In Deutschland steigen die Zahlen der Existenzgründungen kontinuierlich an. Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen haben einen besonders wichtigen Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik. Jede Neugründung schafft im Schnitt vier zusätzliche Arbeitsplätze. Doch jede Existenzgründung erfordert zunächst einmal Mut. Viele tausend Jungunternehmer ersparen sich jährlich die Fülle an Problemen und Risiken, die die Gründung eines Betriebes im Alleingang mit sich bringt, und kaufen sich ein fertiges Konzept. Dieses Prinzip nennt man Franchising, es wird mittlerweile in vielen Branchen praktiziert.
Doch klar ist auch: Franchising ist kein System ohne Risiken; weder für Franchise-Geber noch für Franchise-Nehmer. Die Motive zur „Partnerschaft mit System“ sind bei beiden Parteien unterschiedlich: Der Franchise-Geber möchte hoch motivierte Mitunternehmer und zusätzliches Kapital für die Expansion gewinnen. Der Franchise-Nehmer übernimmt im Idealfall das Know-how und die Erfahrung des System-Gebers und arbeitet mit dessen erprobten, erfolgreichen Produkten und Dienstleistungen. Je besser diese Kooperation funktioniert, desto größer ist erfahrungsgemäß der Erfolg des gesamten Systems.
Innerhalb von wenigen Jahren hat sich die volkswirtschaftliche Bedeutung des Franchisings deutlich erhöht. Diese Form der Existenzgründung gilt zudem als besonders sichere Variante der Gründung und wird von Seiten der Politik und von Wirtschaftsverbänden als ein möglicher Ausweg aus der Beschäftigungskrise gesehen.
In der Praxisliteratur wie auch in wissenschaftlichen Beiträgen ist die Annahme, dass Franchise-Geber und Franchise-Nehmer ein geringeres Risiko des Scheiterns aufweisen als „herkömmliche“ - d.h. unabhängige - Existenzgründer, weit verbreitet und trägt schon fast dogmatische Züge. Im Folgenden sind zwei Aussagen für diese weit verbreitete Auffassung aufgeführt:
„(...) Franchising ist eine Existenzgründung innerhalb eines markterprobten Unternemens-Netzwerkes und damit nach offiziellen Zahlen des DIHK sechsmal erfolgreicher als die Selbständigkeit 'auf eigene Faust'. (...)“
Und:
„(...) Grundsätzlich ist die Quote der Geschäftsaufgaben bei Franchise-Nehmern sehr niedrig (sie liegt im ersten Jahr bei rund 8 %, sinkt danach nahezu auf Null). Im Gegensatz dazu, geben von traditionellen Existenzgründern fast 70 % in den ersten fünf Jahren auf. (...)“
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen und Entwicklung des Franchisings
2.1 Der Ursprung des Franchisings
2.2 Entwicklung des „modernen“ Franchisings
2.3 Der Begriff des Franchisings und seine Zielsetzung heute
2.4 Die zu erbringenden Leistungen der Vertragspartner
3 Ausgangssituation der Existenzgründer
3.1 Existenzgründung: eine Begriffsbestimmung
3.2 Herausforderungen im Verlauf einer Existenzgründung
4 Chancen und Risiken in der Systempartnerschaft
4.1 Chancen für den Franchise-Geber
4.2 Risiken für den Franchise-Geber
4.3 Chancen für den Franchise-Nehmer
4.3.1 Unterstützung bei der Standortfrage
4.3.2 Unterstützung durch Schulungsmaßnahmen
4.3.3 Unterstützung durch betriebswirtschaftliche Begleitung
4.3.4 Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten im System
4.4 Risiken für Franchise-Nehmer-Gründungen
4.4.1 Risiken durch eine mangelnde vorvertragliche Aufklärung
4.4.2 Risiken, die durch die Anmietung eines Ladenlokals entstehen können
4.4.3 Risiken im Zusammenhang mit Schulungsmaßnahmen
4.4.4 Risiken im Zusammenhang mit den Kommunikation- und Austauschmöglichkeiten im System
4.4.5 Risiken bei schnellem Franchise-Nehmer-Wachstum im System
4.4.6 Risiko der Scheinselbständigkeit
4.4.7 Risiken in Zusammenhang mit der Bezugsbindung
4.4.8 Risiken im Zusammenhang mit der Vertragsbeendigung
4.5 Mögliche Synergieeffekte in der Systempartnerschaft
4.6 Zufriedenheit der Franchise-Nehmer
5 Fazit: Chancen und Risiken für Existenzgründer
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Franchising eine Erfolgsstory für Existenzgründer darstellen kann, indem sie die Chancen und Risiken der Systempartnerschaft im Vergleich zur unabhängigen Gründung analysiert und bewertet.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Franchisings
- Analyse der Ausgangssituation von Existenzgründern
- Detaillierte Untersuchung von Chancen und Unterstützungsleistungen durch den Franchise-Geber
- Identifikation und Risikobewertung für den Franchise-Nehmer
- Empfehlungen zur Systemauswahl und Prüfung von Franchise-Verträgen
Auszug aus dem Buch
4.3.1 Unterstützung bei der Standortfrage
Bis eine Franchise-Partnerschaft vollendet ist, sind vielfältige Hürden zu nehmen und Klippen zu umschiffen. Je nach Systemkonzept kann die Lage des Geschäftslokales von Bedeutung sein. Der Standort hat kaum eine Bedeutung z.B. bei Schulungscentern, Gebäudereinigern, mobilen Eisverkäufern oder einem Paketservice. Bei erstklassigen Einzelhandelfranchisen (z.B. Charles Jordan oder Montblanc) oder Restaurants der Systemgastronomie (z.B. McDonald’s) ist die Wahl des Standortes von entscheidender Bedeutung.
Ist der Standort für ein Franchise-Konzept von Bedeutung, sollte der Franchise-Geber ein Standortprofil für seine potentiellen Franchise-Nehmer erstellen. Denn der Standort ist Träger und Verbreiter des System-Images. Das Standortprofil sollte in abstrakter und allgemeiner Form Gesichtspunkte enthalten, die einen idealen Standort qualifizieren und eine Beschreibung dessen, wo das Umfeld für die Ansiedlung der Franchise den meisten Erfolg verspricht. Die Kriterien für einen Standort sollte der Franchise-Geber während der Erprobungsphase seines Systems entwickeln und danach ständig überprüfen. Das Standortprofil ist naturgemäß in allgemeiner Form gehalten und unterscheidet sich von der individuellen Standortanalyse.
In der Standortanalyse werden die Erfolgsaussichten eines konkret in Erwägung gezogenen Standortes analysiert. Die individuelle Standortanalyse kann von dem erstellten Standortprofil abweichen, wenn z.B. der Franchise-Nehmer schon Gewerberäume besitzt, die er für die Franchise einsetzen will. Die Standortanalyse schafft Klarheit über die Wettbewerbssituation im Franchise-Gebiet, über den Umfang der potentiellen Kunden und die Erfolgsaussichten für den gewählten Standort. Die Standortanalyse soll den Franchise-Nehmer in die Lage versetzen, den Erfolg der Franchise-Lizenz richtig einschätzen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Franchising ein, stellt die Zielsetzung der Arbeit dar und erläutert den strukturellen Aufbau der Untersuchung.
2 Grundlagen und Entwicklung des Franchisings: Dieses Kapitel behandelt den historischen Ursprung, die Entwicklung zum modernen Franchise sowie die grundlegenden Definitionen und Leistungspflichten der beteiligten Partner.
3 Ausgangssituation der Existenzgründer: Es wird die Ausgangslage von Existenzgründern definiert, eine Abgrenzung zum Unternehmerbegriff vorgenommen und die typischen Herausforderungen in den verschiedenen Gründungsphasen aufgezeigt.
4 Chancen und Risiken in der Systempartnerschaft: Das Hauptkapitel analysiert die wechselseitigen Chancen und spezifischen Risikopotenziale für Franchise-Geber und insbesondere für Franchise-Nehmer, inklusive notwendiger Unterstützungsleistungen.
5 Fazit: Chancen und Risiken für Existenzgründer: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet, inwieweit Franchising eine Erfolgsstory für angehende Existenzgründer sein kann.
Schlüsselwörter
Franchising, Existenzgründung, Franchise-Geber, Franchise-Nehmer, Systempartnerschaft, Risikomanagement, Geschäftskonzept, Standortanalyse, Schulungsmaßnahmen, Vertragsbeendigung, Betriebswirtschaftliche Unterstützung, Scheinselbständigkeit, Synergieeffekte, Unternehmertum, Markterfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung des Franchisings als Existenzgründungsmodell und analysiert dabei kritisch die damit verbundenen Erfolgschancen sowie die spezifischen Risiken für die Gründer.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen des Franchisings, die Analyse der typischen Gründungsphasen, die Darstellung von Unterstützungsleistungen durch Systemzentralen sowie die detaillierte Bewertung von Risikofaktoren wie Scheinselbständigkeit oder Vertragsbindung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist eine fundierte Einschätzung, ob und unter welchen Bedingungen das Franchising für Existenzgründer als eine echte "Erfolgsstory" bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse zum Thema Franchising sowie einer Auswertung von Interviewergebnissen zur praktischen Erfahrung von Franchise-Nehmern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich intensiv der Systempartnerschaft, wobei Unterstützungsleistungen wie Standortwahl, Schulungen und betriebswirtschaftliche Beratung ebenso beleuchtet werden wie rechtliche und wirtschaftliche Risiken für den Franchise-Nehmer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Schlagworte sind Franchising, Existenzgründung, Systempartnerschaft, Chancen, Risiken, Franchise-Nehmer, Geschäftskonzept und betriebswirtschaftliche Unterstützung.
Warum ist die Wahl des Standortes für Franchise-Nehmer so wichtig?
Der Standort fungiert als Träger des System-Images und entscheidet bei vielen stationären Konzepten direkt über die Erfolgsaussichten und die Wettbewerbsposition gegenüber lokalen Konkurrenten.
Was besagt das "Risiko der Scheinselbständigkeit"?
Es besteht, wenn der Franchise-Nehmer durch zu weitreichende vertragliche Einschränkungen und Weisungsbindungen den Charakter eines freien Unternehmers verliert und faktisch wie ein weisungsgebundener Angestellter im eigenen Betrieb agiert.
- Quote paper
- Diplom Kauffrau Beatrice Scholz (Author), 2007, Franchising - eine Erfolgsstory?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90878