Struktur und Entwicklung der Region Bodensee


Seminararbeit, 2007

24 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Historie

2. Entwicklung
2.1. Bevölkerung
2.2. Wirtschaft
2.3. Institutionelle Entwicklung

3. Struktur
3.1. Wirtschaftsstruktur
3.2. Verkehrsinfrastruktur
3.3. Sektorale Struktur
3.4. Unternehmensstruktur
3.5. Institutionelle Struktur

4. Die Regio und ihre Strategien
4.1 Allgemeine Strategien
4.2. Umweltstrategien
4.3. Strategien und Flächenmanagement
4.4. Ziele und Strategien

5. Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

I Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Das Wort Regio(lat.) ist der maßgebende prägende Begriff der die einzelnen Teilgebiete vereint und Grundlage für das Handeln und die Entwicklung der Region[1] ist. Eine Region ist wirtschaftswissenschaftlich betrachtet, ein zusammenhängendes geographisches Gebiet, von mittlerer Größenordnung zwischen aggregierten Volkswirtschaften und disaggregierten Raumpunkten.[2] Betrachtet man die Regio Bodensee, als eine von vielen Europaregionen innerhalb des europäischen Kontinents, so wird man dieses Definitionsmuster auch hier feststellen können. Zur näheren Betrachtung ist jedoch die Unterdefinition der „Euregio“ notwendig. Unter Euregio[3] versteht man die „Bezeichnung für grenzüberschreitende Initiativen zur Zusammenarbeit kommunaler Körperschaften in Grenzregionen. Schwerpunkte liegen im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich.“[4] Es ist essentiell, dass mindestens eine der beteiligten Regionen der EU angehört und es ist Bedingung, dass mindestens eine der Regionen mit Stimmrecht in Brüssel vertreten ist. Am Beispiel Regio Bodensee wird mit der Schweiz schnell deutlich, dass auch EU Außengrenzen innerhalb der EU bestehen. Weitere Beispiele sind in Osteuropa zu finden. Die erste Region, welche sich „EUREGIO“ nannte ist die niederländische „EUREGIO“ mit Sitz in Gronau[5] (NL).

Ich möchte näher auf das Gebiet der Euregio Bodensee eingehen, dass schon 1972 durch die IBK[6] zusammengeschlossen wurde. Die Internationale Bodenseekonferenz wurde auf Initiative des damaligen baden- württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger gegründet und mit Ihr eine Grundlage geschaffen, die Bodenseeanrainerländer und –kantone zu vereinen. Besonders der See als Mittelpunkt des Geschehens der Länder, sollte unter Umweltschutz- und Raumordnungskritischen Gesichtspunkten hervorgehoben und gestärkt werden. Die erste offizielle Konferenz der Vertreter(aus Behörden und Regierung) der Gründungsmitglieder fand im Januar 1972 statt.

Die Gründungsmitglieder, waren zu diesem Zeitpunkt 5 Staaten, welche direkt an den See angebunden sind. Heute sind es insgesamt 10 Mitglieder welche den See als Vereinigungsgrundlage nutzen.

Bevor eine genauere Betrachtung erfolgen kann, möchte ich das Gebiet topographisch einordnen. Der Bodensee als Mittelpunkt der Regio, liegt auf der Staatsgrenze von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zentral in Mitteleuropa, von den Glarner Alpen im Süden und weitläufig von der schwäbischen Alb im Norden begrenzt. Im Osten schließen sich die Allgäuer Alpen (Lechtaler Alpen)und im Westen der Südteil des Schwarzwaldes an.[7] Man kann somit von einem landschaftlich vielseitigen Gebiet mit touristisch hoher Relevanz sprechen. Das Gebiet kann unter anderem nach der Abgrenzung der IBK sehr gut betrachtet werden. Diese Demarkation umfasst Teile der Länder Baden-Württemberg (LK[8] Sigmaringen, LK Konstanz, Bodenseekreis), Bayerns (Kempten, LK Lindau, LK Oberallgäu), das österreichische Land Vorarlberg, das Fürstentum Lichtenstein und die Schweizer Kantone Schaffhausen, Thurgau, Zürich, Appenzell (Innerrhoden und Ausserhoden), sowie St. Gallen. In dem deklarierten Gebiet leben circa 3,7 Mio. Einwohner (2005).[9] Dies entspricht einer Einwohneranzahl von circa 220- 260 je km². Was einem ländlichen Charakter entspricht. Im Gegensatz dazu sind in anderen europäischen am dichtesten besiedelten Gebieten, wie z.B. Randstad (Rotterdam, Utrecht, Den Haag, Amsterdam)in den Niederlanden circa 1200 Einwohner je km² zu verzeichnen. Jedoch darf man sich bei dieser Zahl nicht von der Statistik täuschen lassen, denn die Einwohnerdichte auf dem Land ist noch geringer als der Durchschnitt und die Bevölkerungszahl in den Oberzentren (z.B. Zürich, Konstanz, Lindau, Ravensburg, Friedrichshafen) übersteigt den Durchschnitt um ein Vielfaches.

Der Bodensee ist ein sehr junges Gebiet das in seiner momentanen geologischen und naturräumlichen Formation erst während der letzten Eiszeit in den heutigen Zustand verformt wurde.[10] Der mittlere Durchschnitt des Bodenseewasserstandes liegt circa 395 m über d. Meeresspiegel. Die nähere Umgebung ist höher gelegen als der See selbst und erstreckt sich bis zu einer Höhe von 2503 m (Säntis) im Süden des Gebietes. In der Region spielte die Landwirtschaft und die anderen Zweige des primären Sektors lange Zeit eine übergeordnete Rolle. So sind Fischfang im See, Obstwirtschaft und Weinbau von überregionaler Bekanntheit. Mehr als ½ der Regio-Fläche (ohne Bodensee) wird noch heute landwirtschaftlich genutzt. In Zahlen ausgedrückt, kann man mit 4,5 % (gesamtes deutsches Regiogebiet) Anteil am primären Sektor, gegenüber 2,4 % im Bundesdurchschnitt (D) erkennen, dass das Gebiet landwirtschaftlich stark geprägt ist.

Eine weitere Besonderheit der Regio sind die 4 Länder mit einer EU Außengrenze und die Tatsache, dass in allen 4 Ländern (die zum Bodensee gehörigen Gebiete der Bundesländer oder Kantone) deutsch gesprochen wird (alemannischer Sprachraum).

Neben der vielfältigen Landschaft besteht eine polyzentrische Struktur der Orte. Dass heißt, die Orte sind meist klein und gliedern sich in mehrere Oberzentren (z.B. Konstanz, Friedrichshafen, Bregenz, Zürich usw.). Der Gesamtraum kann als einzigartiger ländlich- industrialisierter Raum bezeichnet werden.

Die abstrakte Einteilung des Gebietes „Regio-Bodensee“ ist relativ schwierig, da mehrere Beschreibungen einzelner voneinander unabhängiger Institutionen bestehen. Die geläufigsten Einteilungen sind die vom Bodenseeleitbild 1990 und die Einteilung der IBK, welche auch ich in meinem Referat als Grundlage der Gebietsabgrenzung gewählt habe. Weiterhin gibt es das Leitbild der internationalen Gewässerschutzkommission. Dieses Leitbild beschränkt sich aber relativ stark auf die Gewässer und die Gewässerschutzbereiche. Somit ist die IBK Einteilung, die für wirtschaftliche und allgemeine Fragen gängigste Parzellierung. Es existieren auch lokale Selbstbeschreibungen der einzelnen Gebiete, welche oft durch Vereine und kleinere Gruppen herausgegeben wurden. Diese sind aber aufgrund der Vielfalt der Beschreibungen nicht für den allgemeinen Gebrauch zu empfehlen.

Die Gebietsabgrenzung dient vor allem zur Orientierung in Entwicklungsfragen und der gezielten Förderung des strukturschwachen Grenzraumes. Grenzraum wird generell als entwicklungsbedürftig bezeichnet und vereint im Bodenseegebiet EU u. nicht EU-Grenzen.

1.1. Historie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Pfahlbausiedlung

Vom Ende der letzten Eiszeit vor ca. 14000 Jahren, konnten nachweislich erste Spuren menschlicher Existenz (Schussenquelle bei Schaffhausen) gefunden werden.[11] In der gesamten Alpenregion gibt es einige Orte, an welchen die frühesten menschlichen Spuren auf über 50000 Jahre v.Ch. datiert werden konnten (im heutigen Schweizer Nordalpenraum).[12] In der Konstanzer Bucht fand man frühe Fischer- und Jägerkulturen die circa 8000 v. Chr., in der Jungsteinzeit, das Westufer des Überlinger Sees besiedelten. 3000 v. Chr. entstanden erste Pfahlbausiedlungen[13], welche noch heute im Nachbau den Touristen das damalige Bild zeigen.[14] 800 v. Chr. besiedelten Kelten die Ufer des Sees und gaben den in unserer Zeit teilweise noch existierenden Städten ihre Namen. Erst die Römer vertrieben die keltischen Helvetier wieder und besiedelten um 58 v. Chr. den „Lacus Brigantinus“ = Bregenzer See. Die noch existierende alemannische Bevölkerung entstammt im Kern der Zeit, der Landnahme durch die Alemannen um 250 n. Chr. Um 590 wurde Konstanz Bistum und in der nachfolgenden Zeit entstanden mehrere Klöster (z.B. St. Gallen, Reichenau). Später in der Zeit bis in das Mittelalter, wandelten sich die Eigentumsverhältnisse der Gebiete über einzelne Herrscher auf deutscher und schweizer oder österreicher Seite. Weitere europäische Mächte versuchten das Gebiet zu erobern, doch auch Schweden (30 jähriger Krieg) und Frankreich (1789 durch Napoleon) scheiterten daran. 1499 legte der „Frieden von Basel“ die jetzt noch existierende Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz fest. 1813 kommt Vorarlberg wieder zu Österreich und 1815 wurde die Schweiz neutral.[15]

Nach den Machtkämpfen begann die Zeit der Industrialisierung und ein Wirtschaftsaufschwung zog sich durch Europa. 1824 wurde das erste Bodensee Dampfschiff gebaut, ab 1871 gab es eine Eisenbahnfähre und 1900 startete der erste Zeppelin aus Friedrichshafen.[16] 1836 lösten sich wirtschaftlich problematische Schranken im deutschen Gebiet, durch den Beitritt Badens zum deutschen Zollverein (Industrialisierung durch Schweizer-Kapital)[17]. Der Aufschwung wurde erst durch die Weltkriege gestoppt. In der Nachkriegszeit gewann die Region zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt durch den Tourismus und die historischen Wurzeln des Maschinen- und Motorenbaus. In jüngerer Zeit gewann der informelle Sektor zunehmend an Bedeutung, unter anderem durch die Gründung der Universität Konstanz (1966) und europäische Initiativen zum Wissenstransfer zwischen den Staaten.

2. Entwicklung

2.1. Bevölkerung

In den 4 Landesteilen der Bodenseeregion leben circa 3,7 Mio. Menschen auf einem relativ breit gestreuten Gebiet.[18] Das heißt, dass die Bevölkerungsdichte mit circa 228 Einwohnern je km² sehr gering ist und durchschnittlich der Dichte eines typischen ländlich geprägten Gebietes entspricht.[19] Jedoch weist die hohe Agglomeration von Unternehmen und Clusterung von bestimmten Technologien eine ländlich industrialisierte Region aus. Weiterhin stellt sich beim genauen Betrachten der Verteilung der Bevölkerung heraus, dass die Gebiete Rheintal, Raum Zürich und die Gebiete direkt am See besonders stark besiedelt sind. Hier liegt die Einwohnerzahl weit über dem Durchschnitt des Umlandes. Laut Aussagen der Statistiker der Euregio geht man von einem weiterhin steigenden Wanderungssaldo aus und rechnet mit einer tendenziellen Bevölkerungszunahme im einstelligen prozentualen Bereich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Altersquotient in der Euregio Bodensee

Wie in Gesamtdeutschland als Trend der letzten Jahre festzustellen ist, entwickelt sich die Geburtenrate negativ und das durchschnittliche Lebensalter nimmt permanent zu. Auch in der Bodenseeregion ist das Geburtenniveau ist von 1990 bis 2004 um circa 19% gefallen (auf 96700 Lebendgeborene). Zurzeit stagniert die Geburtenrate laut statistischem Landesamt Baden-Württemberg im Bundesland Baden-Württemberg, welches an den Bodensee angrenzt.

[...]


[1] (Wahrig-Burfeind, R./ (2004)/ Gütersloh, München) ist ein Landstrich, Gebiet, Gegend, Bezirk /lat. regio- Richtung, Gegend, Bereich, Gebiet.

[2] (Gabler Verlag [Hrsg.]/ 2004/ S. 2513)

[3] Abkürzung für Europäische Region, Euregio= Euroregion= Europaregion

[4] http://lexikon.meyers.de/meyers/Euregio (30.06.07)

[5] http://www.euregio.de/eu/?lc=de (01.07.07)

[6] Internationale Bodenseekonferenz

[7] Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG/ 2005/ S. 58-59.

[8] Landkreis

[9] http://www.statistik.euregiobodensee.org/main/ (26.06.07)

[10] IBK Kommission Kultur/ 2006/ S. 20 ff.

[11] IBK Kommission Kultur/ 2006/ S. 17.

[12] Mairs Geographischer Verlag/ 1995/ S. 6.

[13] Siehe Abb. 1

[14] IBK Kommission Kultur/ 2006/ S. 27.

[15] Mairs Geographischer Verlag/ 1995/ S. 9. „Geschichtstabelle – Bodensee“

[16] Wirtschaftsmagazin Bodensee/ 2007/ S. 25 ff

[17] Europaregion par excellence/ 2006/ S.2 f

[18] http://www.statistik.euregiobodensee.org/main/bev/bevoelkerung.html (02.07.07)

[19] http://www.statistik.euregiobodensee.org/main/bev/bevoelkerung.html (02.07.07)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Struktur und Entwicklung der Region Bodensee
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Geographie)
Veranstaltung
Mittelseminar WiSo Geographie
Note
2,0
Jahr
2007
Seiten
24
Katalognummer
V90346
ISBN (eBook)
9783638047388
ISBN (Buch)
9783638943352
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Struktur, Entwicklung, Region, Bodensee, Mittelseminar, WiSo, Geographie
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Struktur und Entwicklung der Region Bodensee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90346

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