In dieser Arbeit wird der Fokus auf die Analyse des sozio-technischen Regimes hinter der Erzeugung von Strom aus Photovoltaikanlagen in Japan gelegt, im Folgenden als Solarenergie bezeichnet. Eine weitere Einschränkung besteht in der Auswahl der zu betrachtenden Akteure: Die japanische Zentralregierung, die Solarindustrie und Investoren für Photovoltaikanlagen. Es wird sich im Verlauf dieser Arbeit zeigen, dass diese drei Akteure ein gemeinsames Interesse daran hatten Solarenergie zu fördern.
Die Anwendung einer Kombination aus verschiedenen Institutionstheorien kann als Interpretationsrahmen dienen, um die Faktoren zu verstehen, die den Wandel im Energiesektor vorantreiben oder einschränken und um zu untersuchen, wie sich verschiedene politische Maßnahmen auf das Energiesystem auswirken können, wenn Akteure und Institutionen auf politische Maßnahmen reagieren. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen als sozio- technisches System angesehen und mittels der Multi-Level-Perspektive (MLP) analysiert. Erweitert wird diese Transformationstheorie mit der "Rational Choice"- Theorie und dem historischen Institutionalismus, um ein umfassendes Verständnis für die Entwicklung der Solarlobby und ihrer Akteure zu erhalten.
Diese Arbeit wird als definierende Forschung mit folgender Forschungsfrage durchgeführt: Wie gelang es der Solarlobby in Japan, trotz eines Nischendaseins der Solarindustrie und weiteren widrigen Umständen, weiter fortzubestehen und sich zusammen mit der Solarindustrie zu einer einflussreichen Institution zu entwickeln? Im theoretischen Teil werden die Grundlagen für den empirischen Teil dargelegt. Zu Beginn wird ein umfassender theoretischer Rahmen erläutert und anschließend im methodischen Teil auf den betrachteten Gegenstand dieser Arbeit angepasst. Der darauffolgende Hauptteil ist chronologisch in vier Kapitel unterteilt: Zunächst wird der Beginn der Solarindustrie in Japan erörtert. Daraufhin wird untersucht, wie sich die entstandene Solarlobby in Zeiten wachsender, globaler Konkurrenz entwickelt hat. Das nächste Kapitel untersucht welche Auswirkungen die Nuklearkatastrophe von Fukushima auf die Solarlobby hatte und welche energiepolitischen Maßnahmen eingeführt wurden. Zuletzt werden ein paar ausgewählte Deklarationen im fünften strategischen Energieplan (SEP) betrachtet und mit den zuvor festgestellten institutionellen Entwicklungen innerhalb der Solarlobby in Zusammenhang gebracht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen: Das sozio‐technische Regime in Energiesystemen und institutioneller Wandel
3 Methode
3.1 Untersuchung der Umwelt als Makro Ebene
3.2 Untersuchung des sozio‐ technischen Regimes als Meso Ebene
3.3 Untersuchung der Nische als Mikro Ebene
4 Die Solarlobby aus Sicht von institutionellem Wandel innerhalb eines sozio‐technischen Regimes
4.1 Beginn der Solarlobby
4.1.1 Der erste exogene Schock: die Ölkrise 1973
4.1.2 Der erste Energiewandel: Das Sunshine Programm 1974 und seine Nachfolger
4.1.3 Entstehung eines heimischen Markts für Solarenergie
4.1.4 Erstes Zwischenergebnis
4.2 Die Solarlobby in einer wachsenden, globalen Konkurrenz
4.2.1 Verlust der Marktführerschaft ab 2004
4.2.2 Einführung des ersten FIT für Solarenergie im Jahr 2009
4.2.3 Zweites Zwischenergebnis
4.3 Die Solarlobby nach Fukushima
4.3.1 Der zweite exogene Schock: die Nuklearkatastrophe von Fukushima
4.3.2 Der zweite Energiewandel: Einführung eines neuen FIT im Juli 2012
4.3.3 Die Bedeutung der Liberalisierung des Energiemarktes für Investoren und die Solarlobby
4.3.4 Kommunen und Solarenergie
5 Die Einführung des fünften strategischen Energieplans
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Entstehung und den institutionellen Wandel der sogenannten „Solarlobby“ in Japan, um zu verstehen, wie diese trotz widriger Umstände und eines ursprünglichen Nischendaseins zu einer einflussreichen Institution im Energiesektor aufsteigen konnte.
- Analyse sozio-technischer Regime mittels der Multi-Level-Perspektive (MLP).
- Untersuchung des Einflusses exogener Schocks (Ölkrise 1973, Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011).
- Wechselwirkungen zwischen Zentralregierung (METI), Solarindustrie und Investoren.
- Die Rolle der institutionellen Pfadabhängigkeit und rationaler Akteursentscheidungen.
- Entwicklung und Auswirkungen politischer Förderinstrumente wie des Feed-in Tariff (FIT).
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Der erste exogene Schock: die Ölkrise 1973
Die Ölkrise 1973 stellt den ersten exogenen Schock dar, welcher zu einem Umdenken in Japans Energiemix führte (Kimura/ Suzuki 2006: 2f). Die japanische Regierung sah Nuklearenergie als eine mögliche Lösung aus dem Dilemma der Energiesicherheit (Moe 2016: 38; Li/ Shiroyama 2019: 6). Obwohl erneuerbare Energien somit nicht im Fokus der Energiepolitik in den 1970er Jahren standen, so hatten sie doch eine Chance, sich zu entwickeln und erste Stakeholder zu gewinnen. Unter den erneuerbaren Energien war es die Solarenergie, die am meisten Finanzierung für Forschung und Entwicklung (F&E) erwerben konnte (Li/Shiroyama 2019: 4). Im Weiteren Verlauf dieses Unterkapitels wird die gemeinsame Entstehung der Solarenergie als Nischentechnologie und der Solarlobby untersucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der energiepolitischen Ausgangslage Japans und Definition der Forschungsfrage zum institutionellen Aufstieg der Solarlobby.
2 Theoretischer Rahmen: Das sozio‐technische Regime in Energiesystemen und institutioneller Wandel: Einführung der theoretischen Grundlagen durch die Multi-Level-Perspektive und Institutionentheorien zur Analyse von Systemwandel.
3 Methode: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise zur Untersuchung der Solarlobby auf Makro-, Meso- und Mikro-Ebene.
4 Die Solarlobby aus Sicht von institutionellem Wandel innerhalb eines sozio‐technischen Regimes: Detaillierte chronologische Analyse der Solarlobby von der Ölkrise über die globale Konkurrenz bis nach Fukushima.
5 Die Einführung des fünften strategischen Energieplans: Untersuchung des institutionellen Wandels im Kontext der neuen energiepolitischen Ziele und der Positionierung erneuerbarer Energien als Hauptstromquelle.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung des institutionellen Erfolgs der Solarlobby durch dynamische Anpassungsprozesse.
Schlüsselwörter
Japan, Solarenergie, Solarlobby, institutioneller Wandel, sozio-technisches Regime, Multi-Level-Perspektive, METI, Fukushima, Feed-in Tariff, Energiewende, Pfadabhängigkeit, Erneuerbare Energien, Energiepolitik, Strommarkt, Investoren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Ökonomie erneuerbarer Energien in Japan, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse der Solarindustrie und der damit verbundenen „Solarlobby“ liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit untersucht das Zusammenwirken von staatlichen Institutionen, Industriepolitik und technologischem Wandel innerhalb des japanischen Energiesystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erklären, wie die Solarlobby trotz eines anfänglichen Nischendaseins und starker institutioneller Widerstände zu einer einflussreichen Kraft im japanischen Energiesektor werden konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse basiert auf der sozio-technischen Multi-Level-Perspektive (MLP), ergänzt durch Ansätze der „Rational Choice“-Theorie und des historischen Institutionalismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Betrachtung, beginnend bei der Ölkrise 1973 über die Einführung des Feed-in Tariffs bis hin zu den Auswirkungen der Nuklearkatastrophe von Fukushima.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind institutioneller Wandel, Solarlobby, sozio-technisches Regime, METI und japanische Energiepolitik.
Welche Rolle spielt die Nuklearkatastrophe von Fukushima für die Solarlobby?
Fukushima fungierte als ein massiver exogener Schock, der das bestehende Energiesystem erschütterte und notwendige politische Reformen sowie eine stärkere Hinwendung zu dezentraler Solarenergie ermöglichte.
Warum wird die „Solarlobby“ als einflussreiche Institution bezeichnet?
Aufgrund der starken Vernetzung zwischen dem METI, der Solarindustrie und neuen Investoren konnte die Lobby trotz globaler Konkurrenz und interner Widerstände eine beständige institutionelle Unterstützung sichern.
Wie beeinflussen exogene Schocks den institutionellen Wandel laut dieser Arbeit?
Exogene Schocks wie die Ölkrise oder Fukushima schaffen Gelegenheitsfenster, in denen starre Strukturen aufgebrochen und neue politische Weichenstellungen zugunsten erneuerbarer Energien durchgesetzt werden können.
Welche Bedeutung haben die Kommunen für die zukünftige Energieversorgung?
Kommunen spielen eine zunehmend wichtige Rolle, indem sie durch lokale Projekte zur Dezentralisierung der Energieerzeugung beitragen und somit die Resilienz des nationalen Energiesystems stärken.
- Citar trabajo
- Nadine Frohwerk (Autor), 2020, Die politische Ökonomie erneuerbarer Energien in Japan. Japans Solarlobby, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/908624