Wirkt sich regelmäßiges Thermalbaden positiv auf das individuelle Stresserleben Berufstätiger im Alter von 20 bis 39 Jahren aus?


Bachelorarbeit, 2020

62 Seiten, Note: 1,9

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zielsetzung

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand
3.1 Definitionen
3.1.1 Stress
3.1.2 Entspannung
3.2 Forschungslage zum Gesundheitszustand und –verhalten
3.3 Stressbewältigungsstrategien
3.4 Thermalwasser
3.4.1 Definition Thermalwasser
3.4.2 Anwendungsbereiche
3.4.3 Gesundheitsförderliche Aspekte von Thermalbaden
3.4.4 Risikofaktoren des Thermalbadens
3.4.5 Zusammensetzung des Schönbornsprudels
3.5 Wissenslücke zur Stressbewältigungsstrategie Thermalbaden bezüglich der Zielgruppe

4 Methodik
4.1 Forschungsfrage
4.2 Beschreibung der Stichprobe
4.2.1 Auswahl der Stichprobe
4.2.1.1 Interventionsgruppe
4.2.1.2 Kontrollgruppe
4.2.2 Zusammensetzung der Stichprobe
4.2.3 Ort und Zeitpunkt der Untersuchung
4.2.4 Intervention Thermalbaden
4.3 Beschreibung der Messinstrumente
4.3.1 Allgemeine Informationen
4.3.2 Stress- und Coping-Inventar-Fragebogen
4.3.2.1 Inhalt und Auswertung
4.3.2.2 Gütekriterien
4.3.3 Perceived-Stress-Questionaire
4.3.3.1 Inhalt und Auswertung
4.3.3.2 Gütekriterien
4.4 Statistische Auswertung

5 Ergebnisse
5.1 Deskriptive Ergebnisse
5.2 Inferenzstatistische Ergebnisse
5.2.1 T-Test für unabhängige Stichproben
5.2.2 T-Test bei abhängigen Stichproben

6 Diskussion
6.1 Diskussion Hauptergebnisse
6.1.1 Gewohnheiten
6.1.2 Stress durch Überforderung
6.1.3 Körperliche und psychische Stresssymptome
6.1.4 Coping
6.1.5 Aktuelle Stressbelastung – PSQ20
6.2 Vergleich mit dem gegenwärtigen Kenntnisstand
6.3 Diskussion der Methodik
6.4 Handlungsempfehlungen
6.5 Ausblick

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 Tabellenverzeichnis

Anhang.

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Fragebogen

Anhang 2: Thermenprotokoll

Anhang 3: Badeablauf – Empfehlung KissSalis Therme

Anhang 4: Beweis Normalverteilung

1 Einleitung

„Sanus per aquam“ – „gesund durch Wasser“ Dieser Leitsatz ist wohl einer der Anzeichen dafür, dass die Römer schon 400 n. Chr. die heilende Wirkung des Wassers erkannt und genutzt haben. Denn das Thermalbaden ist keineswegs eine Modeerscheinung des 20. und 21. Jahrhunderts. Grundsätzlich hatten in der römischen Kultur Körperpflege und Baden einen hohen Stellenwert (Kantonsarchäologie Aargau, 2019). Die öffentlichen Badeeinrichtungen (Thermen) waren seither das Zentrum des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Heilbäder waren nicht nur monumentale, luxuriöse Bauten, welche mit Mosaik-, Marmorböden und Malereien ausgestattet waren (Kantonsarchäologie Aargau, 2019). Auch wenn man die öffentlichen Thermen als Prestigebauten ansieht, war den Römern doch die Wirkung der Heilbäder bewusst. Das gesunde Baden will heute noch von ihnen gelernt sein. Die aktuellen Empfehlungen eines geeigneten Badeablaufs und die Angebote einer Therme sind denen der römischen Kultur sehr ähnlich. Laut der Kantonsarchäologie Aargau (2019) sah ein klassischer Badeablauf folgendermaßen aus: „Nachdem sich der Badegast (...) entkleidet hatte, begab er sich als erstes in das Lauwarmwasserbad (tepidarium), danach besuchte er das Warmwasserbad (caldarium) und schließlich das Dampfbad (laconicum). Danach kehrte der Badegast entweder ins Lauwarmwasserbad zurück oder wagte, wie nach einer Sauna, den Sprung ins Kaltwasserbad (frigidarium). Zu einem Besuch in den Thermen gehörte oft auch eine Massage.“ Es ist anzunehmen, dass schon damals ein Wechsel von Kalt- und Warmwasser als besonders wohltuend empfunden wurde. Angelehnt an dieses Modell haben viele Wissenschaftler und Mediziner ihre Empfehlungen für Badeabläufe erstellt. So wird es auch in der KissSalis Therme in Bad Kissingen, wo die vorliegende Studie durchgeführt wird, empfohlen.

2 Zielsetzung

Basierend auf der oben beschriebenen Situation wird eine Prae-Post-Messung mit Hilfe des Percieved-Stress-Questionairs und Coping-Inventar-Fragebogens durchgeführt. Das Ziel dieser Erhebung war es, empirisch zu untersuchen, inwiefern ein über sechs Wochen durchgeführtes regelmäßiges Thermalbaden Einfluss auf das individuelle Stresserleben der Berufstätigen im Alter von 20-39 Jahren hat. Dazu werden insbesondere die Überforderung durch Stress, körperliche und psychische Stresssymptome, der Umgang mit Stress, sowie Kenngrößen für Sorgen, Anspannung, Freude und Anforderungen in die Untersuchung mit einbezogen.

Ziel dieser Arbeit ist es, mittels einer standardisierten schriftlichen Prae-Post-Befragung, das individuelle Stressempfinden der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe zu erheben, darzustellen und miteinander zu vergleichen.

Außerdem sollen folgende Hypothesen getestet werden.

Hypothese 1: die Mittelwerte der PSQ20-Items, „Stress durch Überforderung“ sowie „körperliche und psychische Stresssymptome“ unterscheiden sich zwischen Interventionsgruppe (regelmäßiges Thermalbaden) und Kontrollgruppe (ohne Thermalbaden).

Hypothese 2: regelmäßiges Thermalbaden führt zu einer Verbesserung von Stresssymptomen gemessen an den Items: „Stress durch Überforderung“, „körperlichen und psychischen Stresssymptomen“, „Coping“ und aktuelle Stressbelastung (PSQ20).

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

3.1 Definitionen

3.1.1 Stress

„Stress – noch vor 50 Jahren kannte kaum jemand dieses Wort“ (Kaluza, 2012, S.4). Auch wenn Stress in der Gesellschaft ein vor allem negativ geprägter Begriff ist, so ist Stress an sich in der Wissenschaft keineswegs rein negativ assoziiert. Der Körper reagiert auf jede Art von Anforderung mit verschiedenen Reaktionen, wie beispielsweise mit erhöhter Aufmerksamkeit und der Bereitstellung von Energie. Die Stresstheorie nach Selye (1974, S. 183) besagt, dass es zwei Arten von Stress gibt, den Eustress und den Distress. Der Eustress hat einen positiven Einfluss auf den Organismus und wird auch als lebenserhaltende Reaktion gewertet. Der Distress hingegen ist in seiner Wirkung eher gesundheitsgefährdend. Laut Empfehlung von Selye (1974, S. 183) soll der Eustress bewusst erlebt und als positiv wahrgenommen werden. Der Distress soll jedoch auf Grund des negativen Einflusses und den damit einhergehenden Folgen für die Gesundheit des gesamten Organismus so gering wie möglich gehalten werden.

Der Stress stellt eine Herausforderung für das Arbeitsleben, die Gesellschaft und Produktivität der Wirtschaft dar. Der Stressbegriff ist wohl einer von sehr wenigen Begriffen aus der Wissenschaft, welcher solch einen fundamentalen Platz in unserem Alltagsvokabular findet. Mittlerweile spricht man bereits von Stress im frühesten Kindesalter, im Kindergarten und der Schule als Herausforderung der Leistungsgesellschaft . Laut Kaluza (2012, S.4) gibt es Leistungs-, Beziehungs- und sogar Freizeitstress bis hin zum Stress im Krankenhaus, im Straßenverkehr und selbst im Urlaub. Selten ist ein Bereich des alltäglichen Lebens nicht mit diesem Begriff assoziiert. Stress ist immer häufiger die Erklärung für unterschiedlichste Beeinträchtigungen des körperlichen und seelischen Wohlbefindens (Kaluza, 2012, S. 4).

Aber auch wenn es bei manchen Menschen schon zum Lifestyle dazu zu gehören scheint, darf Stress in Form chronischen Dauerstresses nicht unterschätzt werden: so bezeichnet die WHO Stress als eines der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts (Poulsen, 2012, S. 13). Die Entstehung von Stress soll anhand des Modells der Stresstrias verdeutlicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Stresstrias nach Kaluza (2012, S.7)

Die Abbildung der Stresstrias bringt zum Ausdruck, dass nie nur ein Aspekt zur Stressreaktion führt, sondern es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren ist, das eine individuelle Reaktion hervorruft. Der erste Bestandteil der Trias sind die Stressoren. Sie sind Auslöser von Stress in Form von äußeren belastenden Bedingungen und Anforderungen. Diese Stressoren stehen in ständiger Wechselwirkung mit den persönlichen Stressverstärkern. Solche Stressverstärker sind persönliche Motive, Einstellungen und Haltungen, welche die persönliche Stressverarbeitung prägen. Stressreaktionen sind die Dinge, die in und mit uns geschehen, wenn wir mit Stressoren konfrontiert werden. Es geht hier also um die körperlichen und psychischen Antworten auf Belastungen, wie beispielsweise Nervosität, Reizbarkeit und Konzentrationsmangel. Persönliche Stressverstärker bilden gewissermaßen die Bindeglieder zwischen den äußeren Belastungssituationen (den Stressoren) und den Stressreaktionen.

Im Fokus steht folglich die Prüfung des Thermalbadens auf sein entspannendes Potenzial zur Linderung von Stress.

3.1.2 Entspannung

Entspannung ist kein festgelegter Zustand, eher eine Polarität in einem dynamischen Prozess. Es geht dabei nicht um ein „entspannt“ oder „nicht entspannt“, sondern um die individuelle und persönliche Bewertung des jeweils momentanen Zustandes (Claus Derra, 2007, S.5). Entspannung ist ein natürlicher Prozess des Körpers. Als Gegenpol zur Spannung dient sie dem Schutz des Organismus vor übermäßiger Beanspruchung, fördert den Stressabbau und die Linderung von Beschwerden und kann auch zu kreativen Freiräumen und positiveren Gedankeninhalten führen. (Claus Derra, 2007, S.5)

Laut Derra (2007, S.5) ist physiologisch die Entspannungsreaktion gekennzeichnet durch: eine Abnahme des Muskeltonus und Veränderung der Reflextätigkeit, Senkung des arteriellen Blutdrucks und Umverteilung der Durchblutung zugunsten der Körperoberfläche, d. h. Hauterwärmung durch periphere Vasodilatation, Verlangsamung der Pulsfrequenz, Abnahme der Atemfrequenz (die Atmung wird flacher und gleichmäßiger), Minderung des Sauerstoffverbrauchs sowie Abnahme der Hautleitfähigkeit.

Diese Reaktionen sind automatisiert vom Körper gesteuert. Um sich jedoch bewusst erholen zu können, müssen das eigene Körperbewusstsein geschärft werden und die Sensibilität für die Erholungsbedürftigkeit erhöht werden. Vor allem können körperliche Anspannung gelöst, innere Unruhe und Nervosität gedämpft werden. Der Ausgleich sorgt für die Vermeidung oder Linderung langfristig negativer Stressfolgen, zur Stärkung der eigenen Widerstandskraft gegenüber Belastungen, sowie dem Aufbau neuer Energien (Kaluza, 2012, S.144). Kaluza beschreibt vier Komponenten, die in seinem Modell „regenerative Stresskompetenz“ maßgeblich zur Erholung und Entspannung beitragen. „Erholung aktiv gestalten“ beschreibt den hohen Stellenwert der Freizeit, die täglich mit bewussten Pausen, ausreichend Schlaf und geeigneten Stressbewältigungsstrategien zu füllen ist. Außerdem soll der Alltag „bewusster wahrgenommen und genossen“ werden – die Freude an Kleinigkeiten steht in besonderem Augenmerk. Die „Bewegung bzw. sportliche Aktivität“ gehört beim effektiven Erholen dazu. Dies beginnt bei der alltäglichen Bewegung und geht weiter zur sportlichen Trainingseinheit. „Körperlich entspannen und abschalten“ ist trainierbar und beginnt mit dem Bewusstsein Spannung überhaupt wahrzunehmen.

3.2 Forschungslage zum Gesundheitszustand und –verhalten

Bevor im Detail auf einzelne Maßnahmen zur Entspannung und Bewältigung von Stress eingegangen wird, betrachten wir zunächst einmal die Stresslage allgemein. Laut einer Studie zur Stresslage in Deutschland gaben 61% der Deutschen an, häufig oder manchmal gestresst zu sein. Für knapp jeden Vierten ist Stress ein Dauerzustand, 14% hingegen geraten nie „unter Strom“ (Techniker Krankenkasse, 2016, S. 6).

Zieht man das Alter mit in Betracht, ist in der Zeit nach der Schule, im Studium und beim Einstieg ins Berufsleben der Stresspegel bereits hoch. Allerdings wurden in der Gruppe der 30- bis 39- Jährigen die Höchstwerte erreicht, da von ihnen 80% unter Stress leiden. Hierbei handelt es sich um die sog. „Sandwich-Generation“, die vor allem durch den Konflikt Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, belastet wird (Techniker Krankenkasse, 2016, S.7). Entsprechend nimmt das Ausmaß an Stress dann mit zunehmendem Alter rapide ab (Techniker Krankenkasse, 2016, S.7). Stress bei Frauen ist vor allem von den eigenen hohen Ansprüchen geprägt. Auch der soziale Bereich, wie Konflikte mit Personen, pflegebedürftige Angehörige oder die Kinderbetreuung stressen Frauen (30%) deutlich mehr als Männer (17%) (Techniker Krankenkasse, 2016, S. 14).

Generell ist der Job der größte Stressor mit steigender Tendenz, denn bei dreiviertel der 18-29 Jährigen Berufstätigen sei das Leben in den vergangen drei Jahren stressiger geworden (Techniker Krankenkasse 2016, S.10). Ein entscheidender Stressor der Zielgruppe ist vor allem die Dauer der Arbeit, einhergehend mit einem Mangel an Erholungsmöglichkeiten. Zudem weist ebenfalls berufliche Anspannung einen erheblichen Einfluss auf das Gesamtmaß psychischer Belastungen auf (European expert group on health in restructuring, 2009). 2008, vor der Wirtschafts- und Finanzkrise, gaben 34% der Befragten an, unter stark bis sehr stark belastenden Ängsten, betreffend ihrer beruflichen Zukunft, zu leiden (Fuchs, 2009). Diese Situation von 2008 ist auch jetzt sehr aktuell. Eine ungeahnte Pandemie breitet sich über die ganze Welt aus und hat bis jetzt noch ungeahnte wirtschaftliche Folgen. Nicht nur die Sorge an dem Corona-Virus Covid-19 zu erkranken stellt einen großen Stressfaktor dar, sondern auch die langfristigen wirtschaftlichen Einbußen der Unternehmensschließungen betreffen jedes Individuum stark.

Die allgemeine Gesundheit und empfundene Stressbelastung haben auch in der Studie der Techniker Krankenkasse deutliche Zusammenhänge gezeigt: jeder fünfte der Befragten, der angab häufig gestresst zu sein, schätzt seinen Gesundheitszustand als weniger gut oder sogar schlecht ein (2016, S. 10).

Welche Entspannungsverfahren nutzt nun die deutsche Bevölkerung, um dem Stress entgegen zu wirken? Privat nutzen die Deutschen verschiedene Strategien, um sich nach einem stressigen Arbeitstag zu entspannen: 60% bevorzugen den klassischen Spaziergang oder erholen sich bei Gartenarbeit. Ein kleiner Teil von 16% nutzt gezielt Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training als Gegenpol zum stressigen Alltag. Auch hier findet sich ein deutlicher Geschlechtereffekt: 25% der Frauen und 10% der Männer greifen auf Yoga und Autogene Trainings zurück. Beunruhigend ist der Anteil von 32%, der Alkoholkonsum als Entspannungsmethode nutzt (Techniker Krankenkasse, 2016, S.18-20).

„Den eigentlichen Stress löst die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus. Hier zeigt sich also ein wichtiger Ansatz für Unternehmen und Krankenkassen für das betriebliche Gesundheitsmanagement“ (Techniker Krankenkasse, 2016, S.8).

3.3 Stressbewältigungsstrategien

Wie in 3.2 bereits genannt, greift ein kleiner Teil der Deutschen zu bestimmten Stressbewältigungsstrategien, um dem Alltagsstress entgegen zu wirken; darauf soll im weiteren Verlauf noch einmal im Detail eingegangen werden. Nach Kaluza (2014, S. 1502) findet Bewältigung immer dann statt, wenn eine Diskrepanz zwischen Anforderungen und eigenen Reaktionskapazitäten wahrgenommen wird und einfache Anpassung durch automatisierte Reaktionen nicht ausreicht. Bewältigung wird als bewusstes, zielgerichtetes Handeln verstanden, welches nicht eine aktive Meisterung der Belastungssituation meint, sondern auch alle Reaktionen, die ein Tolerieren oder Vermeiden zum Ziel haben.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Stressbewältigungsarten. Es handelt sich um die „problemzentrierte Bewältigung“, wenn die Veränderung der stressauslösenden Situation selbst, sowie deren Wahrnehmung und Bewertung im Vordergrund stehen (Kaluza, 2014, S. 1502). Man spricht jedoch von einer „reaktionszentrierten Bewältigung“, sobald die Regulierung von körperlichen und emotionalen Aktionen auf Stress fokussiert werden (Kaluza, 2014, S. 1502). Beispielsweise ist das klassische Entspannungstraining eine reaktionszentrierte Bewältigung von Stress.

Die Stressbewältigungsstrategien des Individuums sind nicht zu unterschätzende Faktoren in welchem Maße sich Stress auf die Gesundheit auswirkt. Somit wird die Prävention stressbedingter Gesundheitsrisiken immer wichtiger. So stellen Interventionen zur Verbesserung der Stressbewältigungskompetenz daher einen zentralen Ansatz der Gesundheitsförderung dar. Sehr beliebt ist die Auszeit in einer Therme bei der deutschen Bevölkerung. Die Thermen und der Bereich Entspannung gewinnen immer mehr an Popularität. Die wohltuende Wirkung des warmen Thermalwassers unterstützt die Regeneration und Entspannung. Das Thermalbaden an sich hat sich jedoch nicht als eigenständige Entspannungsmethode etabliert, auch wenn es für einige Personen bereits eine ist. Deshalb wird im weiteren Verlauf der Bachelor-Thesis erst einmal genauer auf das Thermalbaden als Stressbewältigungsstrategie eingegangen.

3.4 Thermalwasser

3.4.1 Definition Thermalwasser

Laut der ZWT Graz (2015) spricht man von einem Heilwasser, wenn bereits kleinste Mengen eines Quellwassers zu einer wissenschaftlich anerkannten Heilwirkung führen. Notwendig ist außerdem ein Mindestgehalt von einem Gramm gelöster fester Stoffe pro Liter Wasser. Auch die Ergiebigkeit für therapeutische Anwendung muss gegeben sein. Aber das wohl ausschlaggebenste Kriterium ist die Wassertemperatur von mindestens 20 Grad am Quellaustritt (ZWT Graz, 2015). „Die Bezeichnung Thermalwasser bezieht sich nur auf die Wassertemperatur. Wenn ein Wasser mit mindestens 20 Grad aus der Quelle kommt, bezeichnet man es als Thermalwasser. Ein Thermalwasser ist automatisch immer auch ein Heilwasser (...)“ (ZWT Graz, 2015).

3.4.2 Anwendungsbereiche

Der Ort, an dem die Studie durchgeführt wird, ist Bad Kissingen, weil hier zentral für jeden Gesundheitsaufenthalt in der Kurstadt das Wasser steht. Es entspringen sieben Heilquellen, welche noch immer ihre heilende und lindernde Wirkung zeigen. Beim achtsamen Trinken in der Wandelhalle, bei der Soleinhalation am Gradierwerk oder bei der äußeren Anwendung – vor allem in der KissSalis Therme – finden die Wässer unterschiedlichste Anwendungsbereiche (Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH, 2019, S. 4).

3.4.3 Gesundheitsförderliche Aspekte von Thermalbaden

Ein Voll- oder Dreiviertelbad kann bei entsprechender Anwendung nicht nur entspannend, sondern auch medizinisch wirken. Dabei spielen bestimmte physikalische und chemische Faktoren eine Rolle, die auf der Haut oder durch sie hindurch wirken (Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH, 2019, S. 7).

Der Wasserdruck erhöht die Durchblutung peripherer Gewebestrukturen und fördert die venöse Blutzufuhr zum Herzen. Laut Kannewischer (2011) wird bereits bei einer Wassertiefe von 1,30 m circa ein halber Liter Blut aus den Extremitäten in den Brustraum befördert. Dieser Effekt ist deshalb so erstrebenswert, da die Blutzirkulation deutlich erhöht wird und somit eine ganzheitlich bessere Versorgung der Muskulatur gewährleistet ist. Dies ist einer der Gründe, warum man sich nach dem Baden sowohl emotional, kognitiv als auch physisch leichter fühlt. Zudem führt der natürliche Auftrieb im Wasser, welcher der Gravitation entgegenwirkt, zu einem reduzierten Körpergewicht im Wasser. Wenn also nur der Kopf aus dem Wasser ragt, beträgt das Körpergewicht nur noch 10% des Gewichtes an Land (Kannewischer, 2011). Wird dem Wasser nun zusätzlich ein Salzgehalt von 6-8% hinzugefügt, kann ein schwebeartiger Zustand hervorgerufen werden. Durch diesen Auftrieb werden sämtliche Gelenke entlastet und können somit besser, als an Land bewegt werden. Dies spielt besonders bei adipösen Personen oder Menschen mit Problemen im Bewegungsapparat eine große Rolle.

Die Mineralien des Heilwassers haben durch verschiedene osmotische Prozesse einen pflegenden Effekt auf die Haut (Kannewischer, 2011). Wie bereits erwähnt spielt die Temperatur des Wassers eine tragende Rolle. Eine Wassertemperatur über 35°C führt zu einer Überwärmung des Körpers, ähnliche wie es bei Dampfbädern und Saunen der Fall ist. Diese Wärme dient zur allgemeinen Entspannung des vegetativen Nervensystems und der Muskulatur und hat zudem eine krampflösende Wirkung (Kannewischer, 2011). Aus den genannten Gründen werden Bäderkuren bzw. Thermalbaden als unterstützende Anwendung bei folgenden Beschwerdebildern oder Krankheiten empfohlen: Bandscheibenproblemen, Rheuma, Gelenkerkrankungen und Verspannungen, sowie zur Nachbehandlung von Verletzungen und nach Operationen am Bewegungsapparat, bei Herz-Kreislaufproblemen und –störungen, bei Erkrankungen der Atemwege, des Nervensystems und der Haut.

Abschließend ist festzuhalten, dass verschiedene medizinische Effekte, wie Muskelentspannung, höhere Blutzirkulation, Puls- und Schmerzreduktion einen positiven Effekt auf das vegetative Nervensystem und somit auf den ganzen Organismus haben.

3.4.4 Risikofaktoren des Thermalbadens

Das klassische Thermalbaden birgt nur geringe Risikofaktoren. Zu möglichen Nebenwirkungen können Hautausschlag, Infektionen und Unfälle gehören (Kannewischer, 2011).

Das Ausrutschen auf nassen Flächen oder Böden in der Nähe des Badebereichs könnte man auch als Risikofaktor bezeichnen. Die einzige Studie, die sich mit Nebenwirkungen beschäftigte, stellte keine Nebenwirkungen fest (Verhagen et. al, 2015).

Laut Institut zur Erforschung von Behandlungsverfahren mit natürlichen Heilmitteln e.V. (2016) wird generell von Thermalbaden oder Balneotherapie abgeraten bei Personen, die an Herzinsuffizienz leiden, erst kürzlich einen Herzinfarkt hatten, oder noch an den Folgen eines vorangegangenen Herzinfarktes leiden. Unter Balneotherapie versteht man die therapeutische Nutzung von Bädern und dessen Wirkstoffen. Meist ist die Balneotherapie an gewisse Kurorte gebunden und ist Bestandteil der physikalischen Therapie Balneologie (Berliner M., 2007).

Das Thermalwasser erhöht die Herzkreislaufaktivität und könnte für diese Risikogruppe negative Auswirkungen haben. Zudem wird bei akuten infektiösen Erkrankungen und ansteckenden Hauterkrankungen abgeraten das Thermalbad zu betreten als Selbstschutz und als präventive Maßnahme zur Verhütung weiterer Neuinfektionen anderer (Institut zur Erforschung von Behandlungsverfahren mit natürlichen Heilmitteln e.V., 2016).

3.4.5 Zusammensetzung des Schönbornsprudels

Diese Untersuchung bezieht sich auf die Thermalquelle Schönbornsprudel. Um hier einen umfassenden Rahmen der Studie zu geben, soll im Folgenden die Zusammensetzung und weitere Informationen zu der Quelle gegeben werden. Die Thermalquelle wurde 1764 im Bad Kissinger Stadtteil Hausen zur Salzgewinnung erschlossen (Bayer. Staatsbad Bad Kissingen GmbH, 2019, S.17). Als Badequelle wurde sie jedoch erst circa 100 Jahre später genutzt. Heute wird nicht nur die Kiss-Salis Therme in Bad Kissingen mit dem Schönbornsprudel gespeist, auch einige Hotels, das örtliche Sanatorium und Gesundheitszentrum nutzen ihn für ihre Bäderanwendungen. Bei Entnahme hat er eine Temperatur von 20,2 °C und entspricht somit den in 3.4.1 genannten Standards des Thermal- bzw. Heilwassers.

Tab. 1: Feinstoffliche Zusammensetzung des Thermalwassers Schönbornsprudel, Bad Kissingen, modifiziert nach Institut Dr. Nuss 2003 (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die obenstehende Tabelle gliedert nochmal die feinstoffliche Zusammensetzung des Thermalwassers auf. Deutlich zu erkennen ist, dass die Mineralstoffe des Schönbornsprudels pro Liter insgesamt etwa das Zehnfache von dem sind, was die Voraussetzung für Thermalwasser ist. Diese beträgt nämlich nur 1.000 mg pro Liter und muss regelmäßig durch qualifizierte Institute nachgewiesen werden (ZWT Graz, 2015).

3.5 Wissenslücke zur Stressbewältigungsstrategie Thermalbaden bezüglich der Zielgruppe

Wie schon zu Beginn aufgegriffen, ist das klassische Thermalbaden bzw. die Balneotherapie keine Modeerscheinung von heute. Daher beschäftigte sich die Medizinische Universität Graz mit dem Thema „Thermalbad - optimale Strategien zur Stressreduktion“ (Fazekas et al, 2013, S. 1). Die Untersuchung bezog sich ausschließlich auf Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen. Gesunde Personen wurden nicht getestet. Der Altersdurchschnitt der zu testenden Personen lag bei 44 Jahren (Fazekas et al, 2013, S.2). Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass sich die Personen, welche die Interventionen Thermalbaden und Bewegung absolvierten sich weniger müde gefühlt haben als nach anderen Interventionen. Laut Fazekas et al. erzielte die Interventionskombination aus Ausruhen und Thermalbaden die größte Senkung der Pulsrate (um -6 Schläge/min) (2013, S.2).

Eine weitere Studie der Universität Graz prüfte die Entspannungseffekte von Balneotherapie im direkten Vergleich zur progressiven Muskelrelaxation und Ruhetherapie (Matzer et al., 2014). Die Quintessenz der Forschung ergab eine signifikante Reduktion des subjektiv empfundenen Stresslevels bei Balneotherapie im Vergleich zu den anderen Interventionen (Matzer et al., 2014). Die Speichelcortisolmessung zeigte bei allen Interventionen ähnlich positive Ergebnisse.

Eine größere Studie rief die Universität Würzburg zusammen mit dem Institut zur Erforschung von Behandlungsverfahren mit natürlichen Heilmitteln e.V. ins Leben. Diese erfolgte in Kooperation mit den Thermen in Bad Abbach, Bad Gögging, Bad Birnbach, Bad Füssing und Bad Griesbach. Die Probanden waren ausschließlich Kurgäste und im Schnitt 55,5 Jahre alt (Institut zur Erforschung von Behandlungsverfahren mit natürlichen Heilmitteln e.V., 2016). 47% der Kurgäste hatten diagnostizierte chronische Schmerzen. Die Kurgäste hatten eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von zehn Tagen, nachder sich die individuelle Stressbelastung signifikant verringert hat (Institut zur Erforschung von Behandlungsverfahren mit natürlichen Heilmitteln e.V., 2016).

Die bisherigen Studien beziehen sich hauptsächlich auf ältere und kranke Personen.

Diese positiven Effekte auf Gesundheit und das individuelle Stressempfinden bei kranken und älteren Menschen legt die Vermutung nahe, dass es bei gesunden Menschen auch eine Besserung zu erwarten ist. Dies wird in der folgenden Studie untersucht.

4 Methodik

4.1 Forschungsfrage

Die Basis dieser Erhebung beruht auf den bereits in 2. genannten Zielen: empirisch zu untersuchen, inwiefern ein über sechs Wochen durchgeführtes regelmäßiges Thermalbaden Einfluss auf das individuelle Stresserleben der jungen Berufstätigen hat. Die Forschung im Themengebiet Stressprävention beschäftigt sich mit folgender Forschungsfrage:

„Wirkt sich regelmäßiges Thermalbaden positiv auf das individuelle Stresserleben Berufstätiger im Alter von 20 bis 39 Jahren aus?“

4.2 Beschreibung der Stichprobe

4.2.1 Auswahl der Stichprobe

Bei der Auswahl der Stichprobe war es wichtig, dass nur berufstätige Personen im Alter von 20 bis 39 Jahren an der Studie teilnahmen. Nicht-erwerbstätige und Personen, die sich nicht in der angegebenen Altersspanne befanden, wurden nicht mit in die Stichprobe einbezogen. Die KissSalis Therme in Bad Kissingen registriert jedes Jahr mehr als 400.000 Gäste (Farkas, 2020). Somit wurde über die Social Media Plattform Facebook die Studie in der beliebten Therme beworben. Der Aufruf wurde sehr gut angenommen und es haben sich in den ersten 48 Stunden rund 300 Personen beworben. Die Kontrollgruppe bestant aus Probanden, die Mitglied im Fitnesstudio der Therme waren und durch einen Aushang auf die Studie aufmerksam gemacht wurden.

4.2.1.1 Interventionsgruppe

Die Auswahl der Stichprobe für die Interventionsgruppe wurde so durchgeführt, dass zunächst über den Social-Media-Account auf der Plattform Facebook der KissSalis Therme auf die Studie aufmerksam gemacht wurde. Auf diesem Zugangsweg konnten sich Interessenten per Mail bewerben. Die Voraussetzung zur Studienteilnahme war es, eine Eingangsanamnese auszufüllen, um Kontraindikationen für das Thermalbaden auszuschließen. Außerdem sollte hier die grundsätzliche Eignung der Person zur Zielgruppe geprüft werden, indem Alter und Berufstätigkeit abgefragt wurden.

Auf Grund einer sehr hohen Rückmeldungsquote, nämlich rund 300 Bewerber in den ersten 48 Stunden, wurden alle in einer Exceltabelle erfasst und mit Hilfe einer Excel Zufallsstichprobe 30 Probanden der Interventionsgruppe bestimmt. Die Anzahl der Probanden wurde mit der Betriebsleitung der Therme abgesprochen, um einen möglichst reibungslosen Studienablauf gewährleisten zu können, da in dieser Zeit mit einem erhöhten Gästeaufkommen zu rechnen war.

4.2.1.2 Kontrollgruppe

Die Teilnehmer der Kontrollgruppe wurden aus den bestehenden Fitnessstudio-Mitgliedern der KissSalis Therme, welche keine Thermengänger/ -innen sind, akquiriert. Die Voraussetzungen dieser Gruppe sind ebenfalls: das Alter von 20-39 Jahren, kein Thermenbesuch im genannten Zeitraum und eine bestehende Berufstätigkeit.

4.2.2 Zusammensetzung der Stichprobe

In der Stichprobe wurde nicht nach Bildungsgrad oder sozialem Milieu unterschieden. Somit sind die Tätigkeitsfelder der Probanden sehr unterschiedlich.

Insgesamt nahmen 53 Personen an der Studie teil, wovon sich 30 Personen in der Interventionsgruppe und 23 in der Kontrollgruppe befanden. Letztendlich wurden nicht alle Fragebögen in der vorgegebenen Zeit zurückgegeben und nicht alle Thermenbesuche eingehalten, sodass noch 43 Probanden übrig blieben, von denen 24 in der Experimentalgruppe und 19 in der Kontrollgruppe eingeordnet waren.

4.2.3 Ort und Zeitpunkt der Untersuchung

Die Prae-Untersuchung wurde im Rahmen eines Infoabends gestaltet. Nach kurzen Begrüßungsworten des Betriebsleiters wurden die Fragebögen an die anwesenden Probanden der Interventionsgruppe verteilt. So fand die erste Befragung im Rahmen des Prae-Tests am 05.11.2019 statt. Bei einem Großteil der Versuchspersonen der Kontrollgruppe wurde die Befragung im Fitnessstudio durchgeführt, die übrigen über Mail-Verkehr. Alle Befragungen fanden in den Räumlichkeiten der KissSalis Therme in Bad Kissingen statt. Die Untersuchungen des Posttests fanden zwischen dem 15.12.2019 und dem 23.12.2019 statt. Für den Posttest wurde kein Ort festgelegt, da er ausschließlich über Email oder postalisch durchzuführen war.

4.2.4 Intervention Thermalbaden

Für die Intervention Thermalbaden wurde kein bestimmter Ablauf festgelegt. Die Studie startete mit einem Info-Abend für die Experimentalgruppe, bei dem wichtige Details und das Vorgehen vor Ort erläutert wurden. Zunächst haben die Teilnehmer kurze Informationen über die KissSalis Therme Bad Kissingen und mögliche Badeabläufe bekommen. Ein Beispiel des Badeablaufs ist im Anhang hinterlegt. Es wurde zusätzlich nochmals darauf hingewiesen, dass jeder Proband einen Thermeneintritt pro Woche nutzen muss. Dieser wurde auf eine Zeit von drei Stunden festgelegt. Hiernach soll ein Thermenbesuchsprotokoll ausgefüllt und an der Thermenkasse abgegeben werden, um den Besuch später detailliert nachvollziehen zu können. Optional konnten sie auch Zusatzangebote der Therme, wie Sauna, Wassergymnastik, Wellnessanwendungen und ähnliches nutzen. Außerdem wurden die Fragebögen im Anschluss der Veranstaltung von den Probanden ausgefüllt und geschlossen zurückgegeben. Der Versuchszeitraum betrug sechs Wochen und somit hatten die Teilnehmer/ -innen insgesamt sechs Aufenthalte in der KissSalis Therme Bad Kissingen.

4.3 Beschreibung der Messinstrumente

4.3.1 Allgemeine Informationen

Um einen Überblick über die Stichprobe zu erhalten, wurden zu Beginn Alter, Geschlecht, Geburtsdatum und Beruf abgefragt. Informationen zur körperlichen Fitness und sportlichen Tätigkeit vervollständigten den Überblick über die Probanden. Der Stressfaktor „Beruf und Alltag“ wurde auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 5 (sehr stark) zusätzlich ermittelt. Zudem wurde nach dem Suchtmittelkonsum gefragt: regelmäßiges Rauchen und Angaben zum aktuellen Alkoholkonsum. Die Fragen zu den Gewohnheiten der Teilnehmer sollen einen Überblick über die Gruppe schaffen.

Außerdem wurden Protokollbögen an die Probanden der Interventionsgruppe verteilt, anhand dessen konnten ihre Thermenbesuche dokumentiert werden. Hier wurden Angaben zur tatsächlichen Aufenthaltsdauer, Tageszeit des Besuchs, Nutzung der Zusatzangebote und der Begleitung festgehalten. Diese Angaben dienen zur Prüfung des gewählten Badeablaufs, um später Handlungsansätze formulieren zu können. Mithilfe dieser Informationen kann gegebenenfalls später Tendenzen abgeleitet werden, ob die gewählte Tageszeit oder Begleitung entscheidend ist für eine Reduktion des individuellen Stresserlebens. Der oben beschriebene Fragebogen dient letztendlich nur zur Ergänzung des Fragebogens zum individuellen Stresserleben, welcher im nächsten Kapitel beschrieben wird.

4.3.2 Stress- und Coping-Inventar-Fragebogen

Auf Empfehlung der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und dessen zunehmender wissenschaftlicher Verwendung wurde der SCI-Fragebogen ausgewählt. Es handelt sich um einen validierten Fragebogen zur Ermittlung der aktuellen Stressbelastung und Stresssymptome sowie der Darstellung des Umgangs mit Stress. Der Fragebogen ist im Anhang unter Punkt eins zu finden.

4.3.2.1 Inhalt und Auswertung

Der Stress- und Coping-Inventar-Fragebogen, auch SCI-Fragebogen genannt, diente als Hauptmessinstrument in dieser Arbeit. Er erhebt die Daten zur aktuellen Belastung durch Stress, den Stresssymptomen, sowohl körperliche als auch psychische, und den Umgang mit Stress, auch Coping genannt.

Der klassische SCI-Fragebogen umfasst folgende psychometrische Hauptskalen:

Stress durch Unsicherheit, Stress durch Überforderung, Stress durch Verlust und tatsächlich eingetretene negative Ereignisse, körperliche und psychische Stresssymptome, Umgang mit Stress (Coping) (Satow, 2012, S.3). Das Coping wird des Weiteren unterteilt in folgende Skalen: positives Denken, aktive Stressbewältigung, soziale Unterstützung, Halt im Glauben, Alkohol- und Zigarettenkonsum. In der vorliegenden Fassung wurden die Skalen „Stress durch Unsicherheit“ und „Stress durch Verlust und tatsächlich eingetretene negative Ereignisse“ entfernt. Diese Subskalen sind sich in der Grundidee sehr ähnlich und können dadurch allein in einer Skala abgefragt werden. Zu viele Fragen würden nicht genau bearbeitet werden.

Wenn man sich nun den SCI-Fragebogen detailliert ansieht, werden zunächst noch einmal der vollständige Name, das Geburtsdatum, das Geschlecht, das Testdatum und der Ort abgefragt. Um eine bessere Anonymität zu gewährleisten wurde der Name im Vorfeld auf allen Fragebögen durch 30 unterschiedliche, willkürlich verteilte Identifikationsnummern ersetzt. Jede Nummer wird einem Probanden zugeordnet, um später den direkten Prae-Post-Vergleich gewährleisten zu können.

Nach den allgemeinen Informationen wurde die oben beschriebene Skala „Stress durch Überforderung“ abgefragt. Diese besteht aus jeweils sieben unterschiedlichen Items und sechs Antwortmöglichkeiten, welche von „nicht überfordert“ bis hin zu „sehr stark überfordert“ reichen. Die nächste Skala, welche sich auf die körperlichen und psychischen Stresssymptome bezieht, umfasst 13 Items mit vier Antwortmöglichkeiten. Diese sind „trifft gar nicht zu“, „trifft eher nicht zu“, „trifft eher zu“ und „trifft genau zu“. Die gleichen Antwortkategorien gibt es bei der letzten Skala, welche 20 unterschiedliche Items umfasst, die sich mit dem Umgang mit Stress befassen.

Alle Skalen werden mithilfe der Likert-Skala ausgewertet. Das bedeutet, dass bei der ersten Skala der Wert eins „nicht überfordert“ und sechs „sehr stark überfordert“ entspricht. Diese Werte addiert man und erhält bei einzelner Betrachtung der Skalen den Summenwert für Stress durch Unsicherheit.

Bei der nächsten Skala wird mit der Likert-Skala mit verbaler Verankerung gearbeitet. Dabei gehen die Werte nur von eins (trifft gar nicht zu) bis vier (trifft genau zu). Je höher zum Schluss die aus den 13 addierten Items entstehende Summe ist, desto mehr körperliche und psychische Stresssymptome empfindet der Proband. Genauso wie die Skala der Stresssymptome, wird auch die „Coping“-Skala ausgewertet, welche den Umgang mit Stress darstellt. Allerdings werden hierbei noch verschiedene Unterkategorien unterschieden.

So werden die Items 1, 5, 6 und 16 zur Summe „Positives Denken“ addiert. Die Items 3, 7, 12 und 17 beziehen sich auf die „Aktive Stressbewältigung“ und Nummer 8, 9, 10 und 18 auf den „Halt im Glauben“. Mit den letztens Items 2, 11, 14 und 20 wird noch einmal auf einen erhöhten „Alkohol- oder Zigarettenkonsum“ eingegangen. Zum Schluss werden alle Unterkategorien der „Coping“-Skala addiert und beschreiben somit, wie gut jemand mit Stress umgehen kann. Zu beachten ist dabei, dass in den ersten vier Skalen ein niedrigerer Wert für eine geringe Stressbelastung steht, da dann die Stressbelastung und die Stresssymptome nicht so stark ausgeprägt sind. In der „Coping“-Skala steht ein höherer Wert für einen sehr guten Umgang mit Stress. Lediglich die Unterkategorie zum Thema Alkohol- und Zigarettenkonsum sollte keinen hohen Wert aufweisen.

4.3.2.2 Gütekriterien

Für die Eignung des SCI-Fragebogens müssen folgende Gütekriterien geprüft werden:

Ein Test ist dann objektiv, wenn er die jeweiligen Merkmale, die er misst, unabhängig von Testleiter, Testauswerter und von der Ergebnisinterpretation erfasst (Kelava & Moosbrugger, 2012, S.8). Die Objektivität des Fragebogens legt fest, ob bei der Durchführung und Auswertung der Befragung immer gleiche Bedingungen herrschen. Im Rahmen der Bachelor-Thesis wurde die Befragung schriftlich anonymisiert durchgeführt. Deshalb gab es keine Beeinflussung durch einen Testleiter während und nach der Testdurchführung. Außerdem wurden verschiedene Antwortmöglichkeiten im vorliegenden Fragebogen vorgegeben, um die Antworten zu standardisieren und eine möglichst genaue Auswertung zu gewährleisten.

Die Objektivität einer wissenschaftlichen Messung schafft die Basis für das Gütekriterium der Reliabilität. Die Reliabilität stellt die Obergrenze der Aussagekraft dar. Nur Skalen, die eine gute Reliabilität erreichen, erlauben auch valide Aussagen (Satow, 2012, S.10). Für die Stress-Skalen wird neben der internen Konsistenz (Cronbachs Alpha) auch die Guttman Splithalf-Reliabilität angegeben, wobei beide Werte zur Abschätzung der Reliabilität dienen (Satow, 2012, S.10).

Das wichtigste Kriterium ist die Validität, hier wird die Aussagekraft psychometrischer Skalen untersucht. „Die Validität ist als den Gütekriterien der Objektivität und Reliabilität übergeordnet anzusehen. Wenn ein Test nicht gültig ist, weil er zum Beispiel etwas anderes erfasst, als er sollte, sind Objektivität oder Reliabilität nicht mehr von Belang“ (Hartig et. Al, 2012, S. 143). Für die Eignung des konzipierten Fragebogens testete Satow (2012, S. 17) sein Werk zunächst auf Korrelation der einzelnen Skalen untereinander und einen möglichen Zusammenhang mit anderen Merkmalen. Die Überprüfung in Bezug auf die Korrelation mit Stresssymptomen zeigte, dass die drei Stressskalen mit den körperlichen und psychischen Stresssymptomen korrelieren. Die Skala „Stress durch Überforderung“ erzielte die höchste Korrelation. Laut Satow ist dies ein Beleg dafür, dass Stress aufgrund individueller subjektiver Einschätzungen entsteht und nicht zwingend abhängig von tatsächlich eingetretenen Ereignissen ist. Die Untersuchung der Coping-Strategien zeigte, dass der erhöhte Alkohol- beziehungsweise Zigarettenkonsum positiv mit den Symptomen korreliert. Neben der Prüfung von Korrelationen von Skalen und Merkmalen, wurde ein zweiter Versuch durchgeführt. Dieser sollte die Auswirkungen der Coping-Strategien nochmals untersuchen. Hier wurde herausgefunden, dass die Personen, die nur wenige Stress-Symptome aufwiesen mehr Coping-Strategien anwenden, als diejenigen, die viele Symptome aufwiesen.

4.3.3 Perceived-Stress-Questionaire

Auch dieser Fragebogen wurde auf Empfehlung der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement ausgewählt. Es handelt sich um einen validierten Fragebogen zur Ermittlung der der aktuellen Stressbelastung. Zudem ist es ein sehr kurzer Fragebogen, welcher mit Hilfe der vorgegeben Formeln trotzdem eine Vielzahl von Auswertungsmöglichkeiten bietet. Der Fragebogen ist im Anhang unter Punkt eins zu finden.

4.3.3.1 Inhalt und Auswertung

Die Normalversion des Perceived Stress Questionaires ist mit 30 Items versehen. In dieser Bachelorarbeit wurde die Kurzversion mit 20 Items verwendet, weil die volle Version sonst die Arbeit sprengen würde. Nach der Kürzung wurden jeweils die fünf Items jeder Skala mit den höchsten Trennschärfen beibehalten (Fliege et al, 2001, S. 145). Der Fragebogen erfasst mit 20 Items die aktuell subjektiv erlebte Belastung und wurde u. a. auf Basis der Stresstheorie von Lazarus konstruiert. Es werden die vier Dimensionen Sorgen („Ihre Probleme scheinen sich aufzutürmen.“), Anspannung („Sie fühlen sich mental erschöpft.“), Freude („Sie sind leichten Herzens.“) und Anforderungen („Sie fühlen sich gehetzt.“) unterschieden. Der Item-Wert Sorgen steht für Sorgen, Zukunftsängste und Frustrationsgefühle. Anspannung soll die Erschöpfung, Unausgeglichenheit und das Fehlen körperlicher Entspannung der Probanden wiederspiegeln. Der Item-Score für Anforderung rundet dies ab mit den Bereichen Zeitmangel, Termindruck oder Aufgabenbelastung. Die Probanden sollten sich bei dieser Befragung auf die letzten vier Wochen beziehen. „Ziel des Perceived Stress Questionaire ist es, die subjektive Wahrnehmung, Bewertung und Weiterverarbeitung von Stressoren festzustellen und diese zu untersuchen.“ (Fliege et al, 2001, S. 142)

4.3.3.2 Gütekriterien

Für die Eignung des PSQ20-Fragebogens müssen folgende Gütekriterien geprüft werden:

Die Kriterien der Objektivität stimmen mit den genannten des SCI-Fragebogens in 4.3.2.2 überein. Als weiteres Gütekriterium soll die Reliabilität des Fragebogens verdeutlicht werden. Die vier Dimensionen des PSQ20 sind grundsätzlich durch eine ausreichend hohe interne Konsistenz gekennzeichnet (α zwischen 0,79 und 0,84). Es wurden sowohl die innere Konsistenz als auch die Split-half-Reliabilität für die unterschiedlichen Stichproben berechnet. Dabei befanden sich die Ergebnisse für alle Skalen im oberen Bereich.

Nach Fliege et al. (2001) wurden als Validierungsinstrumente zur Überprüfung der konvergenten Validität der WHOQOL-Bref und der Fragebogen zur sozialen Unterstützung verwendet. Dabei korrelierten besonders die Faktoren I & II (Sorgen & Anspannung) sowie das gesamte Stresserleben (Fliege et al., 2001, S. 142).

4.4 Statistische Auswertung

Um die Ergebnisse der Studie im Nachhinein auswerten zu können, wurden alle Daten aus den Fragebögen in eine Excel-Tabelle übertragen. So waren alle Informationen zusammengefasst.

Sowohl die Kontrollgruppe als auch die Experimentalgruppe wurden einzeln ausgewertet. Nachdem alle Daten in die verschiedenen Excel-Tabellen eingetragen waren, wurden Diagramme mithilfe von Excel erstellt. Zusätzlich dazu wurden sowohl die Mittelwerte, als auch die Standardabweichungen jeder einzelnen Skala berechnet, zur Darstellung der deskriptiven Statistik. Mithilfe der Wertetabellen wurden erst die Stichproben der Kontroll- und Experimentalgruppe miteinander verglichen. Zur Veranschaulichung wurden beispielsweise für die Geschlechterverteilung Kreisdiagramme gewählt. Die sowohl gruppeninternen als auch gruppenspezifischen Unterschiede wurden durch Balkendiagramme, welche die Mittelwerte der Prae- und Postmessung anzeigen, verdeutlicht.

Im zweiten Teil sollen mögliche Auswirkungen des Thermalbadens auf die Stressbelastung der Probanden dargelegt werden. Hierfür wurde ein Hypothesentest als inferenzstatistisches Verfahren genutzt. Zuerst wurden alle relevanten Daten in das Statistik Programm PSPP übertragen. Da es sich um eine unabhängige Stichprobe handelt, wurde für den Vergleich von Experimental- und Kontrollgruppe der T-Test gewählt. Für den gruppeninternen Vergleich wurde der T-Test für abhängige Stichproben angewendet.

Es wurde insbesondere die Auswirkung des Treatments Thermalbaden auf die Interventionsgruppe getestet. Somit konnten die Werte der Prae- und Postmessung geprüft und die bereits aufgestellten Hypothesen getestet werden.

5 Ergebnisse

5.1 Deskriptive Ergebnisse

Im Folgenden werden die Ergebnisse der Studie zunächst grafisch dargestellt und danach erläutert. Zuerst werden sowohl die Geschlechterverteilung der Stichprobe sowie Gewohnheiten wie der Zigaretten- und Alkoholkonsum dargestellt.

Bezüglich des SCI-Fragebogens wurde bei der Skala der „aktuellen Stressbelastung“ nur eine Subskala – „Stress durch Überforderung“ – berücksichtigt. Auf die einzelne Auswertung jeder Subskala des SCI-Fragebogens wurde bei der nachfolgenden Auswertung verzichtet. Es wurde sich auf die zwei der drei Hauptskalen: „Körperliche und psychische Stresssymptome“ und „Coping“ fokussiert, da diese Teile des Fragebogens das Gesamtergebnis bestmöglich zusammenfassen. Außerdem wurden die Abbildungen immer mithilfe des Mittelwertes der Antworten dargestellt, sodass man die durchschnittliche Antwort der Fragen erkennen kann.

Die Ergebnisse des PSQ20 Fragebogens wurden mithilfe der vorgegebenen Formeln in vier Subskalen nämlich Sorgen, Anspannung, Freude und Anforderungen kategorisiert und ausgewertet. Auch hier wurden die Diagramme anhand des Mittelwertes der Antworten dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Geschlechterverteilung Interventionsgruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Geschlechterverteilung Kontrollgruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Zigaretten- / Tabakkonsum Interventionsgruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Zigaretten- / Tabakkonsum Kontrollgruppe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Vergleich Alkoholkonsum (in Einheiten pro Woche) von Interventions- und Kontrollgruppe

Die beiden Stichproben unterscheiden sich in der Geschlechterverteilung. Die Interventionsgruppe weißt ein Verhältnis von 59% Frauen zu 41% Männern und die Kontrollgruppe 74% Frauen zu 26% Männern auf (Abb.2, Abb.3). In beiden Gruppen liegt ein Frauenüberschuss vor. Die Interventionsgruppe hat einen höheren Anteil an Rauchern (22%), als die Kontrollgruppe (16%) (Abb.4, Abb.5). Grundsätzlich ist die Nicht-Raucher-Quote sehr hoch ausgefallen mit jeweils 78% bis 84% der Gruppen. Außerdem trinken die Personen der Experimentalgruppe deutlich mehr und öfter Alkohol, als die der anderen Gruppe (Abb.6). So gab über die Hälfte der Probanden an ein bis drei Einheiten Alkohol pro Woche regelmäßig zu sich zu nehmen. Die hohen Werte des Alkoholkonsums sind ausschließlich in der Interventionsgruppe vertreten. Der Anteil der Personen, die keinen Alkohol trinken, ist in der Kontrollgruppe mit 52,63% deutlich höher als in der Interventionsgruppe.

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Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Wirkt sich regelmäßiges Thermalbaden positiv auf das individuelle Stresserleben Berufstätiger im Alter von 20 bis 39 Jahren aus?
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,9
Jahr
2020
Seiten
62
Katalognummer
V909179
ISBN (eBook)
9783346254238
ISBN (Buch)
9783346254245
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stress, Thermalwasser Balneotherapie
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Wirkt sich regelmäßiges Thermalbaden positiv auf das individuelle Stresserleben Berufstätiger im Alter von 20 bis 39 Jahren aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/909179

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