Anorexia nervosa und Bulimia nervosa

Subjektivität und Körperwahrnehmung betroffener Frauen


Hausarbeit, 2004

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krankheitsbild
2.1. Anorexia nervosa (Magersucht)
2.2. Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)

3. Familienbeziehungen
3.1. Anorexie
3.2. Bulimie

4. Subjektivität und Körperwahrnehmung
4.1. Anorexie
4.2. Bulimie
4.3. Zusammenfassung

5.Folgen und Therapie
5.1. Folgen
5.1.1. Anorexie
5.1.2. Bulimie
5.2. Therapie
5.2.1. Anorexie
5.2.2. Bulimie

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1. Zur Verbreitung
8.2. Der Body-Mass-Index (BMI)

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit befasse ich mich mit den beiden wohl bekanntesten Formen von Essstörungen: Der Magersucht (Anorexia nervosa) und der Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa).

Da der Großteil der von Essstörungen betroffener Personen weiblich ist, bleiben männliche Betroffene im folgenden Text unberücksichtigt, viele Aussagen sind aber auch auf diese Gruppe von Essgestörten übertragbar.

Nach einer kurzen Einführung und einem Einblick in die Familienbeziehungen beschäftige ich mich im Mittelteil detailliert mit der Subjektivität magersüchtiger und bulimischer Frauen und deren Beziehung zu ihrem Körper, da mich dieser Bereich im Rahmen des Seminar besonders interessiert hat und ich über manche Zusammenhänge wirklich überrascht war.

Abschließend gehe ich dann auf die Folgen von Anorexie und Bulimie ein und geben einen kurzen Überblick über Therapiemöglichkeiten und –ziele.

Wichtig ist noch, dass in einigen Bereichen keine genaue Abgrenzung zwischen diesen beiden Formen von Essstörungen möglich ist und es daher im Laufe der Hausarbeit zu Wiederholungen und Überschneidungen kommen kann.

2. Krankheitsbild

2.1. Anorexia nervosa (Magersucht)

Der griechisch-neulateinische Begriff „Anorexia“ lässt sich mit „Appetitverlust bzw. –verminderung“ übersetzen („nervosa“ steht für die psychischen Ursachen der Störung). Allerdings ist diese Übersetzung im Hinblick auf das Verhalten anorektischer Patienten nicht ganz zutreffend, denn Gefühle wie Hunger und Appetit sind vorhanden und die Betroffenen nehmen diese auch wahr.

Typisch für Anorexie-Patienten ist aber, dass sie diesen Hunger negieren und ein verändertes Essverhalten aufweisen. Ziel ihres Verhaltens ist eine Gewichtsabnahme.

Das Leben dieser Menschen ist von einem ständigen Denken an Nahrung und Figur und einem extremen Streben nach Perfektionismus geprägt.

Der Aspekt, dass sich die Betroffenen ausgiebig mit dem Thema Nahrung beschäftigen zeigt sich darin, das viele Anorektikerinnen gerne für Freunde und Familie kochen, selbst aber nichts oder nur sehr wenig von diesen aufwendig zubereiteten Speisen essen. Andere sammeln Bilder und Rezepte von Gerichten, die sie niemals zu sich nehmen würden.

Kalorienreiche Speisen werden generell vermieden, es werden überhaupt nur geringe Mengen an Nahrung gegessen, zeitweise ist eine komplette Nahrungsverweigerung zu beobachten und einige Anorektikerinnen zeigen mitunter auch bulimische Züge (Erbrechen nach dem Essen).

Viele Betroffene erhoffen sich durch den Missbrauch von Abführmitteln, Appetitzüglern oder übertriebener sportlicher Betätigung eine Beschleunigung des Gewichtsverlustes.

Ein weiteres Merkmal, das Anorexie-Patienten aufweisen, ist eine sogenannte „Körperschemastörung“: Auch bei extremen Untergewicht fühlen sie sich noch zu dick und streben danach, weiter abzunehmen.

Die extreme Angst vor einer Gewichtszunahme treibt die Betroffenen dazu, ihr Gewicht mehrmals täglich zu kontrollieren bzw. bestimmte Stellen des Körpers ( Hüfte, Bauch oder Oberschenkel) nachzumessen.

Selbst bei einer geringen Gewichtszunahme von nur hundert Gramm haben sie das Gefühl, versagt zu haben und bestrafen sich mit noch strengerer Kontrolle.[1]

Aufgrund dieses gestörten Essverhaltens magern die Anorektikerinnen erschreckend ab, sie verlieren durchschnittlich 45-50% des Ausgangsgewichts[2] und bringen sich durch ihr Verhalten nicht selten in Lebensgefahr.

Von einer Magersucht spricht man, wenn das Gewicht mindestens 15% unter dem Normalgewicht oder der Body-Maß-Index[3] unter 17,5 liegt.[4]

2.2. Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)

Der Begriff „Bulimia“ setzt sich aus den griechischen Wörtern „bous“ (=Stier, Ochse) und „limos“ (= Hunger) zusammen und kann daher mit „Ochsenhunger“ übersetzt werden. Der Zusatz „nervosa“ weist wiederum auf die psychischen Ursachen der Krankheit hin.

Damit ist aber zunächst nur ein Faktor des Krankheitsbildes benannt: der unkontrollierte Heißhunger.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Bulimie ist aber das an die wiederholt stattfindenden Essattacken anschließende kompensatorische Verhalten: das selbstinduzierte Erbrechen oder der Missbrauch von Abführmitteln oder anderen Medikamenten.

Beim Herbeiführen des Erbrechens legen einige Betroffene eine unglaubliche Brutalität an den Tag, sie versuchen mit allen Mitteln, die aufgenommene Nahrung wieder loszuwerden.

Die Bulimikerinnen sind meist normalgewichtig, seltener schlank oder übergewichtig haben aber eins gemeinsam: ein schlankes Körperideal und eine niedrige persönliche Gewichtsgrenze.

Sie verfolgen zwei unvereinbare Ziele: Einerseits das Verlangen nach und die Lust am Essen, welches ihnen beim Abbau von Spannungen und Ängsten hilft, und auf der anderen Seite den Wunsch, schlank zu sein.

In der Bulimie glauben viele, die ideale Lösung für dieses Problem gefunden zu haben.

Ihrem Drang nach Essen geben die Betroffenen in den für das Krankheitsbild typischen Essanfällen nach, die mehrmals wöchentlich oder sogar täglich stattfinden und teilweise mehrere Stunden dauern.

Von Bulimie spricht man, wenn über einen Zeitraum von drei Monaten mindestens zwei Essattacken pro Woche stattfinden, die durch selbst herbeigeführtes Erbrechen oder Medikamentenmissbrauch kompensiert werden.[5]

Während diesen Attacken „verschlingen“ die Betroffenen hauptsächlich kalorien- und fettreiche Nahrungsmittel, die sonst tabu für sie sind und nehmen so bis zu 55 000 Kalorien pro Essattacke zu sich.[6]

Sie verlieren komplett die Kontrolle und sind nicht mehr in der Lage zu beeinflussen, welche Art von Nahrung und wie viel sie aufnehmen.

Zwischen den Attacken ist ein eher gemäßigtes Essverhalten zu beobachten, viele Bulimikerinnen halten sogar streng Diät, was aber meist noch schneller zu neuen Fressanfällen führt. Nach außen wirkt das Essverhalten meist völlig normal, da die Betroffenen sehr darauf achten, dass niemand etwas von ihren Anfällen mitbekommt.

Um den durch das Erbrechen entstandenen Gewichtsverlust erklären zu können, treiben sie Sport, was aber auch nur der Rechtfertigung gegenüber anderen dient.

Bei der Bulimie handelt es sich also um eine schambesetzte und daher heimliche Essstörung.

Es kommt vor, dass die benötigten Lebensmittel in verschiedenen Supermärkten eingekauft werden, damit nicht auffällt, welche Mengen konsumiert werden.

Um den Fressanfällen nachgehen zu können werden Interessen, Verpflichtungen und Kontakte zu Freunden immer mehr vernachlässigt, was schließlich zu sozialer Isolation führen kann.

Eine weitere Folge sind finanzielle Probleme, die aufgrund des erhöhten Nahrungsmittelbedarfs und Medikamentenkonsums auftreten. Nicht selten verschulden sich die Betroffenen und schrecken irgendwann auch nicht mehr davor zurück, Lebensmittel bzw. Geld zu stehlen oder Essensreste aus Mülleimern zu suchen.

Die Übergänge zwischen Anorexie und Bulimie sind meist fließend. Im Verlauf einer Anorexie kann sich also durchaus eine Bulimie entwickeln und umgekehrt.

Eine Magersucht in Folge eines vorherigen bulimischen Krankheitsbildes ist allerdings seltener zu beobachten als eine Bulimie bei früheren Anorektikerinnen.

So betont Helga Buchholz, dass 60% der Anorektikerinnen im Laufe ihrer Erkrankung bulimische Züge entwickeln, umgekehrt sind es nur 21%.[7]

3. Familienbeziehungen

3.1. Anorexie

In den Familien anorektischer Patientinnen ist häufig ein ausgeprägtes Streben nach Harmonie und ein konfliktvermeidendes Verhalten zu beobachten.

Die Betroffenen wachsen in einer überbehüteten Atmosphäre auf und sind nicht darauf angewiesen, Bewältigungsstrategien für bestimmte Probleme zu erarbeiten, da ihnen von den Eltern bereits fertige Lösungen angeboten und vorgelegt werden.

Die Mutter spielt in diesen Familien meist eine kontrollierende Rolle und hat eine enge Beziehung zur Tochter, während der Vater emotional abwesend ist.

Oft versucht die Mutter im Leben ihrer Tochter eigene Bedürfnisse und Ziele zu verwirklichen, die sie einst für die Familie aufgeben musste.

Das ambivalente Verhalten der Eltern (Einmischen der Mutter, Desinteresse des Vaters) wirkt sich negativ auf die Autonomie- und Identitätsentwicklung des Kindes aus.

Eine Abgrenzung von der Familie ist dem Kind nicht möglich, da diese genau wie die Eigenschaft, eigene Wünsche durchzusetzen, mit starken Schuldgefühlen verbunden sein würde.

Wenn in der Pubertät schliesslich Konflikte auftauchen sind die Betroffenen nicht in der Lage, diese zu bewältigen. Sie fühlen sich den neuen Anforderungen und Veränderungen nicht gewachsen, da sie in der Vergangenheit nie die Möglichkeit hatten, sich selbst mit Problemen auseinanderzusetzen.

Zudem hat das Verhalten der Eltern einen hemmenden Einfluss auf die in der Pubertät stattfindende Neudefinition von Faktoren wie Autonomie, Elternrolle und Bindung.

Auch auf die körperlichen Veränderungen des Kindes in der Pubertät wird häufig nicht angemessen reagiert, so dass dieses selbst auch nicht weiß, wie es mit den Veränderungen umgehen soll.

Leistungsdruck und Perfektionismus prägen das Familienleben und schnell lernen die späteren Patientinnen, dass sie Anerkennung bekommen, wenn sie diesen Idealen der Eltern entsprechen.

Einerseits fühlen sich die späteren Anorektikerinnen in diesem durch Fremdbestimmung geprägten Leben sicher und geborgen, andererseits entwickeln sie auf diesem Wege aber eine passive und hilflose Einstellung zum Leben.

Sie sind der Meinung, Autonomie zu entwickeln würde gleichzeitig die Aufgabe von Sicherheit und Sorglosigkeit bedeuten.

Die Bereiche „Weiblichkeit“ und „Sexualität“ sind in diesem Familien häufig negativ besetzt, weshalb es den Betroffenen unmöglich ist zu einer positiven Identifikation mit ihrer Rolle als Frau zu gelangen und Sexualität als etwas völlig normales anzusehen.

3.2. Bulimie

Bulimikerinnen berichten oft von einer engen Beziehung zum Vater, welche in der Frühadoleszenz von diesem abgebrochen wird. Dieser plötzliche Beziehungsabbruch verstärkt die, durch die pubertären Veränderungen ohnehin schon vorhandene, Unsicherheit und wirkt sich, was den Umgang mit Männern betrifft, negativ auf das weitere Leben der Betroffenen aus.

Die Mutter-Tochter-Beziehung ist häufig ambivalent und von einem gewissen Konkurrenzdenken geprägt.

Die Familien der späteren Bulimikerinnen sind im Gegensatz zu denen anorektischer Patientinnen meist offen konflikthaft. Es ist ein geringer Austausch an Emotionen zu beobachten, da emotionale Bedürfnisse in diesen Familien in der Regel als Schwäche angesehen wird.

Wichtig sind Leistung, Erfolg, Aussehen und das Bild, welches die Familie nach außen abgibt. Diese starke Außenorientierung hat zur Folge, dass bestimmte Situationen (z.B. finanzielle Probleme) als beschämend empfunden und nach außen hin geleugnet werden.

Auch der im Familienleben erlernte Umgang mit Nahrung spielt eine wichtige Rolle. Wenn beispielsweise Schokolade zum Trösten verwendet wird, übernehmen die Kinder diese Art der Problembewältigung.

Oft wird in diesen Familien auch losgelöst von körperlichen Bedürfnissen gegessen, was dazu führen kann, dass ein normales Hunger- bzw. Sättigungsgefühl verlernt wird.

Neben familiären Ursachen haben zweifellos auch andere Faktoren Einfluss auf die Entstehung einer Essstörung. So spielen auch soziokulturelle, biologische und psychologische Aspekte eine Rolle, allerdings bleiben diese im Rahmen dieser Hausarbeit weitgehend unberücksichtigt.

[...]


[1] „Hungern war meine Strafe für Versagen“ in Gerlinghoff (2001), S. 53

[2] http://www.m-ww.de/krankheiten/psychische_krankheiten/anorexia.html

[3] siehe Anhang 8.2.

[4] Buchholz (2001), S.10

[5] Buchholz (2001), S.14

[6] Buchholz (2001), S.12

[7] Buchholz (2001), S. 7

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Anorexia nervosa und Bulimia nervosa
Untertitel
Subjektivität und Körperwahrnehmung betroffener Frauen
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V90515
ISBN (eBook)
9783638045438
ISBN (Buch)
9783640204618
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anorexia, Bulimia
Arbeit zitieren
Sarah Mösker (Autor), 2004, Anorexia nervosa und Bulimia nervosa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90515

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