Inszenierung von Weiblichkeit auf Instagram. Chancen und Probleme im Vergleich zu klassischen Medien


Hausarbeit, 2020

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „Cultural Studies“ in Bezug auf Soziale Medien

3. „Doing Gender“-Theorie

4. Inszenierung von Weiblichkeit in klassischen Medien
4.1. Weiblichkeit im Film, Fernsehen und Magazin von 1960-2010
4.2. Die Auswirkungen medialer Weiblichkeitsinszenierung auf weibliche Selbstwahrnehmung

5. Soziale Medien als neue Plattformen – Besonderheiten von Instagram
5.1. Die Inszenierung von Weiblichkeit auf Instagram verglichen zu klassischen Medien
5.2. Chancen und Probleme von Instagram verglichen zu klassischen Medien

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Inszenierung von Weiblichkeit in Medien ist ein umstrittenes Thema. Da Geschlecht als symbolische Ordnung (vgl. Luca 2003: 41) gesellschaftlich verankert ist, bieten Medien seit ihrem Aufkommen die Möglichkeit, diese symbolische Ordnung mitzugestalten. Die Fiktion, die klassische Medien häufig mit sich brachten, bot die ideale Möglichkeit, diverse Geschlechterentwürfe mit sich zu ziehen. Jedoch konnte immer wieder das Gegenteil beobachtet werden. Die Darstellung von Weiblichkeit blieb über einen langen Zeitraum überwiegend einseitig. In der heutigen Zeit weicht die Nutzung klassischer Medien tendenziell der Nutzung sozialer Medien, zu denen auch die Applikation (App) Instagram gehört (vgl. Vom Horde/ Durner 2020: 7f.). Da besonders junge Menschen noch nicht gefestigt in ihrer Identität und somit anfällig für die oftmals unhinterfragte Inszenierung von Geschlecht sind, wird sich diese Arbeit hauptsächlich mit dieser Gruppe befassen. Die Identitätsprägung Jugendlicher durch Instagram ist heute nicht mehr bestreitbar (vgl. IKW 2019: 9), weshalb in dieser Arbeit auch auf die Auswirkungen von medialer Weiblichkeitsinszenierung auf Jugendliche eingegangen wird. Die grundlegende Fragestellung ist, wie Weiblichkeit auf Instagram verglichen zu klassischen Medien inszeniert wird

Diese Arbeit soll Unterschiede zwischen der Weiblichkeitsinszenierung in klassischen und sozialen Medien herausarbeiten. Als klassische Medien werden hier repräsentativ das Fernsehen, Filme und Zeitschriften beleuchtet. Die Grundthese ist dabei, dass Instagram verglichen zu den klassischen Medien diversitätsfördernd ist und eine Revolution bezüglich des Frauenbildes auslösen kann.

Die Medientheorie, die dieser Arbeit zugrunde liegt, sind die „Cultural Studies“. Eine Erläuterung der Theorie und der Bezug zu dem Thema werden in dem ersten Kapitel geschaffen.

Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit der „Doing Gender“-Theorie. Da in dieser Arbeit eine interdisziplinäre Verknüpfung zwischen der Mediensoziologie und der Geschlechterforschung vorgenommen wird, gilt es auch, diese Theorie grundlegend zu erläutern.

Um einen Vergleich zu der Plattform Instagram zu schaffen, wird daraufhin ein Abriss über die Weiblichkeitsinszenierung in Film, Fernsehen und Zeitschriften gegeben. Der grobe Zeitraum zwischen 1960 bis 2010 bietet keinen Raum für ausführliche Analysen, jedoch wird hierbei ein weitreichender Blickwinkel ermöglicht. Zudem wird die Wirkung der Frauenbilder in diesen Medien in dem zweiten Teil des vierten Kapitels aufgezeigt.

Das fünfte Kapitel befasst sich mit der App Instagram. Hierbei werden die Besonderheiten daran herausgearbeitet und verdeutlicht, warum die Plattform kontinuierlich an Popularität gewinnt. Daraufhin wird gezeigt, wie Weiblichkeit auf Instagram inszeniert wird. In dem letzten Teil des Kapitels wird auf die Frage eingegangen, ob Instagram nun mehr Diversität innerhalb der Frauenbilder fördert und welche anderen Chancen und Probleme die Plattform mit sich bringt. Dabei wird in dem gesamten Kapitel bereits ein Vergleich zu den gewählten klassischen Medien gezogen.

Aus Gründen der Lesbarkeit wird in der vorliegenden Hausarbeit die männliche Sprachform bei personenbezogenen Pronomen und Substantiven verwendet. Dadurch soll jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts impliziert werden. Die genutzte Form soll der sprachlichen Vereinfachung dienen und als geschlechtsneutral verstanden werden.

2. Die „Cultural Studies“ in Bezug auf Soziale Medien

Die medienwissenschaftliche Theorie, die im Folgenden benutzt wird, ist die Theorie der Cultural Studies. Diese Theorie gilt als „undiszipliniert“ (Pirker 2010: 145), da sie historisch heterogen genutzt wurde (vgl. Pirker 2010: 148f.) und sich daher heutzutage in verschiedene Ansätze differenzieren lässt. Somit eignet diese Theorie sich für Betrachtungen von sozialen Medien wie Instagram, die selbst Vielfältigkeit versprechen (vgl. Instagram a o.J.: o.S.). Hinzu kommt das generelle Interesse der Cultural Studies an der Populärkultur (vgl. Pirker 2010: 147f.) und die Nicht-Trennung von Nieder- und Hochkultur (vgl. Dähnke 2003: 28). Es findet eine Auseinandersetzung mit den Prozessen statt, wie der Alltagswelt Sinn verliehen wird (vgl. Pirker 2010: 151). Diese Sinnstiftung geschieht beinahe reziprok. Medien produzieren dauerhaft einen Sinn, welcher hingegen von den Rezipienten interpretiert wird (vgl. Luca 2003: 42). Dies geschieht immer vor dem sozialen Hintergrund des Rezipienten (vgl. Dähnke 2003: 29ff.). Die Cultural Studies werden zudem interpretativ genutzt, um den Zweck digitaler Medien innerhalb sozialer Bewegungen zu erkennen (vgl. Winter 2010: 38). Die Inszenierung der Weiblichkeit auf Instagram kann auch als eine fortlaufende Bewegung dieser Art angesehen werden. Diese Bewegung kann der – nach dem Soziologen Chris Rojek – dritten Phase der Cultural Studies zugeordnet werden, welche sich mit der Globalisierung und der damit einhergehenden Identität im Wandel befasst (vgl. Rojek 2007: 39ff.).

3. „Doing Gender“-Theorie

Soziologisch betrachtet ist Geschlecht nicht biologisch abhängig, sondern unterliegt gesellschaftlichen Vereinbarungen (vgl. Budde 2003: 11). Geschlecht zeichnet sich im alltäglichen Gebrauch hauptsächlich durch eine Dichotomie aus, welche die Unterteilung in zwei Geschlechter voraussetzt, die grundlegend Verschieden in sowohl dem Geno- und Phänotyp als auch in deren Verhaltensweisen sind (vgl. Budde 2003: 13). Diese grundlegende Zweigeschlechtlichkeit gilt allerdings nicht als die Auffassung, die allezeit vertreten wurde. Vor der Aufklärung, so zeigt es Kultur- und Wissenschaftshistoriker Thomas Laqueur, ging man von einer Ein-Geschlechtlichkeit aus, aus welcher sich soziale Geschlechter bildeten (vgl. Budde 2003: 12). Diese Auffassung nähert sich der heutigen soziologischen Sichtweise an.

In dem Konzept von „Doing Gender“ wird Geschlecht in drei Aspekte unterschieden: Sex, Sex Category und Gender (vgl. West/ Zimmerman 1987: 127). Während Sex das durch biologische Aspekte definierte Geschlecht ist, ist Sex Category die alltägliche Selbstzuweisung dessen (vgl. West/ Zimmerman 1987: 127). Gender hingegen ist eine routinierte Ausführung und Auslebung von Taten und Attitüden, welche gesellschaftlich einem konkreten Geschlecht zugewiesen wurden (vgl. West/ Zimmerman 1987: 126f.). Gender, das soziale Geschlecht, wird weniger als Komponente des Individuums selbst angesehen. Vielmehr ist es eine fortlaufende Erneuerung und Aufrechterhaltung eines bestimmten Bildes des Selbst in sozialen Situationen (vgl. West/ Zimmerman 1987: 126). „Doing“ beschreibt also die konstante, häufig unterbewusste Präsentation – in diesem Fall von Geschlecht. Die präsentierten Taten werden von der Gesellschaft erkannt, da während der Sozialisation Konnotationen zu den Geschlechtern geschaffen werden, welche habitualisiert werden (vgl. Budde 2003: 20). Diese Habitualisierung ist gesellschaftlich so machtvoll, dass die Zuweisung zu Geschlechtern häufig unhinterfragt bleibt (vgl. Budde 2003: 15).

Die Soziologin Andrea Maihofer betont allerdings, dass nicht nur die Verhaltensweisen ausschlaggebend für die gesellschaftliche Zuordnung zu einem Geschlecht seien, sondern auch die Körperlichkeit (vgl. Maihofer 1995: 127ff.). Zudem sei die Repräsentation eines Geschlechtes keineswegs ein ausschließlich für die Umwelt ausgeführter Akt, sondern stets auch selbstkonstruierend und identitätsschaffend (vgl. Maihofer 1995: 93f.) und somit auch sicherheitsstiftend für das Individuum.

In Anbetracht dieser Aspekte erscheint es nachvollziehbar, dass Geschlecht besonders in Medien verhandelt wird (vgl. Budde 2003: 16) und somit gleichzeitig wieder auf die Gesellschaft projiziert und von dieser verinnerlicht wird. Doch wie wurde Geschlecht – in diesem Falle Weiblichkeit – in verschiedenen Medien dargestellt und hat sich die Darstellungsweise mit der Zeit verändert?

4. Inszenierung von Weiblichkeit in klassischen Medien

Die Inszenierung von Geschlecht ist kein Phänomen, welches erst mit Sozialen Medien aufkam. Medien strukturieren seit ihrem Anbeginn die Beziehung zwischen den Menschen und ihrer Umwelt (vgl. Winter 2010: 15). Auch klassische Medien prägen seit ihrer Entstehung das gesellschaftliche Verständnis davon, was männlich und was weiblich konnotiert wird. Um einen adäquaten Vergleich zu der Weiblichkeitsinszenierung auf Instagram herstellen zu können, wird im Folgenden die Inszenierung von Weiblichkeit in vorausgegangenen Medien beleuchtet. Dazu werden exemplarisch Filme, Fernsehserien und Printmagazine betrachtet.

4.1 Weiblichkeit im Film, Fernsehen und Magazin von 1960-2010

Vor dem Durchbruch des Internets und auch den sozialen Medien, waren Filme, Fernsehserien und Magazine neben Zeitungen, welche hier nicht thematisiert werden, die wohl beliebtesten Alltagsmedien. Sind die genannten Medien in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich, so lassen sich doch über einen langen Zeitraum Parallelen erkennen, welche sich besonders in der Darstellung von Geschlechterrollen äußern. Viele der im Folgenden benutzten Zahlen beziehen sich auf die USA, allerdings kann von einer ähnlichen Situation in Westeuropa ausgegangen werden, da es sich um eine generelle westliche Entwicklung handelt.

Ein auch heute noch alltäglich angewandtes Medium ist der Fernseher. Fernsehshows haben besonders durch ihre Alltäglichkeit die Kraft, neue Rollenbilder zu etablieren. Tatsächlich ist es allerdings häufig der Fall, dass bereits bestehende Rollenbilder nur verfestigt werden. So waren Frauen im Fernsehen bis in die 1980er Jahre stark unterrepräsentiert und machten nur ca. 20-35% der TV-Charaktere aus (vgl. Gauntlett 2002: 43). In den 1980er Jahren festigte sich die Frauenquote im Fernsehen zwar, allerdings gab es in den meisten Genres tendenziell doppelt so viele männliche Darsteller (vgl. Gauntlett 2002: 43). Anders hingegen in Komödien, in denen – laut einer 1987 durchgeführten Studie – 43% der Darsteller weiblich waren (vgl. Gauntlett 2002: 43). In Actionserien waren Frauen lediglich zu 29% vertreten (vgl. Gauntlett 2002: 43). Allein diese Zahlen deuten auf ein klares Frauenbild hin, welches Frauen als passiven Teil der Gesellschaft darstellen. Demnach wären sie für belanglose Späße in Komödien brauchbar, allerdings nicht fähig, heroische Aufgaben, wie sie in Actionfilmen gezeigt werden, zu meistern.

Eine Studie von 1975 zeigt, dass Fernsehprogramme bestehende Frauenbewegungen regelrecht ignorierten (vgl. Gauntlett 2002: 43). Es wurde stets an traditionellen Stereotypen festgehalten. Positivbeispiele bildeten die Hausfrauen, wohingegen erfolgreiche Frauen schlecht mit Männern zurechtkamen und in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen litten (vgl. Gauntlett 2002: 43). Während Frauen zu 74% mit dem Thema Liebe und Familie konfrontiert waren, setzten sich die männlichen Rollen nur zu 18% damit auseinander (vgl. Gauntlett 2002: 43).

Ein ähnliches Muster ist bei Seifenopern zu erkennen, die besonders bei Mädchen sehr beliebt sind. Eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen mit 401 Befragten in dem Alter zwischen sechs und 19 Jahren zeigte auf, dass die Zuschauer von Seifenopern zu 70% weiblich sind (vgl. Götz 2003: 99). Besagte Serien zeichnen sich dadurch aus, dass das Geschlechterverhältnis meist ausgeglichen ist und Frauen in Beruf und Beziehungen eingebunden sind (vgl. Götz 2003: 99). Zunächst klingt dies hinsichtlich weiblicher Vorbilder für junge Mädchen vielversprechend. Allerdings stehen auch in Seifenopern Frauen häufig in Abhängigkeiten zu ihren Partnern und es wird stets ein Erzählstrang aufrechterhalten, welcher sich um Liebesbeziehungen dreht (vgl. Götz 2003: 104). Zudem sollte ein kritischer Blick darauf geworfen werden, dass nur ein bestimmtes Bild von Frauen repräsentiert wird. Frauen in Seifenopern entsprechen fast ausschließlich dem Schönheitsideal, haben beinahe makellose Gesichter und sind zudem sehr schlank (vgl. Götz 2003: 103). Wenige dieser Serien präsentierten dem Zuschauer ein abweichendes Frauenbild. War dies doch der Fall, spielten die Darstellerinnen verhältnismäßig irrelevante Nebenrollen (vgl. Götz 2003: 103).

Hierbei ist anzumerken, dass sich die Situation in den 1990er Jahren anfing zu ändern. Frauen werden zwar optisch noch immer den Schönheitsidealen entsprechend dargestellt, jedoch tendiert die Rolle der Frau dazu nun jung und unabhängig zu sein (vgl. Gauntlett 2002: 59). Nur noch 3% der weiblichen Rollen stellen Hausfrauen dar und 43% der relevanten Rollen haben eine weibliche Besetzung (vgl. Gauntlett 2002: 58).

Auch die Filmindustrie bot in der Vergangenheit den Zuschauern selten bemerkenswerte weibliche Charaktere – zumindest nicht in den vielgespielten, populären Filmen (vgl. Gauntlett 2002: 47f.). Hatten Frauen möglicherweise einige männlich konnotierte Charakterzüge, so standen sie letztlich doch in den meisten Fällen in Abhängigkeit zu einem Mann, den sie emotional unterstützen sollten (vgl. Gauntlett 2002: 46). Ein möglicherweise allseits bekanntes Beispiel dafür bietet die Filmreihe Star Wars. Prinzessin Leila stellte eine starke Frau und gute Kämpferin dar, letztlich war sie allerdings auch die Prinzessin, die von einem Mann gerettet werden musste (vgl. Gauntlett 2002: 46). Heutzutage balancieren sich die Eigenschaften der Charaktere immer häufiger aus – auch Männer werden als emotional und Frauen als mutig dargestellt (vgl. Gauntlett 2002: 66).

Während Lifestyle-Magazine für Männer erst in den 1990er Jahren beliebt wurden, verherrlichten „Frauenmagazine“ bereits seit den 1950er Jahren die Rolle der Hausfrau (vgl. Gauntlett 2002: 50f.). Interessant hierbei ist, dass – wie es meist auch bei den bereits benannten Medien der Fall war – diese Magazine von Männern produziert wurden (vgl. Gauntlett 2002: 51). Auffällig bei Printmagazinen ist, dass die abgebildeten weiblichen Körper besonders von 1959 bis 1979 immer schlanker wurden – viele dieser Frauen befanden sich unter ihrem Normalgewicht (vgl. Schemer 2003: 527).

Revolutionär in dieser Branche war die Zeitschrift „Ms“, welche ab den 1970er Jahren inspiriert von Frauenbewegungen von Frauen selbst produziert wurde (vgl. Gauntlett 2002: 51). Kritisch dabei ist allerdings, dass Frauen in dieser Zeitschrift dennoch für selbstlose Erfolge gefeiert wurden, während Männer stets für Karriereerfolge Ansehen bekamen (vgl. Gauntlett 2002: 52). Die „Cosmopolitan“, welche seit 1964 auf dem Markt vertreten ist (vgl. Gauntlett 2002: 53) und sich noch heute großer Beliebtheit erfährt, prägte das Frauenbild in Printmedien immens. Frauen wurden hier als selbstständig und frei von männlicher Abhängigkeit dargestellt (vgl. Gauntlett 2002: 53). Obwohl auch hier wenig diverse Frauenbilder repräsentiert wurden – es ging stets um die hübsche, heterosexuelle Frau – galt diese Zeitschrift im zeitlichen Kontext als revolutionär (vgl. Gauntlett 2002: 53).

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Weiblichkeit in klassischen Medien sehr einseitig und getreu der bestehenden Stereotype inszeniert wurde. Hierbei ist anzumerken, dass es Ausnahmen gab, die stereotype Inszenierung allerdings die Regel darstellte. Frauen galten nicht nur als verhältnismäßig irrelevante Akteure, sondern hatten als ausführende Individuen dieser Rollen wenig Mitspracherecht. Frauen wurden selten in Berufen gezeigt und wenn das doch der Fall war, galten diese oft als nachrangig – die Priorität der inszenierten Frauen war die Optik (vgl. Luca 2003: 47). Nach der „Doing Gender“-Theorie wurde das soziale Geschlecht ganz klar ausgehandelt und präsentiert. Besonders bei Fernsehserien, welche häufig Alltagswelten präsentieren sollen, kann dies kritisch sein. Dort kann eine stärkere Identifizierung der Rezipienten mit den gezeigten Rollen stattfinden, weshalb Rollenverhalten unbewusst aufgenommen und habitualisiert wird. Medien- und Kommunikationswissenschaftler Rainer Winter war der Auffassung, dass Technologien und Medien durch die Gesellschaft konstruiert werden, was allerdings auch andersrum geschieht (vgl. Winter 2010: 21). Zudem definiert Winter Kultur als „einen Prozess der Sinnschöpfung […], der Medientechnologien einschließt und in den alltäglichen Erfahrungen und Praktiken verankert ist“ (Winter 2010: 15). Es ist erkennbar, dass eine bestimmte Art von Weiblichkeitsinszenierung als Teil der Kultur angesehen werden kann. Durch die klare Trennung der Geschlechter in Aussehen und Verhaltensweisen wird den Individuen beider Geschlechter ein Sinn und Platz in der Gesellschaft zugetragen. Dieser gesellschaftlich vorbestimmte Platz wirkt identitätsstiftend auf Individuen. Da Männlichkeit lange Zeit mit Überlegenheit konnotiert wurde und diese Machtposition erhalten bleibt, werden Frauen stets niedere Eigenschaften zugeschrieben. Dieses Machtgefüge wird einerseits in alltäglichen Handlungen als auch, wie es hier gezeigt wurde, in klassischen Medien wiedergegeben, wodurch es zu einem kulturellen Bestandteil wird.

4.2 Die Auswirkungen medialer Weiblichkeitsinszenierung auf weibliche Selbstwahrnehmung

Im Folgenden wird sich lediglich auf die Auswirkungen der in westlichen Medien dargestellten Frauenbilder auf das Körper- und Selbstbild von Frauen bezogen.

„Eine 1993 in fünf Bundesländern der ehemaligen BRD durchgeführte Untersuchung über das Verhältnis von Mädchen zu ihrem Körper zeigt eindrücklich, wie sich mit der Adoleszenz die Bezugspunkte einer positiven Selbsteinschätzung verschieben und eine aktive Handlungsfähigkeit in Konflikt geraten kann zu Bildern von Weiblichkeit.“ (Oechsle/ Geissler 1998: 142, zitiert in Friedriszik 2003: 57).

Dass Medien Auswirkungen auf das Selbstbild besonders junger Frauen haben, ist unumstritten. Die entsprechenden Zahlen werden im Folgenden präsentiert. Es kann beobachtet werden, dass ein zunehmend schlankeres Frauenbild mit einer steigenden Zahl an psychogenen Essstörungen einhergeht (vgl. Schemer 2003: 523). Diese werden zwar nicht durchweg durch mediale Einflüsse ausgelöst, jedoch können diese einen erheblichen Einfluss auf die Erkrankung haben (vgl. Baumann et al. 2011: 1). Dieser Einfluss kann dadurch begründet werden, dass besagte Schönheitsideale häufig unrealistisch sind. Die Körpermaße der medial dargestellten Frauen stimmen zu ungefähr 5% mit denen der deutschen Frauen überein (vgl. Schemer 2003: 524). Die Diskrepanz zwischen dem medialen und realen Frauenbild liegt allein in der natürlichen Entwicklung begründet. Die Medien preisen einen möglichst fettfreien Körper an, während es naturgegeben ist, dass der weibliche Körper in der Pubertät Fett aufbaut (vgl. Schemer 2003: 526).

Dass häufig attraktive Akteure gezeigt werden, erhält und steigert den Medienkonsum der Rezipienten (vgl. Schemer 2003: 527). Allerdings wird die Attraktivität in ein selten erreichbares Extrem gezogen. Mit steigendem Medienkonsum werden allerdings genau diese Extreme internalisiert (vgl. Schemer 2003: 534) und bilden gesellschaftlich die vermeidliche Normalität. Somit beeinflussen diese übermäßigen Reize auch nachfolgende Reize (vgl. Schemer 2003: 531). Beispielsweise der schlanke Körper der gezeigten Frauen wird so weit normalisiert, dass normalgewichtige Frauen bereits als übergewichtig wahrgenommen werden (vgl. Götz 2003: 103). Scheinbar unattraktive Frauen werden dabei stigmatisiert, Attraktivität hingegen wird als wünschenswert (vgl. Schemer 2003: 530f.) oder sogar notwendig angesehen. Besonders bei Frauen dient der Körper der Anziehung von Aufmerksamkeit (vgl. Schemer 2003: 526) und zieht die Zuschreibung gewisser positiver Eigenschaften mit sich (vgl. Schemer 2003: 523). Da Menschen durch Imitation ihr eigenes Verhalten anpassen (vgl. Schemer 2003: 530), versuchen Rezipienten möglichst wie ihre Medienidole auszusehen, um deren Eigenschaften zugeschrieben zu bekommen. Da häufig allerdings nicht gezeigt wird, was die jeweiligen Idole für ihren Körper tun (vgl. Schemer 2003: 531) und wie dieses Aussehen erreicht wird, lässt das die Rezipienten ein schlechteres Körperbild von sich selbst bekommen (vgl. Schemer 2003: 529). Hierbei ist auch festzustellen, dass es bei Vergleichen zu dargestellten Personen weniger um Selbstverbesserung und mehr um Selbstbewertung geht (vgl. Schemer 2003: 533). Rezipienten bekommen keine Inspiration dafür, was sie tun könnten, um sich wohler zu fühlen, sondern fühlen sich mit ihrem Selbst schlechter, da das angestrebte Ideal noch nicht erreicht ist. Dass dies besonders bei Frauen der Fall ist zeigt sich schon im Jugendalter, da US-Studien zufolge 10% der 16-19-Jährigen als Orientierungspersonen Models nannten – nur 3% gaben an, sich an beispielsweise ihrer Familie zu orientieren (vgl. Schemer 2003: 531). Trotzdem kann nicht allein der Medienkonsum als Grund für verschlechterte Körperbilder, die in Essstörungen enden, genannt werden. Allerdings können Medien bei einem ohnehin geschwächten Selbstbild dieses noch verstärken (vgl. Schemer 2003: 534). Besonders auffällig sei dies bei Seifenopern (vgl. Schemer 2003: 530).

5. Soziale Medien als neue Plattformen – Besonderheiten von Instagram

Aufgrund der hervorgegangenen Ergebnisse ist festzustellen, dass Frauen in klassischen Medien als Konsumenten und nur selten als Hersteller dieser galten. Soziale Medien hingegen basieren auf „User-Generated-Content“ (Lehner 2017: 24). Das bedeutet, dass die Inhalte von den Nutzern selbst erzeugt werden. Auch können Nutzer sich aussuchen, was sie hauptsächlich angezeigt bekommen, indem sie anderen Nutzern oder Unternehmen folgen. Somit nimmt jeder Nutzer auf Instagram selbst in die Hand, was konsumiert wird. Diese Merkmale tangieren mit der Aussage des Medien- und Kulturwissenschaftlers John Fiske, welcher die Meinung vertritt, dass Medien von der Gesellschaft erzeugt werden (vgl. Gauntlett 2002: 41). In sozialen Medien wie Instagram wird diese Theorie aus bereits genannten Gründen ausgelebt.

Mit dem steigenden Aufkommen von Smartphones mit einer Kamera und Internetzugang, entwickelte sich das Fotografieren und spätere Teilen der Bilder zu einer Leichtigkeit (vgl. Lehner 2017: 24). Instagram setzt sich genau aus diesen Aspekten zusammen: Smartphone, Kamera und Internet (vgl. Weilenmann 2013: 1844, zitiert in Lehner 2017: 24). Zu dem Teilen der Bilder kommt besonders heute der Aspekt der Bildbearbeitung hinzu. Instagram stellt einen einfachen Weg dar, Fotos nach Belieben zuzuschneiden, mit Filtern zu versehen und die Lichtverhältnisse zu optimieren. Diese Grundidee der einfachen Bildbearbeitung zieht ein breites Nutzerspektrum an (vgl. Lehner 2017: 24f.). Besonders bei Jugendlichen hat die App eine hohe Relevanz. Sie liegt auf Platz 2 der populärsten Apps bei 12-19-Jährigen und ist und ist besonders bei Mädchen sehr beliebt (vgl. MPFS 2018: 34ff.). Durch die einfache Nutzung von Instagram werden besonders viele alltägliche Situationen geteilt (vgl. Lehner 2017: 24), an denen die Konsumenten häufig auch den größten Gefallen finden (vgl. MPFS 2018: 40). Andererseits bietet Instagram auch eine Flucht vor alltäglichen Krisen im Privatleben und im Weltgeschehen, indem häufig eine Art Traumwelt geschaffen wird, in der sich nicht mit dem Unschönen auseinandergesetzt wird (vgl. IKW 2019: 3). Ein weiter Grund für die Nutzung von Instagram ist der soziale Austausch (vgl. Schuegraf et al. 2018: 81), welcher auch eine Besonderheit von Instagram ist. Es besteht neben dem reinen Teilen von Inhalten auch die Möglichkeit, reziprok Feedback zu bekommen und zu geben (vgl. Bauer Media Group 2016: o.S.). Hierbei entsteht eine zweite Ebene, die bei klassischen Medien nicht vorhanden ist und Instagram weniger unidirektional macht (vgl. Schaschek 2019: o.S.). Durch diese Form des sozialen und trotzdem digitalen Austausches, wird die Alltäglichkeit der App unterstützt. Wird Instagram regelmäßig genutzt, ist ein Bewusstsein darüber vorhanden, was die Freunde tun und somit werden die zwischenmenschlichen Beziehungen gefestigt (vgl. Schuegraf et al. 2018: 81). Dadurch, dass Instagram durch eine Form von Alltag bestimmt wird, lassen sich die meisten Parallelen zu Fernsehserien ziehen.

Die App hat mehr als eine Milliarde monatliche Nutzer (vgl. Instagram Business o.J.: o.S.). Durch diese Vielzahl an Nutzern kann eine Vielfältigkeit an Inhalten angenommen werden. Obwohl es wenige Untersuchungen zu der Demographie von Instagram gibt, ist trotzdem davon auszugehen, dass die App leicht weiblich dominiert ist (vgl. Bauer 2016: o.S.). Somit könnte auch davon ausgegangen werden, dass ein breites Spektrum an Weiblichkeitsinszenierungen dargestellt wird – doch ist das tatsächlich der Fall?

5.1 Die Inszenierung von Weiblichkeit auf Instagram verglichen zu klassischen Medien

Bezüglich der Inszenierung von Weiblichkeit auf Instagram ist hervorzuheben, dass es sich, verglichen zu den klassischen Medien, häufiger um eine Selbstdarstellung handelt. Fernsehserien, Filme und Magazine präsentieren Bilder der Weiblichkeit, hinter denen ein bewusstes Konzept steckt, welches häufig von Männern konzipiert wurde. Instagram hingegen bietet die prinzipielle Möglichkeit, sich selbst nach eigenem Belieben zu inszenieren. Dies geschieht am häufigsten durch Selfies, die als „mit der Digitalkamera (des Smartphones oder Tablets) meist spontan aufgenommenes Selbstporträt einer oder mehrerer Personen“ (Duden online a o.J.: o.S.) definiert werden. Dabei ist es variabel, ob nur das Gesicht oder die ganze Person gezeigt wird. Es kann sich jedoch auch um ausgewählte Bildausschnitte handeln. Umstritten ist allerdings, ob auch ein Foto, das von einer weiteren Person geschossen wurde, jedoch deutlich der Selbstinszenierung dient, als Selfie angesehen werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Inszenierung von Weiblichkeit auf Instagram. Chancen und Probleme im Vergleich zu klassischen Medien
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Einführung in die Mediensoziologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
25
Katalognummer
V909569
ISBN (eBook)
9783346227508
ISBN (Buch)
9783346227515
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weiblichkeit, Instagram, Social Media, Doing Gender, Geschlechterrollen, Chancen, Globalisierung, Geschlechterforschung, Mediensoziologie, Soziologie, Cultural Studies
Arbeit zitieren
Caroline Fehlauer (Autor), 2020, Inszenierung von Weiblichkeit auf Instagram. Chancen und Probleme im Vergleich zu klassischen Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/909569

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