„Da unten soll Rune jetzt wirklich liegen?
Sara muß [sic!] unbedingt etwas fragen:
`Aber was ist wenn er nun mal aufwacht
und aufstehen will und er kriegt den Deckel vom Sarg nicht auf?´
´Rune wacht nicht mehr auf`, antwortet Papa leise
´Er schläft für immer.`“
(Marit Kaldhol, Abschied von Rune, 1991)
Abschied nehmen, weil der beste Freund beim gemeinsamen Spiel am Wasser ertrunken ist.
Marit Kaldhol beschreibt in ihrem Kinderbuch „Abschied von Rune“ genau dieses schwierige und schmerzhafte Erlebnis, dass die kleine Sara (ca. 5-6 Jahre) in ihrem noch so jungen Leben schon bewältigen soll.
Wie unterschiedlich jedoch die Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen sein können, sollen auch die folgenden Aussagen beweisen:
„Die Toten schließen die Augen, weil Sand hineingefallen ist.“
(3 Jahre, 11 Monate)
„Wenn ich ins Grab falle, denke ich, dass ich in Tausend Fetzen zerfalle.“
(9 Jahre)
„Ich stelle mir vor, dass, wenn ich tot bin, ich bei Gott wieder aufwache.“
(9 Jahre)
Einige von diesen „Kinderstimmen“ lassen sehr gut die Faktoren erkennen, die die Vorstellung vom Tod beeinflussen.
Im Anschluss werde ich mich mit den altersabhängigen Todesvorstellungen auseinandersetzen.
Es geht hier nicht über den tatsächlichen biologischen Ablauf des Sterbeprozesses, sondern über ihre Vorstellungen und Empfindungen, mit denen sie den Begriff „Tod“ mit Inhalt füllen.
Nachdem ich mich nun allgemein mit dem Tod beschäftigt habe, werde ich mich danach den Todesvorstellungen in bezug auf Kinder und Jugendliche mit einer lebensbedrohenden Krankheit widmen und Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, wie man Kinder bzw. Jugendliche auf den Tod vorbereiten bzw. mit dem Tod selbst umgehen kann bzw. sollte. Nach Buckingham gibt es verschiedene Faktoren, die die Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen beeinflussen können, die ich im Folgenden aufzeigen möchte. Wohl der wichtigste Faktor, der ein Kind bzw. einen Jugendlichen im Hinblick auf die Todesvorstellung beeinflussen kann, sind die Eltern oder aber auch die Umgebung.
Um Kinder bzw. Jugendliche zu unterstützen, ihnen in einer solchen Situation beizustehen, ist es von größter Bedeutung, dass sich die Eltern bzw. Erwachsenen selbst mit dem Tod auseinandersetzen – sie müssen selbst trauern können!
Sie müssen ihre eigenen Gefühle wahrnehmen und vor allem auch dem Kind gegenüber zeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Einflussfaktoren auf die Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen
2.1 Einstellungen der Eltern bzw. Umgebung zum Tod
2.2 Medien (TV/ Internet….)
2.3 Beziehungen der Kinder zum Objektverlust
2.4 Stufe der psychologischen Entwicklung
2.5 Umstände des Verlusts
2.6 Frühere Erfahrungen mit dem Tod
2.7 Religiöse Vorstellungen
3. Todesvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen
3.1 Das Kleinkind ( 0 – 3 Jahre)
3.2 Das Vorschulkind ( 3 – 6 Jahre)
3.3 Das Grundschulkind ( 6 – 9 Jahre)
3.4 Das Schulkind ( 9 – 12 Jahre)
3.5 Der Jugendluche ( ab 12 Jahre)
4. Progredient kranke Kinder und Jugendliche
4.1 Begriffserklärung
4.2 Todesvorstellungen bei progredient kranken Kindern und Jugendlichen
4.3 Umgang mit und Vorbereitung auf den Tod
4.3.1 Das Recht des Kindes auf Wahrheit
4.3.2 Das Recht des Kindes auf Leben
5. Abschließende Betrachtung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die altersabhängige Entwicklung von Todesvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen sowie die spezifische psychologische Situation von progredient kranken Kindern. Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Eltern und Bezugspersonen Kinder im Umgang mit Krankheit und dem bevorstehenden Lebensende aufrichtig und unterstützend begleiten können.
- Faktoren, die das Todesverständnis bei Kindern und Jugendlichen prägen.
- Stufenspezifische Entwicklung der Todesvorstellung vom Kleinkindalter bis zum Jugendalter.
- Die besondere Herausforderung progredienter, lebensbedrohlicher Krankheiten.
- Die Bedeutung des Rechts auf Wahrheit und des Rechts auf Leben für die kindliche Psyche.
- Strategien zur Bewältigung von Trauer und Angst im familiären und klinischen Umfeld.
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Das Recht des Kindes auf Wahrheit
„Es ist wirklich schrecklich lieb gemeint, wenn besorgte Eltern denken, dass das kranke Kind nicht mit Gedanken an seinen möglichen Tod noch „unnötig“ belastet werden soll und man ihm nicht die Hoffnung nehmen soll. Aber durch ein solches Verhalten gelingt es höchstens, das Kind kurzfristig in Sicherheit zu wiegen.“ (Klemm, 1990, 152)
Nachdem ich mittlerweile schon sehr viel über die Todesvorstellungen bei Kindern gelesen habe, bin ich der Meinung, dass jedes Kind das Recht darauf hat zu erfahren wie es um es steht, denn „selbst kleine Kinder spüren oft schon, dass sie sterben müssen“ (Finger, 1998, 120) Und gerade in dieser Situation werden sie nur noch mehr verunsichert, wenn man ihnen falsche Hoffnungen und Versprechungen macht; denn sie spüren selbst, dass sowohl etwas mit ihnen selbst also auch etwas am Verhalten ihrer Umgebung nicht stimmt.
Natürlich ist es eine Frage des „Wie“ und „Wann“, die sich als sehr schwierig herausstellen kann. Ist es nicht schon schwierig genug, sich mit der Krankheit des Kindes zu „arrangieren“? Das Umsetzen ist schwierig und es gibt kein allgemeingültiges Rezept, dass man bei der Vermittlung anwenden kann. Trotzdem gibt es nach Gertrud Finger sieben Schritte, die man beachten sollte und die notwendig sind um das Recht auf Wahrheit bestmöglichst zu gewährleisten:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet anhand literarischer und kindlicher Aussagen die Komplexität kindlicher Todesvorstellungen und führt in die Fragestellung der Arbeit ein.
2. Einflussfaktoren auf die Todesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen: Dieses Kapitel identifiziert verschiedene externe und interne Faktoren wie Erziehung, Medien, eigene Erfahrungen und religiöse Überzeugungen, die das Verständnis vom Tod maßgeblich beeinflussen.
3. Todesvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen: Hier werden die altersabhängigen Stufen der kognitiven Entwicklung des Todeskonzepts von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter detailliert dargestellt.
4. Progredient kranke Kinder und Jugendliche: Dieses Hauptkapitel fokussiert auf Kinder mit lebensbedrohlichen Erkrankungen und erläutert notwendige Ansätze zur Begleitung, insbesondere die Bedeutung von Wahrheit und Lebensqualität.
5. Abschließende Betrachtung: Das Fazit betont die Notwendigkeit, das Tabuthema Tod offen zu kommunizieren, um Kindern trotz schwerer Schicksalsschläge Halt zu geben.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Grundlagen für die Arbeit.
Schlüsselwörter
Todesvorstellungen, Kinder, Jugendliche, progrediente Krankheit, Sterbebegleitung, Lebensqualität, Wahrheit, Trauerbewältigung, Kindesentwicklung, Elternrolle, psychologische Aspekte, Sterbeprozess, Angstbewältigung, Vertrauensbasis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Veränderung der Todesvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen in Abhängigkeit von ihrem Alter und ihrer Lebenssituation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Einflussfaktoren auf das Todesverständnis, die altersstufengerechte Wahrnehmung des Todes sowie die spezifischen Bedürfnisse lebensbedrohlich erkrankter Kinder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder mit dem Tod konfrontiert werden können und wie Eltern sie bei progredienten Krankheiten unterstützen können, anstatt sie durch Verdrängung zu verunsichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse psychologischer und pädagogischer Fachquellen, um ein Stufenmodell der Todesvorstellung zu erarbeiten und Handlungsrichtlinien für den Umgang mit kranken Kindern abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Einflussfaktoren auf das Todesverständnis, eine Darstellung der alterspezifischen Todeskonzepte und eine intensive Betrachtung des Umgangs mit progredient kranken Kindern, insbesondere bezüglich der Rechte auf Wahrheit und Leben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Todesvorstellungen, kindliche Entwicklung, progrediente Erkrankungen, Lebensbeistand, Sterbebegleitung und Kommunikation über den Tod.
Wie unterscheidet sich die Todesvorstellung eines Kleinkindes von der eines Jugendlichen?
Während Kleinkinder den Tod oft nur als vorübergehendes "Fortsein" begreifen und keine eigene Endlichkeit realisieren, verfügen Jugendliche über ein abstraktes, erwachsenenähnliches Verständnis der Unausweichlichkeit und Endgültigkeit des Todes.
Warum ist das "Recht des Kindes auf Wahrheit" so bedeutsam bei lebensbedrohlichen Krankheiten?
Da Kinder spüren, wenn sich ihre Situation verschlechtert, erzeugen Lügen oder falsche Hoffnungen eine Mauer aus Einsamkeit; Aufrichtigkeit hingegen festigt die Vertrauensbasis zwischen Kind und Bezugsperson.
Welche Rolle spielt die Familie beim Umgang des Kindes mit einer tödlichen Krankheit?
Die Familie ist zentraler Ankerpunkt; Eltern müssen jedoch selbst lernen, ihre Ängste zu reflektieren, um dem Kind einen ehrlichen Dialog zu ermöglichen und Normalität im Alltag zu bewahren.
- Quote paper
- Julia Zenkert (Author), 2008, Entwicklung von Todesvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90718