Will man etwas zum Stand der transatlantischen Beziehungen sagen, so kommt man nicht aus ohne das Thema des Irakkriegs von 2003 anzuschneiden. Sowohl die Querelen im Vorfeld des Krieges bei denen es vor allem um die Frage der Legitimität dieses Krieges ging als auch die dem Krieg folgenden Diskussionen um Folter und die Zukunftsaussichten des Irak vermitteln den Eindruck als sei zwischen den USA und Europa eine Kluft entstanden die sich allenfalls überbrücken aber wohl nicht schließen lässt. Wenig verwunderlich scheint, dass sich die Vorhersagen was die Zukunft des Irak nach Ende des Krieges angeht, in Europa und den USA stark unterschieden. Die folgende Arbeit macht es sich zur Aufgabe die Motive und Ziele der Staaten der Koalition sowie die der europäischen Staaten die den Krieg ablehnten darzustellen – ohne allerdings die hinreichend bekannte Historie des Konflikts nachzuvollziehen. Anhand dieser Grundlage sollen dann die die unterschiedlichen Vorhersagen
nachvollziehbar gemacht werden und es wird evaluiert welche Vorhersagen eintrafen, welche nicht und natürlich vor allem warum dies jeweils so war. Im Anschluss daran wird dann der Versuch unternommen Lehren aus dem Fall Irak abzuleiten die bei zukünftigen Interventionen dieser Art zu berücksichtigen wären. Zuletzt wird dann auf den Zustand und die Zukunftsaussichten für die transatlantischen Beziehungen eingegangen. Es wird sich zeigen, dass es zwischen den atlantischen Partnern zwar erhebliche Divergenzen im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik gibt, dass diese aber durch den Irakkrieg lediglich offengelegt wurden und keineswegs durch ihn erst entstanden. [...] Bei näherer Betrachtung der Differenzen die im Zusammenhang
mit dem Irakkrieg auftauchten wird sich zeigen, dass die Zukunft der transatlantischen Beziehungen keineswegs so düster ist wie sie von manchen Pessimisten ausgemalt wird. Stattdessen gibt es neben den bekannten Divergenzen auch Konvergenzen von beachtlicher Bedeutung. Auch wenn es die enge Verbundenheit des Kalten Kriegs wohl nicht mehr geben wird, so ist doch das grundsätzliche Interesse an transatlantischer Zusammenarbeit weiterhin vorhanden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die EU und die USA nach dem Irakkrieg – Konvergenz oder Divergenz der Positionen?
2.1 Motive, Positionen und Vorhersagen
2.1.1 Motive, Positionen und Vorhersagen der USA und ihrer Verbündeten
2.1.2 Motive, Positionen und Vorhersagen der europäischen Kriegsgegner
2.2 Evaluation des Irakkriegs in Hinblick auf die Ziele der Koalition
2.2.1 Ziele der Koalition
2.2.2 Erfolge der Koalition
2.2.3 Misserfolge der Koalition
2.2.4 Vergleich der Richtigkeit der Vorhersagen beider Parteien
2.3 Lehren aus dem Irakkrieg
2.4 Divergenz oder Konvergenz in den transatlantischen Positionen?
2.4.1 Divergenzen
2.4.2 Konvergenzen
3. Die Partnerschaft wird schwieriger
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die transatlantischen Beziehungen nach dem Irakkrieg 2003 und geht der Frage nach, ob sich die Positionen von EU und USA in Richtung einer zunehmenden Divergenz oder Konvergenz entwickeln. Das zentrale Ziel ist es, die Motive und Zielsetzungen der verschiedenen Akteure zu analysieren, die Effektivität der getroffenen Vorhersagen zu evaluieren und Lehren für zukünftige Interventionen sowie die Zukunft der Partnerschaft abzuleiten.
- Analyse der Motive und Kriegsgründe der USA sowie der europäischen Positionen.
- Evaluation des Irakkriegs hinsichtlich der gesteckten Ziele der Koalition.
- Untersuchung der Divergenzen in der Außen- und Sicherheitspolitik (z.B. präventive Kriegsführung).
- Identifikation von Konvergenzpunkten und Kooperationsfeldern jenseits der Irak-Kontroverse.
- Ableitung von Lehren für zukünftiges "Nation-Building" und internationale Interventionen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Motive, Positionen und Vorhersagen der USA und ihrer Verbündeten
Zu den hochumstrittenen Fragen im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg gehörte und gehört immer noch die Frage mit welchen Motiven die Amerikaner in diesen Krieg zogen. Anders als etwa in Europa argwöhnisch vermutet wurde war das ausschlaggebende Motiv sicherlich nicht das Besetzen der irakischen Ölquellen. Zwar mag die langfristige Sicherung der Ölversorgung der USA eine gewisse Rolle gespielt haben mag, eine überragende Bedeutung hat sie jedoch nicht gespielt. Wer dies, wie etwa Kenneth M. Pollack, unterstellt (Pollack 2003: 3) ignoriert fahrlässig das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Krieges. Klar ist, dass den gewaltigen Militärausgaben, die den US-Haushalt mit bis zu 1,2 Billionen Dollar belasten werden (Bilmes / Stiglitz 2006: 5), kein Äquivalent in Form von signifikant niedrigeren Ölpreisen gegenüber stehen. Wäre es vorrangiges Ziel der USA gewesen den Ölpreis zu senken, so wäre eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak und eine deeskalierende Politik zu erwarten gewesen (Münkler 2003: 48).
Tatsächlich ist es wohl glaubhaft, dass es den USA, bzw. der Regierung Bush um die Beseitigung des Diktators Saddam Hussein ging - vor allem aber um die Demokratisierung des Irak (Gaddis 2005: 12). Der Irak sollte eine Art demokratischer Leuchtturm werden der gemäß der häufig kolportierten “Dominotheorie” ein wirksames Signal für demokratische Reformen in der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens setzt. Das Ziel der Demokratisierung ist dabei allerdings nicht zwangsläufig als ein Selbstzweck zu sehen. Zwar entspricht es durchaus dem neokonservativen Sendungsbewusstsein die vorhandene Macht zu nutzen um Demokratie in der Welt zu befördern (de Wijk 2004: 43), jedoch ist es wohl durchaus plausibel wenn etwa Münkler vermutet, dass es dabei auch um das langfristige Ziel einer Truppenreduzierung im Arabischen Raum geht (Münkler 2003: 41f). Die massive Truppenpräsenz der Amerikaner am Golf, besonders in Kuwait und Saudi-Arabien, stellen eine erhebliche volkswirtschaftliche Belastung da, die schon aus ökonomischen Gründen nicht endlos dauern sollte. Noch entscheidender ist jedoch die Tatsache, dass die Existenz amerikanischer Militäreinrichtungen in arabischen Ländern einen Beitrag zur Förderung des politischen Terrorismus gegen die USA liefert (vgl. Gause 2005: 62).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der transatlantischen Beziehungen nach dem Irakkrieg ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die Motive und Vorhersagen zu bewerten sowie die Zukunft der Partnerschaft zu beleuchten.
2. Die EU und die USA nach dem Irakkrieg – Konvergenz oder Divergenz der Positionen?: Dieses Hauptkapitel analysiert die unterschiedlichen Motive der USA und der europäischen Kriegsgegner, evaluiert den Verlauf des Krieges an den Zielen der Koalition und erörtert, welche Lehren für zukünftiges Nation-Building gezogen werden können.
2.1 Motive, Positionen und Vorhersagen: Hier werden die spezifischen Kriegsgründe der USA sowie die Überlegungen der europäischen Staaten, die den Krieg ablehnten, differenziert gegenübergestellt.
2.2 Evaluation des Irakkriegs in Hinblick auf die Ziele der Koalition: Dieses Kapitel vergleicht die gesteckten Ziele der Koalition mit den tatsächlichen militärischen Erfolgen und den eingetretenen Misserfolgen beim Wiederaufbau.
2.3 Lehren aus dem Irakkrieg: Es werden Schlussfolgerungen für zukünftige internationale Interventionen abgeleitet, insbesondere in Bezug auf notwendige Truppenstärken, die Bedeutung ziviler Strukturen und die Rolle der Vereinten Nationen.
2.4 Divergenz oder Konvergenz in den transatlantischen Positionen?: Das Kapitel untersucht systematisch die realen Divergenzen in der Sicherheitsstrategie (z.B. präventive Kriegsführung) sowie bestehende Konvergenzen und Kooperationsansätze.
3. Die Partnerschaft wird schwieriger: Das Fazit stellt fest, dass die transatlantische Partnerschaft zwar vor großen Herausforderungen steht, aber weiterhin für beide Seiten von essenzieller Bedeutung bleibt und nicht vor ihrem Ende steht.
Schlüsselwörter
Irakkrieg, transatlantische Beziehungen, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Demokratisierung, USA, Europäische Union, Koalition der Willigen, Terrorismusbekämpfung, Multilateralismus, Unilateralismus, Nation-Building, Nahostkonflikt, Massenvernichtungswaffen, Internationale Zusammenarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Irakkriegs von 2003 auf die transatlantischen Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Motive der beteiligten Staaten, die Evaluation des Kriegserfolgs, sicherheitspolitische Differenzen wie die präventive Kriegsführung und die Zukunft der Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Positionen von EU und USA in Bezug auf den Irak und die globale Sicherheit eher in Richtung Divergenz oder Konvergenz driften.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis vorhandener Literatur, Strategiepapiere und Expertenmeinungen, um politische Motive und die Wirksamkeit von Vorhersagen zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kriegsgründe, die Evaluation der Koalitionsziele, die Ableitung von Lehren für Nation-Building sowie die Untersuchung von Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen den atlantischen Partnern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Irakkrieg, transatlantische Beziehungen, Demokratisierung, Multilateralismus, Unilateralismus und die Rolle internationaler Organisationen.
Warum war die Auflösung der irakischen Armee problematisch?
Die Auflösung führte laut Autor dazu, dass hunderttausende ehemalige Armeeangehörige ihre Arbeit verloren und potenzielle Sympathisanten für Widerstandsbewegungen wurden, was die Stabilität massiv gefährdete.
Welche Rolle spielen die Vereinten Nationen für die transatlantische Zukunft?
Die VN werden als unverzichtbare Institution für die Legitimation internationaler Interventionen betrachtet, deren Bedeutung entgegen mancher Einschätzungen durch den Konflikt eher unterstrichen wurde.
Ist eine langfristige Entfremdung zwischen USA und EU wahrscheinlich?
Der Autor argumentiert, dass eine langfristige Entfremdung unwahrscheinlich ist, da beide Partner in einer Wertegemeinschaft eng verflochten sind und bei der Lösung globaler Krisen aufeinander angewiesen bleiben.
- Quote paper
- Martin Lochner (Author), 2006, Die EU und die USA nach dem Irakkrieg – Konvergenz oder Divergenz der Positionen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90291