Ein evidenzbasiertes Bewegungsprogramm für Personen mit metabolischem Syndrom


Bachelorarbeit, 2018

41 Seiten, Note: 0,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENW ÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Arterielle Hypertonie
3.2 Insulinresistenz
3.3 Fettstoffwechselstörung
3.4 Abdominelle Fettleibigkeit
3.5 Motorische Fähigkeiten
3.5.1 Prävention als vorbeugende Maßnahme
3.5.2 Die motorische Fähigkeit Kraft
3.5.3 Die motorische Fähigkeit Ausdauer
3.6 Folgen des metabolischen Syndroms

4 METHODIK

5 ERGEBNISSE

6 DISKUSSION

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABBILDUNGS-, TABELLEN-, ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 Tabellenverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

ANHANG

1 Einleitung und Problemstellung

Sportliche Aktivität wird oftmals als geplante und wiederholte Übungsform mit dem Ziel der Verbesserung oder Erhaltung der Fitness definiert“ (US Department of Health and Human Services, 2008a).

Besonders in Industrieländern ist diese Art von Aktivität in den letzten Jahrzehnten stagniert. Die World Health Organization (WHO) schätzt, dass von 2005 bis 2015 mehr als 300 Millionen Menschen an chronischen Krankheiten verstarben. Diese Situation ist auf mehrere Risikofaktoren zurückzuführen, wobei der Mangel an physischer Aktivität für 6 % aller Todesfälle weltweit verantwortlich ist (WHO, 2010b). Laut einem Bericht der WHO (2009) zählen hoher Blutdruck, Übergewicht, sowie hohe Blutzucker- und Cholesterolwerte zu den sechs bedeutendsten Faktoren hinsichtlich Mortalität.

Oftmals treten besagte Risiken zusammen, also im Verbund auf. Diese Situation ist auch der vermehrt auftretenden körperlichen Inaktivität zuzuschreiben. So hängt Diabe­tes Mellitus Typ II laut Bonadt (2016, S.50) direkt mit physischer Inaktivität zusammen. Verglichen mit dem durchschnittlichen Bewegungsprofil von früher, hat sich der kalori-sche Verbrauch auf dem jeweiligen Arbeitsplatz im Laufe der Zeit verringert. Schät-zungsweise war der tägliche Arbeitsumsatz laut Church et al. (2011) im Jahr 1960 ca. 100 kcal höher als heutzutage.

Die Herausforderung in der heutigen Zeit besteht darin, diesen verminderten Energie-verbrauch durch höhere Aufwendungen in der Freizeit zu kompensieren, um ein Entste-hen der kardiovaskulären Risikokonstellation zu verhindern. Bereits im letzten Jahrhun-dert wurde dieses „Phänomen“ von einem langjährigen Forscher des Diabetes, Gerald M. Reaven, entdeckt und als „Syndrom X“ benannt (Reaven, 1988, S.1595-1607). Zur damaligen Zeit traf dieses Syndrom eher auf wohlhabende und angesehene Personen-gruppen zu, welche vielen Ruhepausen und kaum physisch anstrengenden Tätigkeiten nachgingen (Hanefeld, Schaper & Ceriello, 2007).

Als das heute bekannte „metabolische Syndrom“ (MTS) ist laut Alberti et al. (2009) eine Ansammlung von Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen und Altersdia-betes bekannt. Zudem zählen arterielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörung, abdominel-le Fettleibigkeit und Insulinresistenz, als Vorstufe des Diabetes Typ II, dazu.

Der Alltag betroffener Personen wird durch direkte Auswirkungen, wie Kurzatmigkeit, Gelenkschmerzen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit durch Übergewicht ge-prägt.

Des Weiteren kann es auch zu chronischen Erkrankungen mit Todesfolge kommen (Bo-nadt, 2016, S.14).

Kardiovaskuläre Erkrankungen äußern sich beispielsweise durch koronare Herzerkran-kungen. Diese sind weltweit für circa neun Millionen Todesfälle verantwortlich und stellen die gefährlichste Folge dar (Deutsches Ärzteblatt (Hrsg.), 2018). Die Prävalenz des metabolischen Syndroms steigt vorrangig durch bevölkerungsüber-greifende Anpassungen des Lebensstils. Diese Adaptionen sind dem sozialen Umfeld geschuldet, eine infektiöse Übertragung ist daher ausgeschlossen. Für die Gesellschaft als Ganzes birgt das Syndrom in finanzieller Hinsicht großes Risiko: Die Krankheitsbil-der steigen quantitativ an, wodurch ein jährlicher Anstieg der Gesundheitsausgaben in Deutschland zu verzeichnen ist. Diese Ausgaben beliefen sich im Jahr 2016 auf 356.537 Millionen Euro (Statistisches Bundesamt, 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Jährliche Gesundheitsausgaben in Deutschland (Modifiziert nach: Statistisches Bundesamt, 2018)

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Literaturrecherche, um zielführende Angaben hin-sichtlich der Belastungskomponenten für ein evidenzbasiertes Bewegungsprogramm abzuleiten, um oben genannten Entwicklungen entgegenzuwirken. Im Rahmen dieser Zusammenstellung wird die Wahl der Übungen, Belastungskomponenten, beanspruch-ten motorischen Fähigkeiten und die daraus resultierenden Anpassungserscheinungen analysiert.

2 Zielsetzung

Mit dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, ob und durch welche Art und Weise ein Be-wegungsprogramm, hinsichtlich des Volumens, der Frequenz, Dauer und Übungsaus-wahl, die gesundheitliche Situation einer Person mit metabolischem Syndrom verändern kann. Dabei sollen Rückschlüsse aus Primärstudien und Bewegungsprogrammen ziel-führend und präzise auf das zu erstellende Programm bezogen werden, mit der Beant-wortung folgender Fragen: Inwiefern wirkt sich das Training der motorischen Fähigkei-ten auf den Status der Krankheitsbilder aus? Welche Rolle spielen dabei die Fähigkeiten von Kraft und Ausdauer? Welche Auswirkungen hat das Training dieser auf das ver-stoffwechselnde Gewebe? Welche Schlüsse kann man daraus hinsichtlich des Bewe-gungsprogramms ziehen? Welche Belastungsnormative sind sinnvoll und versprechen einen größtmöglichen Effekt?

Dabei sind dessen Teilziele, Erkenntnisse und Empfehlungen zu generieren, z.B.:

-wirksame Übungsauswahl
-individuell auf diese Zielgruppe zugeschnittene Belastungsmerkmale
-Risikofaktoren und individuelle Empfehlungen
-Vorsichtsmaßnahmen

Der Auswahlprozess der herangezogenen Studien wird ebenso kritisch hinterfragt, wie die Entwicklung des Programms, um eine objektive Ergebnisentwicklung zu gewähr-leisten.

3 Gegenw ärtiger Kenntnisstand

In diesem Kapitel werden Begriffe detailliert erläutert, die in der daraufhin erfolgenden Literaturrecherche Verwendung finden.

Zunächst folgen Definitionen der einzelnen Krankheitsbilder mit dem Fokus darauf, die Zusammenhänge zwischen selbigen zu erläutern. Schließlich folgt eine Erläuterung, welche morphologischen Anpassungen durch das Training der motorischen Fähigkeiten zu vernehmen sind und welche Einflüsse diese auf internistische Erkrankungen haben.

3.1 Arterielle Hypertonie

Eine arterielle Hypertonie ist definiert als anhaltende Erhöhung des Blutdrucks auf Wer-te von mindestens 140 mmHg systolisch und/oder 90 mmHg diastolisch (Williams et al., 2004, S.139-185).

Diese Form der Erkrankung ist für den Tod von circa 9,4 Millionen und die Krankheits-last weiterer Personen verantwortlich (WHO, 2014).

In den Vereinigten Staaten (USA) leiden schon fast ein Drittel der Bevölkerung an die-ser Erkrankung (Yoon et al., 2012). In Deutschland war hingegen im Jahr 2008 circa jeder Vierte Opfer der arteriellen Hypertonie (WHO, 2012). Männer sind davon eher betroffen als Frauen (WHO, 2012) und mit steigendem Alter erhöht sich die Prävalenz des Symptoms.

Statistisch gesehen, hängen arterielle Hypertonie und Diabetes Typ I + II zu 51,21 % mit Übergewicht zusammen, sowie zu 36,89 % mit koronaren Herzkrankheiten. Daraus lässt sich erkennen, warum das metabolische Syndrom auch als „Quartett“ bezeichnet wird (2018).

Der hohe Anteil der Zusammenhänge dieser Krankheitsbilder zeigt, wie eng die Symp-tome miteinander verbunden sind. Die gemeinsame Ursache liegt darin, dass das Fett-gewebe im Bauchraum nicht nur als Speichermedium dient, sondern auch als mitwir-kendes Organ am Stoffwechsel beteiligt ist. Somit gibt es Stoffe, wie z.B. Zytokine und Mediatoren in die Blutbahn ab, die an der Regulierung des Blutdrucks und der Insulin-sensitivität beteiligt sind (Rösen, 2004).

Darunter fällt der Stoff Angiotensin II, welcher den geregelten systolischen und diasto-lischen Blutdruck beeinflusst (Crowley et al., 2006). Durch die Verengung der Blutge-fäße erfolgt eine Erhöhung des Blutdrucks.

Anschließend wirkt er in Form einer Störung des Vermittlungssignals des Insulins in-nerhalb der Zelle und einer Verminderung der Insulinsensitivität in Muskel und Leber (Rösen, 2004).

Wenn dieser Zustand der verminderten Sensibilität dauerhaft vorliegt, entwickelt sich solch Zustand zu einer Resistenz.

3.2 Insulinresistenz

Insulin ist ein Hormon, welches in der Bauchspeicheldrüse hergestellt wird. Es ist für die Absorption von Glukosemolekülen und Fettsäuren (oder auch Blutzuckersenkung) an insulinabhängigen Organen, wie Muskel- und Fettgewebe, verantwortlich (Reich-stein, 2007, S.365). Die Resistenz setzt diesen Vorgang direkt an der Zelle durch eine Hemmung der Rezeptoren außer Kraft oder reduziert die Insulinsensitivität der Zelle (Bonadt, 2016, S.34). Die Bauchspeicheldrüse sendet zahlreiche Mengen an Insulin in die Blutbahn, welche dort verbleibt (Hyperinsulinämie). Befindet sich die Glukose über eine anhaltende Dauer in der Blutbahn, kann daraus Diabetes Mellitus Typ II entstehen (Bonadt, 2016, S.34).

Diese Form des Diabetes sollte nicht mit dem Typ I verwechselt werden, der angeboren aufgrund genetischer Dispositionen vorliegt. In den Vereinigten Staaten ist mit über 90 % die selbstverschuldete Form des Diabetes die weitaus häufigere (Go et al., 2013). Mit Hilfe des HbA1c-Wertes lässt sich auch über einen längeren Zeitraum der durch-schnittliche Zuckerwert aufzeigen (King, Peacock & Donnelly, 1999, S.643-648). Dabei verbleibt die Glukose in der menschlichen Blutbahn und wird laut Kerner und Brückel (2011, S.107-110) als chronische Hyperglykämie bezeichnet. Können daraus entstehend keine Glukose und Triglyceride in die Gewebezellen aufge-nommen werden, folgt eine Hemmung des Fettabbaus. Allgemein besitzen Übergewich-tige und Personen mit Insulinresistenz eine gestörte Fettstoffwechselkapazität. Dies hat eine vermehrte Speicherung von Fetten im Muskel und anderen Geweben zur Folge (Jeukendrup, 2005).

Durch Ausdauersport kann die verminderte Kapazität zur Fettoxidation auch bei Diabe-tikern gesteigert werden (König, Deibert, Dickhuth & Berg, 2006, S.242-247).

3.3 Fettstoffwechselst örung

Hinsichtlich einer allgemeinen Fettstoffwechselstörung, kann man sowohl zwischen einer Hypertriglyceridämie und einer Hypercholesterinämie unterscheiden. Ersteres ist durch eine erhöhte Ansammlung von Triglyceriden charakterisiert. Diese dienen dem Körper als Energiespeicher und treten teilweise in der Blutbahn, aber haupt-sächlich in den Zellen des Fettgewebes (Adipozyten) auf (Rassow et al., 2012). Jeder Patient, der eine Triglycerid-Konzentration von über 150 mg/dL aufweist, kommt als Opfer des metabolischen Syndroms in Frage. Bereits ein leicht erhöhter Wert des Nüchternblutzuckers von 100-125 mg/dL ist ein weiterer Verdacht für das Syndrom (Genuth et al., 2003).

Die Hypercholesterinämie zeichnet sich durch einen deutlich erhöhten Anteil des Cho-lesterins im Blut aus. Cholesterin gehört zu den Lipiden und ist auf die Lipoproteine als Transportmedium angewiesen. Laut dem National Cholesterol Education Program (2002) gibt es mehrere Klassen der Lipoproteine. Dabei wird unterschieden zwischen: Low-Density-Lipoproteine (LDL), High-Density-Li. (HDL) und Very-Low-Li. (VLDL). LDL stellt ca. 65 % an Cholesterol im Blut, HDL ca. 25 % und VLDL ca. 10 % verbunden mit sehr hohen Dosen von Triglyceriden (Bonadt, 2016, S.37). Demnach zeichnet sich das HDL durch die wichtige Rolle des reversen Cholesterintransports von den Zellen zur Leber aus. Bei Zunahme des viszeralen Fetts, kann der Anteil des HDL sinken. Als Folge reduziert sich gleichzeitig dessen Schutzfunktion für Atherosklerose (Wang & Peng, 2011).

Nach Angaben der (WHO, 2009) wird ein erhöhter Cholesterinspiegel als Indikator für diese Krankheit gewertet, im Rahmen des metabolischen Syndroms wird qualitativ zwi-schen HDL und LDL unterschieden.

Eine Störung des Fettstoffwechsels hängt indirekt mit Fettleibigkeit zusammen. Der Körperfettanteil verhält sich invers gegenüber der Insulinsensitivität. Folglich kommt es zu erhöhten Triglycerid- und LD-Lipoproteinwerten im Blut. Zudem wird die Aufnah-me von Fettsäuren innerhalb der Zelle in die Mitochondrien gehemmt, wodurch sich die Fettverbrennung weniger effektiv gestaltet (Grunnet & Kondrup, 1986).

3.4 Abdominelle Fettleibigkeit

Die abdominelle Fettleibigkeit zeichnet sich durch die androide Körperform aus. Dabei lagert das Fett besonders in der Bauchhöhle und das viszerale Fettgewebe ist stark aus-geprägt. Sofern der Taillenumfang bei Frauen mehr als 80 Zentimeter, bei Männern mehr als 94 Zentimeter beträgt, ist der Patient von dieser Diagnose betroffen. Die ge-nannten Richtlinien orientieren sich zumeist an europäischen Körperformen (Fritzsche, Wetzel-Richter & Geigges, 2016, S.186-187).

Diese Messmethode ist deutlich aussagekräftiger und zuverlässiger als z.B. die Ermitt-lung des BMI (Zhu et al., 2002), da sich daraus eher Rückschlüsse auf kardiovaskuläre Parameter schließen lassen. Der anthropometrisch erfasste Bauchumfang korreliert stark mit einem objektiv erfassten CT des viszeralen Fettgewebes (Anjana et al., 2004). Die Fettansammlungen in diesem Bereich sind nicht alleine Fettspeicher, sondern wer-den verstoffwechselt. Somit gelangen vermehrt freie Fettsäuren und so genannte Adipo-kine in den Kreislauf des Energiestoffwechsels. In diesem Punkt sind die Risikofaktoren „abdominelle Fettleibigkeit“ und die „Insulinresistenz“ eng verknüpft. Die Begründung liegt darin, dass entzündungsfördernde Adipokine die Wirkung von Insulin an den dafür vorgesehenen Rezeptoren beeinträchtigen können (Deng & Scherer, 2010). Infolgedes-sen steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Insulinresistenz und eine dysfunktionale Glu-kosetoleranz.

Um ein möglicherweise vorhandenes Diabetes Mellitus Typ II auszuschließen, sollte man nüchtern, also acht Stunden nach der letzten Mahlzeit, eine Messung im Körper-plasma durchführen (American Diabetes Association, 2011). Unter 100 mg/dL sind die Werte im Normalbereich, über 125 mg/dL spricht man von Diabetes (American Diabe­tes Association, 2011).

Das Phänomen des erhöhten viszeralen Fettgewebes ist auch in höheren Altersgruppen präsent. Ca. 40 % der Männer und ca. 60 % der Frauen leiden im Alter von über 70 Jah-ren an Adipositas (Zhu et al., 2002).

Positive morphologische Anpassungen im menschlichen Körper sollen durch das Trai­ning der motorischen Fähigkeiten herbeigeführt werden, um die Aufrechterhaltung der Gesundheit durch Prävention und Bekämpfung der Symptome zu gewährleisten.

3.5 Motorische F ähigkeiten

Motorische Fähigkeiten sind Voraussetzung für sportmotorische Leistungen. „Hier wird […] zwischen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten unterschieden“ (Carl, 1992). Unter dem Oberbegriff „konditionelle Fähigkeit“ werden unter anderem die Fähigkeit der Kraft und Ausdauer zusammengefasst.

Ein klar erkennbarer Zusammenhang zwischen diesen Komponenten ist durch folgende Definition zu beschreiben: „Auch wenn das Ausdauertraining aus gesundheitlicher Per-spektive für das Herz-Kreislaufsystem nicht zu ersetzen ist, gewinnt das Krafttraining in der Kardiologie und im Herz-Kreislauftraining zunehmend an Bedeutung“ (Meyer & Foster, 2004).

Um die körperliche Aktivität genauer zu untergliedern, kann man sich an folgenden Pa-rametern orientieren: Zum einen ist die Form des Trainings relevant, d.h. ob (an)aerobes und/oder Kraft(ausdauer)training durchgeführt wird. Zudem lässt sich die Trainingsin-tensität, -dauer und -frequenz festlegen (Bonadt, 2016, S.19-23). Außerdem ist eine Intervention zu verschiedenen Zeitpunkten möglich. Hierbei lässt sich zwischen präventiven und akuten Maßnahmen zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten unterscheiden.

3.5.1 Pr ävention als vorbeugende Maßnahme

Bedeutsam für das MTS ist die frühzeitige Prävention, da die Chancen der Prophylaxe dabei deutlich erhöht sind. Dabei ist es nicht nur möglich, eine Verschlimmerung zu bremsen/stoppen, sondern auch eine Entstehung hinauszuzögern/zu verhindern (Stan­ford & Goodyear, 2014, S.308-314). In den vergangenen Jahrzehnten haben sich zahl-reiche Kenntnisse über die Bedeutung von körperlichem Training zur Behandlung von chronischen Krankheiten angehäuft (Pedersen & Saltin, 2006, S.3-63). Körperliches Training wird daher heutzutage bei vielzähligen Erkrankungen therapeutisch eingesetzt (Hofmann et al., 2009).

Bezogen auf die Person selbst, bietet sich das Training bereits vor einem möglichen Eintritt des Syndroms an. Dieses, unter dem Begriff der „Prävention“ zusammengefass-te Konzept bezeichnet laut Hurrelmann & Laaser (2003) alle Interventionshandlungen, die sich auf Risikogruppen mit erwartbaren, erkennbaren oder bereits eingetretenen An-zeichen von Störungen und Krankheitsfällen beziehen.

Positive Effekte treten nicht nur bei betroffenen Personen auf, sondern Präventionspro-gramme haben auch gesellschaftliche Vorteile. So können laut HSH-Nordbank AG (Hrsg., 2017) hinsichtlich Stoffwechselerkrankungen Kosten eingespart werden. Diese belaufen sich durch eine Verschiebung des biologischen Alters um ein Jahr zurück auf eine Summe in Höhe von circa 10 Mrd. Euro pro Jahr.

Das biologische Alter einer Person wird mit dem tatsächlichen Alter einer durchschnitt-lichen Person verglichen. Darunter fallen individuelle Veränderungsprozesse, die eine Abnahme der Anpassungsfähigkeit des Organismus nach sich ziehen. Das biologische Alter steigt proportional mit dem generellen körperlichen Abbau eines Menschen (Böhm et al., 2009).

Im Rahmen der frühzeitigen Maßnahmen lässt sich die Prävention in drei (plus eine) Stufe einteilen, die sich sowohl mit vorbelasteten Zielgruppen, als auch der allgemeinen Bevölkerung beschäftigt.

Die Vorstufe der ersten Ebene befasst sich mit der Gesamtbevölkerung und zielt darauf ab, durch gezielte präventive Maßnahmen hinsichtlich der Ernährungsweise und physi-schen Aktivität, das Risiko einer Erkrankung zu minimieren. Diese so genannte primordiale Stufe setzt bereits vor einer möglichen Ermittlung kritischer Messwerte des MTS ein.

Sie findet im gesunden Zustand Anwendung und soll nach Hurrelmann & Laaser (2003) die Gesundheit gewährleisten und fördern.

Die primäre Prävention setzt gezielt bei Risikogruppen ein. Die Interventionen in dieser Phase beziehen sich auf die Vorbeugung und Früherkennung von krankheitsbegünsti-genden Faktoren, Beispiele hierfür sind vererbbare Krankheitsbilder und risikobehaftete Zielgruppen (Franzkowiak, 2018, S.2).

Sofern sich die Krankheit bereits in einem frühen Stadium befindet, tritt die sekundäre Prävention ein. Diese beschäftigt sich mit der spezifischen Erkennung der Symptome und der genauen Krankheitsbenennung, zudem sollen hierbei die auslösenden Parameter beeinflusst werden (Franzkowiak, 2018, S.2-3).

Ein anderer Begriff für die tertiäre Prävention ist die Rehabilitation. Wie das Wort im-pliziert, soll die Gesundheit wiedererlangt werden. Dabei geht es darum, den Verlauf der Krankheit und deren Auswirkungen zu beeinflussen (Hurrelmann & Laaser, 2003; Joch & Ückert, 1999).

Die Maßnahmen der Prävention und der akuten Intervention hinsichtlich des Trainings motorischer Fähigkeiten sind prinzipiell gleich, unterscheiden sich im Zeitpunkt des Krankheitsverlaufes aber deutlich.

3.5.2 Die motorische F ähigkeit Kraft

Als Muskelkraft bezeichnet man die maximale Kraft, die durch einen Muskel oder eine Muskelgruppe erzeugt werden kann. Statische oder isometrische Kraft kann mit einer Vielzahl von Geräten sehr einfach gemessen werden (Halle, Schmidt-Trucksäß, Ham-brecht & Berg, 2008).

Eine Definition lautet: "Die konditionelle Fähigkeit "Kraft" beschreibt solche Muskel-leistungen, die mindestens 30 % der jeweils überwindbaren Last betragen" (Martin et al., 2001).

Interessant für Personen mit metabolischem Syndrom ist die Verbesserung der Kraftfä-higkeit, da sich diese direkt und indirekt auf die gesundheitliche Verfassung des Be-troffenen auswirkt. Direkte Auswirkungen auf die Kontraktion der peripheren Skelett-muskulatur zurückzuführen. Der muskuläre Energieverbrauch bzw. Ruheumsatz steigt (Stemper, 2015, S.92). Die Energiebereitstellung unter körperlicher Belastung wird zu-nächst besonders durch die Glykolyse gedeckt. Anfangs wird die intramuskuläre Gluko-se verwendet, welche aus den muskulären Glykogenreserven stammt (Esefeld, Zimmer, Stumvoll & Halle, 2017). Übertragen auf die Problematik des MTS, begünstigt dieser Vorgang die Senkung des Glukosespiegels. Zudem führt jegliche physikalische Span-nungserhöhung der Muskelfasern letztendlich zu einer verbesserten Wirkung des Insu­lins. Zunächst steigt der Glukosetransport aus intrazellulären Kompartimenten an die Muskelzellmembran.

Zudem verbessert sich die Insulinsensitivität und der Glukosetransport, da die Insulin-bindung an muskulären Insulinrezeptoren, die Aktivität der Enzyme des Stoffwechsels und die Anzahl der muskulären Kapillardichte ansteigt. Des Weiteren vergrößert sich auch die Anzahl der muskulären Insulinrezeptoren (Stanford & Goodyear, 2014). Während der vorherrschenden Lipolyse zieht der Organismus vorrangig Fette aus Mus-kel- und Fettgewebe heran. Bei länger andauernder Muskelarbeit nutzt der menschliche Körper ergänzend freie Fettsäuren zur Energiegewinnung (ß-Oxidation). Folglich des-sen kann somit durch regelmäßiges körperliches Training das Lipidprofil deutlich ver-bessert werden (Benzer & Haber, 1999).

Zudem finden indirekte morphologische Anpassungen statt. Durch den als Maximal-und Schnellkrafttraining beschriebenen Prozess vergrößert sich der Muskelquerschnitt, laut Friedmann (2007) findet Hypertrophie statt.

Das regelmäßige Training mit Komponenten der Kraftfähigkeit bringt also eine Vergrö-ßerung der Muskelgesamtfläche und des Muskulaturquerschnitts mit sich. Zusätzlich steigt der Ruheumsatz durch die anabole Stoffwechsellage nach der Belastung (Stein-metz, 1999). Da besonders im muskulären Gewebe viele Mitochondrien vorzufinden sind und diese zur Energiebereitstellung dienen, wird ein erhöhter Kalorienverbrauch begünstigt. Aufgrund dieser Nachhaltigkeit der metabolischen Adaption, bietet kraft-ausdauerorientiertes Training einen theoretischen Vorteil gegenüber reinem Ausdauer-training, zudem ist somit eine hypokalorische Lebensweise für den Betroffenen leichter zu erreichen.

Durch den niedrigen Blutzuckerspiegel sinkt ebenfalls der Insulinspiegel zum Ende der Belastung. Davon profitieren Übergewichtige, da dadurch tendenziell auch der Appetit gehemmt ist (Rost, 1995). Aus diesen Anpassungen profitiert der Körper demnach indi-rekt durch eine effektivere Zellaufnahme von Glukose.

Bei maximalen Kraftbelastungen kommt es zu besonders hohen Blutdruckanstiegen. Gesunde Personen sind bei diesen Belastungen nicht gefährdet. Jedoch für den Hyper-toniker, dessen Blutdruck schon vor Beginn der Belastung erhöht ist, kann dies eine Gefahr darstellen (vgl. Kindermann 2003, 34). Dieses Risiko ist bei moderatem Kraft-training deutlich reduziert, zusätzlich hängt es vom Schweregrad der Hypertonie ab. Generell eignet sich diese Belastungsart für Hypertoniker mit niedrigen bis mittleren Belastungsintensitäten ohne Pressatmung (Halle et al., 2008).

Dynamische, ausdauerorientierte Sportarten sind prinzipiell deshalb eher für den Hyper-toniker geeignet als die statischen, kraftbetonten Sportarten (Rost, 1995; Kindermann, 2003). Krafttraining als ergänzende Komponente verstärkt jedoch die positiven Effekte des reinen Ausdauertrainings, bezogen auf die Herzkreislauffunktion (Laoutaris et al., 2013, S.1967-1972).

3.5.3 Die motorische F ähigkeit Ausdauer

Dieser Fähigkeit wird laut Joch & Ückert (1999) die zentrale Rolle der Regenerations-fähigkeit nach ermüdenden Belastungen zugeschrieben. „Ausdauer ist die physische und psychische Ermüdungswiderstandsfähigkeit und die Fähigkeit der schnellen Regenera­tion nach sportlichen Belastungen.“ Die Systematisierung der Ausdauer kann nach dem Umfang der eingesetzten Muskulatur (global, regional, lokal), der Belastungsdauer (Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauer) oder der Art der vorrangigen Energiebereitstel-lung (aerob, anaerob) erfolgen (Conzelmann, 1994; Hohmann, Lames & Letzelter, 2003).

[...]

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Ein evidenzbasiertes Bewegungsprogramm für Personen mit metabolischem Syndrom
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
0,7
Jahr
2018
Seiten
41
Katalognummer
V902073
ISBN (eBook)
9783346209313
ISBN (Buch)
9783346209320
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bewegungsprogramm, personen, syndrom
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Ein evidenzbasiertes Bewegungsprogramm für Personen mit metabolischem Syndrom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902073

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