Ziel der Arbeit ist es, den Diskurs über die Rolle der Frau im Roman "Tigre Juan. El curandero de su honra" von Pérez de Ayala zu untersuchen. Dabei soll die Frage beantwortet werden, ob es sich um eine Renovation des Geschlechterdiskurses der Epoche handelt oder ob der traditionelle Diskurs bestätigt wird.
Im theoretischen Teil der Arbeit soll der Diskursbegriff in Anlehnung an Michel Foucault erläutert werden und die Methode der linguistischen Diskursanalyse nach Bendel Larcher dargelegt werden, die dann im analytischen Teil der Arbeit angewendet werden soll.
Um einen Eindruck vom Diskurs über die Rolle der Frau zur Entstehungszeit von Tigre Juan zu erhalten, sollen in einem ersten Schritt der Analyse ausgewählte Texte von Wissenschaftlern der Epoche, nämlich von Gregorio Marañón und Georg Simmel, untersucht werden. Im Anschluss soll Ayalas Roman dahingehend analysiert werden, wie die Rolle der Frau hier dargestellt wird und ob die Darstellung der Rolle der Frau in Tigre Juan als diskursbestätigend, diskurserweiternd oder diskursverändernd zu bewerten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diskurs
2.1 Diskursbegriff nach Michel Foucault
2.2 Diskursanalyse im Hinblick auf den Geschlechterdiskurs
3. Der Diskurs über die Rolle der Frau zur Entstehungszeit von Tigre Juan am Beispiel von Marañón und Simmel
3.1 Die Frau in ihrer natürlichen Funktion als Mutter
3.2 Die Frau in ihrer Funktion als Ehe- und Hausfrau
3.3 Eignung der Frau für Arbeit, Beruf und Teilhabe am öffentlichen Leben
4. Diskurse über die Rolle der Frau in Tigre Juan. El curandero de su honra
4.1 Misogynes Frauenbild in Tigre Juan
4.2 Rolle der Frau als Mutter
4.3 Die Frau in ihrer Rolle als treue und gehorsame Ehefrau
4.4 Rolle der Frau im öffentlichen Leben und der Arbeitswelt
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Diskurs über die Rolle der Frau in den 1920er Jahren in Spanien, indem sie den Roman Tigre Juan. El curandero de su honra von Ramón Pérez de Ayala analysiert und mit zeitgenössischen wissenschaftlichen Texten von Gregorio Marañón und Georg Simmel vergleicht. Ziel ist es zu ergründen, ob der Roman den traditionellen Geschlechterdiskurs der Epoche bestätigt, erweitert oder subvertiert und ob Ansätze für eine gesellschaftliche Renovation erkennbar sind.
- Foucaultsche Diskursanalyse als methodische Grundlage
- Analyse des zeitgenössischen Frauenbildes bei Marañón und Simmel
- Untersuchung der weiblichen Rollenbilder im Roman Tigre Juan
- Vergleich zwischen traditionellen Diskursen und innovativen Ansätzen im literarischen Werk
- Evaluation des sozialen Wandels und der Geschlechterrollen in der Ehe
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Frau in ihrer natürlichen Funktion als Mutter
Zu Beginn seiner Abhandlung unterscheidet Marañón die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, die sich ihm zufolge auch auf deren Aktivitäten auswirken:
„[...] tanto se diferencia el hombre de la mujer por caracteres anatómicos, esto es, por su constitución orgánica, por su arquitectura física, cuanto por caracteres funcionales, es decir, por el distinto modo y calidad de muchas de sus actividades.“
So schreibt er der Frau die „aptitud concepcional“ zu. Ihre Aufgabe in einem biologischen Sinne sei es, vom Mann befruchtet zu werden, Kinder zu gebären und diese zu nähren: „la mujer está principalmente construida para realizar una completa función sexual primaria – concebir al hijo, incubarlo, parirlo y lactarlo“, was durch ihre sekundären Geschlechtsmerkmale – also die milchproduzierenden Brüste – bedingt sei. Auch verfüge sie von Natur aus über den „instinto de la maternidad y cuidado directo de la prole“, also das Streben nach Muttersein und Pflege der Kinder.
Marañón definiert in seinen Abhandlungen auch, so wie Foucault es in seiner Theorie des Diskurses beschrieben hat, was im Hinblick auf die Frau als normal und sogar ideal gilt. So lautet seine Aussage: „como debe ser teóricamente, fecunda y multípara“. Diskursanalytisch betrachtet, bedient sich Marañón hier also dem Mittel der Modalität: durch eine normative Äußerung („debe ser“) schreibt er vor, dass die Frau fruchtbar und mehrfachgebärend zu sein hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt den gesellschaftlichen Wandel der 1920er Jahre und definiert das Ziel der Arbeit: die Untersuchung des Frauenbildes in Ayalas Roman im Kontext des zeitgenössischen Geschlechterdiskurses.
2. Diskurs: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse nach Foucault und Bendel Larcher als Werkzeug zur Rekonstruktion gesellschaftlicher Realität.
3. Der Diskurs über die Rolle der Frau zur Entstehungszeit von Tigre Juan am Beispiel von Marañón und Simmel: Die Analyse der Schriften von Marañón und Simmel verdeutlicht ein traditionelles Bild der Frau, das stark auf ihre biologische Funktion als Mutter und ihre Rolle als Ehefrau reduziert ist.
4. Diskurse über die Rolle der Frau in Tigre Juan. El curandero de su honra: Im Hauptteil wird untersucht, wie Ayalas Roman diese Rollenbilder aufgreift, teilweise durch extrem misogyne Aussagen des Protagonisten spiegelt und in anderen Charakteren oder im Sinneswandel des Protagonisten erste Ansätze für modernere Sichtweisen bietet.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass der Roman keine radikale Abkehr vom traditionellen Diskurs darstellt, aber dennoch neue Konflikte aufzeigt und Ansätze für eine Gleichstellung der Geschlechter liefert.
Schlüsselwörter
Diskursanalyse, Geschlechterdiskurs, Rolle der Frau, Tigre Juan, Ramón Pérez de Ayala, Michel Foucault, Mutterschaft, Ehe, Patriarchat, gesellschaftlicher Wandel, Feminismus, Moderne, Geschlechterrollen, Literaturanalyse, Spanien 1920er Jahre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den gesellschaftlichen Diskurs über die Rolle der Frau in den 1920er Jahren in Spanien, basierend auf dem Roman von Pérez de Ayala sowie zeitgenössischen wissenschaftlichen Texten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Weiblichkeit, die traditionelle Rollenverteilung in Ehe und Mutterschaft sowie die Teilhabe der Frau am öffentlichen Leben und der Arbeitswelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Roman das damals vorherrschende Frauenbild lediglich bestätigt oder ob er den Diskurs erweitert und Ansätze zur Renovation der Geschlechterrollen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf die linguistische Diskursanalyse nach Michel Foucault und Bendel Larcher, um Denkweisen und soziale Konstruktionen in Texten zu rekonstruieren.
Welche Inhalte werden im Hauptteil diskutiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Diskursbegriff, die Analyse der konservativen Positionen von Marañón und Simmel sowie eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Frauenfiguren und Dialoge im Roman Tigre Juan.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Diskursanalyse, Geschlechterdiskurs, Patriarchat, Mutterschaft und Literaturanalyse bestimmt.
Warum wird Marañón als Vergleichsinstanz herangezogen?
Gregorio Marañón war einer der bedeutendsten Ärzte seiner Zeit, dessen wissenschaftliche Schriften den herrschenden Geschlechterdiskurs in Spanien maßgeblich mitprägten und somit eine ideale Basis für den Vergleich mit Ayalas Roman bilden.
Wie verändert sich die Sichtweise des Protagonisten Tigre Juan?
Tigre Juan legt im Laufe des Romans seine anfänglich extrem misogynen Ansichten ab und entwickelt eine modernere Haltung, die unter anderem durch die aktive Unterstützung bei der Kinderaufzucht und das Anerkennen der Eigenständigkeit seiner Frau zum Ausdruck kommt.
- Arbeit zitieren
- Viktoria Jung (Autor:in), 2016, Die Rolle der Frau in "Tigre Juan. El curandero de su honra" von Pérez de Ayala, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906196