Wie ist das Crowdfunding zu bewerten? Stellt es eine Konkurrenz zum klassischen Bankgeschäft dar oder entspricht die Situation einer Co-Existenz beziehungsweise Ergänzung zum Bankgeschäft? In der folgenden Arbeit soll eine Antwort hinsichtlich dieser Problemstellung gegeben werden. Hierzu werden die verschiedenen Unterformen des Crowdfunding vorgestellt sowie ein Überblick über das Marktpotential mit Fokus auf dem deutschen Markt gegeben. Zusätzlich erfolgt eine Analyse der maßgebenden und sich ständig ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen, welche die Beziehungen zwischen Banken und FinTechs definiert und klarer werden lässt.
Durch Digitalisierung und das Internet erleben wir eine Art der Disruption wie niemals zuvor. Viele Wirtschaftszweige haben sich in den letzten Jahren durch den ständigen Fortschritt, sowie immer weitere Vernetzung stark verändert. Auch die Art und Weise wie Kredite vergeben, Finanzierungen gemacht werden wird durch den Einsatz von innovativen Technologien beeinflusst. Betrachtet man die Finanzbranche, so muss man feststellen, dass das Erhalten von Finanzierungen und Investitionen für kleine und mittelständische Unternehmen durch Basel II und Basel III deutlich erschwert wurde. Hinzu kommen steigende Risikoscheu der klassischen Banken und selektive Venture-Kapitalgeber. Dieses Umfeld bietet nun Raum für neue Ideen und Geschäftsmodelle. Der Ansatz ein Vorhaben durch eine große Gruppe an Menschen zu veranlassen bzw. zu finanzieren ist kein neuer und die Idee kam bereits in der Mitte des letzten Jahrtausends bei Infrastrukturprojekten auf.
Damals war es noch deutlich komplizierter eine Kommunikation zwischen den Projektinitiatoren und den vielen Investoren aufzubauen. Dank heutiger Kommunikationstechnik, sowie dem Internet hat sich dieser Prozess deutlich vereinfacht. Die Crowd bietet neben „der Intelligenz der Massen“ im Zeitalter von Social-Media, weltweiter Vernetzung und Micropaymentsystemen jedoch nicht nur die Möglichkeit, von der Weisheit der vielen zu partizipieren, sondern im besonderen Maße von deren Willen, innovative Produktideen oder Geschäftsmodelle aus eigenem Interesse heraus finanziell zu unterstützen. Das Crowdfunding scheint hier auf unkomplizierte Weise Lösungen anbieten zu können. Doch Geldgeber und Projektinitiator müssen über geographische Grenzen hinweg zueinander gebracht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Crowdfunding
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Grundgedanke des P2P- bzw. Crowdlending
3. Marktübersicht
3.1 Weltweiter Markt
3.2 Der deutsche Markt
3.2.1 Crowdinvesting
3.2.2 Crowdlending
4. Rechtliche Situation
4.1 Plattformbetreiber
4.2 Investoren
4.3 Kreditnehmer
4.4 Folgen der Rechtsvorschriften & Adaption durch den Crowdlending Markt
5. Für wen und in welcher Situation macht Crowdlending Sinn?
6. Gegenüberstellung mit Banken
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Projektarbeit untersucht die Rolle des Crowdlending als alternative Finanzierungsmöglichkeit im Vergleich zum klassischen Bankgeschäft. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Crowdlending als Konkurrenz zu betrachten ist oder eine sinnvolle Ergänzung im Finanzsektor darstellt, insbesondere unter Berücksichtigung der aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland.
- Differenzierung verschiedener Crowdfunding-Formen
- Analyse des deutschen Marktpotenzials für Crowdlending
- Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen und Aufsichtspflichten
- Evaluierung der Beziehung zwischen FinTechs und klassischen Bankinstituten
Auszug aus dem Buch
4.1 Plattformbetreiber
Wie bereits Eingangs im Rahmen des Grundgedankens beschrieben, treten die Betreiber der Crowdlending Plattformen in ihrer Rolle als Finanzierungs- und Kreditvermittler auf. Die reine Vermittlung rechtfertigt zwar keine Beaufsichtigung durch die BaFin, jedoch wird eine Erlaubnis nach §34c GewO notwendig und ist in der Regel ohne weitere Hindernisse für die Betreiber. Dies allein entbindet die Unternehmen jedoch nicht, von ihrer Sorgfaltspflicht, wenn es darum geht, zwischen wem die Betreiber das Vermittlungsgeschäft zustande bringen.
„Grundsätzlich ist für die reine Vermittlung von Krediten keine Erlaubnis nach dem KWG erforderlich, allerdings gegebenenfalls nach § 34c der Gewerbeordnung (GewO). Demnach beaufsichtigt die BaFin Kreditvermittlungsplattformen im Regelfall nicht. Je nach vertraglicher Ausgestaltung können jedoch bankaufsichtsrechtliche Erlaubnispflichten sowohl für die Nutzer als auch für den Betreiber der Plattform bestehen. Beachten sie diese nicht, kann die BaFin sowohl gegen die Betreiber und Nutzer als auch gegen die Kreditvermittlungsplattform als eingebundenes Unternehmen Maßnahmen nach § 44c und § 37 KWG ergreifen.“ (Bundestag, Wissenschaftlicher Dienst 2018, S. 12)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den digitalen Wandel in der Finanzbranche und die zunehmende Bedeutung von Crowdfunding als Antwort auf erschwerte Finanzierungsbedingungen für Unternehmen.
2. Crowdfunding: Dieses Kapitel definiert den Begriff Crowdfunding und untergliedert ihn in die vier Hauptformen Spenden, Gegenleistungen, Kreditfinanzierung und Investitionen.
3. Marktübersicht: Hier wird das rasante Wachstum des Crowdfunding-Marktes sowohl global als auch mit einem spezifischen Fokus auf die Entwicklung in Deutschland analysiert.
4. Rechtliche Situation: Das Kapitel erörtert die komplexen regulatorischen Anforderungen für Plattformbetreiber, Investoren und Kreditnehmer, insbesondere in Bezug auf das Kreditwesengesetz.
5. Für wen und in welcher Situation macht Crowdlending Sinn?: Diese Sektion identifiziert die Zielgruppen des Crowdlending sowie die spezifischen Vorteile für Kreditnehmer und Investoren.
6. Gegenüberstellung mit Banken: Eine vergleichende Analyse stellt die technologischen Geschwindigkeitsvorteile von FinTechs dem Vertrauensvorsprung und der regulatorischen Sicherheit klassischer Banken gegenüber.
7. Fazit: Das Fazit schließt mit der Erkenntnis, dass sich FinTechs und Banken aktuell eher ergänzen als vollständig ersetzen und prognostiziert eine Entwicklung hin zu intensiverer Zusammenarbeit.
Schlüsselwörter
Alternative Investments, Crowdfunding, Crowdlending, Crowdinvesting, FinTech, BaFin, Kreditwesengesetz, P2P-Kredite, Finanzierung, Bankgeschäft, Digitalisierung, Investoren, Kreditnehmer, Marktwachstum, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen Crowdfunding, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Teilsegment Crowdlending, und beleuchtet dessen Positionierung im Finanzmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Crowdfunding-Arten, die Marktentwicklung, die rechtlichen Rahmenbedingungen durch die BaFin und den Vergleich zwischen Banken und digitalen Plattformen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob Crowdlending das klassische Bankgeschäft gefährdet oder als ergänzendes Finanzierungsmodell zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von Marktstudien sowie der Untersuchung aktueller regulatorischer Vorschriften und praktischer Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Marktübersicht, eine detaillierte Erläuterung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sowie eine differenzierte Gegenüberstellung von FinTech-Plattformen und Banken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Crowdlending, Banken-Disruption, regulatorische Erlaubnispflichten, FinTechs, P2P-Investments und alternative Finanzierungsformen.
Warum ist die Einbindung einer Bank beim Crowdlending oft notwendig?
Aufgrund von regulatorischen Anforderungen und der Aufsicht durch die BaFin ist die Zwischenschaltung einer Bank oft erforderlich, um Erlaubnispflichten für das gewerbsmäßige Kreditgeschäft zu umgehen.
Welche Rolle spielt Auxmoney im deutschen Markt?
Auxmoney wird als Marktführer im Bereich P2P-Lending genannt, der durch hohe Bekanntheit und ein ausgeklügeltes Bonitätssystem maßgeblich die Marktentwicklung in Deutschland prägt.
Welche langfristige Entwicklung wird für das Zusammenspiel von Banken und FinTechs prognostiziert?
Der Autor prognostiziert eine Entwicklung hin zu verstärkten Kooperationen, Synergieeffekten und einer möglichen M&A-Strategie der Banken gegenüber FinTechs.
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- Constantin Schneider (Author), 2019, Die Bedeutung alternativer Finanzierungsformen. Crowdfunding, Crowdlending und P2P-Investments, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/904047