Der Aufstand Thebens – eine der ersten militärischen Herausforderungen Alexanders des Großen


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Gründe für den Abfall Thebens
2.1. Das Verhältnis zwischen Theben und Makedonien
2.2. Der Auslöser des Aufstandes

3. Der Verlauf des thebanischen Aufstandes

4. Die Niederschlagung des Aufstandes
4.1. Folgen für Theben
4.2. Die Folgen für die anderen Abgefallenen

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In Anlehnung an das Seminar „Alexander der Große“ steht im Mittelpunkt der zu schreibenden Hausarbeit der Aufstand Thebens – als eine der ersten militärischen Herausforderung Alexanders. Nachdem sich der junge Alexander bereits im Inneren des makedonischen Königreichs als neuer Thronfolger im Jahr 336 durchsetzte, musste er sich nun den von außen drohenden Gefahren in Südgriechenland stellen.

Es soll im Folgenden aufgezeigt werden, warum der Aufstand in Theben ausbrach und wie der junge Makedonenkönig im Einzelnen der griechischen Abfallbewegung begegnete. Dafür werden zunächst die Gründe für den Ausbruch des Aufstandes erörtert sowie der tatsächliche Auslöser der Aufruhr dargestellt. Daran anschließend werden nähere Ausführungen zum Verlauf der Auseinandersetzung gemacht. Interessant ist hierbei, wie und mit welchen Maßnahmen sich Alexander durchsetzte. Abschließend werden die Folgen sowohl für Theben als auch für andere griechische Abgefallene näher beleuchtet. In diesem Abschnitt gilt insbesondere zu klären, welche Bedeutung die Niederschlagung des Aufstandes für Alexander hatte.

Zur Literatur- und Quellenlage ist anzumerken, dass ich mich größtenteils auf die Ausführungen von Arrian stützen werde. Er gibt als einziger Autor, eine detaillierte Darstellung wie der Aufstand im Einzelnen verlief. Auf eine Einordnung der Quelle soll bewusst verzichtet werden, da im Rahmen des Seminars des Öfteren darauf eingegangen wurde.

2. Die Gründe für den Abfall Thebens

2.1. Das Verhältnis zwischen Theben und Makedonien

Um die Gründe für den Aufstand in Theben näher zu er- und begründen, muss zunächst das Verhältnis zwischen Theben und Makedonien erläutert werden. Ausgangspunkt stellt die Entscheidungsschlacht in Chaironea im Frühjahr 338 dar, die für alle griechischen Stadtstaaten eine grundlegende Veränderung mit sich brachte.

Nach dem Sieg über die Griechen, war Philipps primäres Ziel, die makedonische Hegemonie in Griechenland auszubauen. Seine neu gewonnene Machtstellung wurde institutionell durch die Gründung des Korinthischen Bundes im Jahr 337 abgesichert.[1] Dieser mit den griechischen Staaten beschlossene Bundesvertrag beruhte auf den Prinzipien der Koiné eiréne.[2] Ziel dieser griechischen Vereinigung war, die Erhaltung bzw. Herstellung des Friedens auf der Basis der Polisautonomie.[3] Daneben hatte der Makedonenkönig Philipp weitere grundsätzliche Neuordnungen wie beispielsweise die Auflösung des athenischen Seebundes oder auch territoriale Veränderungen auf der Peloponnes vorgenommen.[4] An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass ich im Folgenden nicht alle ergriffenen Maßnahmen durch Philipp in Griechenland darstelle, sondern nur die in Theben durchgeführten Bestimmungen aufzeige.

Die makedonischen Friedensbedingungen nach der Schlacht von Chaironea fielen für Theben im Vergleich zu anderen Stadtstaaten sehr streng aus. Der Grund liegt sicherlich an ihrer unbeständig geführten Politik in der Schlacht von Chaironea selbst. Theben hatte sich gegenüber Makedonien nicht an die vorgesehenen Vertragsbedingungen gehalten. So schlossen sich die traditionell feindlich gesinnten Thebaner den Athenern an.[5] Dieser Vertragsbruch wurde nach dem Sieg im Jahr 338 von Philipp mit verschiedenen Maßnahmen geahndet. Politisch gesehen, wurde Theben völlig entmachtet. Obschon der Böotische Bund weiter bestand, erhielt er aber eine andere Organisation, wodurch die thebanische Vormachtstellung endgültig beseitigt wurde.[6] Die Poleis Plataiai, Orchomenos und Thespiai, die von den Thebanern zerstört worden sind, wurden wiedererrichtet. Hinzu kam, dass in Theben sowie Ambrakia, Korinth und Chalkis makedonische Garnisonen stationiert wurden.[7] Durch die Dislozierung von Garnisonen, wollte Philipp strategisch wichtige Plätze in Fesseln legen und Aufstandsbewegungen von unzufriedenen Polisstaaten verhindern. Zwar kam es in Theben zu keiner Verfassungsänderung wie in Ambrakia, aber die Thebaner mussten ihre einst angesehene politische Stellung in Griechenland aufgeben und ein Stück Polisautonomie einbüßen.[8]

Während Theben oder Athen ihren politischen Einfluss zunehmend verloren, schaffte sich der Makedonenkönig Philipp eine solide Grundlage für die Kontrolle Griechenlands. Er konnte mit dem Korinthischen Bund wie Jehne formuliert: „daran gehen, [seinen] Status quo einzufrieren“.[9] Um den Anforderungen eines Frieden auf Basis der Polisautonomie gerecht zu werden, konnte Philipp im Namen der Griechen den Persern den Krieg erklären, denn diese verweigerten den Griechen in Kleinasien ihre Autonomie. Mit dieser Befreiungspropaganda und der Begründung man wolle Rache für die Untaten, die anderthalb Jahrhunderte in Griechenland verübt worden sind, sollte der gemeinsame Krieg gegen das Perserreich beginnen.[10]

Nach dem plötzlichen Tod Philipps im Jahr 336, hofften die Griechen die makedonische Vormachtstellung abzustreifen.[11] Obwohl sich Alexander rasch als Nachfolger Philipps durch den Rat der Amphiktyonen bestätigen ließ, wurde er von den Griechen nicht für voll genommen.[12] Jehne bringt mit folgenden Ausführungen diese Tatsache auf dem Punkt: „Was sich nach dem Tode Philipps entwickelte, waren handfeste Revolten gegen die makedonische Dominanz unter gänzlicher Ignorierung der Bestimmung der Koiné eiréne“.[13] Viele Stadtstaaten wie Athen, Ambrakia, Theben sowie Argos und Elis lehnten sich gegen die makedonische Hegemonie auf.[14] Keiner hielt sich an die vorgenommenen Friedensbestimmungen. Allerdings muss auch hier eine Eingrenzung vorgenommen werden. Sie alle ausführlich darzustellen, würde den Rahmen der Arbeit sprengen.[15] Im Folgenden soll nun der Aufstand, der im Sommer des Jahres 335 in Theben ausbrach, im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen.

2.2. Der Auslöser des Aufstandes

Während Alexander in Illyrien kämpfte, wurde in Theben ein Aufstand angezettelt.[16] In den Quellen wird keine Auskunft darüber gegeben, wer diese Revolte im Einzelnen anführte – auch in den von Arrian gut erhaltenen Berichten werden keine Namen genannt. Daher lassen sich im Folgenden nur Vermutungen anführen, wer die Thebaner zur Auflehnung anführte. Klar ist dagegen, dass ein Gerücht, das bewusst propagiert wurde, die Revolte in Theben auslöste. Aufgrund Alexanders langer Abwesenheit in Griechenland und der Tatsache, dass dem griechischen Volk keine Nachrichten über seinen Zustand erreichte, verbreitete sich das Gerücht: Alexander sei in Illyrien gefallen.[17] Laut Arrian wurden daraufhin zwei Hauptmänner der makedonischen Besatzung auf der Kadmeia getötet.[18] Danach, so berichtet er: „zogen sie [die Anführer] in die Bürgerversammlung und hetzten die Thebaner auf, von Alexander abzufallen, wobei sie die alte schöne Phrase von der Freiheit zum Vorwand nahmen; und – man sei ja das makedonische Joch bereits los“.[19] Wie die Schilderung Arrians zeigt, erfolgte die Mobilisierung der Abfallbewegung durch Propaganda von der Wiederherstellung der alten Freiheit und des alten Ruhmes. Die Abtrünnigen hielten mit dem Tod Alexanders, scheinbar ihre Gelegenheit für gekommen, die Verträge zwischen ihnen und den Makedonen zu beenden. Sie waren bereit für ihre Freiheit zu kämpfen. Ihre Bereitschaft ging soweit, dass sie andere Bundesgenossen aufriefen sich ihrem Freiheitskampf anzuschließen. Die Ätolier, die Arkadier und schließlich auch die Eleer und Argos begannen sich für einen Waffengang zu rüsten. Die Arkadier entsandten sogar ein Heer zum Isthmós von Korinth.[20] Athen versprach ebenfalls in Form von Truppen die Thebaner zu unterstützen. In den Quellen wird auch erwähnt, dass persische Subsidien nach Griechenland flossen.[21] Athen soll 300 Talente, die ihnen der Perserkönig schickte, abgelehnt haben, denn offiziell wollten sie sich nicht auf die Seite der Perser stellen. Dennoch soll Demosthenes im Sinne der Athener als Privatmann die Subsidien der Perser angenommen haben. 70 Talente soll er erhalten haben, um die antimakedonische Stimmung in Hellas zu verstärken.[22] Inwiefern diese Angelegenheit im Einzelnen ablief, ist unklar. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Demosthenes einer der wesentlichen Anführer der Abfallbewegung war. Obschon er in der Öffentlichkeit als Gegner der makedonischen Politik galt, bestätigt Iustinus Quelle die Annahme. Seinen Berichten nach soll Demosthenes in der attischen Volksversammlung sogar einen Verwundeten vorgeführt haben, der als Augenzeuge den Tod Alexanders in der Schlacht bestätigte.[23] Mit diesem Vorfall wird deutlich, dass Demosthenes einer derjenigen war, der sich um die Ausweitung des Aufstandes bemühte. Allerdings ist fraglich, ob er einen wesentlichen Einfluss auf die Arkader und Eleer oder die Aitolier und andere hatte. Der Historiker Jehne führt an, dass die Bewegung „eindeutig darauf berechnet [war], daß in ansehbarer Zeit kein makedonischer König in der Lage sein würde, mit der geballten Truppenmacht seines Reiches die Griechen wieder zur Räson [zu] bringen.“[24] Dass Alexander allerdings in jeder Hinsicht als neuer Makedonenkönig agierte, und die Griechen zur Räson bringen konnte, wird im Folgenden aufgezeigt.

[...]


[1] Vgl. Jehne, M.: Koine Eirene, Untersuchungen zu den Befriedigungs- und Stabilisierungsbemühungen in der griech. Poliswelt im 4. Jahrhundert, Stuttgart 1994, S. 153.

[2] Anm.: Dieser Friedensvertrag richtete sich im Wesentlichen an alle griechischen Poleis. Er erkannte ihre Autonomie und die völkerrechtliche Gleichstellung an, unabhängig von ihrer tatsächlichen Macht und musste ohne zeitliche Begrenzung angelegt sein. Im Frühjahr wurde zur Sicherung der Koiné eiréne auch ein Bundesrat (Synhédrion) gegründet, in welchem die Mitglieder nach Kopfzahl oder Kampfkraft vertreten waren sowie ein Bundesfeldherr (Hegemón), der im Kriegsfall die Größe der Bundeskontingente bestimmte und das alleinige Oberkommando führte . Das Amt wurde in diesem Fall Philipp übertragen. Später ließ sich Alexander das Amt des Hegemón übertragen. Der Bundesrat hatte als solches juristische und finanzielle Befugnisse durch welche die Mitgliedstaaten gebunden waren.

[3] Vgl. Jehne, S. 279.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Wiemer, Hans-Ulrich: Alexander der Große, München 2005, S. 84.

[6] Vgl. Jehne, S. 142.

[7] Vgl. Jehne, S. 144 f.

[8] Ebd.

[9] Jehne, S. 151.

[10] Vgl. Wiemer, S. 72.

[11] Anm.: Nicht alle Polisstaaten wollten sich von den Makedoniern entfernen, denn die Zahl der Kriege in Griechenland nahm deutlich ab und die wenigen waren verhältnismäßig kurz. Darin sahen einige eine Stabilisierung der zwischenstaatlichen Verhältnisse.

[12] Vgl. Jehne, S. 198.

[13] Jehne, S.199.

[14] Ebd.

[15] Anm.: Dem jungen Alexander gelang die griechischen Staaten, durch seinen Zug nach Griechenland, im Ansatz zu unterdrücken – ehe es zu einer Vereinigung in Form einer griechischen Allianz kommen konnte.

[16] Anm.: Im Frühjahr 335 unternahm Alexander einen Feldzug gegen die thrakischen Triballer und Illyrer, die nach dem Tod seines Vaters im Jahr 336 abfielen. Er konnte sie erfolgreich niederschlagen.

[17] Vgl. Arrian, S. 27.

[18] Vgl. Arrianus,

[19] Arrian, S.

[20] Vgl. Wiemer, S. 85.

[21] Vgl. Droysen, Johann Gustav: Geschichte Alexanders des Großen, nach d. Text d. Erstausg. 1833, m. e. Nachw. von Jürgen Busche unter hrsg. Mitarb. von Paul König, 2. Aufl., Zürich 1986, S. 100.

[22] Ebd.

[23] Vgl. Wirth, Gerhard: Studien zur Alexandergeschichte, Darmstadt 1985, S. 38.

[24] Jehne, S. 200.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Aufstand Thebens – eine der ersten militärischen Herausforderungen Alexanders des Großen
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V90969
ISBN (eBook)
9783638052078
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufstand, Thebens, Herausforderungen, Alexanders, Großen
Arbeit zitieren
Janine Bormann (Autor), 2006, Der Aufstand Thebens – eine der ersten militärischen Herausforderungen Alexanders des Großen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90969

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