Diagnosestellung und Therapie bei Patienten mit metabolischem Syndrom

Vorgehen eines Ernährungsberaters


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,0

Cheyenne Scharhag (Autor)


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Metabolische Syndrom
3. Diagnosestellung anhand gegebener Parameter
4. Entwicklung des Ernährungskonzepts
5. Erstellung des Ernährungsplans
6. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1: Gegebene Informationen

Tabelle 2: Zusätzlich benötigte Laborwerte Quelle: Eigene Darstellung nach Hauner 2015a

Abbildung 1: Klassifikation der Blutdruckwerte Quelle: DGK / DHL 2018

Abbildung 2: Übersicht der PAL-Werte Quelle: Biesalski, Grimm, Nowitzki-Grimm 2017

1. Einleitung

Mit der Industrialisierung kehrt der Mensch nicht nur der körperlichen Anstrengung aus seinem Alltag den Rücken zu, sondern erlebt auch einen extremen Wandel des Nahrungsangebotes. Im Zuge des wirtschaftlichen Wachstums steigt gleichzeitig der Konsum verarbeiteter Lebensmittel. Die Ernährungsgewohnheiten verändern sich von kulturell erwirtschafteten zu industriell verarbeiteten Produkten, die meist einen hohen Zucker- und Fettgehalt aufweisen.

Fortan ist auch eine drastische Zunahme kardiovaskulärer Risikofaktoren zu beobachten, was vor allem auf den veränderten Lebensstil zurückzuführen ist. (Anderson et. al 1980, S. 563) In diesem Zusammenhang wurde 1981 der Begriff Metabolisches Syndrom eingeführt. (Hahn 2009, S. 230) Diese Wohlstandskrankheit stellt ein Cluster unterschiedlicher metabolischer Erkrankungen dar, die eng miteinander verknüpft sind und mit einem erhöhten kardiovaskulären Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko einhergehen. (Ceriello, Hanefeld, Schaper 2007, S.117) Dies betont die Dringlichkeit einer Behandlung, bei der die Ernährungstherapie eine bedeutende Rolle spielt. Durch individuell abgestimmte Ernährungskonzepte kann der Gesundheitszustand verbessert, und den Symptomen des metabolischen Syndroms entgegengewirkt werden.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, das allgemeine Vorgehen eines Ernährungsberaters anhand eines Patienten mit metabolischem Syndrom beispielhaft zu erläutern. Dabei wird erläutert, wie gegebene Informationen genutzt werden, um eine möglichst genaue Einordnung des Gesundheitszustandes zu gewährleisten und dadurch einen, auf den Patienten abgestimmten Ernährungsplan gestalten zu können.

Zu Beginn wird das metabolische Syndrom genauer definiert, um anschließend den Vorgang der Diagnosestellung schrittweise zu erläutern. Dabei wird auch illustriert welche Parameter ergänzend nötig wären, um eine umfangreiche Beurteilung des Gesundheitszustandes gewährleisten zu können. Darauffolgend wird erläutert, welche Faktoren bei der Zielsetzung der Ernährungstherapie allgemein zu beachten sind und aus welchem Grund die Gewichtsreduktion dabei im Mittelpunkt steht. Anschließend wird anhand evidenzbasierter Ernährungsempfehlungen und Leitlinien, eine auf den Klienten abgestimmte Ernährungstherapie entwickelt und ein eintägiger Ernährungsplan erstellt. Zuletzt stellt die Schilderung der gewählten Lebensmittel eine Zusammenfassung aller Faktoren dar, die im Hinblick auf die Ernährungstherapie des Klienten zu beachten sind.

2. Das Metabolische Syndrom

Das metabolische Syndrom repräsentiert ein Cluster, bestehend aus unterschiedlichen Stoffwechselkrankheiten und Hypertonie, die eng miteinander verknüpft sind und mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Typ-2-Diabetes einhergehen. (Ceriello, Hanefeld, Schaper 2007, S.117) Es existieren viele verschiedene Definitionen. Eine davon wurde 2005 nach Kriterien der IDF entwickelt, bei der mindestens 3 der folgenden 5 Risikofaktoren vorliegen müssen: (Hauner, Wirth 2013, S. 179)

1. Abdominale Adipositas (Taillenumfang Männer > 94 cm, Frauen > 80 cm)
2. Triglyceride (> 150 mg/dl / 1,7 mmol/l)
3. HDL-Cholesterin (Männer < 40 mg/dl / Frauen < 50 mg/dl)
4. Blutdruck (systolisch > 130 mmHg, diastolisch > 85 mmHg)
5. Nüchternblutglukose (> 100 mg/dl)

Neben diesen Komponenten gibt es weitere Erkrankungen, die mit dem Metabolischen Syndrom in Verbindung stehen, wie zum Beispiel Hyperurikämie, Mikroalbuminurie, oder Störungen der Hämostase. (DAG 2015, S.19) Um schwerwiegende gesundheitliche Folgen zu vermeiden, müssen Patienten mit metabolischem Syndrom gezielt behandelt werden. (Hahn, Ströhle, Wolters 2016, S. 755) Die Voraussetzung dafür ist eine ausführliche Diagnosestellung anhand verschiedener Parameter, die daraufhin eine integrative Behandlung der verschiedenen Komponenten möglich macht.

3. Diagnosestellung anhand gegebener Parameter

Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes liegen folgende Informationen des Klienten bereits vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gegebene Informationen

Körperliche Untersuchungen werden nach Möglichkeit üblicherweise auch von Ernährungsberatern durchgeführt. Da der Blutdruck und der Taillenumfang beim Erstbesuch bestimmt werden können und wesentlich zur Diagnostik beitragen, werden folgende Parameter angenommen:

- Zweite Blutdruckmessung: 140/95 mmHg
- Taillenumfang: 110 cm

Die unten aufgeführte Tabelle beinhaltet laborchemische Parameter, die beim nächsten Arztbesuch bestimmt werden müssen, um den Gesundheitszustand des Klienten besser beurteilen zu können. Außerdem werden die potenziellen Begleiterkrankungen des metabolischen Syndroms aufgelistet, die lediglich anhand der Parameter zu erfassen sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Zusätzlich benötigte Laborwerte

Ein bedeutender Faktor für die Diagnosestellung des metabolischen Syndroms ist die abdominale Adipositas. (Ceriello, Hanefeld, Schaper 2007, S. 117) Adipositas kann allgemein als eine überdurchschnittliche Vermehrung des Körperfettes definiert werden, die mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen einhergeht. Als Grundlage der anthropometrischen Klassifizierung des Körpergewichts gilt der BMI, der sich als Quotient aus Körpergewicht, in kg und der Körpergröße in m im Quadrat ergibt. (Hauner, Wirth 2013, S.2) BMI = Körpergewicht (kg)/ Körpergröße (m2)

Der Patient wiegt 103 kg, ist 1,72 m groß und hat damit einen BMI von etwa 34,82 kg/m2. Ab einem Wert von 30 kg/m2 bis 34,9 kg/m2 wird eine Adipositas ersten Grades diagnostiziert.

In Hinblick auf das metabolische Syndrom und die allgemeine Risikoeinschätzung der Adipositas, spielt die Art der Körperfettverteilung eine bedeutende Rolle. (Elmadfa, Leitzmann 2019, S. 633) Diesbezüglich kann anhand des Taillenumfangs zwischen einer gluteoformalen und einer abdominalen Fettverteilung unterschieden werden. Letztere wird ab einem Taillenumfang von 94 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen klassifiziert. Ab 102 cm bzw. 88 cm ist das Risiko für Folgeerkrankungen sogar stark erhöht. (DAG 2014, S. 15 f.) Mit einem Taillenumfang von 110 cm liegt bei dem Patienten somit eine abdominale Adipositas vor. Diese Diagnose ist nicht nur in Hinblick auf die Entstehung des Metabolischen Syndroms bedeutend, sondern hängt mit einem besonders hohen Gesundheitsrisiko zusammen. Beispielsweise ist auch die Gefahr kardiovaskulärer Begleiterkrankungen und die Entstehung eines Diabetes mellitus deutlich erhöht. (Hauner, Wirth 2013, S.3)

Hypertonie ist eine weitere Komponente des metabolischen Syndroms und ein bedeutender, unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (Alber, Hölzl 2010, S.106)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Klassifikation der Blutdruckwerte

Wie anhand der Tabelle zu erkennen ist, gilt ein systolischer Wert < 120 mmHg und ein diastolischer Wert < 80 mmHg als optimaler Blutdruck. Hypertonie Grad 1 wird ab systolischen Werten von 140-159 mmHg und/oder diastolischen Werten ab 90 bis 99 mmHg diagnostiziert, wenn diese mindestens zweimal an unterschiedlichen Tagen gemessen wurden. (Wermelt, Schunkert 2017, S. 516) Die Untersuchungsergebnisse des Klienten mit systolischen Werten von 140 mmHg und diastolischen Werten über 90 mmHg, lassen folglich auf eine Hypertonie ersten Grades schließen, womit eine weitere Komponente des metabolischen Syndroms vorliegt.

Fettstoffwechselstörungen, auch Dyslipoproteinämien genannt, gehören ebenfalls zu den Hauptrisikofaktoren kardiovaskulärer Erkrankungen. Dabei kommt es zu einer veränderten Zusammensetzung der Lipide im Blut (Sinning, Landmesser 2017, S.606) Eine Form ist die Hypertriglyceridämie, bei der die Konzentration an Triglyceriden im Blut erhöht ist. Diese Art der Dyslipoproteinämie wird ab einem Wert von 150 mg/dl (1,7 mmol/l) diagnostiziert. (Hauner, Wirth 2013, S. 202) Der Wert des Klienten liegt bei 2,0 mmol/l (177 mg/dl) wodurch eine Hypertriglyceridämie, und damit eine weitere Begleiterkrankung des metabolischen Syndroms besteht.

Das metabolische Syndrom und die abdominale Adipositas hängen typischerweise mit einer atherogenen Dyslipidämie zusammen, bei der die Triglyceridkonzentration erhöht und der HDL-Wert erniedrigt ist. Um diese Form der Dyslipidämie jedoch diagnostizieren zu können, ist zusätzlich der HDL Wert zu bestimmten. (Ceriello, Hanefeld, Schaper 2007, S.117)

Eine weitere Komorbidität des metabolischen Syndroms ist eine gestörte Glucosetoleranz oder ein Diabetes Typ 2. Aus der Anamnese des Patienten ergeben sich Informationen, die auf einen gestörten Kohlenhydratstoffwechsel hinweisen: Der Patient fühlt sich oft matt, müde und leidet an Kopfschmerzen. Dies sind beispielsweise charakteristische Frühsymptome eines Diabetes Typ 2. Die Entstehung ist überdies auch genetisch bedingt, weshalb die positive Familienanamnese einen weiteren Hinweis darstellen könnte. (Hien, Böhm, Claudi - Böhm 2013, S.2ff) Um die Vermutung bestätigen zu können, fehlen jedoch in diesem Fall ebenso die oben aufgeführten Laborwerte.

Auch in Hinblick auf die geschwollenen Beine und der Ödeme unterhalb des Knies, bedarf es weiterer laborchemischer Parameter, um die Ursache ermitteln zu können. Ödeme können beispielsweise mit einer Fehlernährung zusammenhängen, die Folge einer Schilddrüsenunterfunktion sein, oder andere Hintergründe aufweisen. (Weber 2014, S.162)

Bei dem Patienten konnte eine abdominale Adipositas, eine Hypertonie und eine Hypertriglyceridämie festgestellt werden. Der anfangs aufgeführten Definition der IDF zufolge, liegt somit das metabolische Syndrom vor. Das kardiovaskuläre Gesamtrisiko ist durch die einzelnen Komorbiditäten des Syndroms und durch weitere Faktoren wie die positive Familienanamnese, den Zigarettenkonsum und den beruflichen Stress deutlich erhöht. (DGK 2013, S.10) Zudem koaliert das metabolische Syndrom mit unterschiedlichen Krebsarten. (Riemann, Schumm-Draeger 2017, S. 284)

Weitere Komponenten können anhand der Datenlage nicht ausgeschlossen, jedoch auch nicht diagnostiziert werden. Im Großen und Ganzen ist der Gesundheitszustand des Klienten als bedenklich einzustufen. Eine Therapie ist deshalb schnellst möglich einzuleiten, um den bestehenden Symptomen entgegenzuwirken und das Risiko für Folgeerkrankungen zu minimieren.

4. Entwicklung des Ernährungskonzepts

Um ein integratives Ernährungskonzept aufzustellen, muss primär die Ursache der Stoffwechselkrankheit betrachtet werden. Eine Schlüsselrolle der Pathogenese des metabolischen Syndroms nimmt vor allem die abdominale Adipositas ein, die durch Bewegungsmangel, Überernährung und genetische Disposition bedingt ist. Das dysfunktionale Fettgewebe führt durch die Ausschüttung von Cytokinen zu einer subklinischen Inflammation. Diese Entzündungsreaktion induziert wiederum die Entwicklung unterschiedlicher Symptome des metabolischen Syndroms und führt zu kardiovaskulären Schäden. (Hanefeld, Pistrosch, 2017, S. 300ff)

Da die viszerale Adipositas der ausschlaggebende Promotor für die Entwicklung des metabolischen Syndroms und dessen Komplikationen ist, steht ein langfristiger Gewichtsverlust im Mittelpunkt der Ernährungstherapie. Eine deutliche Verbesserung aller Symptome des Metabolischen Syndroms wird bereits mit einer Gewichtsreduktion von 5-10 % erreicht. (Hauner 2017, S. 309). Im Hinblick auf den Patienten führt der Gewichtsverlust beispielsweise zur Verbesserung der Hypertonie und Hypertriglyceridämie, wodurch sich folglich der allgemeine Gesundheitszustand verbessert und das Risiko einer vorzeitigen Sterblichkeit sinkt. (DAG 2014, S. 38) Die Gewichtsreduktion sollte dabei über einen ausreichend langen Zeitraum erfolgen, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Des Weiteren muss das Ziel realistisch sein und an die individuellen Ressourcen und Möglichkeiten des Patienten angepasst werden. Bei einem BMI von 25-35 kg/m2 ist eine Gewichtsreduktion von über 5 % des Ausgangsgewichtes innerhalb von 6-12 Monaten anzustreben. (DAG 2014, S.38)

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Diagnosestellung und Therapie bei Patienten mit metabolischem Syndrom
Untertitel
Vorgehen eines Ernährungsberaters
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V903868
ISBN (eBook)
9783346222091
ISBN (Buch)
9783346222107
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metabolisches Syndrom, Diagnosestellung, Behandlung, Ernährungsassozieerte Krankheiten, Ernährungsberatung, Ernährungsmedizin
Arbeit zitieren
Cheyenne Scharhag (Autor), 2020, Diagnosestellung und Therapie bei Patienten mit metabolischem Syndrom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903868

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Diagnosestellung und Therapie bei Patienten mit metabolischem Syndrom



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden