Psychologische Erkenntnisse der Antike. Methodenforschung und Bedeutung für die Psychologie


Einsendeaufgabe, 2019

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

C: Aufgabe 1 - Geschichte der Psychologie

C: Aufgabe 2 - Methodenfächer und ihre Bedeutung für die Psychologie

C: Aufgabe 3 - Emotionsforschung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aristoteles

Abbildung 2: Einteilung Temperamentstyp

Abbildung 3: Persönlichkeitsmodell von Eysenck

Abbildung 4: Empirische Methoden der Psychologie

Abbildung 5: Die 5 emotionalen Komponenten

C: Aufgabe 1 - Geschichte der Psychologie

Psychologische Erkenntnisse der Antike

Bereits in der frühen Antike kam es zu essentiellen Erkenntnissen im Bereich der Psychologie. Die griechisch-römische Antike gilt als Ursprung aller geistesgeschichtlichen Gelehrsamkeit, auf die sich unser derzeitiges psychologisches Fachverständnis aufbaut.1 Der in der Antike geläufige Ausdruck der „Seelenkraft“ (mentale Energie), hat heute noch Auswirkungen auf die Ausrichtung der naturwissenschaftlichen Psychologie.2

Der Philosoph Sokrates (469 v. Chr. - 399 v. Chr.) setzte die Leitlinien allen wissenschaftlich begründeten psychologischen Denkens. Aufgrund seiner dialogorientierten Ausrichtung zählt er zu den Mitbegründern der abendländischen Philosophie. Besonders bekannt wurde er durch seine Methode der Wahrheitsfindung, der sogenannten Mäeutik (auf Deutsch: Hebammenkunst). Hierbei leitet man den Gesprächspartner durch ein Fragespielzu seinen eigenen Erkenntnissen.3

Ein weiterer wichtiger Philosoph der Antike war sein Schüler Platon (428/427 v. Chr. - 348/347 v. Chr.), der die Philosophie seines Lehrers Sokrates verinnerlichte und verschriftlichte. Für Platon gab es nur einen Zugang zur Psyche und den definierte er über die Wahrheit. Diese setze ermit der Vernunft gleich, die laut ihm als verstandsbegleitender und steuernder Teil der Seele agiert.4 Die Seele stellt nach Platon ein trennbares Element zum Körper dar, das sich nach dem Tod vom Körper separiert. Demgegenüber sieht der dritte wichtige Philosoph der Antike, Aristoteles, keine Möglichkeit der Separation.5 Aristoteles sah die Seele als Werkzeug der Psyche, durch die der Körper Fähigkeiten wie das Denken oder die Wahrnehmung erlangt. Ähnlich wie Platon dreiteilte auch Aristoteles die Seele. Die 3 Seelenelemente bestanden nach seiner Lehre aus einem übergeordneten, rational denkenden Element, einem vegetativen (Ernährung) und einem animalischen (Begierde) Teil. Diese Seele (heutzutage wäre in dem Zusammenhang eher das Bewusstsein gemeint) sei laut ihm alleine dem Menschen zugesprochen.6

Primär geht es um das „Leib-Seelen-Problem“, also die Beziehung zwischen den psychischen Zuständen des Körpers und seiner physischen Beschaffenheit. Dieses Thema hat bis heute nicht an Aktualität verloren. Für Sokrates und Platon ist die Seele das Prinzip alles Lebendigen, also daher auch das alleinige Selbst des Menschen. Diese sei alleine existenzfähig und unsterblich. Damit sind sie wichtige Vertreter des Dualismus (Philosophische Grundposition, die von 2 bestimmenden Grundprinzipien ausgeht7 ).8

Für Aristoteles ist die Seele weder etwas Immaterielles wie für Platon, noch etwas Körperliches. Für ihn herrscht Unklarheit über die Begrifflichkeit. 9 Aristoteles meint dazu in seinem Werk „Peri Psyches“ (lat. „de anima“ dt. „Über die Seele)10: „ Zuerst muss man wohl eine Einteilung treffen, zu welcher Gattung die Seele gehört und was sie ist, ich meine damit, ob sie ein bestimmtes Etwas und eine Substanz ist oder ob sie etwas Qualitatives oder etwas Quantitatives oder auch eine andere der unterschiedenen Kategorien ist. Ferner ab, ob sie zu dem in Möglichkeit Fernab dieses Themas beschäftigte er sich in der Nikomachischen Ethik mit dem menschlichen Verhalten und den Tugenden, die diese kennzeichnen. Diese umfassen die Tapferkeit, Besonnenheit, Großzügigkeit, Hochsinnigkeit, Ehrliebe, Aufrichtigkeit, Freundschaft, Gewandtheit, Schamgefühl und Gerechtigkeit.11 Ein zentraler Eckpunkt dieser Ethik ist das Streben nach dem „richtigen Maß“, was den Ausgleich zwischen extremen Emotionen umfasst. Die Nikomachische Ethik findet sich heute primär in der sogenannten „Positiven Psychologie“ wieder. Auch andere zahlreiche Einflüsse finden sich noch in der aktuellen Psychologie. Wie zum Beispiel die „Seelenkunde“ von Aristoteles und dem „Flow“12, der „Selbstwirksamkeit“13 als auch in der „Maslow-Pyramide“.14

Grundlegende Erkenntnisse klassischer Philosophien auf die heutige Wissenschaft am Beispiel der Differentiellen Persönlichkeitspsychologie Die Differentielle Persönlichkeitspsychologie ist ein umfassendes Teilgebiet der modernen Psychologie. Sie dient der Beschreibung und Erklärung individueller Abweichungen im Verhalten und Erleben und forscht auch an den Ursachen und Wechselwirkungen zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und situativen Merkmalen.15 Als einer der Begründer dieses Fachs gilt unter anderem William Stern, mit seinem 1911 veröffentlichten Buch „Die differentielle Psychologie in ihren methodischen Grundlagen“.16

Erste Ansatzpunkte, die spätere Auswirkungen für die Persönlichkeitspsychologie hatten, leistete Hippokrates (460-377 vor Christus). Der berühmte griechische Arzt schrieb in seiner Schrift „über die Natur des Menschen“ (lat. De natura hominis) über die 4 Körpersäfte. Diese Lehre umfasst 4 Körpersäfte, nämlich Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim, welche jeder Mensch habe. Der Saftanteil im „Gesamt-Säftehaushalt“ sei individuell und daher je nach Menschen unterschiedlich. Bei einem gesunden Menschen seien die Anteile der Säfte ausgewogen. Diverse Faktoren wie das Klima, geografische Bedingungen, die Jahreszeit oder das Alter können zu etwaigen Veränderungen der Saftanteile führen. Eine Störung der Ausgewogenheit kann zu spezifischen Krankheiten führen. Gemeint sind aber keine psychischen Krankheiten, sondern somatische. Daher sind direkte Zuordnungen von Hippokrates zur Persönlichkeitspsychologie unzureichend. Den Bezug zur Persönlichkeitspsychologie wurde erst durch Galen (ca. 129-199 n. Chr.) geschaffen, der diese Theorie auf die Persönlichkeit bezog. Dieser schaffte eine „Theorie der Temperamente“ und stellte einen Zusammenhang zwischen Temperamentstypen und Körpersäften her und dahingehend eine Verbindung zwischen einer physischen und einer psychischen Komponente. In der Schrift „In Hippocratis De Natura Hominis commentaria tria“ von Galen, kommt es zu einer detaillierten Zuteilung von Temperamentsarten zu den jeweiligen Körpersäften:17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Einteilung Temperamentstyp

Quelle: In Hippocratis De Natura Hominis commentaria tria

Diese Unterteilung der Temperamentstypen wurde schließlich von Eysenck (1916-1997) aufgegriffen und weiterentwickelt. Als Vorbild diente ihm die Faktorenanalyse von Charles Spearmen im Bereich der Intelligenzanalyse aus dem Jahr 1904,18 auf deren Grundlage kreierte er schließlich eine Faktorenanalyse über neurotische Persönlichkeiten.19 Eine Faktorenanalyse im Allgemeinen ist ein datenreduzierendes Verfahren, bei dem es auch zu einer Strukturanalyse kommt.20

Eysenck leitete aus mehreren Persönlichkeitstests 3 Dimensionen ab, nämlich, Psychotizismus, Extraversion und Neurotizismus. Das abgekürzt unter dem Namen PEN- Modell bekannt wurde, führt auf theoretischen Überlegungen von Ernst Kretschmer (1888­1964) und C. G. Jung (1875-1961) zurück.21 Psychotizismus umfasst den kontinuierlichen Übergang zwischen psychischer Gesundheit und psychotischer Erkrankung.22 Dieser wird auch mit dem negativen Pol, der mit Persönlichkeitsstörungen wie beispielsweise antisozialen, schizoiden und/oder psychotischen Zügen des Verhaltens in Verbindung gebracht.23 Der positive Pol für die gesunde Verhaltensweise wird Impulskontrolle genannt. 24 Extraversion ist gleichbedeutend mit einer „psychischen Energie“, die nach außen geleitet wird.25 Heute spricht man in diesem Zusammenhang von einer extravertierten Person.26 Das Gegenteil davon ist die Introversion, also eine Person, die ihre psychische Energie nach „innen fließen lasse“.27 Heute würde man in diesem Zusammenhang von einer introvertierten Person sprechen.28 Ein ausgeprägter Neurotizismus zeigt sich in Form einer emotionalen Instabilität, ein niedriger hingegen in Form von emotionaler Stabilität.29 Nach Eysenck hat der Sanguiniker beispielsweise eine hohe Ausprägung der Extraversion und eine niedrige des Neurotizismus. Er bildet also das genaue Gegenteil zum Melancholiker. Beim Choleriker gibt es bei beiden eine hohe Ausprägung bzw. beim Phlegmatiker bei beiden eine extrem niedrige Ausprägung.30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Persönlichkeitsmodell von Eysenck

Quelle: lexikon.stangl.eu

Einen großen Einfluss auf die 3 abgeleiteten Dimensionen hatte auch der Persönlichkeitsfaktorentest Cattells (1905-1998) mit seinem Katalog der 16 Persönlichkeitseigenschaften,31 der seit den 1950er Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wurde32 und einen essentiellen Bestandteil in der Persönlichkeitspsychologie darstellt. Bei diesem Standardverfahren33 werden aus den 16 Persönlichkeitseigenschaften wie z.B. Kontaktfreudigkeit, Unbekümmertheit oder Gewissenhaftigkeit34 gewisse Globalfaktoren abgeleitet.35 Diese umfassen die Dimensionen der Normgebundenheit, Belastbarkeit, Unabhängigkeit, Entschlussbereitschaft und Kontaktbereitschaft.36

An diesen Eckpunkten der wissenschaftlichen Entwicklung, erkennt man die gegenseitige Beeinflussung der Wissenschaftler. Hippokrates leistete mit seiner Schrift über „die Natur des Menschen“ (lat. De natura hominis) einen wertvollen Beitrag, der auf die heutige Persönlichkeitspsychologie, die sich Ende des 19. Jahrhunderts aus der Allgemeinen Psychologie herauskristallisiert hat, einen großen Einfluss hatte. So beeinflussten diese Erkenntnisse von Hippokrates weitere wissenschaftliche Arbeiten, sowohl direkt als auch indirekt.

[...]


1 Vgl. Pritzel 2016, S. 71.

2 Vgl. Pritzel 2016, S. 74.

3 Vgl. Pritzel 2016, S. 96.

4 Vgl. Pritzel 2016, S. 96.

5 Vgl. Pritzel 2016, S. 100.

6 Vgl. Pritzel 2016, S. 102.

7 Vgl. Fröhlich 2014.

8 Vgl. Achim Stephan 2000.

9 Vgl. Achim Stephan 2000.

10 Vgl. Prof. Dr. Manfred Mühlfelder 2017, S. 9.

11 Vgl. Aristoteles 2003.

12 Vgl. Csikszentmihalyi 1987.

13 Vgl. Bandura 1970.

14 Vgl. Prof. Dr. Manfred Mühlfelder 2017, S. 10.

15 Vgl. Prof. Dr. Manfred Mühlfelder 2017, S. 25.

16 Vgl. Eckardt 2017, S. 3-4.

17 Vgl. Eckardt 2017, S. 11-12.

18 Vgl. Spearman, S. 201-233.

19 Vgl. Eysenck 1944, S. 851-861.

20 Vgl. Fröhlich 2014, S. 188.

21 Vgl. Dr. Oliver Walter 2004-2011.

22 Vgl. Becker 2014, S. 25.

23 Fröhlich 2014.

24 Vgl. Becker 2014, S. 25.

25 Vgl. Fröhlich 2014.

26 Vgl. Becker 2014, S. 26.

27 Vgl. Fröhlich 2014.

28 Vgl. Becker 2014, S. 26.

29 Vgl. Becker 2014, S. 24.

30 Vgl. Dr. Oliver Walter 2004-2011.

31 Vgl. Becker 2014, S. 42.

32 Vgl. Schneewind und Graf 1998.

33 Vgl. Becker 2014, S. 43-44.

34 Vgl. Maltby et al. 2011, S. 306-309.

35 Vgl. Hossiep et al. 2000, S. 109.

36 Vgl. Becker 2014, S. 44.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Psychologische Erkenntnisse der Antike. Methodenforschung und Bedeutung für die Psychologie
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen  (Fernhochschule SRH)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V906287
ISBN (eBook)
9783346231611
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychologische, erkenntnisse, antike, methodenforschung, bedeutung, psychologie
Arbeit zitieren
Stefan Gruber (Autor), 2019, Psychologische Erkenntnisse der Antike. Methodenforschung und Bedeutung für die Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906287

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