Dinoi und Stamnoi - Definitionen und Merkmale

Ein kurzer Überblick


Seminararbeit, 2008

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dinoi
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Dinoi des Sophilos und andere Beispiele

3. Stamnoi
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Schwarzfigurige Stamnoi
3.3 Rotfigurige Stamnoi

4. Schluss

5. Bibliographie

1. Einleitung

Ab dem sechsten Jahrhundert v. Chr. wurden griechische Gefäße, zunächst korinthische und dann vermehrt attische Vasen, im großen Maße verbreitet und exportiert, so auch nach Südspanien, Nordafrika oder in Gegenden rund ums Schwarzes Meer[1], besonders aber nach Unteritalien[2]. Als Träger von Botschaften spielten sie dabei eine große Rolle. Auf ihren Darstellungen wurden verschiedene Inhalte gezeigt, wie Mythen oder Szenen aus dem griechischen Alltag, die auch durch die Auswanderung verschiedener Maler in die außerhellenischen Kulturen verbreitet wurden. So werden zum Beispiel heutzutage in Teilen Italiens sehr viele Vasen gefunden, welche aus griechischer Produktion stammen, beziehungsweise von attischen Vorbildern abgeleitet wurden und somit eindeutig die damaligen Handelsbeziehungen zweier Völker untermauern. Auch die gezeigten Darstellungen auf den Vasen selbst sind nicht von Belanglosigkeit. Einerseits die mythologischen Geschichten, welche sehr oft durch Namensbezeichnungen der Figuren den fremden Kulturen näher gebracht werden sollten, andererseits die Darstellung von alltäglichen Szenen, mit deren Hilfe wir heutzutage Einblicke in das damalige Leben, Religionsverständnis oder auch in die damaligen politischen Verhältnisse bekommen können. Natürlich ergeben sich dadurch Konflikte, die eine Interpretation schwierig gestalten lassen. So können verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die genannten Inschriften auf den Gefäßen oder besondere Wünsche der möglichen Käufer auf die Produktion einwirken und die Grenzen zwischen griechischer Originalität und fremden Besonderheiten vernebeln. Folglich ist es oft schwer von z.B. einer „reinen“ attischen, korinthischen oder etruskischen Form zu sprechen oder die Verwendung des Gefäßes zu bestimmen. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit den Dinoi und den Stamnoi. Besonders bei der Form des Stamnos sind noch einige Fragen der Verwendung in damaliger Zeit ungeklärt. Ich werde mich nicht ausführlich mit diesem Punkt beschäftigen, werde jedoch versuchen die Diskussion um die Bezeichnung „Lenäenvasen“ für die Stamnoi darzulegen und zu hinterfragen. Viel wichtiger erscheint mir die Aufgabe beide Gefäßformen zu beschreiben, ihre wichtigsten Vertreter herauszuheben und zu einem allgemeinen Schluss über die Verwendung und den Zweck ihrer Dekoration zu ziehen. Eine herausragende Stellung in der Gefäßforschung nimmt natürlich Sir John Beazley ein, der mit seinen Klassifizierungen griechischer Gefäßformen einen Meilenstein in der Klassischen Archäologie setzte. Eine führende Wissenschaftlerin im Bereich der Stamnoi ist Frau Cornelia Isler-Kerényi mit ihrem Werk „Stamnoi“. Bei der wissenschaftlichen Diskussion über die Bezeichnung der Stamnoi als Lenäenvasen versuche ich eigene Überlegungen aufzuführen. Eine ältere und teilweise inhaltlich fragwürdige Schrift[3] darüber wird zwar beachtet, von mir aber kritisch gesehen. Der berühmteste Dinos stammt wohl aus der Werkstatt des Sophilos, dessen Stil ausgezeichnet Güven Bakir beschrieben hat. Seine Thesen und Schlüsse werden von so manchen Wissenschaftler und auch von mir aufgegriffen.

2. Dinoi

2.1 Begriffsdefinition

Zunächst soll nun eine Auslegung der Bezeichnung „Dinos“ erfolgen. Mehrere zweisprachige Wörterbücher übersetzen δινος oder δεινος mit „Topf“. Somit wird die Form eines so genannten λέβης (Lebes: „Kessel“, „Becken“, „Waschbecken“, „Krug“ aber auch „Urne“) miteinbezogen. Ein Dinos ist in seiner Form eher groß und kugelförmig, nach unten hin sich zu einer flachen Spitze verjüngend und ohne Fuß. Auffallend ist, dass er keine Henkel besitzt, und somit sicherlich nicht, wegen seiner eher übermäßigen Größe, als transportables Gefäß galt. Meist wird diese Vase auf einen besonderen Untersatz, dem Hypokrateridion (` ύποκρατηριδιον) aufgestellt, der eine Höhe bis zu einem Meter erreichen konnte. Auffällig dabei ist die Verwendung des Begriffes „Krater“, welcher ein Gefäß mit einer breiten Öffnung bezeichnet. Betrachtet man nun die Funktion, welche den Dinoi zugeschrieben wird, so wird die Form und der Untersatz in ihrer Einheit ergründbar: Dinoi waren vor allem dazu gedacht, Wein mit Wasser zu vemischen[4]. Sie wurden entweder in den Sandboden gestoßen oder auf den Unterbau, der aus Holz bestand, gesteckt. Uns sind nur wenige Exemplare erhalten. Am berühmtesten ist sicherlich der Dinos des Sophilos, der heute im British Museum in London steht, welcher in einem Grab[5] gefunden wurde und ein Beispiel für die Beigabe von Vasen an Verstorbene darstellt.

2.2 Dinoi des Sophilos und andere Beispiele

Zwischen ca. 590 bis 570 v. Chr. schuf Sophilos seine schwarzfigurigen Werke[6]. Nicht nur die Tatsche, dass Sophilos ein hervorragender Künstler war, so liegt auch seine Bedeutung im kunsthistorischen Bereich sehr hoch: Sophilos war einer der ersten, wenn nicht der erste Maler überhaupt, der seine Namen auf einem Gefäß verewigt hatte. So fanden sich auf der Akropolis Dinos-Fragmente, die eindeutig seinen Namen trugen.[7] Auch der später gefundene bekannte Dinos wurde mit dem Namen Sophilos signiert[8] (Bakir, Taf. 1-5). Er wird auf den Anfang des sechsten Jahrhunderts datiert. Dargestellt werden mehrere Friesbänder, von denen eines, an den flachen Schultern des Gefäßes platziert, vom Betrachter von oben herab gesehen werden kann. Es handelt sich dabei um eine mythologische Szene, die zwar wenig Dramatik verspüren lässt[9], dennoch stark gewichtet, da sie den Ein- bzw. Auszug[10] verschiedener Götter zu der Hochzeit von Peleus und der Meeresgöttin Thetis zeigt. Dieses Ereignis bildet den zentralen Kern der mythologischen Sagenerzählung, da es als Auslöser und somit Ausgangspunkt weiterer Geschichten der griechischen Götter- und Heroenwelt gilt: in der Folge entführt Paris die schöne Helena aus Sparta, aufgrund der auf der Hochzeit entstandenen Zwietracht unter den Göttinnen, und löst somit den Trojanischen Krieg aus, welcher natürlich seit Homer als das zentrale Element in der griechischen Malerei, Literatur und Kunst gilt. Somit gilt diese Szene, wie schon erwähnt, als ein wichtiges Moment, welches auch auf vielen anderen Vasenformen wiedergegeben wurde. Die Götterfiguren auf diesem Dinos wurden namentlich durch Beischriften in altgriechischer Schrift benannt und erleichtern uns somit die Interpretation des Bildes. Beischriften, die vom Kopf abwärts zum Fuß hin an der dargestellten Figur hinzu geschrieben wurden, wurden schon im siebten Jahrhundert v. Chr. von Malern als Kommunikationsmittel zwischen der griechischen und den „barbarischen“ Kulturen verwendet.[11] Zu sehen sind demnach verschiedene Gottheiten[12], angeführt von Iris, folgend auch Kheiron, und später olympische Götter: Zeus mit Hera, Poseidon, Aphrodite, Apollo, Artemis und Athena. Auffallend ist gegen Ende des Zuges hin Hephaistos mit seinem verkrüppelten Fuß auf einem Esel reitend.

[...]


[1] Vgl. R. Osborne, Archaic and Classical Greek Art, Oxford 1998, S. 87.

[2] Vgl. M. Sprenger, G. Bartolini, Die Etrusker, Kunst und Geschichte, München 1997, S. 72.

[3] Es handelt sich dabei um: A. Frickenhaus, Lenäenvasen, Zweiundsiebzigstes Programm zum Winckelmannsfeste der archäologischen Gesellschaft zu Berlin 1912.

[4] So bezeugt als Darstellung auf anderen Gefäßen.

[5] Vgl. R. Osborne, Archaic and Classical Greek Art, Oxford 1998, S. 88.

[6] Sophilos’ Gefäße wurden vermutlich nicht wie andere exportiert. So fand man die Gefäße hauptsächlich in Athen (bzw. Attika) und im großionischen Bereich wie im Heraion von Samos, vermutlich als Weihgabe gedacht. Vgl. Künstlerlexikon der Antike, Band 2, R. Vollkommer (Hrg.), s. v. Sophilos (I), B. Kreuzer, S. 408.

[7] Vgl. G. Bakir, Sophilos, Ein Beitrag zu seinem Stil, Mainz am Rhein 1981, S. 1. Jedoch lässt sich nicht feststellen, ob Sophilos auch der Hersteller der Tonware an sich war. Vgl. Bakir S. 60.

[8] Anscheinend steckte ein gewisses System, eine Gewohnheit hinter der Art des Signierens, denn: „Die Signaturen des Malers befinden sich immer im ersten, für ein Handlungsbild reservierten Fries der Gefäße.“ Bakir S. 5. Nähere Informationen zur Art der Signierung und Gemeinsamkeiten mit den Fragmenten lassen sich nachlesen bei Bakir S. 5 ff.

[9] Vgl. Osborne S. 90.

[10] Die Hochzeit von Peleus und Thetis hat vermutlich schon stattgefunden. Thetis, so ist sich vorzustellen, ist schon in dem Haus (in der Form eines Antentempels). Vgl. Bakir S. 5. Auch lässt sich durch die gefunden Fragmente auf der Akropolis sagen, dass Sophilos diese Szene auf einem anderen Dinos in späterer Zeit wieder gemalt hat. Vgl. Osborne S. 91.

[11] Vgl. Osborne S. 90.

[12] Dionysos nimmt eine besondere Stellung in der Art und Weise seiner figürlichen Darstellung ein. Seine Wichtigkeit wird dadurch besonders hervorgehoben und markiert zugleich eine der frühesten Darstellung dieser Gottheit. Vgl. Osborne S. 91.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Dinoi und Stamnoi - Definitionen und Merkmale
Untertitel
Ein kurzer Überblick
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V90365
ISBN (eBook)
9783638047425
ISBN (Buch)
9783638943697
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dinoi, Stamnoi, Definitionen, Merkmale
Arbeit zitieren
Markus Rinner (Autor), 2008, Dinoi und Stamnoi - Definitionen und Merkmale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90365

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