Lebensqualität und Überbevölkerung

Kontextbetrachtung Ressourcen und Bevölkerung


Seminararbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung / Problemstellung

Bevölkerungsentwicklung und Ressourcen
Zahlen und Fakten
Auswirkung der Bevölkerungsentwicklung
Mögliche Lösungsansätze zum Bevölkerungswachstum

Ethische Aspekte im Kontext Überbevölkerung
Utilitaristisches Kalkül oder: Derek Parfit’s ‚abstoßende Konklusion‘
Deontologie oder: Kant’s Verallgemeinerungsprinzip

Intergenerationenkonflikt und ‚nachhaltige‘ Erziehung

Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Demographische Übersicht Weltbevölkerung (UNFPA, 2019, S. 94)

Abbildung 2: Demographisch verursachte Problemketten in Industrie- und Entwicklungsländern (eigene Darstellung in Anlehnung an Birg, 1995, S.274)

Einleitung / Problemstellung

Gegenwärtig leben etwa 7,5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten; obwohl sich diese Gegenwart als die friedlichste Zeit seit Anbeginn der Menschheit darstellt, ist die Bevölkerung dieser Welt von anderen Übel betroffen: Klimawandel (und Naturkatastrophen), Wirtschaftskrisen, Technologie-Überschwemmungen, Müll-Problematiken bzw. zunehmende Umweltverschmutzung, Hunger, soziale Ungerechtigkeit bzw. Ungleichheit, schwindende Ressourcen u.v.m. . Bereits 1972 hat der Club of Rome mit seiner Studie Die Grenzen des Wachstums Langzeitfolgen des jeweils gegenwärtig-aktuellen Handelns der Menschheit auf globale Auswirkungen die zukünftige(n) Generation(en) betreffend, simuliert. Zentrale Aussage der Studie war es, dass die absolute Kapazität der Erde innerhalb eines Jahrhunderts nach Veröffentlichung der Studie erreicht werde, solange die Faktoren Bevölkerungszuwachs, Industrialisierung, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelproduktion und natürlicher Ressourcenverbrauch konstant blieben (Meadows et al., 1972, S. 17). Diese Erkenntnisse – in ähnlicher Weise nicht zum ersten Mal in der Geschichte hervorvorgebracht (vgl. Malthus u.a.) – haben sich über die Jahre hinweg als nicht gänzlich irrelevant erwiesen und münden immer wieder in einem scheinbar korrelierendem Wertepaar: Ressourcen und Bevölkerung. Wenn nicht von Ressourcenschwund die Rede ist, ist das vorherrschende Thema - das ‚Angstthema‘ der zivilisierten Welt - die Überbevölkerung; die Angst, unter Umständen ‚bald keinen Platz mehr‘ zu haben.

Die Frage, die sich an dieser Stelle aufdrängt, ist weshalb im Laufe der Zeit weder an der Stellschraube Ressourcenverbrauch noch an der Stellschraube Bevölkerung gedreht wurde bzw. welche Varianten dieser Wechselbeziehung denkbar wären.

Harald Lesch (2016) hat diese Wechselbeziehung einst anders ausgedrückt: „Die Erde hat Mensch“ und vereinte in diesem Satz das generelle Verhalten des Menschen zu seiner Umwelt als auch im Hinblick zu dessen Werte und Verhalten untereinander.

Im Zuge dieser Arbeit sollen zunächst Aufschlüsse zum Thema Bevölkerung(-sentwicklung) und Ressourcen gegeben und in einen globalen Zusammenhang gesetzt werden. Darauf aufbauend sollen Lösungsansätze und im Anschluss ethische Grundlagen zum Thema Überbevölkerung genannt werden. Als Stoßrechnung des Diskurses soll ein Ausblick auf Erziehung bzw. das Intergenerationenproblem gegeben werden.

Bevölkerungsentwicklung und Ressourcen

Zahlen und Fakten

Vom Beginn der Zeitrechnung im Jahre Christi Geburt an bis heute hat sich die Weltbevölkerung ausgehend von etwa 200 Millionen Menschen bis zur Jahrtausendwende hin auf etwa sechs Milliarden Menschen in etwa verdreißigfacht. Dieser Umstand innerhalb einer Periode von 2000 Jahren ist zunächst nicht aufsehenerregend, doch wenn man differenzierter vorgeht erkennt man, dass sich die Zeiträume des Zuwachses deutlich verkürzt haben. Die Verdopplungsrate der Menschheit hat sich exponentiell verändert. Im Jahre 1000 nach Christus wurden die ersten 500 Millionen Menschen erreicht. Die erste Milliarde resultierte nach Verdopplung etwa 820 Jahre später; 110 Jahre später die zweite Milliarde und um etwa 1975 wurden auf der Erde vier Milliarden Menschen verzeichnet (Kesselring, 1992, S.13). Heute – mit Ende 2019 – registrieren wir etwa 7,72 Milliarden Menschen auf der Erde. 2050 sollen es zwischen neun und elf Milliarden sein. Im Schnitt werden 2,6 Geburten pro Sekunde verzeichnet, d.h. ca. 82,4 Millionen pro Jahr (statista, 2019). Dieser jährliche Bevölkerungszuwachs resultiert aus einer über die Jahre konstanten Entwicklung zwischen stärker sinkender Sterberate und parallel weniger stark sinkender Geburtenrate. Dieses inkohärente Verhältnis wird nicht zuletzt durch medizinischen Fortschritt als auch sozio-kulturellen Wandel beeinflusst. Nachfolgende Tabelle gibt Aufschluss über die Entwicklung der letzten 50 Jahre und bildet einen weiteren Effekt des Verhältnis von Sterberate und Geburtenrate, von weniger Geburten und höherer Lebenserwartung ab: die Verschiebung der Bevölkerung zu höheren Altersspannen. Für das Jahr 2050 wird prognostiziert, dass mehr Menschen über 65 Jahre alt sein werden als unter 25 Jahren (Sturma & Heinrichs, 2015, S. 211).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Demographische Übersicht Weltbevölkerung (UNFPA, 2019, S. 94)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung zur Tabelle: Weniger entwickelte Regionen (Länder des globalen Südens) sind gemäß Definition der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen Afrika, Asien (außer Japan), Südamerika und die Karibik mit Melanesien, Mikronesien und Polynesien; am wenigsten entwickelte Regionen siehe S. 103 des Berichts Zur Klärung der Thematik Über bevölkerung ist es notwendig die Faktoren Bevölkerung und Ressourcen, d.h. eine Korrelation von Bevölkerungswachstum und Ressourcenverringerung zu untersuchen. 1798 stellte der englische Ökonom Thomas R. Malthus das sogenannte ‚Malthusische Bevölkerungsgesetz‘ (kurz: die Malthusische Regel) auf, welche in seiner Schlussfolgerung eine negative Korrelation von in geometrischer (multiplikativ, d.h. 2, 4, 8, 16, …) Manier zunehmender Bevölkerung zu einer in arithmetischer (additiv, d.h. 1, 2, 3, 4, …) Weise zunehmende Nahrungsmittelproduktion herstellte (Lenk, 1978, S. 29). Einfacher ausgedrückt hieße das, dass die Nahrungs- oder Ressourcenproduktion dem Bevölkerungswachstum nicht standhalten könne. Hätte demzufolge die nachgeschaltete Nahrungsmittelproduktion immer nur entsprechend viele Menschen überleben lassen, wäre der Fortbestand der Menschheit seit Erreichen der von Malthus vorhergesagten kritischen Zahl auf alle Zeiten verdammt gewesen, am Existenzminimum zu leben. ‚Paradoxerweise‘ – da sich Menschen sowohl als Konsumenten, als auch als Produzenten erwiesen haben - hatte sich die Entwicklung beider Faktoren in geometrischem Maße vollzogen (u. a. durch technische Erfindungen wie Dünger), wobei hervorgehoben werden muss, dass die Nahrungsmittelproduktion nicht nur ident, sondern stärker als das Bevölkerungswachstum gestiegen ist, bspw. zwischen 1966 und 1992 im Mittel um 0,4 %-Punkte darüber (Steinmann, 1995, S. 169). Diese bestätigen u.a. auch die Angaben der Welternährungsorganisation FAO (2019), womit (je nach klimatischen Bedingungen) gegenwärtig zwischen 12 und 14 Milliarden Menschen ernährt werden könnten, d.h. die potenzielle Ressource Nahrung hat sich nachweislich oberhalb der Bevölkerungsentwicklung gemehrt. Es scheint als gäbe es zumindest vorerst keine bedenkliche Beziehung zwischen (zu hoher) Bevölkerung und (zu wenig) Ressource Nahrung. Es lohnt sich, den Blick noch weiter zu fassen: gegenwärtig verbraucht die gesamte Welt nach WWF das 1,7-fache an natürlichen Ressourcen der Biokapazität bzw. Regenerationsfähigkeit unseres Planeten (2019, S. 11). Im Zuge dieser Zahl, lässt sich im kausalen Zusammenhang analog zu einer Überfischung erst von einer Überbevölkerung sprechen. Ähnlich formulieren Halbach und Radermacher das Wesen von Überbevölkerung, die „sich nicht allein durch die Gesamtanzahl der Menschen auf der Erde beschreiben [lässt]“ (1995, S. 9), sondern dadurch, ob der Mensch sich von natürlichen Ressourcen – ohne irreversible ökologische Schäden herbeizuführen – auf Basis eines menschenwürdigen Lebens, erhalten kann (siehe auch Kesselring, 1992, S.24).

Auswirkung der Bevölkerungsentwicklung

Wie bereits angedeutet, zeigt sich die Problematik einer Überbevölkerung erst in den Konsequenzen ihrer Existenz, d.h. in der Art und Weise wie sich die Population innerhalb ihres Ökosystems verhält. Im Falle der Menschheit zeigen sich über die Jahre seit Beginn der Industrialisierung bzw. Technologisierung neben erhöhter Lebenserwartung, verringerter Kindersterblichkeit, global geringerer Kriegsaufkommen und verbesserter Ernährungsgrundlagen allerdings gravierende negative Konsequenzen ihres Handelns: Verknappung natürlicher Ressourcen und damit akute Gefährdung existentieller Lebensgrundlage, Verschmutzung von Wasser, Erde und Luft, Klimaproblematiken und soziale Ungleichheit. Gegenwärtig besteht Uneinigkeit darüber, wann die Grenzen des Wachstums nun erreicht würden (Lesch, 2016), doch was auch ohne Zahlen und Fakten global klar zu spüren ist, ist dass der gegenwärtige Weg im Zuge steigender Temperaturen bzw. Meeresspiegel wohl zu ‚unangenehmen‘ Bedingungen führen könnte.

Globale Ursachen/Zusammenhänge

Generell resultiert ein Bevölkerungswachstum aus einer Inkohärenz zwischen Sterbe- und Geburtenrate. Die Bilanz Bevölkerung weist im Laufe eines Jahres simpel mehr Menschen auf, wenn innerhalb dieses Zeitraums weniger Menschen sterben als geboren werden. Gründe bzw. Einflüsse für die Entstehung eines solchen Ungleichgewichts sind zumeist interdisziplinärer Natur. Insbesondere die Fortschritte im medizinischen Bereich, die Verbesserungen von hygienischen Maßnahmen als auch die Nahrungsmittelversorgung und -qualität als auch bauklimatische Einflüsse erhöhen die Lebenserwartungen der heute und zukünftig älteren Generationen. Parallel dazu hat sich die Sterblichkeitsrate von Neugeborenen zu gleichen Gunsten eines Wachstums verringert und bleibt konstant. Parallel dazu, haben sich - im Zuge von Individualisierungs- bzw. Pluralisierungskonzepten mit Beginn Mitte des 20. Jhdt. – die sozioökonomischen Rahmenbedingungen - vor allem in den von freien Marktwirtschaften dominierten Arbeitssystemen - verändert und so die Schemata der Familienplanung beeinflusst. Dementsprechend haben sich in den Industrienationen die Erstgeborenen auf spätere Lebensalter der Eltern verschoben, als auch die Anzahl an Kindern verändert. Im Gegensatz dazu haben sich die Kinderanzahlen in sogenannten Entwicklungsländern – im Zuge von zusätzlicher (familiärer) Arbeitskraft als auch Altersversorgung (siehe Tabelle S. 5 – weniger und am wenigsten entwickelte Regionen) - drastisch erhöht (Kesselring, 1992, S. 32f). Wie sich zeigt, sinken die Bevölkerungszahlen (bis auf wenige Ausnahmen) in den entwickelten/industrialisierten Regionen wie der EU und gleichzeitig ergibt sich das Phänomen der Überalterung der Gesellschaft, welches zu weiteren innerpolitischen Problemen (bspw. Renten- bzw. Sozialsystem) führen kann. Diese rückläufige Bevölkerungstendenz wird durch ein im Vergleich dazu massiv erhöhtes Bevölkerungswachstum der Entwicklungsländer wie – allen voran – Afrika aufgefangen; Netto wächst die Weltbevölkerung also konstant weiter an (UNFPA, 2019, S. 94). Weitreichender drückte Herwig Birg die Zusammenhänge bzw. Problemketten – differenziert in Industrie- und Entwicklungsländer – von demographischen Veränderungen, siehe nachfolgende Tabelle, aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Demographisch verursachte Problemketten in Industrie- und Entwicklungsländern (eigene Darstellung in Anlehnung an Birg, 1995, S.274)

Mögliche Lösungsansätze zum Bevölkerungswachstum

Zunächst lässt sich rein rechnerisch gesehen, eine starre Geburtenkontrolle als Lösung des Bevölkerungswachstums denken; diese als traditionelle Bevölkerungspolitik angesehene Strategie kann am Beispiel der rigiden 1-Kind-Politik Chinas oder der „Sterilisierungspolitik“ Indiens nur bedingt als geeignet angesehen werden, da hierdurch neben der Schaffung (weiterer) sozialer Probleme (Waisenkinder, inoffizielle/versteckte Kinder, familiäre Unmündigkeit, etc.) vor allem Überalterungstendenzen einer Gesellschaft mit resultierendem Kollaps sozialer Systeme resultieren können (Kesselring, 1992, S. 34f). Eine weitere ‚Maßnahme‘ gegen die Tendenz des Bevölkerungswachstums ist sicherlich die Förderung von Bildung, d.h. ganz konkret von aufgeklärter Familienplanung als Beratungsdienst – nicht als Zwangsmaßnahme oder Vorschrift (Radermacher, 1995, S.58f) - v.a. im Sinne der Zugänglichkeit und Verfügung autonomer Handlungskompetenzen (Verhütung, freie Entscheidung über Fortpflanzung/Sexualleben und Zugang zu grundlegender sexueller als auch reproduktiver Gesundheitsversorgung) zum eigenen Reproduktionspotential der Frau, welches v.a. in weniger entwickelten Ländern nach wie vor gravierend inadäquat unterstützt wird (UNFPA, 2019, S. 34ff). Demgegenüber steht eine Aufforderung zur formellen Bildung (v.a. in weniger entwickelten Ländern), um die daran gebundenen Arbeitsmarktchancen – jeweiliger globaler Region – von der Notwendigkeit der Unterstützung (eigener) Kinder zu entkoppeln (vgl. S. 8).

Ethische Aspekte im Kontext Überbevölkerung

Im Kontext der Thematik einer stetig ansteigenden Weltbevölkerung und resultierenden Ressourcenproblemen als auch anderer Konsequenzen ökologischer Natur, ergibt sich die Problematik eines doppelten Paradoxons, eines biologischen als auch ethischen Paradoxon. In biologischer Hinsicht ist das erhöhte Maß an Nachkommen Zeichen eines evolutionären Erfolgs bzw. einer guten Situierung innerhalb dessen Lebensraums; das paradoxe im Falle Mensch und dessen Maß(-losigkeit) liegt darin begründet, dass seine Spezies durch ihre zahlenmäßige Entwicklung bzw. ihr Handeln nicht nur die eigene Population gefährdet, sondern auch die Existenz anderer Arten, Lebensräume als auch der gesamt umfassenden Biosphäre aufs Spiel setzt (Kesselring, 1992, S.14f). Demgegenüber steht ein resultierendes, ethisches Paradoxon: Die Spannung zwischen dem Erhalt des menschlichen Lebens als höchstes Gut - das sich sowohl in einem Tötungsverbot als auch in einer Rettungspflicht gegenüber allen menschlichen Lebens äußert – und der Vermeidung von ‚zu viel Mensch‘, d.h. von Überbevölkerung und entsprechendem Damoklesschwert ökologischer Ausmaße (Kesselring, 1992, S.15f). Daraus entstehendes moralisches Dilemma lässt sich in der Frage zusammenfassen, ob moralisches Handeln (wie der Erhalt natürlich-bedrohten Lebens, Stichwort Euthanasie) in Konsequenz möglicher ‚katastrophaler‘ Wirkungen noch als ethisch korrekt angesehen werden könne. Dieses Dilemma wird durch Kesselring (1992, S. 16) in negativ-Form beispielsweise derart dargelegt, dass das Bevölkerungswachstum ohne (gewollte) Kinds-Abtreibungen zwischen 25 und 50 % schneller voranschreiten würde. Im obligatorischen Konsens der obersten Pflicht zum Erhalt menschlichen Lebens und gleichzeitig der Vermeidung von Überbevölkerung – nicht im Sinne einer statistischen Zahl, sondern eines Maß in Widerspruch eines ökologisch vertretbaren Ungleichwichts und dessen Konsequenzen – werden im Folgenden ethische, d.h. utilitaristische und deontologische Grundnormen zum Kontext Überbevölkerung erörtert.

Utilitaristisches Kalkül oder: Derek Parfit’s ‚abstoßende Konklusion‘

Dem Utilitarismus (Nutzenlehre) zufolge, sind wir angeheißen „die Gesamtmenge an Glück, Nutzen, Präferenzbedingungen oder dergleichen zu maximieren“ (Fehige, 1995, S. 140), d.h. den (maximierten) Gesamtnutzen aller Betroffenen als Ergebnis jedweder Handlung – unabhängig des Schicksals des Einzelnen - zu präferieren, anstatt die Handlung selbst zum Gegenstand der Untersuchung zu machen. Parfit (1984, S. 381ff) hat auf die Frage hin, ob es eine Überbevölkerung geben könne, das Verhältnis von Qualität und Quantität gelebten Lebens im Sinne seiner ‚abstoßenden Schlussfolgerung‘ auf Basis utilitaristischer Grundgedanken als ebenbürtig gegenübergestellt. Die abstoßende Schlussfolgerung basiert auf den Prämissen, dass mit einer Veränderung von Bevölkerung (Quantität) im Allgemeinen eine reziproke Veränderung von Lebensqualität einhergeht, allerdings ein Leben mit äußerst geringer Lebensqualität noch lebenswert sei. An die Logik des Utilitarismus zur Summe kleinster Teile Glück (entsprechend Lebensqualität) zu einem Ganzen, ergibt sich die kritische Betrachtung darin, dass der Verlust individueller Lebensqualität durch eine hinreichend große Menge an gelebter (wie auch immer ausgeprägter) Lebensqualität kompensiert werden könne und so das utilitaristisch-optimale Ergebnis dadurch erreicht würde, wenn eine immens große Anzahl an Menschen lebte, „obwohl diese Menschen Leben hätten, die gerade noch lebenswert sind“ (ebd., S. 384). Der abstoßenden Schlussfolgerung zufolge sei es also „moralisch geboten, die Bevölkerungszahl sehr stark ansteigen zu lassen – und zwar auch dann, wenn die Lebensqualität der einzelnen Mitglieder zukünftiger Generationen dadurch nur noch äußerst gering wäre“ (Sturma & Heinrichs, 2015, S. 209). Die eher als Provokation anzusehende abstoßende Schlussfolgerung impliziert daher, dass keine Rücksicht auf zukünftige Generationen hinsichtlich der Eindämmung des Bevölkerungswachstums und resultierender Verringerung von Lebensqualität (Ressourcen) genommen werden muss; und versucht damit zu betonen, dass eine utilitaristische Beantwortung der Frage zur Steuerung des Bevölkerungswachstums nur bedingt bzw. nur unzureichend gegeben werden kann. Aus der utilitaristischen Grundnorm geht nur hervor, dass die Gesamtsumme an Nutzen/Glück offenbar mit zunehmender Bevölkerung steigen muss, verwehrt sich in seinem Prinzip allerdings der differenzierten Ausweisung der Gesichtspunkte (soziale) Gerechtigkeit und Individualität von Lebensqualität bzw. Glück.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Lebensqualität und Überbevölkerung
Untertitel
Kontextbetrachtung Ressourcen und Bevölkerung
Hochschule
Universität Salzburg
Veranstaltung
Grundprobleme pädagogischer Ethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V903025
ISBN (eBook)
9783346207104
ISBN (Buch)
9783346207111
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit hat Spaß gemacht!
Schlagworte
überbevölkerung, bevölkerung, kontextbetrachtung, lebensqualität, ressourcen
Arbeit zitieren
Dominik Velasco (Autor:in), 2020, Lebensqualität und Überbevölkerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903025

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