Tourismus- und Verkehrsentwicklung auf Koh Chang (Thailand)


Diplomarbeit, 2005

109 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung in das Thema
1.1 Einleitung und Zielstellung
1.2 Methodische Vorgehensweise

2 Allgemeine Grundlagen zum Tourismus
2.1 Grundsätzliche Aussagen zum Tourismus
2.2 Allgemeine Tourismusentwicklung
2.3 Positive Aspekte des Tourismus
2.4 Negative Aspekte des Tourismus
2.4.1 Negative ökonomische Einflüsse des Tourismus
2.4.2 Negative soziokulturelle und politische Einflüsse des Tourismus
2.4.3 Negative ökologische Einflüsse des Tourismus
2.5 Tourismus in Thailand
2.5.1 Tourismusentwicklung Thailands
2.5.2 Probleme des Tourismus in Thailand

3 Vorstellung des Untersuchungsraumes
3.1 Geographische Daten
3.2 Soziodemographische Daten
3.3 Verkehrsanbindung
3.4 Touristische Erschließung Koh Changs

4 Problemanalyse
4.1 Verkehrszählung
4.2 Anwohnerbefragung
4.3 Interview mit der Tourismusbehörde
4.4 Befragung der Fähranlegestellen
4.5 Befragung von Bangkok Airways
4.6 Beobachtungen
4.6.1 Teilnehmende Beobachtungen
4.6.2 Nicht teilnehmende Beobachtungen
4.7 Handlungsbedarf für das Untersuchungsgebiet

5 Lösungsansatz für das Verkehrsproblem
5.1 Spezifische Anforderungen an einen ÖPNV auf Koh Chang
5.2 Bewertung verschiedener öffentlicher Nahverkehrsmittel
5.2.1 Einstufung der Merkmalsausprägungen
5.2.2 Bewertung der Merkmale
5.2.3 Gesamtbewertung
5.3 Vorzugsvariante

6 Durchsetzung
6.1 Mögliche Probleme bei der Einführung
6.2 Durchsetzungsmöglichkeiten

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arbeitsablauf

Abbildung 2: Internationale Touristenankünfte weltweit 1960 - 2002

Abbildung 3: Internationale Touristenankünfte in Thailand 1996 bis 2005

Abbildung 4: Großräume Thailands

Abbildung 5: Einnahmen aus dem Tourismus in Thailand von 1996 bis 2005

Abbildung 6: Karte Thailand

Abbildung 7: starkes Gefälle der Hauptverkehrsstraße

Abbildung 8: Besucher auf Koh Chang

Abbildung 9: Anzahl der Hotelzimmer auf Koh Chang im Zeitverlauf

Abbildung 10: Karte Koh Chang

Abbildung 11: Stündliches Verkehrsaufkommen werktags im Tagesdurchschnitt

Abbildung 12: Stündliches Verkehrsaufkommen im Tagesdurchschnitt am Wochenende

Abbildung 13: Bautransport auf Koh Chang

Abbildung 14: Autofähre an der Anlegestelle Ao Sapparot

Abbildung 15: Taxi auf Koh Chang

Abbildung 16: Personenbeförderung auf einem Pick-up

Abbildung 17: Motorradnutzung durch drei Personen

Abbildung 18: Erdgasbus

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einnahmen im internationalen Reiseverkehr nach der Rangfolge der Länder

Tabelle 2: Soziokulturelle Folgeerträge und –kosten des Tourismus in Entwicklungsländern

Tabelle 3: Anzahl der Fahrzeuge im stündlichen Durchschnitt

Tabelle 4: Platzzahl-Bewertung

Tabelle 5: Bewertung der Lärmbelastung

Tabelle 6: Bewertungsschema

Tabelle 7: Gesamtbewertung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung in das Thema

1.1 Einleitung und Zielstellung

Der Tourismus wird durch zunehmende Freizeit bei sinkender Lebensarbeitszeit zu einem immer wichtigeren Bestandteil menschlichen Lebens. Der Asien – Tourismus boomt, auch wenn der Irakkrieg, SARS, die Vogelgrippe und die kürzliche Tsunami - Katastrophe zu Einbrüchen im Tourismusaufkommen führten. Thailand ist neben Indonesien, Malaysia und Singapur eines der hauptsächlich besuchten Urlaubsgebiete Südostasiens. Seit einigen Jahren wird Thailand in den Medien vermehrt als Touristenziel beschrieben. Da dieses Land vornehmlich als „Sextouristen-Mekka“ dargestellt wird, kämpft die thailändische Regierung für einen besseren Ruf ihrer Touristengebiete. Aufgrund der vielfältigen Flora und Fauna sowie der interessanten morphologischen Landschaftsstruktur im tropischen Thailand eignen sich viele Gebiete für den Ökotourismus. Weil Tourismusorte wie Phuket und Pattaya durch den Massentourismus ihre natürliche Schönheit verloren haben, sucht die Regierung in Zusammenarbeit mit der Tourism Authority of Thailand, der Tourismusbehörde Thailands, nach unversehrten „Paradiesen“, die dem sanften Tourismus geöffnet werden können.

Koh Chang, die nach Phuket zweitgrößte Insel Thailands, blieb jahrelang für den Tourismus nahezu unentdeckt. Hauptsächlich „Rucksacktouristen“ wählten Koh Chang als Urlaubsziel. Erst seit etwa 1999 stiegen die Gästezahlen auf der Insel stark an. Da die Regierung und die Tourism Authority of Thailand Koh Chang und die angrenzenden Inseln als Gebiet des Ökotourismus fördern will, muss die Entwicklung in Richtung Massentourismus mit allen negativen Einflüssen wie zunehmender Verkehrs- und Umweltbelastung sowie Beeinflussungen der thailändischen Kultur gestoppt werden.

Im Vorfeld der Untersuchung wurde folgende These aufgestellt: „Der zunehmende Tourismus führt auch in der im Vergleich zu anderen thailändischen Tourismuszentren relativ jungen Fremdenverkehrsdestination Koh Chang zu negativen ökologischen Belastungen, die die Attraktivität der Tourismusregion herabsetzen.“. Die aus dem anwachsenden Tourismus resultierende Verkehrsbelastung ist Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit. Soziokulturelle Einflüsse des Tourismus auf die Bevölkerung Koh Changs werden dabei nur teilweise behandelt.

Koh Chang bietet wegen seiner klaren Abgrenzung als Insel einen überschaubaren und gut zu analysierenden Untersuchungsraum. Des Weiteren ist Koh Chang für eine Analyse in Hinblick auf die touristische und verkehrliche Entwicklung besonders interessant, da es sich hierbei um einen erst in jüngster Vergangenheit entwickelten Raum handelt.

Ziel dieser Diplomarbeit ist es, ökologische Auswirkungen des Tourismus auf Koh Chang herauszustellen und einen Lösungsvorschlag für die Verkehrsproblematik im Untersuchungsgebiet zu entwickeln. Es wird untersucht, ob die Einführung eines öffentlichen Personennahverkehrsystems auf Koh Chang dazu beitragen kann, die Verkehrsbelastung zu reduzieren und somit die Umweltqualität zu verbessern. Die Forschungsfragen lauten dementsprechend: „Setzt die erhöhte Verkehrsbelastung auf Koh Chang die Qualität dieser Urlaubsregion herab?“ und „Kann durch Einführung eines öffentlichen Nahverkehrsmittels die touristische Attraktivität und Umweltqualität Koh Changs erhöht werden?“. Die zu präsentierenden Möglichkeiten, den Verkehr zu strukturieren, berücksichtigen die Entwicklungsziele der Tourism Authority of Thailand und der Regierung Thailands und werden auf ihre Umsetzungschancen hin untersucht.

1.2 Methodische Vorgehensweise

Im Folgenden wird die Herangehensweise an das Thema der Tourismus- und Verkehrsentwicklung auf Koh Chang näher erläutert. Es wurde ein Leitfaden erarbeitet, um den Arbeitsablauf der Untersuchung klar zu strukturieren. Dies ermöglicht dem Leser, die methodischen Schritte besser nachzuvollziehen. Abbildung 1 veranschaulicht übersichtlich den Arbeitsablauf der Untersuchung.

Abbildung 1 Arbeitsablauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Um grundsätzliche Zusammenhänge von Tourismus und Verkehr nachvollziehen zu können, wurde zunächst in der Fachliteratur nach Erkenntnissen unterschiedlicher Wissenschaften recherchiert. Anhand der Theorie und verschiedener Fallbeispiele können allgemeingültige Regelmäßigkeiten festgestellt werden, die sich im Untersuchungsraum Koh Chang wiederfinden.

Im nächsten Arbeitsschritt wurde die touristische und verkehrliche Situation auf Koh Chang genau untersucht. Die im Internet verfügbaren allgemeinen und statistischen Daten zu Koh Chang waren für eine aussagekräftige Analyse nicht ausreichend. Um unabhängig von Sekundärstatistiken Daten zu gewinnen erfolgte vom 19.10. bis 17.11. 2004 eine Untersuchung vor Ort. Neben Experteninterviews, Befragungen und Beobachtungen wurde eine Verkehrszählung durchgeführt (vgl. Kapitel 4). Aus den Experteninterviews mit der Tourism Authority of Thailand in Laem Ngob sowie mit dem Corporate Affairs Officer von Bangkok Airways wurden detaillierte Informationen zur Entwicklung des Tourismus und des Verkehrs auf Koh Chang sowie zur verkehrlichen Anbindung der Insel erhofft. Eine Befragung von Anwohnern wurde durchgeführt, um neben offiziellen Angaben ein besseres Verständnis für diese Entwicklungen zu erlangen und das Meinungsspektrum der ansässigen Bevölkerung zu erfassen. Um die subjektiv hoch empfundene Verkehrsbelastung belegen zu können, erfolgten eine Verkehrszählung und eine Befragung von Angestellten der beiden Fähranlegestellen auf der Insel. Durch die teilnehmenden und nicht teilnehmenden Beobachtungen der Autorin wurden die Ergebnisse der Befragungen bestätigt und vertieft. Die im Untersuchungszeitraum erhobenen Daten stellen die Basis der anschließenden Problemanalyse dar.

Auf Grundlage der empirischen Arbeit auf Koh Chang konnten im weiteren Arbeitsverlauf Problemfelder im Verkehrs- und Umweltsektor ausgewiesen werden, aus denen sich wiederum ein Handlungsbedarf ableitet. Die Verkehrsbelastung und die daraus resultierende Umweltschädigung verdeutlicht die Dringlichkeit von Maßnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. In Kapitel 5 werden Überlegungen zu möglichen Schritten getroffen. Diverse öffentliche Verkehrsmittel werden hinsichtlich verschiedener Qualitätsmerkmale untersucht und bewertet. Die Bewertung erfolgt nach den auf Koh Chang gegebenen Rahmenbedingungen. An die Beurteilung der Verkehrsmittel anschließend wird das nach Ansicht der Verfasserin für die Insel am besten geeignete Verkehrsmittel als Lösungsvariante vorgestellt. Dieses gewählte öffentliche Nahverkehrsmittel wird im nächsten Arbeitsschritt auf seine Einsatzmöglichkeit hin untersucht. Probleme, die aus der Einführung dieses Verkehrsmittels resultieren können, werden betrachtet und mögliche Lösungswege aufgezeigt.

2 Allgemeine Grundlagen zum Tourismus

Um an die Problemstellung dieser Arbeit heranzuführen, werden im Folgenden generelle Aussagen zum Tourismus und der Tourismusentwicklung getroffen. Daran anknüpfend erfolgt eine Gegenüberstellung positiver und negativer Begleiterscheinungen des Fremdenverkehrs, wobei der Fokus entsprechend der Fragestellung auf die ökologischen Aspekte gelegt wird. Eine anschließende Betrachtung des Tourismus und dessen Auswirkungen in Thailand führt an das Thema der Untersuchung heran.

2.1 Grundsätzliche Aussagen zum Tourismus

Der Tourismus ist weltweit einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Die derzeit bereits circa 200 Mio. im Tourismus Beschäftigten und der etwa 11 Prozent große Anteil am globalen Bruttosozialprodukt heben die Bedeutsamkeit dieser Branche hervor. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Reisenden bis zum Jahr 2020 verdoppeln wird (vgl. Eisenstein; Rosinski 2004, S.805). Mit einem weiteren Anstieg der Touristenzahlen, resultierend aus der Wohlstand- und Freizeitzunahme, Verstädterung und Steigerung der Mobilität, den so genannten Boomfaktoren des Tourismus (vgl. Kaspar; Frey 1993, S. 33), erhöhen sich auch die Einnahmen der jeweiligen Zielländer. Tabelle 1 verdeutlicht die wachsende Wirtschaftskraft der Tourismusbranche anhand der Einnahmen im Zeitraum von 1980 bis 1992 am Beispiel ausgewählter Länder.

Tabelle 1 Einnahmen im internationalen Reiseverkehr nach der Rangfolge der Länder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenQuelle: Eigene Darstellung nach Strewe; Kamphausen 1995, S. 93.

Verzeichnete Datenquelle: WTO.

Nach Vorlaufer (1984, S. 37) lässt sich der Tourismus in verschiedene Arten unterteilen. Diese Unterteilung kann nach Reisemotiven, Aufenthaltsdauer, Organisationsform der Reise, benutzten Verkehrsträgern, Zielräumen, Saisonalität sowie Alter, Anspruchsniveau, Grad der Anpassung an örtliche Lebensformen und Mobilitätsverhalten der Touristen erfolgen. Diese Arten des Fremdenverkehrs lassen zahlreiche Kombinationen und Überschneidungen auch innerhalb einer einzelnen Reise zu und führen zu verschiedenen Auswirkungen in den Zielgebieten. Je nach Art des Tourismus, beispielsweise Geschäftsreisen, Kur- und Wellnessaufenthalte oder Urlaubsreisen, werden unterschiedliche Ansprüche durch die Reisenden an das Zielgebiet gestellt. Während bei Geschäftsreisen sowie beim Städte- und Kongresstourismus das landschaftliche Angebot relativ nebensächlich ist, haben bei Kuraufenthalten die Faktoren Luftreinheit und Lärmfreiheit eine vorrangige Bedeutung. Urlaubsreisende legen in der Regel, in Abhängigkeit von den Absichten des Verreisens, großen Wert auf die natürlichen Ausstattungsfaktoren vor Ort wie beispielsweise eine intakte Pflanzen- und Tierwelt, Lärmfreiheit, Luftreinheit, das Vorhandensein von sauberen Gewässern und gutes Wetter (vgl. Wolf; Jurczek 1986, S. 49). Ebenso spielt im Urlaubs- und sonstigen Reiseverkehr das Transportwesen eine wichtige Rolle. Zwischen Tourismus und Verkehr besteht ein enger Zusammenhang. Um das Zielgebiet zu erreichen ist in der Regel die Nutzung von Beförderungsmitteln notwendig. Neben dem An- und Abreiseverkehr ist auch der Verkehr am Urlaubsort selbst wie zum Beispiel die Beförderung von Touristen zu Ausflugszielen von großer Bedeutung. Verkehrsmittel können zudem touristische Attraktionen wie beispielsweise Draisinen, Ausflugsdampfer etc. sein aber auch ein Hauptbestandteil des touristischen Produkts wie bei Kreuzfahrten darstellen. Weiterhin gilt bei einigen Verkehrsmitteln wie zum Beispiel beim Cabrio oder Fahrrad die Fahrt an sich als Erholung. Außerdem stellen die Verkehrswege eine wichtige Vorraussetzung für den Tourismus dar, denn ohne eine angemessene Verkehrsinfrastruktur ist eine Beförderung von Touristen nicht zu gewährleisten. Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass Tourismus ohne Verkehr nicht möglich ist (vgl. Groß 2005, S. 46 ff. und Wolf; Jurczek 1986, S. 55).

Neben den genannten Ausstattungsfaktoren werden in der Literatur die folgenden Kriterien für das touristische Potential einer Urlaubsregion (innerhalb eines Schutzgebietes) aufgeführt:

- natürliche Ausstattung (zum Beispiel hohe Artenvielfalt, vielfältiges Landschaftsbild),
- zusätzliche Attraktionen (zum Beispiel archäologische Gegenstände, Wasserfälle, Sportmöglichkeiten),
- Erreichbarkeit / Infrastruktur (zum Beispiel Nähe zu internationalen Flughäfen, gute Straßenverbindung, Vorhandensein hygienisch akzeptabler Unterkünfte und Gastronomie),
- Klima (zum Beispiel nicht zu hohe Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Niederschläge),
- Politische und soziale Rahmenbedingungen (zum Beispiel Sicherheit vor Kriminalität) (vgl. Müller 1998 a, S. 14).

Weitere Kriterien für das angestrebte Reiseerlebnis des Reisenden sind unter anderem landschaftliche Reize, Verpflegung, allgemeine Atmosphäre, Sehenswürdigkeiten des Landes, Preiswürdigkeit, sprachliche Verständigung, Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung, kulturelle Kostbarkeiten, Straßenzustand etc. (vgl. Wolf; Jurczek 1986, S. 82).

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und stellt Anforderungen an das bereiste Gebiet. Da die Auswirkungen des Tourismus vielseitig sind, werden diese in den Kapiteln 2.3 und 2.4 näher erläutert. Die Effekte des Fremdenverkehrs werden dabei allgemein und nicht nach den einzelnen Tourismusarten aufgeschlüsselt betrachtet. Nachdem die für diese Arbeit relevanten allgemeinen Grundlagen zum Tourismus erklärt wurden, wird im Folgenden auf die Entwicklung des internationalen Tourismus genauer eingegangen.

2.2 Allgemeine Tourismusentwicklung

Die Zahl der Menschen, die andere Länder bereisen, steigt von Jahr zu Jahr an. 698,3 Mio. Touristen waren es im Jahr 2000 weltweit. Wie bereits in Kapitel 2.1 erwähnt, wird bis zum Jahr 2020 mit 1,65 Mrd. international Reisenden gerechnet. Neben dem generellen Anwachsen des Tourismus ist auch eine Tendenz zu häufigeren, wenn auch kürzeren, Reisen in immer fernere Zielgebiete zu beobachten (vgl. Job; Vogt 2004, S. 851). Im internationalen Reiseverkehr sind Wachstumsraten von fünf Prozent keine Seltenheit. In noch relativ unbekannten Destinationen, den so genannten Geheimtipps, werden Wachstumsraten von häufig sogar über zehn Prozent erreicht (vgl. Ellenberg; Scholz; Beier 1997, S. 48).

Abbildung 2 verdeutlicht den kontinuierlichen Anstieg der Touristenankünfte weltweit. Die leichten Einbrüche in den Jahren 1982 und 1983 sind in der Rezession der Weltwirtschaft, steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Realeinkommen in den Industriestaaten begründet. Zudem verteuerte die Wertzunahme des US-$ Reisen für Westeuropäer in beispielsweise die Karibikstaaten (vgl. Vorlaufer 1984, S. 15).

Abbildung 2 Internationale Touristenankünfte weltweit 1960 - 2002

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach http://www.world-tourism.org/facts/wtb.html

und Freyer 1993, S. 320.

Verzeichnete Datenquelle: WTO: Yearbook of Tourism Statistics 1988.

Viele Jahre wurden nur die ökonomischen Vorteile, die sich aus dem Tourismus für das Zielgebiet ergeben, betrachtet. Erst seit Anfang der 1970er-Jahre wurden die negativen Effekte des Fremdenverkehrs untersucht (vgl. Uthoff 1992, S.277). Auch wurde das Verständnis der Bevölkerung mit der Umweltbewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren für die durch den Tourismus erzeugten Umweltschäden immer größer. Das Umweltbewusstsein stieg seitdem stark an, wenngleich das wirkliche Verhalten der Touristen am Urlaubsort kaum Veränderungen zeigte (vgl. Job; Vogt 2004, S. 857).

Neben den wirtschaftlichen Effekten führt der Tourismus also auch zu Veränderungen im soziokulturellen, politischen und ökologischen Bereich. Durch die steigende touristische Nachfrage ergeben sich in den Urlaubsregionen zum Teil gravierende Auswirkungen, die nachfolgend erläutert werden.

2.3 Positive Aspekte des Tourismus

Im Folgenden werden positive Effekte, die in Zusammenhang mit dem Tourismus stehen, näher betrachtet. Da viele dieser Vorteile auch negative Aspekte mit sich bringen, werden diese im sich daran anschließenden Kapitel behandelt.

Der wirtschaftliche Stellenwert von Freizeit und Tourismus gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Durch die Ausgaben der Touristen am Urlaubsort erwirtschaften Hotelbetreiber, Gastronomen, Geschäftsleute und die öffentliche Hand zum Teil erhebliche Umsätze (vgl. Wolf; Jurczek 1986, S. 132 f.). Des Weiteren kann der Tourismus als wirtschaftsbelebender Faktor bzw. die Nachfrage der Touristen zur Verminderung regionaler Disparitäten führen. Diese Ausgleichseffekte können auf regionaler, intraregionaler sowie internationaler Ebene beobachtet werden (vgl. Eisenstein; Rosinski 2004, S. 811). Im Vergleich zum sekundären Sektor, der vor allem in der Nähe zu Zentren angesiedelt ist, werden durch den Fremdenverkehr auch periphere Räume erschlossen, die zum Teil für andere Wirtschaftssektoren bis dahin nicht oder nur kaum nutzbar waren. So werden durch den Tourismus vielfach neue ökonomische Entwicklungskerne herausgebildet (vgl. Vorlaufer 1984, S. 160 und 195). Zudem entstehen durch die Fremdenverkehrswirtschaft eine erhöhte Nachfrage, Beschäftigung und somit Einkommen am Urlaubsort. Außer diesen Deviseneffekten führen Eisenstein und Rosinski (2004, S. 807 ff.) die Bedeutsamkeit des Fremdenverkehrs in Bezug auf Wertschöpfungseffekte an.

Neben diesen ökonomischen Vorteilen, die der Tourismus für das betrachtete Urlaubsland mit sich bringt, werden durch den Fremdenverkehr Arbeitsplätze und somit Einkommen für die Bevölkerung geschaffen. Dabei werden nicht nur Beschäftigungseffekte im Tourismusbereich selbst wie beispielsweise im Beherbergungsgewerbe, sondern auch in anderen Wirtschaftssektoren hervorgerufen (vgl. Frey Marti 1996, S. 77). Die so genannte touristische Multiplikatorwirkung äußert sich im Beschäftigungsbereich wie folgt. Da die in der Tourismusbranche Beschäftigten ihr Einkommen hauptsächlich in der Region ausgeben, in der sie auch arbeiten, entstehen somit weitere Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung. Außerdem werden Beschäftigungsmöglichkeiten durch die Unterhaltung der Fremdenverkehrsbetriebe und –einrichtungen geschaffen (vgl. Wolf; Jurczek 1986, S. 133). Zum anderen sind in diesem Zusammenhang Dienstleistungen am Urlaubsort zu nennen, für die keine spezielle touristische Ausbildung notwendig ist, die aber häufig vornehmlich von Touristen nachgefragt werden: Sportlehrer, Gepäckträger, Masseure und ähnliche sind Beispiele dafür. Andere Arbeitsplätze im tertiären Sektor, die mit dem Tourismus im Zusammenhang stehen, sind beispielsweise Reisejournalisten, Reiseversicherungsvertreter, Ausbilder für touristische Berufe etc. (vgl. Freyer 1993, S. 343). Auch muss an dieser Stelle berücksichtigt werden, dass zum Erstellen von Vorleistungen für die Tourismusbranche zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Beschäftigungsmöglichkeiten in der Verkehrsmittelproduktion sowie der Bauindustrie sind Beispiele für Beschäftigungseffekte im sekundären Sektor. Der Tourismus wirkt zudem beispielsweise durch die Direktvermarktung agrarischer Produkte oder die Vermietung von Flächen auf den primären Sektor (vgl. Eisenstein; Rosinski 2004, S. 805 f.). Der Multiplikatoreffekt, den die Fremdenverkehrswirtschaft auf andere Wirtschaftsbereiche hat, steigt mit zunehmender Größe und Differenzierung der Produktionsstruktur. So können mehr Güter erzeugt werden, und die Verflechtung des Tourismus mit anderen Zweigen der Wirtschaft ist stärker ausgeprägt (vgl. Vorlaufer 1996, S. 142). Durch die genannten Erwerbsmöglichkeiten können manche regionale Disparitäten gemildert werden. Da viele Arbeitsplätze in der Tourismusbranche nur geringe Anforderungen an die Beschäftigten stellen, sind sie auch für ungelernte oder nur kurz angelernte Arbeitnehmer leicht zugänglich (vgl. Freyer 1993, S. 346). Für viele Beschäftigungen im Hotelgewerbe werden „weniger technisches Verständnis und geringere Fähigkeiten als etwa in der Industrie“ (Vorlaufer 1984, S. 112) benötigt. So können Ausbildungsmängel in der Tourismusbranche leichter abgefangen werden. Der Tourismus bietet auch besonders für Frauen viele Arbeitsplätze wie zum Beispiel als Zimmermädchen, Köchinnen, Putzfrauen, Empfangsdamen etc.. Dadurch werden Frauen unabhängiger von ihrer Familie und der Gesellschaft.

Selbst wenn der Tourismus viele Umweltprobleme (vgl. Kapitel 2.4.2) erzeugt, können vom Fremdenverkehr auch positive ökologische Effekte ausgehen. So kann der Tourismus in den bereisten Gebieten zu einer verstärkten Umweltsensibilisierung und zur Unterstützung der Landschaftspflege beitragen. Der Fremdenverkehr kann vielen Bauern eine Nebenerwerbsmöglichkeit bieten und somit deren Einkommen erhöhen. Dadurch kann das Landschaftsbild der betrachteten Region erhalten werden (vgl. Kaspar; Frey 1993, S. 26 und S. 33). Auch kann der Tourismus dazu beitragen, dass beispielsweise in Großschutzgebieten weitere Maßnahmen des Naturschutzes finanziert werden (vgl. Job; Vogt 2004, S. 857). Vorlaufer und Becker-Baumann (2004, S. 880 ff.) verweisen auf das Ergebnis einer Untersuchung in Thailand, welches ergab, dass die thailändische Bevölkerung ein geringeres Umweltbewusstsein als die Touristen aufweist. Durch das Zusammentreffen mit Touristen wird den Thais jedoch die Bedeutsamkeit einer unversehrten Umwelt als wichtige Grundlage für den Tourismus bewusst. So sind die Touristen für viele ansässige Thais ein Vorbild in Bezug auf den Naturschutz. Zudem werden durch den Tourismus Maßnahmen der Landschafts- und Denkmalpflege finanziert, die örtliche Infrastruktur sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen werden verbessert, der Abwanderung kann entgegengewirkt und bislang brachliegendes Land wieder genutzt werden (vgl. Hopfenbeck; Zimmer 1993, S. 39).

2.4 Negative Aspekte des Tourismus

Nachdem jahrelang nur die positiven, insbesondere ökonomischen, Auswirkungen des Tourismus betrachtet wurden, wurde in den letzten Jahren vermehrt Kritik am Tourismus laut. Die negativen Effekte des Fremdenverkehrs wirken sich auf unterschiedliche Bereiche aus. Da für diese Diplomarbeit vor allem die Probleme des Tourismus relevant sind, werden diese im Folgenden einzeln erläutert.

2.4.1 Negative ökonomische Einflüsse des Tourismus

Die in Kapitel 2.3 aufgeführten positiven ökonomischen Auswirkungen des Fremdenverkehrs werden seit den 1980er-Jahren in der Tourismusforschung zunehmend kritisch hinterfragt. Die vom Tourismus initiierte positive Wirtschaftsentwicklung und die damit verbundene Verbesserung der Infrastruktur sowie der Abbau wirtschaftlicher Disparitäten sind nicht in allen Tourismusgebieten gegeben. Wird die Wirtschaft einer Region hauptsächlich auf den Tourismus ausgerichtet, kommt es häufig zu Problemen. Eisenstein und Rosinski (2004, S. 812 f.) führen in diesem Zusammenhang unter anderem Knappheits-, Preissteigerungs-, Arbeitskräfteabzugs- und Investitionssubstitutionseffekte als negative Folgeerscheinungen auf. Des Weiteren kann es durch diese einseitige Ausrichtung zu einer außerordentlichen Abhängigkeit vom Tourismus, zu einer Erhöhung der Inflation und Steigerung des Wechselkurses kommen. Zudem sind die externen Kosten wie beispielsweise für eine erhöhte Müllabfuhr und Instandhaltungskosten von Touristenattraktionen, die Saisonabhängigkeit und eine geringe Ertragsrate der Investitionen als Problemfelder zu benennen (vgl. Kaspar; Frey 1993, S. 25). Weiterhin sind durch Maßnahmen zur Verbesserung etwa der Verkehrs-, Beherbergungs- und Unterhaltungsinfrastruktur und durch die Wünsche der Touristen nach speziellen Produkten wie zum Beispiel Nahrungsmittel oft eine große Zahl an Auslandsimporten notwendig (vgl. Eisenstein; Rosinski 2004, S. 808). Die so genannte Sickerrate, also der Anteil der Deviseneinnahmen aus dem Fremdenverkehr, der der Bezahlung der importierten Vorleistungen dient, sollte somit bei der Bewertung der Einnahmen in der Tourismuswirtschaft Berücksichtigung finden (vgl. Vorlaufer 1984, S. 84). Nach Vorlaufer (1984, S. 92) kann davon ausgegangen werden, dass diese Sickerrate in großen und ökonomisch weiterentwickelten Zielländern bis zu 35 Prozent, in kleinen Inselstaaten etwa 40 bis 60 Prozent der Deviseneinnahmen aus dem Tourismus beträgt. Ebenso sollte berücksichtigt werden, dass besonders in Entwicklungsländern die Quantifizierung der wirtschaftlichen Auswirkungen des Tourismus auf Grund des zum Teil stark ausgeprägten informellen Sektors, also beispielsweise Schuhputzer, Bettler, Souvenirhändler etc., sich als schwierig erweist (vgl. Eisenstein; Rosinski 2004, S. 806).

2.4.2 Negative soziokulturelle und politische Einflüsse des Tourismus

Durch die oben erwähnte einseitige Konzentration von Fremdenverkehrsgebieten auf den Tourismus wird die Erwerbsstruktur in diesen Regionen verschlechtert. Ortsansässige Gewerbebetriebe werden oftmals verlagert und die Beschäftigung in der Landwirtschaft geht zurück. Da es sich bei Arbeitsplätzen in der Tourismusbranche häufig um saisonal abhängige, unterbezahlte und, wie bereits in Kapitel 2.3 erwähnt, unqualifizierte Beschäftigungen handelt, wird somit die Qualität und auch Quantität der Beschäftigungsmöglichkeiten in Tourismusgebieten herabgesetzt (vgl. Wolf; Jurczek 1986, S. 135). Die Abhängigkeit von der Saison ist hier besonders hervorzuheben. Außerhalb der Hauptreisezeit geht in vielen Ferienorten die Anzahl der Beschäftigten stark zurück. Im Gegensatz zum Transportwesen ist hierbei insbesondere das Beherbergungs- und Gastgewerbe betroffen (vgl. Freyer 1993, S. 343 f.). Die einerseits als Vorteil aufgeführten geringen Zugangsbarrieren zu Arbeitsplätzen in der Tourismusbranche werden auf der anderen Seite in der Literatur als Nachteil gesehen. Da für viele Beschäftigungen keine oder nur geringe Ausbildungen notwendig sind, werden die Chancen, auch in anderen Wirtschaftsbereichen eine Anstellung zu bekommen, herabgesetzt. In Fremdenverkehrseinrichtungen arbeiten insbesondere junge Arbeitnehmer unter 25 Jahren. Die Möglichkeit, mit zunehmendem Alter eine Arbeitsstelle in anderen Bereichen, in denen eine Ausbildung notwendig ist, zu erhalten, wird reduziert (vgl. Freyer 1993, S. 346). Auch kann dem positiven Effekt des steigenden Einkommens eine negative Seite zugewiesen werden. Die Einkommenserhöhungen werden durch die parallel stattfindenden Preissteigerungen relativiert. Zudem steigen die Bedürfnisse der im Tourismus Beschäftigten durch das ständige Zusammentreffen mit Touristen, wodurch ehemalige Luxusgüter zum Statussymbol werden (vgl. Spreitzhofer 1995, S. 51).

Neben der Arbeitsplatzproblematik entstehen im Zusammenhang mit dem Tourismus weitere Probleme im soziokulturellen Bereich. Besonders die Auswirkungen auf die Kultur, Kunst, Tradition, Sozialstruktur, Sitte und Moral werden in der Literatur hervorgehoben (vgl. Freyer 1993, S. 372). Ähnlich der Beschäftigungsthematik können hier positive aber auch negative Effekte angeführt werden. Vorlaufer (1996, S. 201) weist jedoch darauf hin, dass die Auswirkungen des Fremdenverkehrs auf dieses Problemfeld aufgrund verschiedener Ausprägungen des Tourismus in den Zielregionen nicht zu verallgemeinern sind. Tabelle 2 stellt die Vor- und Nachteile des Tourismuseinflusses im soziokulturellen Bereich dar. Da sich diese Arbeit jedoch hauptsächlich mit der Verkehrs- und somit Umweltproblematik auseinandersetzt, wird nicht näher auf diesen Problembereich eingegangen.

Tabelle 2 Soziokulturelle Folgeerträge und –kosten des Tourismus in Entwicklungsländern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenQuelle: Freyer 1993, S. 390, bearbeitet.

An dieser Stelle muss weiterhin angeführt werden, dass die zum Teil starken Zuwanderungen in die Tourismuszentren Auswirkungen auf die Quell- und Zielräume haben. In den Abwanderungsgebieten kann es neben den positiv zu bewertenden Entlastungseffekten auch zu Entzugseffekten kommen. In den Zuwanderungsgebieten entstehen durch die Migration häufig Probleme in der Ver- und Entsorgung. Wohnungsmangel, Slumbildung, Infrastrukturdefizite und soziale Spannungen sollen hier beispielhaft für die Auswirkungen der ernormen Arbeitskräftewanderung stehen (vgl. Vorlaufer 1996, S. 160).

Es bestehen auch Zusammenhänge zwischen dem Tourismus und der Politik. Der Staat der Zielländer profitiert vom Fremdenverkehr in Bezug auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze, einer besseren Versorgung sowie höherer Einkommen. Auf der anderen Seite muss er sich gegenüber der Bevölkerung zu touristischen Misserfolgen und Unterschieden zwischen der lokalen Bevölkerung und den Gästen rechtfertigen (vgl. Freyer 1993, S. 377). Da sich der Tourismus häufig in Peripherieräumen ansiedelt, ist zudem die Erstellung einer Infrastruktur, besonders der Verkehrsinfrastruktur, von Seiten des Staates zu gewährleisten, um die abgelegenen Gebiete für private Investoren attraktiv zu gestalten (vgl. Vorlaufer 1996, S. 175). Weiterhin ist anzuführen, dass die Tourismuswirtschaft von politischen Ereignissen beeinflusst wird. (Bürger-)kriege, Streiks, Terroranschläge sowie Flugzeugabstürze etc. können Auswirkungen auf den Tourismus haben (vgl. Hopfenbeck; Zimmer 1993, S. 46). Vorlaufer (1996, S. 41) zeigt anhand des Beispiels des Golfkrieges von 1991, dass große militärische Konflikte nicht nur den Tourismus im betreffenden Gebiet beeinflussen, sondern dass oftmals auch viele andere Urlaubsländer einen Rückgang der Besucherzahlen zu verzeichnen haben. Aufgrund der Befürchtung einer Ausdehnung des Krieges bzw. aus Angst vor mangelnder Flugsicherheit gingen in diesem Zusammenhang auch in Thailand die Besucherzahlen zurück.

2.4.3 Negative ökologische Einflüsse des Tourismus

Die Tourismuswirtschaft führt in den Reiseländern zu einer Reihe von negativen Begleiterscheinungen in Bezug auf die natürliche Umwelt. Diese Auswirkungen werden in der Literatur massiv kritisiert und rücken die Vorteile des Fremdenverkehrs in den Hintergrund. Die Einflüsse auf die Umwelt lassen sich in die drei Kategorien Umweltverschmutzung, Verlust an Naturlandschaft und Verlust an Flora und Fauna unterteilen (vgl. Wolf; Jurczek 1986, S. 121 f.). Diese negativen Effekte sind unter anderem abhängig von der Besucherzahl, der Art und Intensität der Nutzung sowie den Dienstleistungen und Infrastrukturen für den Tourismus. Je stärker der Tourismus einer Region ausgeprägt ist, desto größer sind auch die sich daraus ergebenen Effekte auf die natürliche Umwelt. Doch eine relativ unberührte Natur stellt die Basis für die Fremdenverkehrswirtschaft dar (vgl. Müller 1998 b, S. 34 und Freyer 1993, S. 381). Wie bereits in Kapitel 2.1 erwähnt, ist eine attraktive Umwelt für viele Tourismusarten eine der wichtigsten Voraussetzungen. Werden die durch den Fremdenverkehr initiierten Umweltbeeinträchtigungen ignoriert, können die Besucherzahlen zunächst zurückgehen, später kann der Tourismus ganz zum Erliegen kommen. Neben den Bewohnern der Urlaubsgebiete leiden auch die Besucher unter den Beeinträchtigungen der Umwelt. Das zerstörte Landschaftsbild und der reduzierte Wildbestand sowie die fehlende Ursprünglichkeit sind für die Touristen die Hauptgründe, sich andere Urlaubsregionen zu suchen. Zurück bleiben leer stehende Fremdenverkehrseinrichtungen wie Hotelanlagen, Sportplätze etc.. Die im Tourismus Beschäftigten sowie die Arbeitnehmer in Branchen, die in Verbindung mit dem Fremdenverkehr stehen, verlieren ihre Anstellung (vgl. Freyer 1993, S. 381 f.).

In den Urlaubsregionen kommt es zum Teil zu erheblichen Umweltverschmutzungen. Gravierende Probleme treten dabei in den Bereichen Müll und Freizeitabfälle, Wasserverunreinigung durch Abwässer und touristische Attraktionen wie Ausflugsboote und Wassersportler sowie Luftbelastung durch touristischen Verkehr auf. Der Verkehr in den Urlaubsgebieten hat neben den gesundheits- und umweltschädigenden Wirkungen auch Schmutz-, Lärm- und Geruchsbelastungen für die Anwohner und Besucher zur Folge. Als weitere Umweltbelastung ist der Verlust an Naturlandschaft zu nennen. Die Bebauung bislang unberührter Gebiete sowie die Landschaftszersiedelung durch Hotelanlagen und die daraus resultierende Versiegelung des Bodens stehen beispielhaft für die Beeinträchtigung der Umwelt in diesem Bereich. Schließlich muss auch der Verlust an Flora und Fauna als wichtiges Problemfeld benannt werden. Der thematisierte Landschaftsverbrauch für touristische und verkehrsinfrastrukturelle Einrichtungen führt auch zu einer Bedrohung des natürlichen Lebensraumes von Pflanzen und Tieren. Des Weiteren können zum Beispiel Taucher zur Zerstörung von Korallenriffen beitragen, Autofahrer und Wanderer die Tier- und Pflanzenwelt gefährden (vgl. Hopfenbeck; Zimmer 1993, S. 45 und Kaspar; Frey 1993, S. 21). Die genannten ökologischen Auswirkungen betreffen vornehmlich die Urlaubsregion selbst. Unbedingt zu nennen ist jedoch auch der An- und Abreiseverkehr, der durch die Emissionen der genutzten Verkehrmittel zu einer starken Umweltbelastung führt. So verlieren auch Tourismusarten, die die Belange der Natur berücksichtigen, relativ ihre Umweltverträglichkeit. Der hohe Verbrauch an Primärenergie sowie die Abgase wie beispielsweise Schwefeldioxid, Kohlenwasserstoffe und Stickoxide beim An- und Abreisereiseverkehr mit dem Flugzeug verdeutlichen diese Problematik (vgl. Job; Weizenegger 2004, S. 636 f.). Ellenberg (1998, S. 26) kommt sogar zu der Aussage: „Tourismus, der Transporte per Auto oder gar Flüge benötigt, kann grundsätzlich nicht umweltverträglich sein.“. (Motorisierte) Raumüberwindung ist aber für die meisten Reiseziele, abgesehen von der Freizeitgestaltung am Wohnort, notwendiges Mittel (vgl. Kapitel 2.1). Daher wird in dieser Arbeit die Umweltbeeinträchtigung bei der An- und Abreise zum Urlaubsort nur marginal berücksichtigt. Der Fokus liegt vielmehr auf der Betrachtung der ökologischen Auswirkungen am Urlaubsort selbst. Da eine intakte Umwelt die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Tourismusentwicklung darstellt, muss dem Umweltschutz eine hohe Bedeutung zugemessen werden. Nur durch Sicherung der natürlichen Ressourcen können auch nachfolgende Generationen Nutzen aus dieser Entwicklung ziehen und ihre soziale Lage sichern (vgl. Vorlaufer 1996, S. 3).

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Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Tourismus- und Verkehrsentwicklung auf Koh Chang (Thailand)
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Geographisches Institut)
Note
2,2
Autor
Jahr
2005
Seiten
109
Katalognummer
V90862
ISBN (eBook)
9783638053433
ISBN (Buch)
9783638945721
Dateigröße
5145 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verkehrsentwicklung, Chang, KohChang, Fremdenverkehr, Thailand, Entwicklung, Tourismus
Arbeit zitieren
Franziska Noltenius (Autor), 2005, Tourismus- und Verkehrsentwicklung auf Koh Chang (Thailand), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90862

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