Ab dem sechsten Jahrhundert v. Chr. wurden griechische Gefäße, zunächst korinthische und dann vermehrt attische Vasen, im großen Maße verbreitet und exportiert, so auch nach Südspanien, Nordafrika oder in Gegenden rund ums Schwarze Meer , besonders aber nach Unteritalien . Als Träger von Botschaften spielten sie dabei eine große Rolle. Auf ihren Darstellungen wurden verschiedene Inhalte gezeigt, wie Mythen oder Szenen aus dem griechischen Alltag, die auch durch die Auswanderung verschiedener Maler in die außerhellenischen Kulturen verbreitet wurden. So werden zum Beispiel heutzutage in Teilen Italiens sehr viele Vasen gefunden, welche aus griechischer Produktion stammen, beziehungsweise von attischen Vorbildern abgeleitet wurden und somit eindeutig die damaligen Handelsbeziehungen zweier Völker untermauern. Auch die gezeigten Darstellungen auf den Vasen selbst sind nicht von Belanglosigkeit. Einerseits die mythologischen Geschichten, welche sehr oft durch Namensbezeichnungen der Figuren den fremden Kulturen näher gebracht werden sollten, andererseits die Darstellung von alltäglichen Szenen, mit deren Hilfe wir heutzutage Einblicke in das damalige Leben, Religionsverständnis oder auch in die damaligen politischen Verhältnisse bekommen können. Natürlich ergeben sich dadurch Konflikte, die eine Interpretation schwierig gestalten lassen. So können verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die genannten Inschriften auf den Gefäßen oder besondere Wünsche der möglichen Käufer auf die Produktion einwirken und die Grenzen zwischen griechischer Originalität und fremden Besonderheiten vernebeln. Folglich ist es oft schwer von z.B. einer „reinen“ attischen, korinthischen oder etruskischen Form zu sprechen oder die Verwendung des Gefäßes zu bestimmen. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit dem Dinos / den Dinoi und dem Stamnos / den Stamnoi. Besonders bei der Form des Stamnos sind noch einige Fragen der Verwendung in damaliger Zeit ungeklärt. Ich werde mich nicht ausführlich mit diesem Punkt beschäftigen, werde jedoch versuchen die Diskussion um die Bezeichnung „Lenäenvasen“ für die Stamnoi darzulegen und zu hinterfragen. Viel wichtiger erscheint mir die Aufgabe beide Gefäßformen zu beschreiben, ihre wichtigsten Vertreter herauszuheben und zu einem allgemeinen Schluss über die Verwendung und den Zweck ihrer Dekoration zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dinoi
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Dinoi des Sophilos und andere Beispiele
3. Stamnoi
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Schwarzfigurige Stamnoi
3.3 Rotfigurige Stamnoi
4. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gefäßformen der Dinoi und Stamnoi in der antiken griechischen Vasenmalerei. Dabei stehen die funktionale Bestimmung der Gefäße, ihre kunsthistorische Einordnung sowie die kritische Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlichen Debatten, insbesondere zur Klassifizierung von Stamnoi als sogenannte "Lenäenvasen", im Mittelpunkt der Analyse.
- Morphologische Beschreibung und funktionale Einordnung von Dinoi und Stamnoi
- Analyse der Werkstatt des Sophilos und ihrer Bedeutung für die Dinos-Malerei
- Untersuchung der Handelsbeziehungen zwischen Griechenland und Etrurien anhand von Stamnoi
- Kritische Reflexion der "Lenäenvasen"-Hypothese
- Interpretationsansätze für dionysische Bildmotive auf antiker Keramik
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsdefinition
Zunächst soll nun eine Auslegung der Bezeichnung „Dinos“ erfolgen. Mehrere zweisprachige Wörterbücher übersetzen δῖνος oder δεινός mit „Topf“. Somit wird die Form eines so genannten λέβης (Lebes: „Kessel“, „Becken“, „Waschbecken“, „Krug“ aber auch „Urne“) miteinbezogen. Ein Dinos ist in seiner Form eher groß und kugelförmig, nach unten hin sich zu einer flachen Spitze verjüngend und ohne Fuß.
Auffallend ist, dass er keine Henkel besitzt, und somit sicherlich nicht, wegen seiner eher übermäßigen Größe, als transportables Gefäß galt. Meist wird diese Vase auf einen besonderen Untersatz, dem Hypokrateridion (ὑποκρατηρίδιον) aufgestellt, der eine Höhe bis zu einem Meter erreichen konnte. Auffällig dabei ist die Verwendung des Begriffes „Krater“, welcher ein Gefäß mit einer breiten Öffnung bezeichnet. Betrachtet man nun die Funktion, welche den Dinoi zugeschrieben wird, so wird die Form und der Untersatz in ihrer Einheit ergründbar: Dinoi waren vor allem dazu gedacht, Wein mit Wasser zu vemischen. Sie wurden entweder in den Sandboden gestoßen oder auf den Unterbau, der aus Holz bestand, gesteckt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Bedeutung attischer Vasen als Kulturgüter und Exportartikel sowie das Ziel der Arbeit, die Formen Dinoi und Stamnoi sowie deren Verwendung kritisch zu untersuchen.
2. Dinoi: Dieses Kapitel widmet sich der formalen Definition des Dinos als gefäßlose, auf einem Untersatz stehende Schale und beleuchtet die künstlerische Bedeutung der Werkstatt des Sophilos.
3. Stamnoi: Das Kapitel analysiert den Stamnos als bauchiges Deckelgefäß, dessen Funktion und etruskische Fundkontexte sowie die spezifischen Bildthemen in der schwarz- und rotfigurigen Vasenmalerei.
4. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zur zentralen Rolle beider Gefäßformen beim Weinkonsum zusammen und betont die Notwendigkeit weiterer soziokultureller Analysen für eine eindeutige Interpretation.
Schlüsselwörter
Dinoi, Stamnoi, Sophilos, attische Vasen, Lenäenvasen, Dionysos, Symposion, Etrurien, Vasenmalerei, Klassische Archäologie, schwarzfigurig, rotfigurig, Wein, Gefäßformen, Mythologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und kunsthistorischen Einordnung zweier spezifischer griechischer Gefäßformen: dem Dinos und dem Stamnos.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die formale Typologie, die funktionale Bestimmung (insbesondere im Kontext des Weinkonsums) sowie der Export und die Rezeption dieser Gefäße in etruskischen Kontexten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beschreibung der Gefäßformen, die Hervorhebung wichtiger Vertreter und die kritische Hinterfragung der wissenschaftlichen Diskussion zur Bezeichnung "Lenäenvasen" für Stamnoi.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analysierende Methode verwendet, die auf der Auswertung von Fachliteratur (z.B. Sir John Beazley, Cornelia Isler-Kerényi) und der ikonographischen Interpretation von Vasenbildern basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Dinoi, insbesondere der Werke des Sophilos, und eine detaillierte Betrachtung von Stamnoi hinsichtlich ihrer Herkunft und dionysischer Bildmotive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Dinoi, Stamnoi, Sophilos, Lenäenvasen, Dionysos, Vasenmalerei und etruskischer Handel sind zentrale Begriffe.
Wie unterscheidet sich der Dinos von anderen Gefäßformen?
Ein Dinos zeichnet sich durch eine großkugelige Form ohne Henkel und ohne eigenen Fuß aus, weshalb er stets auf einem separaten Untersatz (Hypokrateridion) platziert werden musste.
Warum ist die Klassifizierung der Stamnoi als "Lenäenvasen" umstritten?
Die Bezeichnung ist umstritten, da Stamnoi hauptsächlich in Etrurien gefunden wurden, während die mit ihnen assoziierten dionysischen Kultakte (Lenaia) primär im ionisch-athenischen Raum verortet sind.
- Quote paper
- Markus Rinner (Author), 2008, Dinoi und Stamnoi - Definitionen und Merkmale, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90365