Im Jahre 1962 wurde die „Academia Porteña del Lunfardo“ gegründet, welche eine private Institution ist und sich allgemein mit der sprachwissenschaftlichen Forschung und speziell mit der Entwicklung der Umgangssprache in Buenos Aires beschäftigt. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf den Soziolekt, den Lunfardo, gelegt. Diesem wurden von vielen Forschern und Studierenden der Sprachwissenschaft bisher unzählige Essays und Bücher gewidmet, da das Interesse nach wie vor ungebrochen ist. Bei näherer Betrachtung ist festzustellen, dass es sich als sehr schwierig erweist, den Lunfardo zu definieren und einzugrenzen, da sich hierbei die Wissenschaftler weitestgehend uneinig sind. Benigno B. Lugones, ein ehemaliger Polizeiangestellter, veröffentlichte bereits im Jahre 1879 zwei Texte mit den Titeln „Los beduinos urbanos“ und „Los caballeros de la industria“, welche im Laufe der Zeit zu den Vorreitern weiterer Studien zum Lunfardo wurden. Von der Neugier für diesen Soziolekt gefesselt, waren Antonio Dellepiane mit seinem Buch „El idioma del delito“ und José S. Alvarez mit seinen „Memorias de un vigilante“ in den Jahren 1894 und 1897 die beiden nächsten, welche sich mit dem Phänomen Lunfardo beschäftigten. Im Laufe der Zeit verwandelte sich dieser von seinem primitiven Ursprung der Gauner und Randgruppen in ein Vokabular, welches vortrefflich von Schauspielern dargestellt und von berühmten Dichtern, sowie Autoren von Tangotexten eingearbeitet wurde, indem sie gewisse Umgebungen und Klischees bedienen, die mit der eigenen Welt der Vorstadt verbunden sind.
In dieser Arbeit geht es darum, den Lunfardo zu analysieren. Eingehend werde ich versuchen einen Überblick über diverse Definitionstheorien zu geben. Folgend gilt es, den Lunfardo in den historischen Hintergrund einzubetten, sowie Funktion und Gebrauch zu beleuchten. Im Kern meiner Betrachtung soll die Zusammensetzung des Lunfardo stehen, wobei hier verschiedene Beispiele in die Betrachtung einfließen, um ein besseres Verständnis zu ermöglichen.
Der Rahmen dieser Hausarbeit gebietet ein Maximum an faktischer Beschränkung. Daher möchte ich verdeutlichen, dass es sich bei dieser Arbeit nur um einen Problemaufriss handeln kann, ein Aufriss, mit dem ich erreichen möchte, dass der Lunfardo und seine Theorien näher betrachtet werden. In einem solchen Rahmen ist die Komplexität hingegen nur bedingt vermittelbar...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitions- und Eingrenzungsversuche
2.1. Definition
2.2. Eingrenzung
3. Historisch-genetischer Überblick
3.1. Entwicklungsphase (1865-1918)
3.2. Anpassungsphase (1918-1950)
3.3. Rückbesinnungsphase (1950 – zur Gegenwart)
4. Funktion und Gebrauch des Lunfardo
5. Zusammensetzung und Beispiele für den Lunfardo
5.1. Neologismen
5.1.1. Methode der Einschränkung
5.1.2. Methode der Verallgemeinerung
5.1.3. Methode der Verschiebung
5.2. Morphologische Veränderungen
5.2.1. freiwillige Deformationen
5.3. préstamos
5.3.1. externe Entlehnungen
5.3.2. interne Entlehnungen
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Soziolekt Lunfardo in Buenos Aires umfassend zu analysieren, seine Definitionsproblematiken aufzuzeigen, den historischen Kontext zu beleuchten und die Mechanismen seiner Zusammensetzung durch verschiedene linguistische Prozesse darzulegen.
- Grundlagenforschung zur Definition und Abgrenzung des Lunfardo
- Historische Entwicklung in drei zentralen Phasen
- Funktionsanalyse des Soziolekts innerhalb der argentinischen Gesellschaft
- Methoden der Wortbildung (Neologismen, morphologische Veränderungen, Lehnwörter)
Auszug aus dem Buch
5.1. Neologismen
Jede Sprache erlangt unter Anwendung bestimmter Methoden und Verfahren im Laufe der Zeit für ihr Vokabular neue Wörter, beispielsweise durch Zuweisung neuer Bedeutungen, was diese an sich ungemein bereichert. Diese Ausdrücke besitzen daraufhin mehrere Bedeutungen gleichzeitig, was auch als polisemia (dt. Polysemie) bezeichnet wird. Die Entstehung neuer Bedeutungen kann man an Hand drei verschiedener Verfahren veranschaulichen, welche Teruggi als Methoden der Einschränkung, Verallgemeinerung und Verschiebung bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Lunfardo ein, skizziert den Forschungsstand und legt den Aufbau sowie die Zielsetzung der Hausarbeit fest.
2. Definitions- und Eingrenzungsversuche: Dieses Kapitel untersucht die Schwierigkeiten einer eindeutigen Definition des Lunfardo und grenzt ihn von verwandten Begriffen wie Argentinismen und Regionalismen ab.
3. Historisch-genetischer Überblick: Hier wird der Lunfardo in drei zeitliche Phasen unterteilt, um seine Entstehung und Entwicklung von der Einwanderungswelle bis zur heutigen Zeit darzustellen.
4. Funktion und Gebrauch des Lunfardo: Das Kapitel beleuchtet, welche Rolle der Lunfardo im gesellschaftlichen Diskurs spielt und wie er als Mittel zur Identitätsstiftung und Differenzierung genutzt wird.
5. Zusammensetzung und Beispiele für den Lunfardo: Der Abschnitt erläutert detailliert die verschiedenen linguistischen Wege der Wortbildung im Lunfardo, insbesondere durch Neologismen, morphologische Veränderungen und Entlehnungen.
6. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und reflektiert über die anhaltende Bedeutung des Lunfardo trotz fehlender eigenständiger Grammatik.
Schlüsselwörter
Lunfardo, Buenos Aires, Soziolekt, Sprachwissenschaft, Neologismen, Etymologie, Argentinismen, Argot, Jargon, Sprachwandel, Tango, Wortbildung, Préstamos, Morphologie, Kulturgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Lunfardo, einem Soziolekt der Umgangssprache in Buenos Aires, und untersucht dessen Definition, historischen Ursprung sowie seine sprachliche Struktur.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung des Lunfardo, seine historische Entwicklung in drei Phasen, seine soziale Funktion und die linguistischen Verfahren seiner Wortbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Lunfardo als linguistisches Phänomen zu analysieren und durch die Betrachtung von Definitionstheorien und Wortbildungsmechanismen ein besseres Verständnis für diesen Soziolekt zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde für die Erstellung gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Untersuchung, bei der die Theorien verschiedener Sprachwissenschaftler herangezogen wurden, um den Lunfardo einzuordnen und zu systematisieren.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Vordergrund?
Im Hauptteil stehen insbesondere die historische Entwicklung, die Funktionen des Gebrauchs sowie eine detaillierte Analyse der Zusammensetzung des Lunfardo durch verschiedene Sprachmethoden im Vordergrund.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit wird am besten durch Begriffe wie Lunfardo, Soziolekt, Sprachwandel, Neologismen, Argentinismen und Wortbildung charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Tango bei der Verbreitung des Lunfardo?
Der Tango fungierte als wesentliches Medium, das den Lunfardo durch seine Texte und Darstellungen insbesondere in den unteren sozialen Schichten verbreitete und ihm zu einem individuellen Charakter verhalf.
Warum kann man den Lunfardo nicht als eigenständige Sprache bezeichnen?
Der Lunfardo verfügt über keine eigene Syntax und Grammatik. Es handelt sich um ein rein lexikalisches Vokabular, das in die spanische Sprachstruktur eingebettet wird, weshalb man nicht ausschließlich im Lunfardo sprechen kann.
- Citar trabajo
- Antje Rohloff (Autor), 2007, Der Lunfardo - Definitions- und Eingrenzungsversuche, historisch-genetischer Überblick, Zusammensetzung und Beispiele, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90981