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Zensuren in der Schule

Title: Zensuren in der Schule

Seminar Paper , 2007 , 19 Pages

Autor:in: Franziska Noltenius (Author)

Pedagogy - General
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Die in den letzten Jahren vermehrt durchgeführten internationalen Vergleichsstudien wie PISA, TIMSS und IGLU haben Schwächen im deutschen Bildungssystem aufgedeckt, die Kritiker der traditionellen Leistungsbeurteilung schon lange sehen. Denn seit der Durchsetzung der bis heute (und voraussichtlich auch zukünftig weiter vorherrschenden) Leistungsbeurteilung vor circa 100 Jahren wurde sie heftig kritisiert. Hauptaugenmerk der Kritik liegt dabei auf der Form der Ziffernzensur sowie der Selektion von Schülern anhand der Noten.
Die traditionelle Leistungsbeurteilung ist neben der Notengebung durch den Prüfungscharakter gekennzeichnet. Als „Prototyp“ hierfür lässt sich die Klausur bzw. Klassenarbeit anführen. Diese Form der Leistungsfeststellung steht für viele Schüler im Vordergrund, so dass nur auf dieses Ziel, die Klassenarbeit möglichst gut zu absolvieren, hingearbeitet wird.
Etliche Lehrer vergeben neben den Klausurnoten auch regelmäßig Zensuren für die Mitarbeit im Unterricht. Dadurch fühlen sich die Schüler permanent in einer Prüfungssituation und stehen so unter zusätzlichem Leistungs- und Anpassungsdruck. Auf diese Weise tendiert der Schulunterricht insgesamt dazu, Prüfungscharakter anzunehmen.
In der vorliegenden Hausarbeit wird vor diesem Hintergrund auf den eigentlichen Sinn von Zensuren eingegangen. Die Kritikpunkte werden näher beleuchtet und Alternativen aufgezeigt. Eine Reflexion meiner Erfahrungen im Schulpraktikum wird zudem die Theorie und gängige Praxis an staatlichen Schulen gegenüberstellen. Die Leistungsbeurteilung anhand der Ziffernzensur soll pädagogischen wie
gesellschaftlichen Nutzen haben. So geben die von der Lehrkraft erteilten Zensuren laut
Schulgesetz Aufschluss über den Stand des Lernprozesses der Schülerinnen und Schüler.
Zudem stellen Noten die Basis einer weiteren Förderung der Lernenden dar. Bewertet werden
die im Unterricht erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in den zwei
Beurteilungsbereichen „Schriftliche Arbeiten“ und „Sonstige Leistungen im Unterricht“ (vgl.
§ 48 Schulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen).
Neben den Zensuren in den einzelnen Schulfächern sind auch die Kopfnoten
anzuführen. Diese beziehen sich auf das Verhalten der Schülerinnen und Schüler innerhalb
der Schule insgesamt und werden nicht speziell für ein bestimmtes Fach vergeben (vgl.
Schröter 1981, S. 164).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sinn von Zensuren

3 Kritik an Zensuren

3.1 Zensuren sind Schätzurteile

3.2 Mangelnde Rückmeldung

3.3 Zensuren als Anreiz?

4 Alternativen zu Zensuren

4.1 Lernberichte

4.2 Portfolio

4.3 Lerntagebuch

4.4 Rückmeldebögen

5 Erfahrungen aus der Praxis – Einblick in mein Schulpraktikum

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den pädagogischen Sinn sowie die kritischen Aspekte der traditionellen Leistungsbewertung durch Zensuren in deutschen Schulen und beleuchtet alternative Konzepte zur Notengebung im Kontext theoretischer Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen.

  • Funktionen und pädagogische Rechtfertigung von Zensuren
  • Kritik an der Messqualität und Motivationswirkung von Noten
  • Vorstellung innovativer Alternativen wie Lernberichte, Portfolios und Lerntagebücher
  • Reflexion der praktischen Umsetzung einer neuen Lernkultur an Schulen
  • Gegenüberstellung von theoretischem Anspruch und schulischer Realität

Auszug aus dem Buch

3.1 Zensuren sind Schätzurteile

Kritiker schätzen die Messqualität von Zensuren als nicht besonders hoch ein, da gleiche Leistungen durch verschiedene LehrerInnen auch unterschiedlich bewertet werden. Zahlreiche empirische Belege, zum Beispiel von Ingenkamp, untermauern dieses Argument. Zwar kann davon ausgegangen werden, dass Niveauunterschiede in den Schülerleistungen innerhalb einer Klasse durch Noten relativ gut deutlich gemacht werden können – ein Vergleich verschiedener Schulklassen, Schulen oder gar Bundesländer wird jedoch schwierig.

Auch die eingangs erwähnte TIMSS-Studie weist auf die fehlende länderübergreifende Aussagekraft von Zensuren hin (vgl. Winter 2006, S. 40 ff.). Die Lehrerbeurteilungen weichen nicht nur in Fächern wie Kunst und Musik oder bei der Beurteilung eines Deutschaufsatzes zum Teil stark voneinander ab – auch in der Bewertung von Mathematikarbeiten wurden bei Untersuchungen Schwankungen von bis zu vier Noten festgestellt. Zusätzlich wird die Beurteilung beeinflusst, wenn die Lehrkraft weitere Informationen zum Leistungsstand der Schülerin / des Schülers hat. Wurde eine zu bewertende Arbeit zum Beispiel von einer schwachen Schülerin oder einem schwachen Schüler geschrieben, so tendiert auch die neu zu vergebene Note eher nach unten. Der Einfluss der Vornoten spielt somit eine wesentliche Rolle (vgl. Becker 1983, S. 12).

Dass verschiedene Lehrkräfte ein und dieselbe Arbeit unterschiedlich bewerten ist nun noch, immerhin teilweise, nachvollziehbar. Weit verwunderlicher ist hingegen, dass ein und derselbe Lehrer bzw. ein und dieselbe Lehrerin eine erbrachte Leistung zu verschiedenen Zeiten auch unterschiedlich bewertet (vgl. Ziegenspeck 1999, S. 127). Zudem lassen zahlreiche Untersuchungen darauf schließen, dass „Lehrer bestimmte Urteilstendenzen haben, die sie mitbringen und die von den tatsächlichen Arbeitsergebnissen der Schüler unabhängig sind“ (Becker 1983, S. 12). So verzichten manche Lehrkräfte auf die Vergabe von Extremnoten, andere hingegen vergeben diese häufig (vgl. Becker 1983, S. 12).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der traditionellen Leistungsbeurteilung ein und begründet die Relevanz der Untersuchung vor dem Hintergrund internationaler Vergleichsstudien und des Prüfungscharakters des Schulunterrichts.

2 Sinn von Zensuren: Das Kapitel erläutert die offiziellen Funktionen von Zensuren, wie die Selektions-, Sozialisations- und Rückmeldefunktion, und beschreibt die Anwendung von Fach- und Kopfnoten.

3 Kritik an Zensuren: Hier werden zentrale Kritikpunkte dargelegt, insbesondere die Problematik von Noten als Schätzurteile, die mangelnde inhaltliche Rückmeldung sowie die zweifelhafte Anreizwirkung auf die Schülermotivation.

4 Alternativen zu Zensuren: Dieses Kapitel stellt verschiedene reformpädagogische Konzepte vor, darunter Lernberichte, Portfolios, Lerntagebücher und strukturierte Rückmeldebögen, die eine differenziertere Leistungsbewertung ermöglichen sollen.

5 Erfahrungen aus der Praxis – Einblick in mein Schulpraktikum: Die Autorin reflektiert ihre praktischen Erfahrungen an einem Gymnasium, wobei sie die Dominanz der traditionellen Notengebung trotz theoretisch bekannter Alternativen aufzeigt.

6 Fazit: Das Fazit zieht eine abschließende Bilanz und kommt zu dem Schluss, dass trotz der Sinnhaftigkeit alternativer Ansätze eine tiefgreifende Reform aufgrund tief verwurzelter Gewohnheiten und gesetzlicher Vorgaben derzeit kaum umsetzbar erscheint.

Schlüsselwörter

Leistungsbeurteilung, Zensuren, Schulsystem, Pädagogische Diagnostik, Notengebung, Kritik, Lernberichte, Portfolio, Lerntagebuch, Rückmeldebögen, Schulpraktikum, Lernmotivation, Selektion, Reformpädagogik, Kompetenzentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch die traditionelle Leistungsbewertung durch Zensuren in Schulen und untersucht, ob Noten ihrem pädagogischen Anspruch gerecht werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Hausarbeit?

Die Arbeit behandelt die Funktionen von Zensuren, die methodischen Kritikpunkte an der Notengebung sowie die Möglichkeiten und Grenzen alternativer Bewertungsinstrumente.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Sinn von Zensuren zu hinterfragen und durch den Vergleich mit pädagogischen Alternativen aufzuzeigen, warum ein Wandel der Lernkultur in der Schulpraxis bisher nur schwer stattfindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie einen reflexiven Erfahrungsbericht aus ihrem eigenen Schulpraktikum als empirische Grundlage.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Auseinandersetzung mit der Kritik an Zensuren, die Vorstellung konkreter Alternativmodelle und eine praktische Reflexion des Schulalltags.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Leistungsbeurteilung, Zensuren, alternative Lernkultur, Portfolio, Lerntagebuch und pädagogische Diagnostik sind die zentralen Begriffe der Arbeit.

Warum kritisiert die Autorin die Messqualität von Noten?

Sie kritisiert, dass Noten oft subjektive Schätzurteile sind, die durch Lehrererwartungen, Vornoten und äußere Faktoren beeinflusst werden, statt objektive Leistungen abzubilden.

Wie bewertet die Autorin die Chancen für alternative Bewertungsmethoden?

Die Autorin sieht alternative Methoden zwar als pädagogisch sinnvoll an, schätzt deren flächendeckende Durchsetzung aufgrund fester Gewohnheiten von Lehrern, Eltern und Schülern sowie rechtlicher Vorgaben jedoch als aktuell schwierig ein.

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Details

Title
Zensuren in der Schule
College
University of Bremen
Course
"Woher weiß ich, was meine Schüler können?" - Pädagogische Diagnostik im Zusammenhang des Lehrens und Lernens
Author
Franziska Noltenius (Author)
Publication Year
2007
Pages
19
Catalog Number
V90865
ISBN (eBook)
9783638053464
ISBN (Book)
9783638945745
Language
German
Tags
Zensuren Schule Woher Schüler Pädagogische Diagnostik Zusammenhang Lehrens Lernens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Noltenius (Author), 2007, Zensuren in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90865
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