Im Schuljahr 2015/2016 ließen sich 152.519 Lehrpersonen an nordrhein-westfälischen Schulen dem Berufsbeamtentum zuordnen. Demgegenüber standen im vergangenen Schuljahr 39.320 angestellte Lehrer im öffentlichen Dienst, darunter befristete und unbefristete Lehrkräfte mit Bezahlung nach TV-L. Somit stellen die nordrhein-westfälischen Staatsbeamten aktuell einen Anteil von 78,3% und die Angestellten von 20,2%, die fehlenden 1,5% gehören zur Minderheit ohne Tarifvertrag. Diese Berufsgruppe steht exemplarisch für den analytischen Vergleich des Beschäftigungsverhältnisses eines Beamten und eines Angestellten. Mit der rechtlichen Statusgruppenunterscheidung besitzt Deutschland ein Unikat in der Welt, denn nirgendwo anders gibt es diesen Klassenunterschied bei Lehrkräften trotz qualitativ simultaner Arbeit. Auch unter den einzelnen Bundesländern existieren hier Unterschiede. In Berlin z.B. ist die Neuverbeamtung der Lehrkräfte im Gegensatz zu NRW komplett abgeschafft. Diese Bachelorarbeit orientiert sich jedoch am Beispiel von NRW.
Auswirkungen hat die Statusgruppenspaltung vor allem auf die Einkommensverhältnisse und die Altersvorsorge, weswegen es das Ziel der Arbeit ist, einen Überblick über das Besoldungs- und Entlohnungssystem zu bekommen und deren Differenzen zu extrahieren. Insbesondere auf die unterschiedliche Situation bei der Altersvorsorge soll der Fokus gelegt werden, da diese in der Öffentlichkeit oft zu kontroversen Diskussionen aufgrund der scheinbar existierenden Diskriminierung seitens der Angestellten führt. So stellt diese Arbeit im Kapitel 2 eine grundlegende Definition anhand der Rechte und Pflichten der beiden Gruppierungen sowie die Parameter, die deren Einkommen und Ruhegehalt beeinflussen, heraus. Kapitel 3 befasst sich anschließend mit einem hypothetischen Lebenszyklusmodell nebst Sensibilitätsanalyse, das mithilfe der Kapitalwertmethode darüber Aufschluss geben soll, welches Beschäftigungsverhältnis die optimale Arbeitskraftinvestition darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1. Rechte und Pflichten
2.2. Besoldung/Pension versus Entlohnung/Rente
3. Lebenszyklusmodell
3.1. Modell
3.2. Beamter
3.3. Angestellter
3.4. Sensibilitätsanalyse
4. Resümee
4.1. Zusammenfassung
4.2. Kritik
4.3. Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die bestehenden Unterschiede zwischen dem Beamtenstatus und dem Angestelltenverhältnis im Lehrberuf in Nordrhein-Westfalen zu analysieren, wobei ein besonderer Fokus auf den Auswirkungen auf die Einkommensverhältnisse und die Altersvorsorge liegt. Die Forschungsfrage untersucht dabei, welches der beiden Beschäftigungsverhältnisse langfristig die optimale Arbeitskraftinvestition darstellt.
- Vergleichende Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen und Pflichten
- Gegenüberstellung von Besoldung (Beamte) und Entlohnung (Angestellte)
- Untersuchung der Altersvorsorge mittels eines Lebenszyklusmodells
- Einsatz der Kapitalwertmethode zur monetären Bewertung
- Sensibilitätsanalyse zur Prüfung von Parameterveränderungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Modell
In diesem Kapitel wird mithilfe der Kapitalwertmethode gegenübergestellt, wie viel ein verbeamteter und ein angestellter Lehrer vom Berufseinstieg bis zum Renteneintrittsalter insgesamt netto verdienen. Des Weiteren wird auch ermittelt, bei welcher Höhe die Pension bzw. Rente im Ruhestand pro Monat liegen werden. Da hier aus der Perspektive des Pädagogen das Entscheidungsproblem vorliegt, sich in den Beamtenstatus oder das Tarifbeschäftigtenverhältnis versetzen zu lassen und damit seine Anstrengungen in die eine oder andere Statusgruppe zu investieren, ist an dieser Stelle einer der üblichen investitionstheoretischen Ansätze zur Lösung eines derartigen Entscheidungsproblems bei gegebenem Kalkulationszinsfuß, die Kapitalwertmethode, anzuwenden. Prämisse hierfür ist die Annahme eines vollkommenen Kapitalmarktes. Mit dieser Methode werden Ausgaben und Einnahmen in differenter Höhe und zu unterschiedlichen Zeitpunkten miteinander verglichen. In diesem Fallbeispiel werden die Ein- und Auszahlungen mithilfe des auch als Barwertmethode bekannten Vorgehens diskontiert, da sich der Kapitalwert im Fallbeispiel auf den Zeitpunkt der Investitionsentscheidung, die Gegenwart, bezieht. Zudem soll differenziert werden, welche Statusgruppe von diesem Zeitpunkt an das größte Nettoeinkommen in einem Berufsleben erhält. (vgl. Färber et al., 1999, S.12) Eine Diskontierung muss vorgenommen werden, da der Zeitwert des Geldes, auch als Barwert bezeichnet, heute mehr wert ist als der Endwert (vgl. Ortmann, 2009, S.12). Bekäme in diesem Beispiel der Lehrer sein gesamtes Lebensnettoeinkommen direkt zu Einstellungsbeginn ausgezahlt, könnte er es opportun auf dem Kapitalmarkt anlegen und Zinsen erhalten. Da das bei Einkommen jedoch aufgrund des Leistungsprinzips nicht möglich ist, muss dieses diskontiert werden. Bei der Kapitalwertberechnung wird in den nachfolgenden Kapiteln der Realzinssatz verwendet. Dieser ist die Differenz zwischen dem nominalen Zinssatz, in diesem Fall der langfristige Kapitalmarkt-zins der Umlaufrendite, und der Inflationsrate (vgl. Deutsche Bundesbank, 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Statusgruppenspaltung zwischen verbeamteten und angestellten Lehrkräften in NRW ein und definiert das Ziel der Arbeit, deren finanzielle Auswirkungen unter besonderer Berücksichtigung der Altersvorsorge zu vergleichen.
2. Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen, Rechte und Pflichten beider Statusgruppen sowie die wesentlichen Unterschiede in der Besoldungs- und Entlohnungsstruktur.
3. Lebenszyklusmodell: Hier wird mittels der Kapitalwertmethode ein hypothetisches Modell entwickelt, um das gesamte Lebenseinkommen sowie die Altersbezüge beider Gruppen zu berechnen und zu vergleichen.
4. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, kritisiert die methodische Vorgehensweise aufgrund von Prognoseunsicherheiten und bietet einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Beamtenstatus, Angestelltenverhältnis, Lehrberuf, Altersvorsorge, Besoldung, Entlohnung, Kapitalwertmethode, Lebenszyklusmodell, Rentenversicherung, Pension, Sozialversicherung, Steuerprogression, Sensibilitätsanalyse, Öffentlicher Dienst, NRW.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich der finanziellen Situation und der Altersvorsorge von verbeamteten gegenüber angestellten Lehrkräften im Schuldienst von Nordrhein-Westfalen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der beiden Statusgruppen, die Unterschiede in der Gehaltsstruktur sowie die langfristige Differenzierung bei Pensionen und Renten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine kritische Analyse herauszufinden, welches Beschäftigungsverhältnis über ein gesamtes Berufsleben hinweg die wirtschaftlich vorteilhaftere Option darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet primär die Kapitalwertmethode, um Zahlungsströme über einen langen Zeitraum vergleichbar zu machen, ergänzt durch eine Sensibilitätsanalyse zur Prüfung von Parameterveränderungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition der rechtlichen Grundlagen, der detaillierten Erstellung eines Lebenszyklusmodells für beide Statusgruppen und der Durchführung einer Sensibilitätsanalyse hinsichtlich Zins- und Steuerveränderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Beamtenstatus, Altersvorsorge, Kapitalwertmethode, Besoldung und Rentenversicherung geprägt.
Warum wird für den Vergleich ausgerechnet die Kapitalwertmethode gewählt?
Die Kapitalwertmethode ermöglicht es, Ein- und Auszahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf einen gemeinsamen Barwert in der Gegenwart zu diskontieren, was für einen Vergleich über die gesamte Laufbahn eines Lehrerlebens essentiell ist.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich des finanziellen Privilegs von Beamten?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Beamte über ihr Berufsleben hinweg ein ca. 15% höheres Einkommen erzielen können, was primär auf die geringeren Abgabenlasten zurückzuführen ist.
Welche Rolle spielt die freiwillige Zusatzversorgung für angestellte Lehrer?
Die Zusatzversorgung ist entscheidend: Mit ihr liegt die Rente leicht über dem Pensionsniveau, ohne diese Betriebsrente sinkt das Rentenniveau des Angestellten deutlich unter das der Beamtenpension.
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- Julia Schweins (Author), 2017, Anstellung oder Verbeamtung. Eine kritische Analyse unter Berücksichtigung der Altersvorsorge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903385