Wie effizient ist der Finanzsektor in Deutschland? Um diese Fragen zu beantworten, hat diese Arbeit sowohl das Ziel, die Leistungserfassung des Finanzsektors zu erklären als auch, den Beitrag des Finanzsektors zur Wertschöpfung zu ermitteln. Das Kapitel „Grundlagen“ zielt darauf ab, die theoretischen Grundlagen zur Produktion, den Produktionsfaktoren und der Wertschöpfung vorzustellen und anschließend zu erläutern, welche Bedeutung Wertschöpfung im Kontext der VGR hat. Daraufhin wird im dritten Kapitel der statistische Rahmen zur Messung von Finanzdienstleistung in der VGR geschaffen. Dort wird zunächst ein Überblick über die Entwicklung der Leistungserfassung von Finanzdienstleistung gegeben. Im Anschluss daran erfolgt eine detaillierte Beschreibung der aktuellen Methode zur Erfassung der Bankproduktion, dem FISIM.
Mit dem Wissen über FISIM wird daraufhin ermittelt, welchen Anteil die Finanzdienstleister an der gesamten Bruttowertschöpfung Deutschlands haben. Wie eingangs erwähnt, kann je nachdem welche Methode angewendet wird, die Höhe der Leistung und des Wertschöpfungsbeitrags des Finanzsektors beeinflusst werden. Vor diesem Hintergrund stellt diese Arbeit eine kritische Bewertung des FISIM dar und bezieht sich dabei auf die wesentlichen Kritikpunkte aus der Wissenschaft. Dabei folgt die Arbeit der Leitfrage, inwieweit FISIM geeignet ist, die Finanzdienstleistung und -wertschöpfung in der VGR korrekt zu erfassen. Um die kritische Bewertung zu ergänzen, werden alternative theoretische Ansätze zur Messung von Finanzdienstleistung vorgestellt. Außerdem wird gezeigt, welche Effekte eine Korrektur von FISIM auf die Höhe der Produktion der Finanzdienstleistung hätte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und methodisches Vorgehen
2. Grundlagen
2.1 Theorie der Produktion, Produktionsfaktoren und Wertschöpfung
2.2 Wertschöpfungserfassung in der VGR
3. Der statistische Rahmen zur Messung der Finanzdienstleistung in der VGR
3.1 Internationale Entwicklung der Leistungserfassung von SNA 1993 bis SNA 2008
3.2 Berechnung des Outputs von Finanzdienstleistung via FISIM
3.3 Beitrag der gesamten Finanzdienstleistung zur Wertschöpfung Deutschlands
4. Bewertung des FISIM zur Messung der Finanzdienstleistung in der VGR
4.1 Wesentliche Kritikpunkte an FISIM
4.2 Weitere theoretische Ansätze zur Messung der Finanzdienstleistung
5. Fazit
6. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Methoden zur Erfassung der Leistung des Finanzsektors in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), insbesondere die FISIM-Methode (Financial Intermediation Services, Indirectly Measured), um deren Eignung zur korrekten Bestimmung des Wertschöpfungsbeitrags des Finanzsektors zu bewerten.
- Methoden zur Erfassung von Finanzdienstleistungen in der VGR
- Anwendung und Kritik der FISIM-Methode
- Wertschöpfungsbeitrag des deutschen Finanzsektors
- Einfluss von Risikoprämien auf die Messung der Bankproduktion
- Alternative theoretische Ansätze zur Messung von Bankdienstleistungen
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Den Output von Finanzdienstleistung in einer Volkswirtschaft mit statistischen Modellen korrekt zu bemessen beschäftigt die Wissenschaft schon seit einiger Zeit. Bereits mit der erstmaligen Einführung eines standardisierten Systems für volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (VGR) im Jahr 1952, begannen Debatten darüber, wie die Höhe der Bankproduktion geschätzt werden könnte (Groslambert, Chiappini und Bruno 2016: 496). Die Relevanz einer adäquaten Erfassung von Finanzdienstleistung in der VGR ist hoch. Eine mögliche Überschätzung der Leistung des Finanzsektors, aufgrund der verwendeten Methode, kann, den Autoren zufolge, wesentliche Auswirkungen auf die Höhe des Bruttoinlandsprodukts (BIP) haben.
Welche Bedeutung dem Finanzsektor zukommt, zeigte sich beispielhaft ab dem Jahr 2007. Durch das Platzen der Immobilienblase und dem daraus resultierenden Ausfall zahlreicher unzureichend besicherter Kredite im US-amerikanischen Finanzsektor, entwickelte sich eine Finanz- und Wirtschaftskrise, die die ganze Weltwirtschaft in die Rezession führte. Folglich ist ein starker und krisensicherer Finanzsektor für die Volkswirtschaft zur Vorbeugung solcher Krisen ein bedeutendes Ziel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Problemstellung der statistischen Erfassung von Finanzdienstleistungen und deren Bedeutung für das BIP sowie das Ziel der Arbeit.
2. Grundlagen: Erläutert theoretische Konzepte zur Produktion, Produktionsfaktoren und Wertschöpfung sowie deren Einordnung in die VGR.
3. Der statistische Rahmen zur Messung der Finanzdienstleistung in der VGR: Beschreibt die internationale Entwicklung der Leistungserfassung, die Funktionsweise von FISIM und den Beitrag der Finanzdienstleistung zur Wertschöpfung in Deutschland.
4. Bewertung des FISIM zur Messung der Finanzdienstleistung in der VGR: Analysiert kritisch die Schwächen der FISIM-Methode, insbesondere im Kontext der Finanzkrise, und stellt alternative theoretische Ansätze vor.
5. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung von FISIM sowie die Notwendigkeit einer methodischen Weiterentwicklung.
6. Anhang: Enthält die tabellarischen Daten und die detaillierten Berechnungen für den Beitrag des Finanzsektors zur Wertschöpfung.
Schlüsselwörter
Finanzsektor, Wertschöpfung, VGR, FISIM, BIP, Banken, Finanzdienstleistung, Bankproduktion, Produktionsfaktoren, Risikoprämie, Volkswirtschaft, Wirtschaftswachstum, Statistik, Finanzkrise, Zinsmarge
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Leistung des Finanzsektors in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) gemessen wird und ob diese Messung, insbesondere mittels der FISIM-Methode, ökonomisch korrekt und plausibel ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition von Produktionsprozessen, die methodischen Grundlagen der FISIM-Berechnung (Financial Intermediation Services, Indirectly Measured) sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Einbeziehung von Risikoprämien in die Bankproduktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Leistungserfassung des Finanzsektors zu erklären, den Beitrag des Sektors zur Wertschöpfung in Deutschland zu ermitteln und kritisch zu bewerten, inwieweit FISIM für eine korrekte Erfassung geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer deskriptiven sowie quantitativen Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamtes unter Anwendung statistischer Kennzahlen wie dem arithmetischen Mittel, der Standardabweichung und der CAGR.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der statistischen Rahmenbedingungen (SNA 1993 bis SNA 2008), der detaillierten Funktionsweise von FISIM und einer umfassenden Kritik, insbesondere hinsichtlich der Verzerrungen durch Risikoprämien in Krisenzeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Finanzsektor, Wertschöpfung, FISIM, Bankproduktion, Risikoprämie und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR).
Warum wird FISIM in der Arbeit kritisiert?
Kritisiert wird, dass FISIM in Krisenzeiten unplausible Ergebnisse liefert, da die Methode nicht zwischen tatsächlich erbrachter Dienstleistung und einer Erhöhung der Zinsmarge zur Risikokompensation der Banken unterscheidet.
Welche Bedeutung hat das Ergebnis der Arbeit für die Wirtschaftspolitik?
Das Ergebnis legt nahe, dass die derzeitige Methode FISIM die Bankproduktion möglicherweise überschätzt, was darauf hindeutet, dass politische Entscheidungen auf Basis der VGR-Daten unter Umständen auf verzerrten Kennzahlen beruhen könnten.
- Citation du texte
- Robin Kokes (Auteur), 2020, Welchen Wertschöpfungsbeitrag leistet der Finanzsektor?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902334