Schlagzeilen wie: „Flüchtlinge passen nicht zum deutschen Ausbildungssystem.“ (Welt, 2017) machen stutzig. Jedoch häufen sich solle Aussagen innerhalb der Medien. Nicht nur das, denn auch innerhalb der Kollegien kommen einem immer wieder solche Aussagen zu Ohren. Gab es noch vor einigen Semestern keine Seminare zur Flüchtlingsthematik, so steigt die Nachfrage nach diesen immer mehr. Ein Thema welches in Deutschland, nicht nur in Bezug auf die Bildungspolitik, eine immer breitere Öffentlichkeit findet. Es scheint so als hätte jeder seine Meinung zur Thematik, und auch hier gehen die Meinungen und Emotionen sehr weit auseinander.
Diese Vermutungen und subjektiven Feststellungen, gehen der vorliegenden Arbeit voraus. Zunächst soll das Schulsystem Afghanistans mit seinen dazugehörigen Problemen dargestellt werden. Hier ergeben sich automatisch große Unterschiede zum deutschen Schulsystem. Dieser Themenblock soll zur Sensibilisierung beitragen. Ziel ist es darauf aufmerksam zu machen, dass die großen Unterschiede für ein starkes Erleben der Andersartigkeit, bei Geflüchteten sorgen können.
Des Weiteren wird die theoretische Grundlage geschaffen, auf welcher versucht wurde ein leitfadengestütztes Interview zu entwickeln. In diesem zweiten Thementeil findet sowohl eine Einordnung in die Sozialwissenschaft statt, als auch die Erstellung des Interviewleitfadens mit all seinen Aspekten und die Vorbereitungen, die vor dem Start eines solchen Interviews getroffen werden müssen. Auf den letzten Aspekt, das Transkribieren, eines Interviews wird bewusst nicht eingegangen, da sie für die vorliegende Arbeit nicht relevant erscheint.
Im letzten Teil der Hausarbeit, soll subjektiv reflektiert werden. Es werden Grenzen und Erfahrungen geschildert, die während der Entwicklung des Leitfadens gemacht wurden. Zu guter Letzt, wird ein Fazit gezogen, indem ein kleiner Ausblick gegeben wird, was (aus subjektiver Sicht) wünschenswert für die Zukunft wäre.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schule in Afghanistan
2.1 Geographie und Eckdaten des Landes
2.2 Kurzer Exkurs: Taliban und die Bedeutung für das Schulsystem
2.3 Schulsystem in Afghanistan und seine Schwierigkeiten
3. Leitfadengestütztes Interview
3.1 Einordnung in die Sozialforschung
3.2 Erstellung des Interviewleitfadens
3.3 Vorbereitung auf das Interview
4. Reflexion zur Erstellung meines Interviewleitfadens
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Schulsystem Afghanistans darzustellen und auf dieser theoretischen Basis einen Interviewleitfaden zu entwickeln, um Unterschiede zwischen dem afghanischen und deutschen Schulsystem aus der Perspektive von geflüchteten Personen zu erfassen und ein Verständnis für deren Erleben von Andersartigkeit zu fördern.
- Analyse des afghanischen Schulsystems und seiner aktuellen Herausforderungen
- Darstellung der methodischen Grundlagen leitfadengestützter Interviews
- Entwicklung eines Interviewleitfadens unter Berücksichtigung der "Leichten Sprache"
- Reflexion über den Prozess der wissenschaftlichen Instrumentenentwicklung und damit verbundene Unsicherheiten
Auszug aus dem Buch
3.1 Einordnung in die Sozialforschung
Das leitfadengestützte Interview ist der qualitativen Sozialforschung zuzuordnen (vgl. Flick, 2006). Nach Flick gibt es wesentliche Kennzeichen qualitativer Forschung. Diese sind:
Gegenstandsangemessenheit von Methode und Theorie Der Untersuchungsgegenstand gibt vor, welche Methode man auswählt. Dieser wird in seiner Komplexität und Ganzheit im alltäglichen Kontext untersucht. (vgl. Heistinger 2006, S.2)
Berücksichtigung und Analyse unterschiedlichster Perspektiven Die qualitative Sozialforschung berücksichtigt, dass sich gegenstandsbezogene Sicht- und Handlungsweisen unterscheiden, „… weil damit unterschiedliche subjektive Perspektiven und soziale Hintergründe verknüpft sind.“ (Heistinger 2006, S.2)
Reflexivität des Forschers oder Forscherin und der Forschung Die Reflexion eines Forschers oder Forscherin wird mit Hilfe eines Protokolls o.Ä. festgehalten. Dieses kann Handlungen und Beobachtungen im Feld beinhalten. Ebenfalls werden dort Eindrücke, Irritationen, Gefühle und Einflüsse dokumentiert. Diese Daten fließen in die Interpretation der Forschung mit ein. (vgl. Heistinger 2006, S. 2)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz der Flüchtlingsthematik im Bildungssystem und skizziert den Aufbau der Arbeit von der Analyse des afghanischen Schulsystems bis hin zur methodischen Entwicklung eines Interviewleitfadens.
2. Schule in Afghanistan: Dieses Kapitel beschreibt die geographischen und politischen Rahmenbedingungen, den Einfluss der Taliban sowie die aktuelle Struktur und die zahlreichen Schwierigkeiten des afghanischen Schulwesens.
3. Leitfadengestütztes Interview: Hier erfolgt die theoretische Einordnung des leitfadengestützten Interviews in die qualitative Sozialforschung sowie die detaillierte Beschreibung des Prozesses zur Erstellung und Vorbereitung des Leitfadens.
4. Reflexion zur Erstellung meines Interviewleitfadens: Der abschließende Teil bietet eine subjektive Reflexion der Autorin über die methodischen Grenzen, persönlichen Unsicherheiten und Erkenntnisse, die während der Entwicklung des Instruments gewonnen wurden.
Schlüsselwörter
Schulsystem, Afghanistan, Leitfadengestütztes Interview, Qualitative Sozialforschung, Leichte Sprache, Flucht, Bildung, Integration, Traumatisierung, Interviewleitfaden, Reflexion, Erziehungswissenschaften, Schulpflicht, Taliban, Soziale Integration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung des afghanischen Schulsystems und der methodischen Entwicklung eines Interviewleitfadens, um die schulischen Erfahrungen von geflüchteten Personen besser verstehen zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Bildungssystem in Afghanistan unter Berücksichtigung politischer und gesellschaftlicher Hindernisse sowie die qualitative Forschungsmethodik im Kontext von Interviews.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel besteht darin, durch die theoretische Analyse des afghanischen Schulsystems einen Interviewleitfaden zu entwerfen, der Unterschiede zum deutschen Schulsystem sichtbar macht und zur Sensibilisierung für die Situation geflüchteter Kinder und Jugendlicher beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode des leitfadengestützten Interviews aus der qualitativen Sozialforschung, ergänzt durch Prinzipien der "Leichten Sprache" für eine bessere Verständlichkeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die Darstellung des afghanischen Schulsystems, die theoretische Einordnung qualitativer Befragungen sowie die detaillierte Konstruktion und Vorbereitung des Interviewinstruments ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bildungssystem, Afghanistan, qualitative Forschung, Interviewleitfaden, Flucht und Integration geprägt.
Warum wurde bei der Leitfaden-Erstellung die "Leichte Sprache" gewählt?
Die "Leichte Sprache" wurde verwendet, um sprachliche Barrieren zu minimieren und dem Interviewpartner ein besseres Verständnis des Interviewzwecks und der Fragen zu ermöglichen.
Welche Herausforderungen nennt die Autorin bei der Erstellung des Leitfadens?
Die Autorin berichtet von Unsicherheiten bezüglich der Passung der Fragen an einen unbekannten Interviewpartner sowie der Schwierigkeit, ein Instrument zu entwickeln, das trotz Sprachbarrieren zum Erzählen anregt und keine traumatischen Flashbacks provoziert.
- Arbeit zitieren
- Carmen Büchler (Autor:in), 2018, Das Schulsystem von Afghanistan. Entwurf eines Interviewleitfadens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901940