FORSCHUNGSFRAGE:
Welches Profil des vorhandenen Gruppenangebotes einer psychiatrischen Klinik mit Versorgungsauftrag lässt sich unter Berücksichtigung ausgewählter Merkmale von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität darstellen? Durch welche Berufsgruppen wird dies sichergestellt und welchen Anteil nimmt die psychiatrische Pflege dabei ein?
METHODE:
Explorative quantitative Studie mit einer Vollerhebung des gesamt vorliegenden Gruppenangebotes einer psychiatrischen Klinik mit dem Versorgungsauftrag für die Stadt Bielefeld.
Beschreibung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität mittels eines entwickelten Fragebogens durch Pflegende im Rahmen einer Arbeitsgruppe und Ergänzung durch die Autorin. Schriftliche Befragung der Gruppenverantwortlichen in einem Zeitrahmen von drei Monaten (Okt.- Dez. 03). Die Untersuchung erfolgte zusätzlich über telefonische Rückfragen zu Steigerung der Datenqualität. Die Auswertung der Daten erfolgte über SPSS© für Windows. Der Auswertung liegen die oben genannten Fragestellungen zugrunde, welche eine Auswertung mit zwei Datenmatrix’ erforderten.
ERGEBNISSE:
Es wurden zum Erhebungszeitpunkt 266 (100%) Gruppenangebote erfasst. Diese konnten mittels Überkategorien unterteilt werden in Bewegungstherapeutische Angebote (n=41; %=15.4), Ergotherapeutische Angebote (n=44; %=16.5), Euthyme Therapie und Entspannung (n=23; %=8.6), Gruppentraining sozialer Kompetenzen (n=11; %=4.1), Psychoedukative Angebote (n=19; %=7.1), Themenzentrierte Gesprächsgruppen (n=35; %=13.2), Gruppen für strukturierende Maßnahmen (n=50; %=18.8), Psychotherapeutische Angebote (n=18; %=6.8) und Aktivitäten- und Freizeitgruppen (n=25; %=9.4). Unterteilt wurden alle Gruppen in „berufsinterne“ (n=170; %=64) und „berufsübergreifend“ (n=96; %=36) Durchführung und Leitung von Therapiegruppen. Vertreten wurden die „berufsinternen“ Gruppendurchführungen von Ärzten (n=6; %=2.3), Psychologen (n=4; %=1.5), Sozialarbeitern (n=5; 1.9), von der Pflege (n=60; 22.6), Ergotherapeuten (n=43; %=16.2), Bewegungstherapeuten (n=32; %=12), Musiktherapeuten (n=8; %=3), von der Seelsorge (n=10; %=3.8), Reittherapeuten (n=1; %=0.4) und Hauswirtschaftlern (n=1; %=0,4). Deutlich in Gruppen vertreten sind Pflegepersonal, Ergotherapeuten und Bewegungstherapeuten. Die maximale Teilnehmerzahl in Gruppen beträgt 12.55, die tatsächliche Teilnehmerzahl liegt bei 8.82 (Mittelwerte).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2 Begründung der Studie
2 Fragestellung und Ziele der Arbeit
3 Theoretischer Bezugsrahmen und Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes
3.1 Die Gruppe
3.1.1 Allgemeine Gruppendefinitionen
3.1.2 Gruppenmerkmale
3.1.3 Die therapeutische Gruppe
3.2 Allgemeine Gesichtspunkte therapeutischer Gruppenarbeit in der Psychiatrie
3.2.1 Konzepte psychiatrischer Gruppeninterventionen
3.3 Zur Relevanz von Gruppenarbeit für die Pflege
3.4 Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes
3.4.1 Die von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel
3.4.2 Die Krankenanstalten Gilead gGmbH
3.4.3 Das Zentrum für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin (ZPPM)
3.6 Zum aktuellen Forschungsstand (Stand: 01.10. 03)
4 Material und Methodik
4.1 Angewandte Forschungsmethode
4.2 Parameter zur Evaluation der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
4.3 Untersuchungsverlauf
4.4 Verwendete Verfahren der Datenanalyse
5 Ergebnisdarstellung
5.1 Vergleich der erhobenen Therapiegruppen und ihrer strukturellen Rahmenbedingungen des ZPPM, Bielefeld
5.1.1 Spezielle Auswertung für die Berufsgruppe der Pflege
5.2 Allgemeine berufsgruppenbezogene Auswertung
5.2.1 Verteilung der Berufsgruppe der Pflege innerhalb therapeutischer Gruppeninterventionen
5.2.2 Interdisziplinarität der Pflege und Gruppenarbeit
5.3 Darstellung innerer Strukturen therapeutischer Gruppen
5.3.1 Vergleich zu pflegetherapeutisch übernommenen Gruppeninterventionen
5.4 Analyse zeitlicher Rahmen in Therapiegruppen
5.4.1 Zeitliche Korridore bei pflegerischer Teil- und Übernahme therapeutischer Gruppenangebote
5.5 Ergebnisdarstellung patientenbezogener Prozessqualitäten
5.5.1 Analyse pflegerischer Gruppenangebote
5.6 Ergebnisqualitäten therapeutischer Gruppen
5.6.1 Zur Ergebnisqualität pflegetherapeutischer Gruppen
6 Diskussion der Ergebnisse und Ausblick
6.1 Ergebnisbetrachtung und Schlussfolgerung zur aktuellen Literatur
6.2 Grenzen vorliegender Arbeit
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Profil therapeutischer Gruppenangebote in einer psychiatrischen Klinik unter Berücksichtigung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität, mit besonderem Fokus auf den Anteil und die Rolle der psychiatrischen Pflege.
- Analyse des therapeutischen Gruppenangebots einer psychiatrischen Klinik.
- Untersuchung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der Gruppenarbeit.
- Erfassung der Beteiligung und Rollenverteilung verschiedener Berufsgruppen.
- Evaluation der spezifischen Mitwirkung und Verantwortung der psychiatrischen Pflege.
- Ableitung konzeptioneller Handlungsempfehlungen auf Basis der erhobenen Daten.
Auszug aus dem Buch
Die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT)
„[…] Der DBT liegt ein Diathese-Stress-Modell zugrunde, das die Borderline-Persönlichkeitsstörung durch ein Zusammenwirken früher Traumatisierung, Vernachlässigung und einer neurobiologischen Disposition erklärt“. Aus pathologischer Sicht gesehen reagiert das Nervensystem schon bei geringfügigen emotionalen Stimuli mit einem starken Erregungsanstieg. Die Emotionen werden häufig nicht differenziert wahrgenommen, sondern von den Betroffenen als diffus erlebt. Durch eine sich daraus entwickelnde psychophysiologischen Spannung, welche nur sehr langsam abgebaut wird, greifen die Betroffenen zu dysfunktionalen Bewältigungsstrategien in Form von z. B. selbstverletzendem Verhalten, (vgl. Gunia, 2000: 4f.).
Es wurde festgestellt, das alle bisher bekannten Therapieansätze, sei es nun die Psychoanalyse, das Psychodrama oder sonstige Therapien, nicht wirklich halfen. Psychoanalyse hat gar nicht gewirkt, stützende Therapie nur wenig, mit der stützend - expressiven Psychotherapie hat sich die Krankheitssymptome zumindest etwas verbessert. Die Therapie war allerdings immer sehr langwierig und dauerte zum Teil 5-10 Jahre.
Die DBT ist eine Therapieform, die vor über 10 Jahre von Marsha Linehan (90er Jahre des letzten Jahrhunderts) auf der Basis der Verhaltenstherapie entwickelt und manualisiert wurde. „[…] Sie ergänzt die kognitive Verhaltentherapie um Elemente aus humanistischen Therapieverfahren, Hypnotherapie und im Besonderen aus dem Zen.“ Ursprünglich entwickelt wurde sie für den ambulanten Bereich und setzt sich aus vier Therapiebausteinen zusammen: (1) Einzeltherapie, (2) Fertigkeitentraining (Social-Skills-Training) in der Gruppe, (3) Telefonkontakt im Notfall und (4) regelmäßige Intervision der TherapeutInnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die ökonomischen Rahmenbedingungen in der Psychiatrie und begründet die Notwendigkeit, Gruppen als zentrales therapeutisches Medium professionell zu untersuchen.
2 Fragestellung und Ziele der Arbeit: Das Kapitel definiert das Forschungsinteresse an der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität von Gruppenangeboten sowie die spezifische Rolle der psychiatrischen Pflege.
3 Theoretischer Bezugsrahmen und Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes: Hier werden theoretische Grundlagen zu Gruppen, gruppendynamischen Prozessen und spezifischen Therapieformen (wie DBT, Euthyme Therapie, IPT, Psychoedukation, GSK) erarbeitet.
4 Material und Methodik: Es wird das methodische Vorgehen der explorativen, quantitativen Studie beschrieben, inklusive der Erhebung mittels Fragebogen im ZPPM Bielefeld.
5 Ergebnisdarstellung: Die erhobenen Daten werden detailliert analysiert, insbesondere hinsichtlich der Verteilung, Auslastung und pflegerischen Beteiligung an den verschiedenen Gruppenangeboten.
6 Diskussion der Ergebnisse und Ausblick: Die Ergebnisse werden im Kontext der aktuellen Literatur diskutiert, wobei der Fokus auf dem Professionalisierungsprozess der psychiatrischen Pflege liegt.
7 Zusammenfassung: Dieses abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Studie zusammen und weist auf den weiteren Forschungsbedarf hin.
Schlüsselwörter
Psychiatrische Pflege, therapeutische Gruppen, Strukturqualität, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Gruppenarbeit, Psychoedukation, Professionalisierung, ZPPM, stationäre Psychiatrie, Gruppenangebot, Evaluation, Versorgungsauftrag, Interdisziplinarität, Sozialpsychiatrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das therapeutische Gruppenangebot einer psychiatrischen Klinik (ZPPM Bielefeld) und untersucht, wie dieses Angebot unter Berücksichtigung von Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität strukturiert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Studie befasst sich mit der Gruppenarbeit in der Psychiatrie, der Professionalisierung der psychiatrischen Pflege, der Qualitätssicherung von Therapiegruppen und dem interdisziplinären Einsatz von Personal.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, ein Profil der vorhandenen Gruppenangebote zu erstellen und zu bestimmen, welchen Anteil die psychiatrische Pflege an der Durchführung und Sicherstellung dieser Gruppen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung verwendet?
Es wurde eine explorative, quantitative Studie mit einer Vollerhebung aller Therapiegruppen des ZPPM Bielefeld durchgeführt, wobei die Daten mittels eines standardisierten Fragebogens ermittelt und statistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Bezugsrahmen zu verschiedenen Gruppenmodellen und eine detaillierte Ergebnisdarstellung der erhobenen Daten aus dem untersuchten Zentrum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind psychiatrische Pflege, Gruppenarbeit, Qualitätskriterien, Versorgungsauftrag, Evaluation und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Wie schneidet die psychiatrische Pflege bei der Übernahme von Gruppen ab?
Die Ergebnisse zeigen, dass die Pflege neben anderen Berufsgruppen eine der größten Säulen in der Durchführung von Gruppentherapien darstellt, allerdings häufig in bereichen wie Milieugestaltung und strukturierenden Maßnahmen.
Welche Rolle spielt die Manualisierung für die Qualität der Gruppenarbeit?
Die Studie belegt, dass nur ein geringer Teil der Gruppen (ca. 21,8%) auf Manualen oder wissenschaftlicher Literatur basiert, was die Autorin als kritisch für die Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit der Angebote betrachtet.
- Quote paper
- Chloé Renard (Author), 2004, Analyse des therapeutischen Gruppenangebotes einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin anhand von Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90216