In dieser Arbeit wird untersucht, inwiefern Elternarbeit zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem beitragen kann. Dazu folgt auf der Grundlage der Theorien zum Kapital von Pierre Bourdieu zunächst ein grober Abriss über die Mechanismen, die zu den ungleich verteilten Bildungschancen in Abhängigkeit vom sozialen Status beitragen. Daran anschließend wird der Bereich "Elternarbeit" näher in den Blick genommen, indem verschiedene Formen der Elternarbeit vorgestellt und Faktoren benannt werden, von denen die Beteiligung der Eltern am schulischen Geschehen ihrer Kinder abhängt. Im letzten Teil des zweiten Kapitels wird schließlich anhand von Studien ermittelt, ob ein Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und der Beteiligung besteht.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Chancen und Grenzen von einer Elternarbeit, die eine Verbesserung der schulischen Chancengleichheit zum Ziel hat. In dieser Arbeit wird davon ausgegangen, dass eine Angleichung der Leistungen von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher sozialer Herkunft eine Minimierung der Chancenungleichheit bewirkt. Vor diesem Hintergrund werden Studien vorgestellt, die den Einfluss von Elternarbeit auf den Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen in den Blick nehmen. Den Abschluss bilden die Grenzen, die der Elternarbeit bei der Verbesserung von Chancengleichheit im Bildungssystem gesetzt sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der sozioökonomische Status und Elternarbeit
2.1 Zusammenhang von Schulerfolg und sozioökonomischem Status
2.2 Elternarbeit
2.2.1 Formen der Elternarbeit und Elternarbeit als Erziehungs- und Bildungspartnerschaft
2.2.2 Modell zur elterlichen Beteiligung im schulischen Kontext
2.3 Zusammenhang zwischen der elterlichen Beteiligung und dem sozioökonomischen Status
3 Chancen und Grenzen von Elternarbeit zur Verbesserung der Chancengleichheit im Bildungssystem
3.1 Möglichkeiten der Elternarbeit
3.1.1 Forschungsstand: Auswirkungen von Elternarbeit auf den Schulerfolg
3.1.2 Der Beitrag von Elternarbeit zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit
3.2 Grenzen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern Elternarbeit als Instrument zur Verringerung von Chancenungleichheit im Bildungssystem eingesetzt werden kann, wobei insbesondere der Einfluss des sozioökonomischen Status auf den Schulerfolg und das Engagement der Eltern analysiert wird.
- Bedeutung des sozioökonomischen Status für den Bildungserfolg
- Kapitaltheoretische Grundlagen nach Pierre Bourdieu
- Formen und Bedingungen elterlicher Beteiligung (Erziehungs- und Bildungspartnerschaft)
- Forschungsstand zu Auswirkungen von Elternarbeit auf Leistungen und Aspirationen
- Grenzen elterlicher Einflussnahme auf die schulische Chancengerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Forschungsstand: Auswirkungen von Elternarbeit auf den Schulerfolg
Der internationale Forschungsstand zu der Frage, ob Elternarbeit Auswirkungen auf die Schulleistungen der Schülerinnen und Schüler haben kann, ist auf den ersten Blick widersprüchlich (vgl. Desforges & Abouchaar 2003, S. 14; Sacher 2008, S. 50; Sacher 2019, S. 11). Sacher (2019) beschreibt drei Problembereiche, die ausschlaggebend für die ambivalenten Untersuchungsergebnisse sein können und deckt mögliche Fehlerquellen auf:
Der erste Problembereich, der auch bei anderen sozialwissenschaftlichen Untersuchungen eine Rolle spielt, ist die Frage nach der Kausalität. So bedeuten bessere Leistungen der Schülerinnen und Schüler bei einer höheren Beteiligung der Eltern nicht automatisch, dass der Schulerfolg durch das Engagement bedingt ist, sondern es ist auch möglich, dass Eltern durch bessere Leistungen der Kinder zu mehr Mitwirkung motiviert werden (vgl. ebd. S. 12). Auf der anderen Seite berichten einige Autoren, die einen negativen Zusammenhang zwischen dem elterlichen Engagement und dem Schulerfolg der Kinder festgestellt haben, von einem sogenannten ,Remedialeffekt‘: „Higher contact rates between parents and teachers occur when there are problems with children’s school results“ (Menheere & Hooge 2010, S. 147). Die Eltern erhöhen also ihr Engagement als Folge der schlechten Leistungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zur Problematik des Zusammenhangs zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg sowie Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Der sozioökonomische Status und Elternarbeit: Theoretische Fundierung der Kapitalarten nach Bourdieu und Analyse der Bedingungen, die elterliche Beteiligung im schulischen Kontext beeinflussen.
3 Chancen und Grenzen von Elternarbeit zur Verbesserung der Chancengleichheit im Bildungssystem: Diskussion des aktuellen Forschungsstandes zur Wirksamkeit von Elternarbeit sowie kritische Beleuchtung ihrer systemischen Grenzen.
4 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale und Limitationen von Elternarbeit für mehr Chancengerechtigkeit.
Schlüsselwörter
Elternarbeit, Chancengerechtigkeit, sozioökonomischer Status, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft, Bildungserfolg, Kapitaltheorie, Pierre Bourdieu, elterliches Engagement, soziale Herkunft, Schulleistung, Bildungsaspirationen, Schule, Elternhaus, Kooperation, Chancengleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob und wie Elternarbeit dazu beitragen kann, schichtspezifische Bildungsungleichheiten zu reduzieren und die Chancengerechtigkeit zu verbessern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der Einfluss des sozioökonomischen Status auf den Schulerfolg, die Definition und Formen der Elternarbeit sowie die theoretischen Ansätze zur Erklärung von Bildungsbenachteiligung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist zu ermitteln, ob eine gezielte Elternarbeit bzw. Erziehungs- und Bildungspartnerschaft die ungleichen Startbedingungen von Kindern aus unterschiedlichen sozialen Herkunftsmilieus abmildern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die den aktuellen nationalen und internationalen Forschungsstand sowie soziologische Kapitaltheorien (Bourdieu) analysiert und kritisch synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Kapitalformen und deren Einfluss auf den Schulerfolg sowie eine detaillierte Untersuchung der Chancen und systemischen Grenzen von Elternarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Chancengerechtigkeit, Elternarbeit, sozioökonomischer Status, Bildungsungleichheit und Erziehungs- und Bildungspartnerschaft.
Was besagt der sogenannte „Remedialeffekt“ im Kontext der Elternarbeit?
Der Remedialeffekt beschreibt das Phänomen, dass Eltern ihr Engagement oft erst dann steigern, wenn bereits schulische Probleme aufgetreten sind, was die kausale Interpretation von Elternarbeit als Erfolgsfaktor erschwert.
Warum wird in der neueren Literatur von „Erziehungs- und Bildungspartnerschaft“ gesprochen?
Dieser Begriff soll das veraltete, oft einseitige Verständnis von Elternarbeit durch ein Konzept ersetzen, das ein gleichrangiges, kooperatives Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule betont.
Welche Rolle spielt die Theorie von Pierre Bourdieu für die Argumentation?
Bourdieus Kapitaltheorie (kulturelles, ökonomisches, soziales Kapital) dient als Erklärungsmodell dafür, warum Kinder mit unterschiedlichem sozioökonomischem Status mit grundlegend verschiedenen Voraussetzungen in die Schule starten.
- Arbeit zitieren
- Tabea Taulien (Autor:in), 2020, Mehr Chancengerechtigkeit durch Elternarbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906487