Suchtkranke in Deutschland - ein soziales Problem?


Hausarbeit, 2007

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Einleitende Begriffsbestimmungen

3. Die Karriere von Suchtkranken

4. Die Alkoholabhängigkeit und ihre Folgen

5. Die Drogenpolitik

6. Hilfeangebote und Maßnahmen

7. Fazit: Ist die Suchtkrankheit ein soziales Problem?

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit soll Auskunft darüber geben, ob Suchtkranke ein soziales Problem in Deutschland darstellen. Suchtkrank kann man in bezug auf Alkohol, Nikotin, Medikamente, illegale Drogen oder auch Glücksspiele sein. Da dies ein weit gefasstes Themengebiet ist, möchte ich mich in meiner Arbeit hauptsächlich auf die Alkoholkrankheit, das heißt auf die Alkoholsucht bzw. –abhängigkeit konzentrieren, da der Alkohol ein weit verbreiteter Giftstoff in unserer Gesellschaft ist, der den dritthöchsten Risikofaktor für Tod und Behinderung darstellt.[1]

Alkohol wird genauso, wie z.B. Nikotin oder Kaffee als Genussmittel bezeichnet und ist somit für viele Menschen alltäglich. Diese Alltäglichkeit wiederum birgt die Gefahr des Missbrauchs und der Abhängigkeit in sich. Alkoholische Getränke sind schon seit mehreren tausend Jahren bekannt und wurden früher als Opfergaben, Genussmittel und auch als Getränk selber genutzt und wertgeschätzt. In Mittel- und Nordeuropa galt Bier als Grundnahrungsmittel, bis es im 17. und 18 Jahrhundert durch Tee und Kaffee abgelöst wurde.[2] Früher war es üblich oder auch „normal“, dass überwiegend die Männer Alkohol oder auch andere Drogen, ob legale oder illegale, konsumiert haben. Doch spätestens seit den 90er Jahren ist kaum noch ein Unterschied zwischen beiden Geschlechtern in bezug auf die Drogenerfahrung zu sehen. Frauen und Männer haben ungefähr gleich oft Drogen ausprobiert oder konsumieren sie noch immer.[3]

Die Sucht- oder auch Drogenproblematik, denn im engeren Sinne zählen sowohl Alkohol, Medikamente, Nikotin, als auch Haschisch zu den Drogen, stellt eine große Herausforderung für die Suchterkrankten selber und für die gesamte Gesellschaft dar, da Suchtprobleme sowohl individuelle Schicksalsschläge für die Betroffenen und ihre Angehörigen nach sich ziehen, als auch zugleich eine Belastung für die Gesellschaft sind, sei es aus sozialer oder auch materieller Sichtweise zu sehen. Um die Belastung für die Gesellschaft zu minimieren, arbeiten Vereine, Verbände, verschiedene Institutionen und die Politik selber, wie z.B. Sabine Bätzing[4] zeigt, an der Reduzierung des Alkoholkonsums und an Hilfemaßnahmen für die Betroffenen. So gibt es Gesetze zum Verbot von Alkoholabgabe an Jugendliche (Jugendschutzgesetz), das Präventionsgesetz[5], Präventionsmaßnahmen durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, „Ambulant betreutes Wohnen“[6], Suchtberatungs- und Behandlungsstellen, Tageskliniken für Alkoholabhängige oder auch Fachkrankenhäuser für Alkoholabhängige. Abhängigkeitskranke brauchen medizinische oder auch psychische Betreuung und Beratung, denn sie sind der Gruppe der seelisch Behinderten zuzuordnen.

Auch wenn man Betroffene als Suchtkranke bezeichnet, sollte man nicht den Begriff Sucht bzw. „süchtig“ benutzen, da dieser nur eine unklare Definition zulässt. Daher verwendet man den Begriff der Abhängigkeit, wie es auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt.[7]

In Deutschland sind mindestens 1,7 Millionen Menschen alkoholabhängig und ca. 1,7 Millionen Deutsche sind gefährdet, Alkohol zu missbrauchen. Hinzu kommen noch ca. 10,4 Millionen Menschen, die Alkohol in riskanter Form konsumieren.[8] Dies zeigt auch die folgende Tabelle, an der Deutschland an fünfter Stelle steht und somit einen hohen Alkoholkonsum zu verzeichnen hat. Zwar hat sich die Zahl des Alkoholkonsums von 1999 bis 2003 um 0,4 Liter reinen Alkohols pro Kopf und pro Jahr verringert, jedoch ist der Konsum von 10,2 Liter reinen Alkohols pro Kopf im Jahr 2003 entscheidend zu hoch, da man ja davon ausgehen muss, dass nicht jeder in Deutschland Lebende 10,2 Liter reinen Alkohol im Jahr trinkt bzw. manche Menschen dem Alkohol auch grundsätzlich abstinent gegenüber stehen. Und das bedeutet ja dann, dass wiederum andere Menschen in Deutschland viel mehr, als „nur“ 10,2 Liter reinen Alkohol trinken.

Rangfolge der EU-Staaten und ausgewählter Länder hinsichtlich des gesamten Alkoholkonsums pro Kopf (Liter reinen Alkohols)[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Rangplatz unter 45 Länder, die in genannter Quelle erfasst sind. (Quelle: Commission for Distilled Spirits, 2005)

Seit 1968 ist der Alkoholismus durch die Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes als Krankheit im versicherungsrechtlichen Sinne anerkannt.[10]

Warum gibt es so viele alkoholabhängige Menschen in Deutschland? Das liegt daran, dass der Erwerb und Besitz von, sowie der Handel mit Alkohol legal ist, anders als bei den Drogen, die durch das Betäubungsmittelgesetz[11] als illegal eingestuft werden, wie z.B. Cannabis oder LSD.

2. Einleitende Begriffsbestimmungen

Auch wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO)[12] es nicht erwünscht, dass der Begriff „Sucht“ verwendet wird, möchte ich an dieser Stelle ein Zitat von Klaus Wanke anbringen, der meiner Meinung nach den Begriff „Sucht“ sehr deutlich definiert hat. „Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums.“[13] Diese Definition der Sucht zeigt schon einmal, welche Auswirkungen Alkohol und Alkoholabhängigkeit haben.

Grundsätzlich wird bei dem Begriff „Abhängigkeit“ zwischen zwei Arten von Abhängigkeit unterschieden. Zum einen die psychische und zum anderen die physische Abhängigkeit. Eine physische (körperliche) Abhängigkeit besteht, wenn sich der Körper nach mehrfachem regelmäßigem Konsum einer Droge an die Wirkung der Droge gewöhnt und eine körperliche Toleranz gegenüber der Droge entwickelt hat.[14] Eine psychische (seelische) Abhängigkeit beinhaltet ein unwiderstehliches, maßloses Verlangen nach der weiteren Einnahme der Droge, um Unlustgefühle zu vermindern und Wohlgefühl herzustellen.[15] Als Rauschmittel bezeichnet man allgemein Substanzen, die das zentrale Nervensystem beeinflussen, d.h. auf die Psyche einwirken. Synonym für Rauschmittel wird der Begriff Droge verwendet.[16] Zu den Genussdrogen werden legale Substanzen wie Alkohol, Kaffee, Tabak, Tee, Guarana[17], Maté, Cola, Kakao etc. gezählt. So harmlos wie ihre Bezeichnungen sind einige Mittel aufgrund ihrer Hauptwirkstoffe, wie z.B. Alkohol, Nikotin, Koffein und Teein nicht. Dessen war man sich auch schon im 16. und 17. Jahrhundert bewusst, als die aus dem Orient eingeführten Genussmittel Kaffee und Tabak als „gefährliche Suchtmittel“ galten und deren Konsum verpönt und teilweise

auch verboten war. Im Laufe der Zeit haben sich diese Genussdrogen jedoch als sozial akzeptierte und dem modernen Lebensstil zugehörige Substanzen durchgesetzt. Alkohol hingegen ist in unseren Kulturkreisen schon seit Jahrtausenden bekannt und wird vom Großteil unserer Gesellschaft, trotz der bekanntermaßen hohen gesundheitlichen Risiken, akzeptiert und toleriert.[18] Wenn man Alkohol konsumiert, kann nicht gleich von Alkoholabhängigkeit gesprochen werden. Denn bevor es zur Abhängigkeit kommt, muss ein Missbrauch einer Droge vorliegen. Der Missbrauch ist quasi der Vorläufer der Suchtmittelabhängigkeit. Missbrauch beschreibt laut der WHO einerseits den Gebrauch von illegalen Drogen, andererseits aber auch den übermäßigen Gebrauch legaler Drogen, wie z.B. Alkohol. Es gibt drei Kriterien, die zeigen, ob ein Alkoholmissbrauch vorliegt. Zum einen, wenn Alkohol zu Gelegenheiten konsumiert wird, die unpassend sind oder wenn der Konsum von Alkohol zu sichtbaren physischen oder psychischen Veränderungen führt. Ein weiteres Anzeichen ist, wenn der Alkohol aufgrund bestimmter psychischer Wirkungen konsumiert wird, um z.B. enthemmend zu wirken.[19] Wenn eines oder auch mehrere dieser Anzeichen zutreffen, dann kann man davon ausgehen, dass ein Missbrauch von Alkohol vorliegt.

3. Die Karriere von Suchtkranken

Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass sich die Suchtabhängigkeit immer nach dem gleichen Schema entwickelt. Man konsumiert eine Droge, egal ob legal oder illegal, gehen wir hier mal vom Alkohol aus, und erfährt dabei Gefühle der Erleichterung oder der Enthemmung. Bei Schwellenerlebnissen oder Grenzsituationen erinnert man sich an die positive und beruhigende Wirkung des Alkohols und greift somit zur Flasche, um ein Gefühl der „Erleichterung“ zu erleben. Diesen Akt der Gefühlserleichterung wiederholt man, um bei immer wieder auftretenden Problemen sich trotzdem gut zu fühlen. Dadurch gewöhnt man sich an die Wirkung, aber auch an den Stoff, hier den Alkohol, und beginnt einen Missbrauch zu entwickeln. Dieser Missbrauch steigert sich dann soweit bis er zur Abhängigkeit führt und man keine Kontrolle mehr über sich, seinen Körper und Geist, hat. Diese Abhängigkeit entwickelt sich natürlich bei jedem Menschen unterschiedlich schnell und verschieden stark in seiner Konzentration.[20]

[...]


[1] Vgl. http://www.euro.who.int/document/mediacentre/fs1005g.pdf (Seite 1)

[2] Vgl. http://www.bzga.de/?uid=3d4f0d87cfecd698ce0d51d849e74065&id=medien&sid=69&idx=32

[3] Vgl. http://www.ift.de/literaturverzeichnis/Bd_141_Espad_2004.pdf (Seite 13)

[4] Sabine Bätzing ist seit November 2005 die Drogenbeauftragte der Bundesregierung im Bundesministerium für Gesundheit.

[5] Das Präventionsgesetz beinhaltet die Verbesserung der Kooperation und Koordination der Prävention, sowie die Verbesserung der Qualität der Maßnahmen der Sozialversicherungsträger und Sozialversicherungszweige Vgl. http://www.bmg.bund.de/cln_040/nn_600110/DE/Themenschwerpunkte/Praevention/praevention-node,param=.html__nnn=true

[6] „Ambulant betreutes Wohnen“ ist eine Maßnahme der Suchtkrankenhilfe, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Außerdem soll es zur Selbständigkeit und Wiedereingliederung in das alltägliche Leben und in die Gesellschaft verhelfen. Das „ Ambulant betreute Wohnen“ beinhaltet einen bis zu zweijährigen Aufenthalt in dieser Einrichtung, bezüglich des Wohnen, Arbeiten und der gemeinsamen Freizeitgestaltung.

Vgl. Konzept, „Ambulant betreutes Wohnen für Suchtkranke“ in Trägergemeinschaft des DRK Kreisverbandes Jerichower Land e.V.

[7] Vgl. http://www.drugcom.de/?uid=d49128e5beffa4d4cfce045b3d5caf2c&id=drogenlex&sub=19&idx=119#eintrag

[8] Vgl. Hüllinghorst, R. (2006), Versorgung Abhängigkeitskranker in Deutschland, in: Jahrbuch Sucht 06, Neuland Geesthacht

[9] Vgl. http://www.optiserver.de/dhs/daten_zahlen_alkohol.html

[10] Vgl. http://www.bzga.de/?uid=3d4f0d87cfecd698ce0d51d849e74065&id=medien&sid=69&idx=1232 (S. 9)

[11] Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) ist ein Bundesgesetz, welches in der gesamten Bundesrepublik

Deutschland gültig ist. Es legt den generellen Umgang mit Betäubungsmitteln fest.

[12] Die Weltgesundheitsorganisation (engl. World Health Organization, WHO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf (Schweiz). Sie wurde am 7. April 1948 gegründet und zählt 193 Mitgliedstaaten. Sie ist die Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen. Die Verfassung der WHO statuiert, dass ihr Zweck darin liegt, allen Völkern zur Erreichung des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu verhelfen.

Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Weltgesundheitsorganisation

[13] Vgl. K. Wanke , in: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.). Süchtiges Verhalten, 1985, S. 20

[14] Vgl. http://www.drugcom.de/?uid=d49128e5beffa4d4cfce045b3d5caf2c&id=drogenlex&sub=1&idx=3#eintrag

[15] Vgl. ebenda

[16] Vgl. http://www.drugcom.de/?uid=d49128e5beffa4d4cfce045b3d5caf2c&id=drogenlex&sub=18&idx=104#eintrag

[17] Guarana ist eine Lianenart, die rote Früchte mit bitter schmeckenden Kernen trägt und eine ähnlich stimulierende Wirkung, wie Kaffee besitzt.

[18] Vgl. http://www.drugcom.de/?uid=d49128e5beffa4d4cfce045b3d5caf2c&id=drogenlex&sub=7&idx=44#eintrag

[19] Vgl. http://www.drugcom.de/?uid=d49128e5beffa4d4cfce045b3d5caf2c&id=drogenlex&sub=13&idx=78#eintrag

[20] Vgl. Handbuch für die Suchtkrankenhilfe. Materialien für Ausbildung und Praxis ehrenamtlicher Mitarbeit. Hrsg.: Gesamtverband f. Suchtkrankenhilfe im Diakon. Werk d. EKD 5. neubearb. Aufl. 2000

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Suchtkranke in Deutschland - ein soziales Problem?
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V90303
ISBN (eBook)
9783638039062
ISBN (Buch)
9783638935920
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suchtkranke, Deutschland, Problem
Arbeit zitieren
Kathleen Schmidt (Autor), 2007, Suchtkranke in Deutschland - ein soziales Problem?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90303

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