Ethik umfasst die moralischen Grundsätze des Entscheidens und Handelns, die Bedingungen und Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens. Zwischen Normen und Werten gibt es eine grundsätzliche Unterscheidung. Normen sind gesellschaftlich bzw. kollektiv festgelegte Verhaltensweisen. Normen sind abstrakt-generelle Regelungen, die den einzelnen von der Notwendigkeit entlasten, in Standardsituationen ständig neue, situationsgerechte Handlungsweisen zu entwickeln. Es handelt sich dabei aber nicht nur um ungeschriebene Gesetze, sondern oft auch um Standards, die schriftlich niedergelegt sind. Im Rahmen dieser Darstellung allerdings sind vor allem die informellen Normen wichtig, die sich aus den allgemeinen Verhaltensweisen in der arabischen Welt ergeben.
Die Werte sind das grundlegende Element, da sie bestimmen, was als wünschenswert angesehen wird. Implizit in Werten, so wie sie aus dem Alltag bekannt sind, ist bereits ihre Veränderbarkeit. Werte nämlich können steigen oder fallen, schwanken oder auch eine kürzere oder längere Zeit über stabil bleiben.
Werte sind immer abhängig vom gesellschaftlichen und historischen Umfeld und umreißen ein sozial adäquates Verhalten.
Die Ethik eines Unternehmens berührt verschiedene Bereiche. Hierzu zählt zuvorderst der Umgang mit den Kunden und mit den Geschäftspartnern. Im Weiteren aber sind auch die Absatz- und Beschaffungspolitik, der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern und das Verhalten des Unternehmens im größeren, wirtschaftspolitischen Raum von teils entscheidender Bedeutung. In dieser Untersuchung möchte ich den Schwerpunkt, abgesehen von einführenden allgemeinen Bemerkungen zur Unternehmensethik vor allem darauf legen, wie sich Unternehmensethik und Geschäftspraktiken im arabischen Raum entwickelt haben und wo deren Unterschiede zum Weltmarkt bzw. Unternehmen in anderen Wirtschaftsräumen liegen
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Unternehmensethik
2.1 Ethisches Verhalten gegenüber den Kunden
2.2 Ethisches Verhalten gegenüber den Mitarbeitern
2.3 Ethische Einordnung in den sozialpolitischen Wirtschaftsraum
3 Grundlagen arabischer Geschäftspraktiken und Unternehmensethik
3.1 Das 'Gesicht'
3.2 Der Islam
3.3 Erfolgreiche Organisierung von Geschäften in der arabischen Welt
3.4 Zur unternehmerischen Praxis im arabischen Raum
4 Zusammenfassung
5 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung ethischer Verhaltensweisen und spezifischer kultureller Geschäftspraktiken für den Erfolg international agierender Unternehmen im arabischen Raum. Dabei wird analysiert, wie sich Unternehmensethik entwickelt hat und welche Herausforderungen sowie kulturellen Besonderheiten beim Markteintritt und der Geschäftsanbahnung beachtet werden müssen.
- Grundlagen der allgemeinen Unternehmensethik und deren Relevanz.
- Die Rolle soziokultureller Faktoren wie das Konzept des 'Gesichts' und des Islams.
- Praktische Strategien für erfolgreiche Geschäftsverhandlungen in der arabischen Welt.
- Einfluss der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und Korruption auf die Geschäftspraxis.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das 'Gesicht'
In einer zwischenmenschlichen Begegnung gilt Höflichkeit und gegenseitiger Respekt als Voraussetzung des Gelingens der Begegnung. Höfliches Verhalten ist zweckgerichtet und zielorientiert. Es vermeidet Probleme im gesellschaftlichen Verkehr. Was allerdings als höfliche Verhaltensform betrachtet wird, hängt vom jeweiligen kulturellen Hintergrund der beteiligten Menschen ab, ist also durch historische, soziale und nationale Faktoren beeinflusst. Respekt und Würde sind ein Schlüsselelement der arabischen Geschäftskultur. Dies beruht darauf, dass beide Teilnehmer einer wirtschaftlichen Kommunikationssituation ein gesellschaftliches Gesicht ("Face") besitzen, d.h. einen sozialen Status, den sie nicht gefährden möchten und natürlich auch von niemand angegriffen sehen möchten. Goffman definiert das Gesicht als "the positive social value a person effectively claims for himself by the line others assume he has taken during a particular contact. Face is an image of self delineated in terms of social attributes". Brown und Levinson fassen dabei sowohl die eigene Selbsteinschätzung einer Person als auch das öffentliche Selbstbild eines Individuums unter dem Begriff "Face" zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Definition von Ethik und Werten ein und legt dar, wie informelle Normen das Verhalten in der arabischen Welt prägen.
2 Allgemeine Unternehmensethik: In diesem Kapitel werden die Kundenbeziehungen, die Mitarbeiterführung und die ethische Einordnung von Unternehmen in den sozialpolitischen Raum beleuchtet.
3 Grundlagen arabischer Geschäftspraktiken und Unternehmensethik: Das Kapitel erläutert kulturelle Schlüsselbegriffe, die Bedeutung des Islams, Verhandlungstaktiken sowie die aktuelle unternehmerische Praxis im arabischen Raum.
4 Zusammenfassung: Hier werden die Ergebnisse hinsichtlich der moralischen Maßstäbe und der Notwendigkeit einer kulturell angepassten, jedoch international kohärenten Strategie zusammengeführt.
5 Anhang: Dieser Teil enthält das Abkürzungsverzeichnis und das Literaturverzeichnis der Arbeit.
Schlüsselwörter
Unternehmensethik, arabischer Raum, Geschäftspraktiken, Verhandlungsführung, kulturelle Normen, Islam, Geschäftserfolg, Vertrauensbildung, Interkultureller Dialog, Wirtschaftsraum, soziale Standards, Korruption, Markenethik, Geschäftskultur, Geschäftsbeziehungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen und Notwendigkeiten von ethischem Handeln im Geschäftsleben, insbesondere mit Fokus auf die spezifischen kulturellen Anforderungen in arabischen Ländern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf allgemeiner Unternehmensethik, interkulturellen Besonderheiten, islamisch geprägten Wertvorstellungen und deren Einfluss auf den geschäftlichen Erfolg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen ethische Mindeststandards mit den speziellen Traditionen und Verhaltensregeln des arabischen Wirtschaftsraums in Einklang bringen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die verschiedene Ansätze zur Wirtschaftsethik und interkulturellen Geschäftspraxis zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben allgemeinen ethischen Konzepten insbesondere das Konzept des 'Gesichts', der Einfluss des Islams, taktische Tipps für Verhandlungen sowie die Korruptionsproblematik in der arabischen Praxis detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unternehmensethik, arabischer Raum, Geschäftspraktiken, Interkultureller Dialog und Vertrauensbildung.
Warum ist das Konzept des 'Gesichts' für arabische Geschäfte so wichtig?
Es ist ein Schlüsselelement, da es den sozialen Status und die Würde der Verhandlungspartner repräsentiert; Angriffe darauf gefährden die Geschäftsbeziehung massiv.
Welche Rolle spielt der Islam im arabischen Geschäftsleben?
Er ist eine maßgebliche Richtschnur für Verhalten, Verbote (z.B. Zinsverbot, Alkoholkonsum) und Werte wie Respekt und Solidarität, denen sich Unternehmen anpassen müssen.
Warum wird empfohlen, einheimische Partner in arabischen Ländern zu wählen?
Einheimische Partner können die kulturellen Besonderheiten und informellen Netzwerke besser navigieren, was den Markteintritt und die Geschäftsabwicklung deutlich effizienter gestaltet.
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- Mohamed Zarifi (Author), 2008, Manieren im Geschäftsleben - eine Voraussetzung für den erfolgreichen interkulturellen Dialog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90304