Der erste Teil der vorliegenden Arbeit untersucht, inwieweit das Berlinische als Unterrichtsgegenstand in den Brandenburger und Berliner Rahmenlehrplänen des Faches Deutsch enthalten ist (siehe Kapitel 2.2). Des Weiteren ist zu prüfen, ob gegebenenfalls die Umsetzung des Gegenstandes im Unterricht erfolgt bzw. die Lehrkräfte eine Behandlung des Berlinischen als wichtig erachten. Neben den Rahmenplan- und Lehrbuchanalysen (siehe Kapitel 2.3) sind Interviews mit Lehrkräften vorgesehen (siehe Kapitel 2.4). Zum einen dienen die Interviews mit den Lehrkräften zur Erfassung ihrer didaktischen Einstellungen zum Thema „Das Berlinische als Unterrichtsgegenstand des Faches Deutsch“. Zum anderen erhoffe ich mir dadurch die Durchführung von Teststunden in der Primarstufe und Sekundarstufe I, um eigens entworfene Materialien zum Berlinischen auf ihre Tauglichkeit für den Sprachunterricht zu überprüfen. In dem Kapitel „Fachlich-linguistische Aspekte zum Berlinischen“ erfolgen eine Einordnung des Berlinischen in das deutsche Sprachsystem (siehe Kapitel 3.1) und Darlegungen zur sprachgeschichtlichen Entwicklung (siehe Kapitel 3.2) sowie zu den sprachlichen Charakteristika (siehe Kapitel 3.3) des Berlinischen.
Im zweiten Teil der Arbeit widme ich mich speziell dem Berlinischen als Gegenstand des Faches Deutsch zu. Dabei gilt es zu untersuchen, welche fachdidaktischen Entwürfe zum Berlinischen bereits bestehen und welchen Anspruch sie in ihrem Aufbau an die Lehrer und Schüler stellen (siehe Kapitel 4). Dem schließen sich unterrichtspraktische Überlegungen zum Berlinischen für die Grundschule und Sekundarstufe I an (siehe Kapitel 5.2).
Diese Arbeit unternimmt den Versuch, das Berlinische als einen wichtigen Bestandteil des Sprachunterrichts an Berliner und Brandenburger Schulen vorzustellen. In ihr wird eine Fülle an Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten zum Unterrichtsgegenstand präsentiert, die in der Praxis dem Lehrer und den Schülern einen abwechslungsreichen Sprachunterricht ermöglichen sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Problemstellung und Zielstellung
2. Das Berlinische (Dialekte) im Deutschunterricht
2.1 Dialekt und Schule – Ein historischer Exkurs
2.2 Lehrplananalyse der Länder Brandenburg und Berlin
2.2.1 Curriculare Vorgaben für die Grundschule – Brandenburg/ Berlin
2.2.2 Curriculare Vorgaben für die Sekundarstufe I – Brandenburg
2.2.3 Curriculare Vorgaben für die Sekundarstufe I – Berlin
2.3 Lehrbuchanalyse
2.3.1 Analyse von Lehrbüchern der Grundschule
2.3.2 Analyse von Lehrbüchern der Sekundarstufe I
2.4 Darlegung und Auswertung der Lehrerinterviews
3. Fachlich-linguistische Aspekte zum Berlinischen
3.1 Einordnung in das deutsche Sprachsystem: Was ist das Berlinische?
3.2 Sprachgeschichtliche Entwicklungen des Berlinischen
3.2.1 Berlin von der Gründung bis zum 16. Jahrhundert: Die sprachliche Wandlung vom Lateinischen zum Niederdeutschen
3.2.2 Berlin vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des 18. Jahrhunderts: Das Aufeinandertreffen von französischen, obersächsischen und niederdeutschen Spracheinflüssen
3.2.3 Berlin im 19. Und 20. Jahrhundert: Die Auswirkungen der Industrialisierung auf den Berliner Sprachraum
3.2.4 Der Berliner Sprachraum vor 1945 bis heute
3.3 Sprachliche Charakteristika des Berlinischen
4. Das Berlinische aus fachdidaktischer Perspektive
5. Unterrichtspraktische Überlegungen zum Berlinischen
5.1 Begründung der Wahl des Gegenstandes Berlinisch im Deutschunterricht
5.2 Unterrichtseinheit zum Berlinischen für die Grundschule
5.2.1 Lernen an Stationen – methodisch-didaktische Überlegungen
5.2.2 Vorstellungen der Stationen und deren Lernziele
5.2.3 Prozessplanung
5.2.4 Arbeitsaufträge
5.3 Unterrichtseinheit zum Berlinischen für die Sekundarstufe I
5.3.1 Wochenplanarbeit – methodisch-didaktische Überlegungen
5.3.2 Vorstellungen der Pflicht- und Wahlaufgaben und deren Lernziele
5.3.3 Prozessplanung
5.3.4 Arbeitsaufträge
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Berlinische als Unterrichtsgegenstand in den Brandenburger und Berliner Rahmenlehrplänen sowie in aktuellen Schulbüchern verankert ist und wie Lehrkräfte eine Behandlung dieser Sprachvarietät bewerten. Das primäre Ziel ist die Entwicklung und Vorstellung fachdidaktisch begründeter Unterrichtsmodelle (Stationenlernen für die Grundschule und Wochenplanarbeit für die Sekundarstufe I), um Schülern einen abwechslungsreichen und reflektierten Zugang zum Berlinischen zu ermöglichen.
- Analyse der curricularen Vorgaben zur Mehrsprachigkeit und Dialekten in Berlin und Brandenburg.
- Untersuchung der didaktischen Aufbereitung von Sprachvarietäten in zeitgenössischen Deutschlehrbüchern.
- Durchführung von Lehrerinterviews zur Einstellung gegenüber dem Berlinischen als Unterrichtsgegenstand.
- Sprachwissenschaftliche Einordnung und historische Herleitung des Berlinischen.
- Entwicklung und Erprobung von praktischem Unterrichtsmaterial für unterschiedliche Schulformen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Berlin von der Gründung bis zum 16. Jahrhundert: Die sprachliche Wandlung vom Lateinischen zum Niederdeutschen
Die Siedlungen Kölln (1237) und Berlin (1244) werden in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erstmalig urkundlich erwähnt (vgl. Butz, 1988: 4). In der Region siedelten sich vor allem aus dem Niederrhein und aus der Gegend im Vorharz stammende Personen an, aber auch Siedler aus den ostdeutschen Gebieten waren dort ansässig (vgl. ebd.). Da sich die beiden mittelalterlichen Siedlungen an einem Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen befanden, bestanden zwischen Kölln und Berlin rege Handelsbeziehungen zu Hamburg und Flandern (vgl. ebd.). Ihre wirtschaftlichen sowie politischen Stellungen innerhalb der Mark Brandenburg wurden im 14. Jahrhundert durch den formalen Zusammenschluss beider Siedlungen (Berlin-Kölln) gestärkt (vgl. Butz, 1988: 5).
Die Darstellung der mittelalterlichen Schreibpraxis einzelner Kanzleien im Berliner Raum gibt Aufschluss über die vorherrschende Schriftsprache dieser Zeit. In den festen Schreibkanzleien wie dem Dominikaner- und Franziskanerkloster, aber auch den privaten Schreibstuben, zu denen u.a. die Berliner und Köllner Stadtkanzlei oder die Stadtgerichtskanzlei zählten, war das Lateinische bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts die allgemeingültige Geschäftssprache (vgl., a.a.O., 7). In den darauffolgenden Jahrzehnten wandte man sich allmählich vom Lateinischen als traditionelle Schriftsprache ab und besann sich auf die deutsche Sprache, die bereits am Ende des 14. Jahrhunderts als vorherrschende Schriftsprache anerkannt war (vgl., a.a.O., 7f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Berlinische als Unterrichtsgegenstand fachdidaktisch zu begründen.
2. Das Berlinische (Dialekte) im Deutschunterricht: Dieses Kapitel analysiert Rahmenlehrpläne und Schulbücher sowie Lehrerinterviews hinsichtlich der Bedeutung des Dialekts im schulischen Kontext.
3. Fachlich-linguistische Aspekte zum Berlinischen: Hier erfolgt eine fachliche Einordnung des Berlinischen in das deutsche Sprachsystem und eine historische Herleitung der Stadtsprache.
4. Das Berlinische aus fachdidaktischer Perspektive: In diesem Kapitel werden existierende didaktische Konzepte zur Behandlung des Berlinischen im Fach Deutsch vorgestellt und kritisch gewürdigt.
5. Unterrichtspraktische Überlegungen zum Berlinischen: Dieses Kapitel liefert konkrete methodische Vorschläge für den Unterricht, insbesondere durch Stationenlernen und Wochenplanarbeit.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, das Berlinische als Teil der Sprachvielfalt aktiv in den Unterricht zu integrieren.
Schlüsselwörter
Berlinisch, Dialektologie, Sprachdidaktik, Deutschunterricht, Mehrsprachigkeit, Sprachvarietäten, Rahmenlehrplan, Schulbuchanalyse, Stationenlernen, Wochenplanarbeit, Sprachgeschichte, Berliner Stadtsprache, Sprachbewusstsein, Regionalsprachen, Sprachvariation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Berlinische als Unterrichtsgegenstand im Fach Deutsch und entwickelt Konzepte, um diese Sprachvarietät im Unterricht von Berliner und Brandenburger Schulen zu integrieren.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Buch?
Zu den zentralen Feldern gehören die Analyse aktueller Lehrpläne, die Auswertung von Schulbüchern, die Darstellung sprachgeschichtlicher Entwicklungen des Berlinischen sowie die Entwicklung praxisorientierter Unterrichtseinheiten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Status des Berlinischen in der schulischen Bildung zu klären und Lehrkräften Material an die Hand zu geben, um den Unterricht abwechslungsreicher und varietätenorientierter zu gestalten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Kombination aus Literatur- und Lehrplananalyse, der Untersuchung von 27 Sprachbüchern sowie qualitativen Interviews mit Lehrkräften.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die sprachwissenschaftlichen Grundlagen und die historische Entwicklung des Berlinischen erörtert als auch konkrete didaktische Entwürfe für die Primar- und Sekundarstufe vorgestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Besonders prägend sind Begriffe wie Berlinisch, Sprachdidaktik, Mehrsprachigkeit, Dialekt, Stationenlernen, Wochenplanarbeit und Sprachbewusstsein.
Welchen Stellenwert nimmt das Berlinische in den Brandenburger Lehrplänen ein?
Laut der Analyse der Autorin ist das Berlinische in den Brandenburger Lehrplänen kaum explizit erwähnt, während die allgemeine Thematisierung von Dialekten zwar vorgesehen ist, aber in der Umsetzung oft vernachlässigt wird.
Wie bewerten die befragten Lehrkräfte das Berlinische im Unterricht?
Die befragten Lehrkräfte sehen das Berlinische zwar als interessantes Thema, berichten jedoch von Schwierigkeiten bei der Umsetzung, wie etwa Zeitmangel oder die Sorge vor einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund, für die der Dialekt schwer zugänglich sein könnte.
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- Nicole Helbig (Author), 2008, Das Berlinische als Unterrichtsgegenstand des Faches Deutsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90893