmann sieht in der Etablierung der sozialen Netzwerke eine noch größere Relevanz dieser Gruppe. Dadurch, dass regionale Grenzen aufgebrochen werden und Kommunikation weltweit stattfinden kann, ohne ein persönliches Aufeinandertreffen zu benötigen, verändert sich auch die Art der Beziehungen innerhalb der Peer-Groups. Damit geht allerdings auch ein neues Bedürfnis von Jugendlichen einher, ein „möglichst breites und großes Netzwerk von vielfältigsten Kontakten zu entwickeln“ (ebd., S.165). Diesem sozialen Bedürfnis nicht nachkommen zu können, kann daher auch zu einem niedrigeren Selbstwertgefühl führen. (vgl. ebd., S.164f.)

Eine weitere mögliche Gefahr sieht Hurrelmann in den Auswirkungen, die die sozialen Netzwerke für Personen mit „innerer Unsicherheit und ungefestigter Ich-Identität“ (ebd., S.165) mit sich bringen. Diese betreffen vor allem „kritische Kommunikationssituationen und Bindungen“(ebd.). Letztere werden zum einen zu Personen mit tatsächlichem Kontakt, aber möglicherweise feindlichen Hintergedanken, eingegangen, zum anderen aber auch zu Personen, die diese Bindung nicht erwidern, wie beispielsweise InfluencerInnen.

Dennoch besitzen soziale Netzwerke eine hohe Relevanz in der „Bewältigung zentraler Entwicklungsaufgaben“ (Alfert 2015, S.83). Diese betreffen zum Beispiel die Ausbildung von „Autonomie, die Gestaltung sozialer Beziehungen, sowie die Verwirklichung von Selbstbestimmung und Teilhabe“(ebd.). In Zeiten der sozialen Medien konsumieren Kinder und Jugendliche nicht nur Inhalte, sondern befinden sich innerhalb der Medien in tatsächlichen „Räume[n] für die Interaktion mit anderen“ (ebd., S.87). Relevant für die Sozialisation ist allerdings auch das „Identitätsangebot“ (ebd., S.88) mit dem sie in Kontakt kommen. Sie werden im Netz permanent mit unterschiedlichen Lebensentwürfen konfrontiert, die von ihnen bewertet und zum Teil auch übernommen werden. Es kann also durchaus gesagt werden, dass die sozialen Medien eine neue Möglichkeit der „Selbst- und Fremdwahrnehmung“ (ebd., S.90) in sich bergen, die vor allem durch die Auseinandersetzung mit anderen beeinflusst wird. Soziale Medien können daher abschließend als „Erfahrungsraum für selbstsozialisatorische Lebenserfahrungen“ (ebd., S.90).

2.3 Sozialisation des Geschlechts

Das Geschlecht ist grundsätzlich nicht als ausschließlich biologisch determiniert zu verstehen. Bereits in den 50er Jahren taucht in der „Frauen- und Geschlechterforschung“ (Dausien/ Walgenbach 2015, S.20) die folgende Erkenntnis auf: „,Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es‘“ (ebd.).

Es zeigt sich daher schon länger, dass die Konstruktion von Geschlechtsentwürfen vielmehr auch von sozialisationstheoretischen Aspekten abhängig ist. Eingeordnet sind diese oftmals in „komplexe[...] Bildungsprozesse“ (Bülow, Kahl, Stach 2013,S.8). Gemeint ist damit, dass die Kinder und Jugendlichen in ihren „sozialräumlichen, informellen Bildungsprozessen“ (ebd.) im Rahmen ihrer Sozialisation und der Entwicklung der eigenen Identität diese Prozesse auch selbst wahrnehmen und sich mit diesen auseinandersetzen. Als wichtigste Kontexte der geschlechtlichen Sozialisation werden unter anderem die Medien, die Schule und die „Peer- 4 Groups“ (ebd., S.9) genannt, in denen implizite Geschlechtsentwürfe vermittelt und bewertet werden. Dabei ist vor allem die Kommunikation zwischen den Gleichaltrigen ein wichtiges Mittel, da in den Peer-Groups, die „gesellschaftliche[n] Muster und Normierungen“ (ebd.) angewendet und auch diskutiert werden. Zu diesen Normen gehört auch die Entwicklung des eigenen Geschlechts. Kommuniziert wird diese vor allem durch „Selbstinszenierung“ (ebd.), derer sich sowohl Mädchen als auch Jungen bedienen. Aus diesem Grund sind gerade auch die sozialen Netzwerke von großer Bedeutung für die Sozialisation des Geschlechtes, da sie einen nicht geringen Teil der Kommunikation ausmachen und gleichzeitig auch gerade für selbstdarstellerische Zwecke geeignet sind auf Grund ihrer Beschaffenheit, auf die in den folgenden Kapiteln noch näher eingegangen werden soll. Relevant ist außerdem, dass die Arten der Selbstinszenierung sich vordergründig auf „Körper und Verhalten“ (ebd.) beziehen. Diese sind maßgeblich für die Sozialisation des Geschlechts, da in der Jugendphase vor allem die körperliche Entwicklung thematisiert wird. Dadurch dass die Körper sich hinsichtlich ihres biologischen Geschlechtes entwickeln, wird an die Jugendlichen die Aufgabe gestellt, sich auch mit der „Entwicklung weiblicher bzw. männlicher sexueller Identität“ (ebd.) auseinanderzusetzen. (vgl. ebd., S.8ff.)

3. Instagram als soziales Netzwerk

Im Duden werden soziale Netzwerke folgendermaßen definiert:

Als „Portal im Internet, das Kontakte zwischen Menschen vermittelt und die Pflege von persönlichen Beziehungen über ein entsprechendes Netzwerk ermöglicht“.( Duden:social network [online unter:] https://www.duden.de/rechtschreibung/Social_Network (Stand: 20.02.2019)

Die Funktion von sozialen Netzwerken beschränkt sich allerdings längst nicht mehr nur auf das Aufrechterhalten von Kontakten. Darüber hinaus besteht der Zweck und die Attraktivität sozialer Netzwerke darin, sich selbst aufzuwerten“(Alfert 2015, S.136), beziehungsweise seiner Persönlichkeit einen Raum zu geben, in dem es sich präsentieren kann. Dies scheint einen so großen Wert zu haben, dass die steigende Anzahl an InfluencerInnen zu begründen wäre und auch, warum immer mehr Menschen versuchen, im Netz ein Bild von sich selbst zu inszenieren, das zwar von der Realität abweicht, aber Anerkennung für die Darstellung der eigenen Person schafft.

Wahrscheinlich sind soziale Netzwerke deshalb so relevant im Alltag der Kinder und Jugendlichen. Ganze „94% der Schweizer Jugendlichen sind mindestens bei einem Sozialen Netzwerk angemeldet“ (Waller 2016, S.47). Es gibt daher kaum noch Jugendliche, die dem Einfluss von Sozialen Netzwerken nicht unterliegen. Die hohe Mitgliederzahl liegt vermutlich nicht nur in der Attraktivität dieser Netzwerke begründet, sondern auch in dem hohen Druck, sich den Peer-Groups anzupassen und ein Teil der Gemeinschaft zu werden. Umso mehr Freunde die sozialen Netzwerke nutzen, umso größer wird das Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen danach, an dieser Erfahrung teilzuhaben. Die steigende Nutzung der sozialen Netzwerke mit zunehmendem Alter liegt in der bereits angesprochenen zunehmenden Relevanz der Peer Group begründet (vgl. Waller 2018, S.38).

Auch Instagram im Speziellen weißt eine große Nutzerschaft auf. Es ist neben Snapchat das soziale Netzwerk mit der größten Anzahl an Mitgliedern. „87%“ (ebd., S.44) der Schweizer Jugendlichen haben einen Account bei Instagram. Die Reichweite dieses Netzwerkes ist also enorm groß. Laut den Ergebnissen der JAMES-Studie, die seit 2010 das „Medien- und Freizeitverhalten von Jugendlichen in der Schweiz“ (Waller 2016, S.3) erforscht, steht Instagram an vierter Stelle der „beliebtesten Websites“(ebd., S.22). Dies liegt unter anderem daran, dass Jugendliche sich laut der Studie „in erster Linie Fotos“(ebd., S.52) anschauen. Diesem Bedürfnis kommt Instagram nach. Neben dem Betrachten von Inhalten, generieren die Jugendlichen diesen auch selbst. Die Ergebnisse zeigen diesbezüglich, dass „11% [...] dies mindestens einmal pro Woche, 39% einmal im Monat oder häufiger“ (ebd., S.38) tun. Wie Instagram genutzt wird, ist abhängig von den NutzerInnen, von denen der Großteil eher passiver Konsument der Inhalte ist. Aber grundsätzlich schafft Instagram für alle Mitglieder die Möglichkeit, sich der Welt zu präsentieren und dabei liegt es größtenteils an ihnen selbst, was sie teilen wollen und was nicht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Influencer auf Instagram und ihr sozialisierender Einfluss auf junge Heranwachsende
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V901885
ISBN (eBook)
9783346241184
ISBN (Buch)
9783346241191
Sprache
Deutsch
Schlagworte
influencer, instagram, einfluss, heranwachsende
Arbeit zitieren
Kim Eileen Beckmannn (Autor), 2019, Influencer auf Instagram und ihr sozialisierender Einfluss auf junge Heranwachsende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901885

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