Jeden Tag sterben in Deutschland Menschen, weil kein passendes Organ für sie gefunden werden kann. Dabei ist die Organspenderate in Spanien ist deutlich höher als in Deutschland. Die Arbeit gibt Antworten auf diese Unterschiede und zeigt Möglichkeiten auf, wie die Organspenderate in der BRD angehoben werden kann.
Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil ihnen nicht rechtzeitig ein neues Organ transplantiert werden kann. Doch obwohl die Bevölkerung dem Thema Organspende weitestgehend positiv gegenübersteht, war Deutschland mit einer Organspenderate von 11,2 pmp (per million people) im vergangenen Jahr wie schon in den vorherigen Jahren eines der Schlusslichter im internationalen Vergleich.
Spanien hingegen gilt beim Thema Organspende international als Musterbeispiel: Hier werden schon lange pro Million Einwohner so viele Organe wie nirgendwo sonst auf der ganzen Welt gespendet.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Hauptteil
1. Gesetzliche Regelung
2. Entscheidungsort Krankenhaus
3. Organisation und Infrastruktur
4. Lebendspende
5. Einstellung der Bevölkerung
C. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die signifikanten Unterschiede in den Organspenderaten zwischen Deutschland und Spanien, um zu ergründen, warum das spanische System trotz vergleichbarer Spendebereitschaft der Bevölkerung deutlich höhere Erfolgsquoten erzielt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf organisatorische, gesetzliche und strukturelle Einflussfaktoren, die das deutsche System von der erfolgreichen Praxis des sogenannten Spanischen Modells unterscheiden.
- Gesetzliche Rahmenbedingungen und deren praktische Umsetzung
- Struktur und Organisation der Transplantationsprozesse in Kliniken
- Rolle staatlicher Institutionen und Koordinierungsstellen
- Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit und gesellschaftlichen Einstellung
- Vergleich der Identifikations- und Betreuungsmechanismen
Auszug aus dem Buch
1. Gesetzliche Regelung
Wie in der Einleitung schon erwähnt wurde, ist die Organspende ein mitunter sehr persönliches Thema, zu dem verschiedene Ansichten innerhalb der Bevölkerung existieren. Wenn jemand seinen Willen – egal ob Zustimmung oder Widerspruch – ausdrücklich kundtut, so ist die Sache für ihn geregelt. Was aber passiert, wenn ein Verstorbener seinen Willen zu Lebzeiten nicht mitgeteilt hat? International lassen sich vor allem zwei verschiedene gesetzliche Regelungen für diesen Fall unterscheiden.
Bei der Widerspruchsregelung „gilt ein Patient […] [automatisch] als potentieller Spender, wenn er sich zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen einen solchen Eingriff ausgesprochen hat“ (Becker 2000: 67). Anders wird bei der Zustimmungsregelung verfahren: Hier ist die Organentnahme nur nach vorheriger ausdrücklicher Einwilligung des Verstorbenen möglich. Bei beiden Möglichkeiten kann die Entscheidungsgewalt auf die Angehörigen ausgeweitet werden, was dann erweiterte Zustimmungs- / Widerspruchsregelung genannt wird (vgl. Becker 2000: 67-68; Vatter et al. 2011: 51).
Die Situation in Spanien ist auf den ersten Blick etwas verwirrend: Dort ist gesetzlich zwar die Widerspruchsregelung vorgesehen, „[de facto] wird jedoch vor jeglicher Organentnahme […] ausdrücklich die Zustimmung der Familie erfragt, was der Praxis einer [erweiterten] Zustimmungslösung entspricht“ (Vatter et al. 2011: 51; vgl. Wallet 2018).
In Deutschland gilt die erweiterte Zustimmungsregelung. Im Januar 2020 scheiterte ein Gesetzentwurf zur Einführung der Widerspruchsregelung im Deutschen Bundestag (vgl. TPG 2019: §§3, 4; Zeit Online 2020).
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik des Organmangels in Deutschland ein, kontrastiert diesen mit dem Erfolg des spanischen Modells und definiert die untersuchten Einflussfaktoren auf die Spendebereitschaft.
B. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Unterschiede in der gesetzlichen Regelung, der klinischen Entscheidungsfindung, der organisatorischen Infrastruktur, der Lebendspende sowie der öffentlichen Wahrnehmung und Aufklärung.
C. Zusammenfassung: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über die Systemunterschiede und reflektiert, inwieweit das spanische Modell als Vorbild für die deutschen Reformbemühungen dienen kann.
Schlüsselwörter
Organspende, Organspenderate, Deutschland, Spanien, Transplantationsgesetz, Widerspruchsregelung, Zustimmungsregelung, Organtransplantation, Transplantationsbeauftragte, Klinikstruktur, Spendebereitschaft, Organmangel, Gesundheitswesen, Öffentlichkeitsarbeit, Hirntod.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Diskrepanz bei den Organspenderaten zwischen Deutschland und Spanien und untersucht die zugrunde liegenden strukturellen und organisatorischen Gründe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die gesetzlichen Regelungen, die organisatorische Ablauforganisation in Krankenhäusern, die Rolle der Transplantationsbeauftragten und die Bedeutung der öffentlichen Aufklärung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen dem deutschen und spanischen System zu erarbeiten, um zu verstehen, warum Spanien bei der Organspende international als Musterbeispiel gilt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf einen vergleichenden Systemvergleich basierend auf Fachliteratur, Expertenanalysen und statistischen Daten zur Spendebereitschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden fünf Faktoren detailliert untersucht: Gesetzliche Regelung, Entscheidungsort Krankenhaus, Organisation und Infrastruktur, Lebendspende und die Einstellung der Bevölkerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Organspende, Transplantationsgesetz, Widerspruchsregelung, Organspenderate und das spanische Modell.
Welche Rolle spielt das Krankenhaus bei der Organspende?
Das Krankenhaus ist entscheidend für die Identifikation potenzieller Spender und die professionelle Betreuung der Angehörigen; Unterschiede in der Routine und Refinanzierung beeinflussen hier die Erfolgsraten maßgeblich.
Wie hat sich die Situation durch die Gesetzesänderungen 2019/2020 verändert?
Deutschland hat durch neue Regelungen wie die verpflichtende Einsetzung von Transplantationsbeauftragten und verbesserte Finanzierungsstrukturen versucht, sich dem spanischen Modell organisatorisch anzunähern.
- Arbeit zitieren
- Jens Herlemann (Autor:in), 2020, Warum unterscheiden sich die Organspenderaten in Deutschland und Spanien?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902209