Ziel der Unterrichtsstunde ist, dass die Schüler Argumente für oder gegen den Nutzen von Atomenergie sammeln, diese Argumente in einer Fishbowl–Diskussion diskutieren und die Argumente für die eigene Person in Form einer Entscheidung für oder gegen die Atomenergie bewerten.
Die hier aufgeführte Unterrichtsstunde wird durch den Kernlehrplan für praktische Philosophie in der Sek. I in NRW legitimiert. Der Inhalt der Unterrichtsstunde ist dem Fragenkreis 5: Die Frage nach Natur, Kultur und Technik zuzuordnen. In dieser Unterrichtssequenz liegt der Schwerpunkt in der Thematik "Wissenschaft und Verantwortung". Bekannte Beispiel aus dem Alltag verdeutlichen, wie wichtig es ist, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Hierzu gehören Themen wie Atomenergie, Klonen, Pränatal Diagnostik und Tierversuche, die allgegenwärtig und aktuell sind.
Um einen kritischen und mündigen Umgang bezüglich der für diese Unterrichtseinheit gewählten Thematik auf Seiten der Schüler zu erzielen, erscheint eine Auseinandersetzung mit dem Thema Atomenergie als unausweichlich. Darüber hinaus werden viele vom Kernlehrplan geforderte Kompetenzen mit dieser Unterrichtsreihe abgedeckt.
Inhaltsverzeichnis
1. Reihenstruktur
2. Bedingungsfeldanalyse
3. Didaktischer Schwerpunkt
3.1 Legitimation der Stunde
3.2 Sachanalyse
3.3 Didaktische Reduktionen
3.4 Fachdidaktische Konzeptionen
4. Kommentierter methodisch/medialer Schwerpunkt
5. Verlaufsplan
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtsstunde ist es, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, komplexe ethische und gesellschaftliche Argumente zur Atomenergie eigenständig zu erörtern und kritisch zu bewerten, um eine fundierte, persönliche Entscheidung zu treffen und diese in einer demokratischen Diskussionskultur zu vertreten.
- Thematisierung von Wissenschaft und Verantwortung im Kontext moderner Technologie.
- Anwendung der Fishbowl-Diskussionsmethode zur Förderung von Perspektivwechseln.
- Förderung der Urteilsbildung zu moralischen Dilemmata durch kooperative Lernformen.
- Reflexion über das Prinzip der Verantwortung nach Hans Jonas.
- Vorbereitung auf die politische Mündigkeit und demokratische Teilhabe.
Auszug aus dem Buch
3.2 Sachanalyse
„Lasst uns zumindest auf der Hut sein“ schreibt Hans Jonas in seiner ethischen Abhandlung zum Thema Wissenschaft und Verantwortung. Gerade im Kontext einer revolutionären Ethik, die in den 80iger Jahren ihren Ursprung fand, wird schnell ersichtlich, wie die obige Aussage Jonas zu verstehen ist. Der Ethiker spricht über die Notwendigkeit eines „Prinzips Verantwortung“, die den Umgang des Menschen mit der durch ihn selbst erschaffenen Wissenschaft in all seinen Konsequenzen hinterfragt. Hierzu gehört nicht nur das Abwägen des Menschen zwischen Zweck und Nutzen einer wissenschaftlichen Errungenschaft, sondern viel mehr die Folgen, die bei der Nutzung dieser Errungenschaft durch den Menschen entstehen.
Jüngste Beispiele aus der Geschichte verdeutlichen, wie sorglos und verantwortungslos der Mensch mit neu erworbenen Erkenntnissen umgegangen ist. So schien die Entwicklung von Kernreaktoren als das Heilmittel gegen die stetig ansteigende Co2 Emission und wurde als „saubere“ Energiegewinnungsmethode bereits bejubelt. Jedoch zeigen nicht nur die Endlagerprobleme, dass es sich bei der Nutzung der Kernenergie um alles andere als eine „saubere Energie“ handelt. Viel gravierender erscheinen die mit der Kernenergie verbundenen Katastrophen wie beispielsweise in Tschernobyl oder Fukushima. War der Mensch hier auf der Hut? Sind alle möglichen Szenarien von den Verantwortlichen gewissenhaft überprüft worden? Dieses Beispiel veranschaulicht deutlich, wie schwierig sich manche Diskurse innerhalb dieser Thematik gestalten, da sich die Einflussgrößen und Faktoren einer neuen Entwicklung zu komplex und variabel gestalten können. Vor allem die Variable „Mensch“ birgt ein unberechenbares Risiko und macht eine Folgeabschätzung nahezu unmöglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Reihenstruktur: Dieses Kapitel ordnet die Unterrichtsstunde in die Gesamtreihe „Wissenschaft und Verantwortung“ ein und definiert die angestrebten personalen, sozialen und fachlichen Kompetenzen.
2. Bedingungsfeldanalyse: Hier werden die heterogene Zusammensetzung der Lerngruppe, die Rahmenbedingungen des Unterrichts sowie die notwendigen Konsequenzen für die Planung und Differenzierung erläutert.
3. Didaktischer Schwerpunkt: Dieser Abschnitt begründet die Relevanz des Themas auf Basis des Kernlehrplans, analysiert die ethische Problematik der Atomenergie anhand von Hans Jonas und erläutert die fachdidaktische Reduktion für die Zielgruppe.
4. Kommentierter methodisch/medialer Schwerpunkt: Hier wird der Einsatz der Fishbowl-Methode erläutert und begründet, wie sie kooperatives Lernen und die Ausbildung demokratischer Diskussionsfähigkeit unterstützt.
5. Verlaufsplan: Dieser Teil stellt die zeitliche Abfolge der Unterrichtsphasen dar, inklusive der Sozialformen und didaktischen Kommentare zu den einzelnen Schritten.
Schlüsselwörter
Wissenschaft, Verantwortung, Atomenergie, Praktische Philosophie, Ethik, Fishbowl-Diskussion, Hans Jonas, Kernenergie, Urteilsbildung, Nachhaltigkeit, Demokratische Teilhabe, Schülerorientierung, Argumentation, Kooperatives Lernen, Gesellschaftliche Verantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit umfasst die schriftliche Planung einer unterrichtspraktischen Prüfung für das Fach Praktische Philosophie zum Thema „Wissenschaft und Verantwortung“, fokussiert auf die ethische Debatte zur Atomenergie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der verantwortungsvolle Umgang mit wissenschaftlichem Fortschritt, das Abwägen zwischen Nutzen und Risiko von Kernenergie sowie die Förderung ethischer Urteilsfähigkeit bei Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, komplexe gesellschaftliche Themen kritisch zu hinterfragen und zu einer reflektierten, eigenen moralischen Position zu gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das Prinzip des kooperativen Lernens, konkret die „Fishbowl-Diskussion“, genutzt, ergänzt durch die „Think-Pair-Share“-Methode zur fundierten inhaltlichen Vorbereitung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die fachliche Begründung (Sachanalyse), die didaktische Reduktion der komplexen Thematik sowie die methodische Gestaltung der Diskussionssequenz im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wissenschaftsethik, Verantwortung nach Hans Jonas, Fishbowl-Diskussion, politische Mündigkeit und ethische Urteilsbildung.
Warum wurde das Thema Atomenergie für die Klasse 10 gewählt?
Das Thema ist aufgrund seiner gesellschaftlichen Relevanz, der Kontroversität und der unmittelbaren Vorbereitung der Schüler auf ihre Rolle als wahlfähige Bürger besonders geeignet.
Wie soll die Differenzierung innerhalb der Lerngruppe gelingen?
Die Differenzierung erfolgt durch die gezielte Auswahl von Textmaterialien unterschiedlicher Niveaus sowie eine Gruppeneinteilung, die den Leistungsstand und die Interessen der Schüler berücksichtigt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Atomenergie im Diskurs. „Ein Hoch auf die Atomenergie!“ oder „Atomenergie, nein danke!“?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/909636