Hume und das Induktionsproblem. Britischer Empirismus


Essay, 2016

7 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1 Einleitung

Der schottische Philosoph David Hume ist ebenso wie Berkeley und Locke ein britischer Empirist gewesen und gilt als bedeutungsvoller Aufklarer seiner Zeit. Im Laufe seines Lebens hat er sich unter anderem mit der Metaphysik beschaftigt. Im Folgenden werden seine Thesen iiber den Zusammenhang zwischen dem Verstand und den menschlichen Annahmen iiber ihre Umwelt dargelegt. Ausgangspunkt ist hierbei die Fragestellung, worin unsere Annahmen iiber unsere Umwelt begriindet seien. AuBerdem wird besonders auf das daraus resultierende Induktionsproblem eingegangen. Dariiber hinaus wird erlautert, welche Konsequenz Hume aus diesem Problem zieht. Als Grundlage hierfiir dient Humes Werk An Enquiry concerning Human Understanding. Zunachst werde ich allerdings mit seinem Verstandnis von Ideen und ihrer Assoziation beginnen.

2 Ideen und ihre Assoziation

2.1 Der Ursprung von Ideen

Hume behauptet, dass es drei Arten von Vorstellungen des Geistes gibt: die Sinneswahrnehmung, die Erinnerung und die Einbildung Hierbei macht er deutlich, dass die Erinnerung und die Einbildung immer als Kopien oder Reflexionen aus der Sinneswahrnehmung entstehen. In anderen Worten, eine Erinnerung oder Einbildung iiber einen Gegenstand oder ein Gefiihl kann erst vorgestellt werden, wenn jenes zuvor als Sinneswahrnehmung erfahren wurde. Die Kopien seien, aufgrund dessen dass sie nur Reflexionen sind, immer weniger stark und lebhaft als die eigentliche Sinneswahrnehmung. Daher seien Sinneswahrnehmungen klar von Erinnerungen und Einbildungen zu unterscheiden. Hume gibt hierbei eine Ausnahme an, und zwar den Fall einer geisteskranken Person. Diese konnten gegebenenfalls auch Erinnerungen und Einbildungen so lebhaft und stark wie Sinneswahrnehmungen erleben und demnach nicht zwischen ihnen unterscheiden. Folgendes Beispiel von Hume soil aufzeigen, dass es ansonsten nicht moglich ist Sinneswahrnehmungen mit Einbildungen und Erinnerungen zu verwechseln. So behauptet er, ein Anfall von Wut sei immer kraftvoller und aufbrausender als jeder Moment, in dem man sich lediglich an diese Wut erinnert und sie nachfiihlt. Urn diese zwei Arten von Vorstellungen klarer unterscheiden zu konne, hat Hume sie naher klassifiziert. Erinnerungen und Einbildungen fasst er unter Gedanken oder Ideen zusammen, Sinneswahrnehmungen bezeichnet er als Eindrucke (HUME 2006, 13f.).

Die allgemeine Haltung iiber den Verstand damals, und heute weiterhin, ist, dass die Einbildungskraft des Denkens schrankenlos sei. Begriindet wird dies damit, dass es moglich ist sich Dinge vorzustellen, die man so zuvor noch nie gesehen hat, wie zum Beispiel Drachen, Einhorner, Monster und ahnliches. Ausgenommen von dieser Schrankenlosigkeit sei ein unbedingter Widerspruch, wie beispielsweise die Vorstellung von einem bunten Weifi. Hume widerspricht allerdings dieser allgemeinen Haltung. Bei genauerer Betrachtung iiber das Denken sei dieses doch eher stark beschrankt. Er argumentiert, dass alles im Geist Erfundene auf zuvor gemachte Sinneseindriicke zuriickzufiihren sei. Wenn wir also zum Beispiel an einen goldenen Berg denken, der durchaus fiktiv ist, so setzt er sich dennoch aus den Sinneseindriicken eines Berges und von Gold zusammen. Daraus folgt, dass alle Ideen oder Gedanken, wie weiter oben beschrieben, auf Eindriicken basieren (HUME 2006, 14).

Als Beweis hierfiir fiihrt Hume einen kleinen Selbstversuch an. So sagt er, wenn wir eine unserer Einbildungen nehmen und sie in ihre kleinsten Bestandteile auflosen wurden, so bleibe die kleinste Idee weiterhin eine Kopie einer zuvor gemachten Erfahrung. Wurden wir beispielsweise an Gott als giitiges, barmherziges und weises Wesen denken, wurden wir unsere Vorstellung von diesen Eigenschaften aus der Giite, der Barmherzigkeit und der Weisheit von anderen Menschen ziehen (HUME 2006, 14f.).

Desweiteren wurden Falle von korperlichen Behinderung ebenfalls diese These stiitzen. Trete bei einem Menschen eine Behinderung der Sinne von Geburt an auf, so konne er jene Fahigkeit nicht in der Einbildung ersetzen, da er nie die Eindriicke in der Art wahrnehmen konnte. Beispielsweise konne ein blinder Mann sich keine Farben vorstellen. Ebenso sei es nur moglich jene Eigenschaften einer Sache einzubilden oder sich daran zu erinnern, die auch mit den entsprechenden Sinnesorganen wahrgenommen wurden. Wenn einer zum Beispiel bislang Cola nur gesehen hat, konne dieser eine Idee von Cola haben, wie sie fliissig und schwarz ist, konne allerdings keine Idee davon haben, wie sie riecht oder schmeckt (HUME 2006, 15).

Allerdings fiihrt Hume auch hier wieder eine Ausnahme an. Sehende bekommen in ihrem Leben anhand von Eindriicken eine Vorstellung von rot, blau, griin, orange und anderen Farben. Auch wenn sie mit der Zeit in den unterschiedlichsten Schattierungen erfahren werden, so ist es dennoch undenkbar jede Schattierung einer Farbe zu erleben. Hume ist der Meinung, dass der Mensch trotzdem fahig ist sich einzelne Farbspektren dazwischen vorzustellen. Das Gleiche sei bei Klangen der Fall, so Hume (HUME 2006, 15f).

2.2 Die Assoziation der Ideen

Wie aus Vorangegangenem klar wird, sind Ideen von gemachten Eindriicken abhangig. Hume ist der Meinung, dass zudem Ideen miteinander verkniipft sind. Diese Assoziation untereinander klassifiziert er in drei Prinzipien: Ahnlichkeit, Angrenzung und Kausalitat. Unter der Assoziation durch Ahnlichkeit versteht er, dass sich die Ideen zweier ahnlichen Dinge assoziieren. Beispielsweise spiegelt ein Foto einer Landschaft diese echte Landschaft wieder. Mit dem Prinzip der Angrenzung oder auch Kontiguitat ist gemeint, dass die Idee eines Dinges mit ihrem angrenzenden Kontext assoziiert wird. Wird sich zum Beispiel ein Zimmer vorgestellt, so wird es zugleich mit dem Haus drumherum verbunden. Diese Kontiguitat kann raumlich oder zeitlich sein. Mit der Kausalitat ist die Verbundenheit zwischen einer Idee einer Ursache mit der Idee seiner Wirkung gemeint. Wird also an eine Wunde gedacht, so wird sie zugleich mit dem Schmerz assoziiert, den sie mit sich bringt. Die Idee Wunde und die Idee Schmerz sind also assoziiert, weil die Wunde den Schmerz verursacht. Ebenso verlauft es umgekehrt (HUME 2006, 17f.).

Hume kann keinen Beweis dafiir anfiihren, dass es keine weiteren Prinzipien geben konnte. So konne man zum Beispiel den Gegensatz zweier Ideen als Assoziation zueinander betrachten. Hume sieht darin aber eher eine Mischung aus Ahnlichkeit und Kausalitat (HUME 2006, 18).

3 Skeptische Bedenken iiber die Wirksamkeit des Verstandes

3.1 Annahmen und Erfahrungen

Urn daraus folgend einen Bezug zu alien Annahmen der Menschen in und iiber die Welt herzustellen, teilt Hume diese in zwei Gruppen ein: die Gruppe der Relationen zwischen Ideen und die Gruppe der Tatsachen. Unter die Relationen fallen Annahmen, die entweder intuitiv oder demonstrativ klar begriindbar sind. Beispielsweise fallen darunter die meisten mathematischen Bereiche, welche logisch aus den Zusammenhangen mehrerer Ideen geschlossen werden konnen. Die Gruppe der Relationen zeigt zudem auf, dass begriindbare Annahmen nicht aus konkret existierenden Gegenstanden bestehen miissen. Hume behauptet, dass solche Annahmen lediglich durch die Wirksamkeit des Denkens entdeckt werden konnen (HUME 2006, 24).

Unter Annahmen der Gruppe der Tatsachen fallen wiederholte Beobachtungen, die somit als gesetzmaBig eingestuft wurden. Sie sind jedoch nicht belegbar. Zudem ist das Gegenteil einer solchen Tatsache und ein Widerspruch nicht moglich. Die Begriindung hierfur wird in Form eines Beispiels angebracht. So kann man behaupten, dass morgen die Sonne aufgehen wird, da sie bislang jeden Tag aufgegangen ist. Dies entspricht einer Tatsache. Jedoch ware es denkbar moglich, dass morgen das Gegenteil eintritt und sie nicht aufgeht. Beide Moglichkeiten sind weder belegbar, noch widerlegbar. Demnach ist auch der Widerspruch einer solchen Annahme nicht moglich. Hinzuzufugen ist, dass bei der Gruppe der Tatsachen zudem die reale Existenz von Dingen fur eine solche Annahme notig ist (HUME 2006, 24).

Diese Klassifizierung von Annahmen erweckte in Hume die Frage, worauf sich unsere Annahmen iiber Tatsachen begriinden. Er kommt zu der vorlaufigen Erkenntnis, dass sich alle Tatsachen auf die Beziehung von Kausalitat einer gegenwartigen oder auch vergangenen Tatsache zu begriinden scheinen. Als Beispiel kann man sich einen Garten mit Maulwurfshaufen vorstellen. Man sieht im Garten einen Maulwurfshaufen und kann daraus schlussfolgern, dass ein Maulwurf dort gewesen sein muss. Daraus wird zudem nochmal deutlich, dass eine solche Annahme, eine solche Idee, in Verbindung mit der Kausalitat immer aus Erfahrungen stammt. Durch die reine Vernunft ohne Vorerfahrungen ist diese Annahme nicht moglich. Die Kausalitat stellt fur Hume zunachst eine Verbundenheit der Dinge dar. Dies wird in einem weiteren Selbstversuch nochmals verdeutlicht. Wenn man sich zuruckerinnert an Zeiten, in denen einem ein Ding ganzlich neu und unbekannt war, so war es einem nie moglich intuitiv auf seine Eigenschaften zu schlieBen. So muss man beispielsweise erst das Feuer oder vom Feuer erfahren haben, urn zu wissen, dass es heifi ist (HUME 2006, 24ff).

3.2 Das Induktionsproblem

Aus der These, dass Tatsachen auf die Kausalitat aus der Vergangenheit und Gegenwart zuriickzufuhren ist, ergibt sich nun folgendes Problem. Der These zufolge ist die Tatsache, dass morgen die Sonne aufgeht, zuriickzufuhren auf Erfahrungen aus der Vergangenheit und heute, wo jeweils die Sonne aufgegangen ist. Allerdings fehlt der Beweis, dass diese Kausalitat eine GesetzmaBigkeit darstellt. Daraus schlieBt Hume, dass die Kausalitat als solche fur Tatsachen nicht greifen kann und Wirkung und Ursache zu trennen sind. Denn jede gleiche Ursache konnte in der Theorie unterschiedliche Wirkungen hervorbringen. Denn es ware denkbar, dass die Sonne zwar bis jetzt taglich aufgegangen ist, aber es morgen nicht tut. Es gibt weder einen Beleg dafiir, noch dagegen (HUME 2006, 27).

Nach Hume sei der Verstand nicht moglich dieses Problem zu losen. Zudem stellt er aus dieser neuen Erkenntnis folgend nun mehr auch die Belegbarkeit von Annahmen der Relation von Ideen in Frage. Auch diese Ideen entstammen urspriinglich Erfahrungen und sind somit unbestandig. Dies verdeutlicht folgendes Beispiel: Man weifi, aus der Erfahrung, dass es vier Apfel ergibt, wenn man zuvor einen hatte und drei weitere kauft. Daraus wird die mathematische GesetzmaBigkeit gebildet. Denkbar ist es allerdings moglich, dass aus der Ursache drei Apfel zu kaufen eine andere Wirkung folgt. Daraus schlussfolgert Hume, dass es nicht moglich sei Erkenntnis iiber abstraktes Wissen zu erhalten (HUME 2006, 27f.)

3.3 Die Konsequenz aus dem Induktionsproblem

Noch einmal verdeutlicht lasst sich also laut Hume festhalten, dass es nicht auf eine Beweisfuhrung des Verstandes zuriickzufuhren ist, wenn man in einer bestimmten Situation einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung erfahrt. Die Natur lasse nur einen geringen Einblick in Form von Oberflachlichkeiten von Dingen zu, wahrend Prinzipien und GesetzmaBigkeiten unerforschbar bleiben. Unsere Annahmen bleiben laut Hume also Vermutungen. Dennoch wird aus den oberflachlichen Qualitaten jener Dinge, wie Aussehen, Geruch, Konsistenz und weitere, regelmaBig auf ihre inneren Eigenschaften geschlossen. Nehmen wir beispielsweise an, ein Mann esse etwas mit den oberflachlichen Eigenschaften eines Brotes. Es nahrt ihn und schmeckt ihm. Wenn er das nachste Mai auf so ein etwas trifft mit den gleichen oberflachlichen Qualitaten, so wird er erwarten, dass dieses ihn genauso nahrt und ihm schmeckt wie das erste Mai. Dieses Verhalten ist auf den menschlichen Geist und das Denkvermogen zuriickzufuhren. Der Geist ginge demnach davon aus, dass die gleichen oberflachlichen Qualitaten immer mit den gleichen inneren Eigenschaften verbunden seien (HUME 2006, 29f).

Fur Hume stellt sich daraus die Frage, warum dies so ist. Er begriindet es damit, dass die gemachten Erfahrungen abgeleitet und Erwartungen in uns wecken wiirden. Allerdings fehlt fur diese Kausalitat in der logischen Argumentation der Mittelsatz. Der Mittelsatz ist notwendig, urn von den vergangenen stetigen Erfahrungen auf eine GesetzmaBigkeit und somit auf ein in der Zukunft eintreffendes Ereignis schlieBen zu konnen. Dieser Mittelsatz ist durch den Verstand allerdings nicht moglich zu konzipieren. Hume ist zudem der Meinung, dass kein anderer befahigt sei diesen Zwischenschritt einzusetzen, urn das Argument sinngemaB zu komplementieren. Daraus folgend beschlieBt er seine zuvor bestimmte zweite Gruppe iiber Annahmen, die Gruppe der Tatsachen, abzuwandeln in die Gruppe der wahrscheinlichen Tatsachen. (HUME 2006, 29ff).

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Hume und das Induktionsproblem. Britischer Empirismus
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
7
Katalognummer
V903850
ISBN (eBook)
9783346206657
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Britischer Empirismus, Philosophie, Theoretische Philosophie, Hume, Induktionsproblem, Ideen
Arbeit zitieren
Sontje Neldner (Autor), 2016, Hume und das Induktionsproblem. Britischer Empirismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903850

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