Die Arbeit beschäftigt sich mit den Integrationsprozessen der jiddischen Sprache in die deutsche. Wortschatzerweiterungen werden zum Teil aus dem bereits vorhandenen Wortschatz herausgeschöpft, doch weithin die meisten Erweiterungen sind auf Entlehnungen aus anderen Sprachen zurückzuführen. In Bezug auf diese Wortkategorie unterscheiden Nübling et al. zwischen den Begriffen Fremdwort und Lehnwort. Während Fremdwörter phonologische Schwierigkeiten für SprecherInnen des Deutschen enthalten können, gelten Lehnwörter als vollständig ins Deutsche integriert, dem deutschen Wortschatz also gänzlich angepasst. In Bezug auf die jiddische Sprache, ist bei Wörtern wie Beisel oder Knast die fremde Herkunft als Jiddismus kaum noch erkennbar. Bevor solche Wörter in das Lexikon aufgenommen werden, wird aber das Durchgehen von Integrationsprozessen als notwendig betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Wortentlehnungen und ihre sprachliche Integration am Beispiel des Jiddischen
2. Das Jiddische und seine Sprecher
2.1. Das Rotwelsch
2.2. Sprachkontakt Deutsch-Jiddisch
3. Sprachkontakt Deutsch-Kiezdeutsch
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Sprachkontaktphänomene im Deutschen, wobei der Fokus auf dem Einfluss des Jiddischen sowie des modernen Kiezdeutschen liegt. Ziel ist es, die Mechanismen der Integration dieser Varietäten in das deutsche Sprachsystem zu beschreiben und die Rolle soziolinguistischer Faktoren wie Akzeptanz und gesellschaftlicher Diskurs bei der Entlehnung und Varietätenbildung zu beleuchten.
- Mechanismen der lexikalischen und grammatischen Integration von Entlehnungen
- Die historische Rolle des Sprachkontakts zwischen dem Jiddischen und dem Standarddeutschen
- Abgrenzung und soziolinguistische Einordnung des Rotwelschen
- Strukturelle Merkmale und gesellschaftliche Bewertung von Kiezdeutsch als Soziolekt
- Vergleich von Migrationssprachen und die Bedeutung soziolinguistischer Einstellungen für den Sprachwandel
Auszug aus dem Buch
1. Wortentlehnungen und ihre sprachliche Integration am Beispiel des Jiddischen
Trotz Widerstand von Sprachpuristen ist Sprachwandel ein allgegenwärtiges Phänomen (vgl. Nübling, Duke & Szczepaniak, 2010 und Hill, 2013). Der ständige Wandel wird als ein Merkmal natürlicher Sprachen gesehen (vgl. Hill, 2013). Wortschatzwandel, also der Wandel im lexikalischen Bereich, wird laut Wegera und Waldenberger von Sprechern am bewusstesten wahrgenommen und wird somit immer wieder zum Opfer von Sprachkritik (vgl. Wegera & Waldenberger, 2012). Im Vergleich zu grammatischen Innovationen brauchen lexikalische Änderungen weniger Zeit, sich durchzusetzen (vgl. Nübling et al., 2010). Es sind folgende Formen der Veränderung im Lexikon zu verzeichnen:
"Erweiterung oder Zuwachs des Wortschatzes durch lexikalische Innovationen (neue Wörter), als Reduktion durch lexikalischen Schwund und als Umschichtungsprozesse innerhalb des Wortschatzes." (Wegera & Waldenberger, 2012: 211).
Wortschatzerweiterungen werden zum Teil aus dem bereits vorhandenen Wortschatz herausgeschöpft, doch weithin die meisten Erweiterungen sind auf Entlehnungen aus anderen Sprachen zurückzuführen (vgl. Wegera & Waldenberger, 2012). In Bezug auf diese Wortkategorie unterscheiden Nübling et al. (2010) zwischen die Begriffe "Fremdwort" und "Lehnwort" (Nübling et al., 2010: 139). Während Fremdwörter phonologische Schwierigkeiten für SprecherInnen des Deutschen enthalten können, gelten Lehnwörter als "vollständig ins Deutsche integriert, dem deutschen Wortschatz also gänzlich angepasst." (ebd., 2010:139). In Bezug auf die jiddische Sprache, ist bei Wörtern wie Beisel oder Knast die fremde Herkunft als Jiddismus kaum noch erkennbar. Bevor solche Wörter in das Lexikon aufgenommen werden, wird aber das Durchgehen Integrationsprozessen als notwendig betrachtet (vgl. Wegera & Waldenberger, 2012). Im Folgenden wird auf solche Integrationsprozesse in Bezug auf das Jiddische eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wortentlehnungen und ihre sprachliche Integration am Beispiel des Jiddischen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des lexikalischen Wandels und beschreibt, wie jiddische Wörter durch graphische, lautliche und grammatische Integration in den deutschen Wortschatz aufgenommen wurden.
2. Das Jiddische und seine Sprecher: Hier werden die historischen Bedingungen des Sprachkontakts zwischen dem Deutschen und dem Jiddischen analysiert, unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Stellung der Juden und der historischen Diglossie.
2.1. Das Rotwelsch: Dieses Unterkapitel grenzt das Rotwelsch als Sondersprache ab und beleuchtet dessen historische Rolle als Vermittler jiddischer Elemente in die deutsche Standardsprache.
2.2. Sprachkontakt Deutsch-Jiddisch: Dieser Abschnitt beschreibt die zeitliche Entwicklung der sprachlichen Verhältnisse, von frühen Kontakten bis hin zur intensiven Beeinflussung durch die gesellschaftliche Öffnung im 18. Jahrhundert.
3. Sprachkontakt Deutsch-Kiezdeutsch: Das Kapitel analysiert Kiezdeutsch als modernen Soziolekt, identifiziert dessen linguistische Merkmale und diskutiert die kritische gesellschaftliche Bewertung sowie die Parallelen zu historischen Migrationssprachen.
Schlüsselwörter
Sprachkontakt, Sprachwandel, Jiddisch, Kiezdeutsch, Wortentlehnung, Integration, Soziolekt, Diglossie, Rotwelsch, Sprachpurismus, Gastarbeiterdeutsch, Mehrsprachigkeit, Sprachnorm, Soziolinguistik, Lehnwort
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie es zum Sprachkontakt zwischen dem Standarddeutschen und anderen Varietäten wie dem Jiddischen sowie dem Kiezdeutschen kommt und wie Wörter aus diesen Varietäten in das Deutsche integriert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prozessen der lexikalischen und grammatischen Integration, der historischen Entwicklung des Sprachkontakts zu jiddischsprachigen Gruppen sowie der soziolinguistischen Analyse des Kiezdeutschen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, die Mechanismen der Entlehnung und Integration zu beschreiben und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Faktoren und Spracheinstellungen den Sprachkontakt beeinflussen oder behindern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung soziolinguistischer Konzepte und der Analyse existierender Sprachdaten sowie fachwissenschaftlicher Literatur zum Sprachwandel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der jiddischen Einflüsse auf das Deutsche, die Rolle des Rotwelschen als Vermittler und die soziolinguistische Einordnung des Kiezdeutschen in den zeitgenössischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Sprachkontakt, Sprachwandel, Integration, Jiddisch, Kiezdeutsch, Soziolekt und Diglossie.
Inwiefern unterscheidet sich das Kiezdeutsch von historischen Migrationssprachen wie dem "Gastarbeiterdeutsch"?
Obwohl es Parallelen in der multiethnischen Sprechergruppe gibt, wird Kiezdeutsch heute als eigenständiger Soziolekt von mehrsprachig aufgewachsenen Generationen betrachtet, während das "Gastarbeiterdeutsch" eher als eine durch ungesteuerten Spracherwerb geprägte Pidgin-Sprache der ersten Generation verstanden wird.
Warum spielt die gesellschaftliche Akzeptanz eine so große Rolle für den Sprachkontakt?
Die Arbeit zeigt, dass eine negative Einstellung oder Stigmatisierung gegenüber einer Sprachvarietät wie eine Mauer wirken kann, die den weiteren Sprachaustausch und die Akzeptanz von Neuerungen im Standarddeutschen verlangsamt oder verhindert.
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- Anonym (Author), 2020, Integrationsprozesse des Standarddeutschen am Beispiel des Jiddischen und Kiezdeutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903635