Die Arbeit soll sich anhand dreier Perspektiven dem Verhältnis von Sprache und Macht widmen.
Den uns umgebenden Worten liegt eine Kraft aber auch eine gewisse Macht inne, welche erst dann sichtbar wird, wenn sie etwas auslösen. Sie besitzen die Stärke oftmals völlig ungeahnte Auswirkungen auf das Leben der Menschen und auf den Menschen selbst vorzunehmen. Die Thematisierung der Zusammengehörigkeit von "Sprache und Macht" ist in der germanistischen Linguistik hinsichtlich mehrerer Perspektiven zugänglich. Sei es die Diskursanalyse, frame-semantische Auslegungen oder die Politolinguistik - alle Perspektiven inkludieren ein gemeinsames Interesse: Wie wird Sprache als Machtinstrument eingesetzt? Wie gestaltet sich die Etablierung, Legitimation, Stabilisation und letztlich auch Infragestellung von Machtstrukturen durch Sprache? Wie stellen sich solche Machtstrukturen im Sprachgebrauch dar? Welche gesellschaftlich bedeutsamen Angelegenheiten werden unter dem Zusammenhang von "Sprache und Macht" diskutiert? Sprache ist demnach viel mehr als ein bloßes Mittel der Kommunikation, sondern ebenso ein facettenreiches Instrument sozialen Handelns und der Ausübung von Gewalt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mehrsprachigkeit und bildungstheoretische Perspektiven
2.1 Subjektivierende Wirkung von Sprache und Spracherwerb
2.2 Sprache als Medium sozialer Distinktion
2.3 Handlungsfähigkeit und Teilhabe
3. Symbolische Verletzbarkeit und sprachliche Gewalt
3.1 Die Grammatik sprachlicher Missachtung
3.2 Absetzungsakte und soziale Magie
4. Pejorisierende Metaphern im politischen Diskurs
4.1 Nominationsfunktion und Wirklichkeitskonstruktion
4.2 Wassermetaphorik und politische Konsequenzen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Sprache und Macht unter besonderer Berücksichtigung ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit, ihrer Rolle bei der Konstruktion sozialer Ungleichheiten und ihres Potenzials zur Ausübung sprachlicher Gewalt.
- Die subjektivierende Wirkung von Sprache im migrationspädagogischen Kontext.
- Die Rolle von Sprache als Instrument sozialer Distinktion und Distanzierung.
- Die Mechanismen symbolischer Verletzbarkeit und die Grammatik sprachlicher Missachtung.
- Die diskursive Funktion von pejorisierenden Metaphern und ihre gesellschaftliche Machtwirkung.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Metaphern im Flüchtlingsdiskurs
Beispielhaft für diese metaphorische Einflussnahme ist für Kalasznik der sowohl gesellschaftliche, als auch politische „Flüchtlingsdiskurs“, samt der ihn umfassenden Begriffe rund um das Wort „Flüchtling“, welches einen Strauß an Assoziationen mit sich bringt. „Es handelt sich dabei um nominale Zusammensetzungen, die im Hinblick auf ihre Semantik als sogenannte >Kompositionsmetaphern< bezeichnet werden können.“ 44 Dem Lexem „Flüchtling“ werden hierbei besonders anhand von „Wassermetaphern“ abwertende und ausgrenzende Wirkungen zugeschrieben. Je öfter wir beispielsweise dem Wort „Flüchtlingswelle“ begegnen, desto intensiver ruft es Begriffe wie „Strom“, „Flut“, „Schwemme“ o.ä. in unserem Gehirn hervor. Dabei eröffnet das Wort „Welle“ bereits zwei Assoziationsebenen: zum Einen ist eine Welle etwas sich ausbreitendes und auftürmendes, was schon allein wegen ihrer Größe ein Hindernis für uns darstellt. Somit verbindet die Gesellschaft mit einer Flüchtlingswelle eine chaotische Menschenmasse, welche immer wieder unkontrolliert an die Grenzen anbrandet. Zum Anderen gilt eine Welle als Naturgewalt, die im Stande ist ganze Städte zu verwüsten, weswegen Dämme oder Wellenbrecher gebaut werden, welche die Bevölkerung von ihrer zerstörerischen Kraft schützen sollen. Aufgrund unserer lebensweltlichen Erfahrungen begreifen wir eine Flut bzw. eine Welle als etwas Bedrohliches. „Allen Definitionen ist die semantische Komponente >(allzu) große Zahl>große Masse< gemeinsam. Die Suffixe –flut und –welle verbindet außerdem der Aspekt der Plötzlichkeit.“45 In Bezugnahme auf die Unterscheidung zwischen Herkunfts und Zielbereich, bildet die Wassermetaphorik den Herkunftsbereich, welcher mit bestimmten Assoziationen und Merkmalen besetzt wird und folglich dazu führt, „dass der Textrezipient, indem er die metaphorische Bedeutung der nominalen Zusammensetzungen entschlüsselt, sein Wissen über die Naturgewalt Wasser aktiviert und es mit dem Ankommen von Flüchtlingen in Beziehung setzt.“46 Man kann also sagen, dass „Flüchtlinge“ zu Naturkatastrophen erklärt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Macht von Sprache und Vorstellung der drei zentralen Perspektiven auf das Verhältnis von Sprache und Macht.
2. Mehrsprachigkeit und bildungstheoretische Perspektiven: Diskussion der subjektivierenden Wirkung von Sprache und deren Rolle bei der sozialen Distinktion und Bildungschancengleichheit.
3. Symbolische Verletzbarkeit und sprachliche Gewalt: Untersuchung der sozialen Existenzverletzung durch Sprache und die Analyse von Absetzungsakten als kommunikative Gewaltpraxis.
4. Pejorisierende Metaphern im politischen Diskurs: Analyse der wirklichkeitskonstruierenden Kraft von Metaphern am Beispiel des Diskurses um Flüchtlinge und deren politische Folgen.
5. Fazit: Zusammenfassende Reflexion der Macht von Sprache als beeinflussender Faktor unseres Denkens, Handelns und unserer sozialen Wirklichkeit.
Schlüsselwörter
Sprache und Macht, Diskursanalyse, Mehrsprachigkeit, Subjektivierung, Soziale Distinktion, Sprachliche Gewalt, Verletzbarkeit, Pejorisierung, Metaphern, Flüchtlingsdiskurs, Wirklichkeitskonstruktion, Soziale Existenz, Diskriminierung, Politolinguistik, Handlungsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Wirkmechanismus von Sprache als Instrument der Machtausübung, der sozialen Ausgrenzung und der Konstruktion von Wirklichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die subjektivierende Kraft von Sprache im Bildungswesen, die symbolische Verletzbarkeit des sozialen Seins und die Verwendung abwertender Metaphern im politischen Diskurs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sprache durch Differenzierungen und Herabsetzungen soziale Machtverhältnisse reproduziert und zur Diskriminierung beitragen kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Ansätze aus der Diskursanalyse, der konstruktivistischen Sprachwissenschaft und bildungstheoretische Konzepte zur Analyse sprachlicher Praxen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Perspektiven: Bildungstheoretische Aspekte von Mehrsprachigkeit, die Grammatik sprachlicher Missachtung durch Gewaltakte und die Macht pejorisierender Metaphern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprache und Macht, soziale Distinktion, sprachliche Gewalt, Pejorisierung, Subjektivierung und gesellschaftliche Diskriminierung.
Wie unterscheidet sich die Wirkung von "legitimen" und "illegitimen" Sprachpraxen in der Schule?
Die Arbeit zeigt, dass die Schule durch die Bewertung bestimmter Sprachvarianten als "legitim" soziale Unterschiede bekräftigt und bestehende Ungleichheiten für Schüler*innen weiter verfestigt.
Warum wird der Begriff "Wassermetaphorik" im Flüchtlingsdiskurs kritisch betrachtet?
Weil Begriffe wie "Flüchtlingswelle" oder "Strom" Flüchtende als unkontrollierbare Naturgewalt framen, was zur Dehumanisierung beiträgt und politische Maßnahmen wie Abschottung legitimieren kann.
Was bedeutet der "soziale Tod" in diesem Kontext?
Es beschreibt den Zustand, in dem eine Person durch sprachliche Gewalt aus dem Austausch von Ansprache und Antwort ausgeschlossen wird und dadurch ihre soziale Existenz verliert.
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- Helene Fraas (Autor), 2019, Das Verhältnis von Sprache und Macht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/904776