Diese Arbeit untersucht, inwiefern patriotische Elemente durch die Epochen entstanden, untergingen und wieder zum Vorschein kamen. Die Grundlage des Patriotismus blieb dabei immer dieselbe und hat sich nur auf unterschiedliche Art und Weise gezeigt. Diese These lautet, dass der Patriotismus eine moralische Grundeinstellung für den Einsatz am Gemeinschaftswohl ist. Dabei ist die Gemeinschaft nicht zwangsweise an den Begriff des Vaterlandes geknüpft. Der Patriotismus ist sehr viel unabhängiger von der deutschen Übersetzung und universeller zu verstehen.
Zum Patriotismus gibt es viele verschiedene Interpretationen. Es gibt den nationalen Patriotismus der rechten Szene, es gibt den feiernden Patriotismus der Fußball-Weltmeisterschaft. In der Fachwelt wird außerdem der Verfassungspatriotismus diskutiert. Dabei geht es um einen von Dolf Sternberger geprägten Begriff, welcher dem nationalen Patriotismus gegenübersteht und den Patriotismus wieder in die Mitte der Gesellschaft holen soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. These
1.2. Methode
1.3. Definition
2. Entwicklung des Patriotismus
2.1. Durch die Epochen
2.1.1. Entstehung und Wandel in der Antike
2.1.2. Aufklärung und 18. Jahrhundert
2.1.3. Unterdrückung im Nationalsozialismus
2.1.4. Nachkriegszeit und geteiltes Deutschland bis zum Verfassungspatriotismus
2.2. Abgrenzung zum Nationalismus
2.3. Verfassungspatriotismus
3. Fazit
3.1. Methodenbewertung
3.2. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wesen des Patriotismus in Deutschland, um zu klären, inwiefern patriotische Grundeinstellungen unabhängig von nationalistischen Tendenzen als moralische Basis für bürgerschaftliches Engagement dienen können. Die Forschungsfrage hinterfragt dabei die moderne Relevanz des Begriffs in einer postnationalen Welt.
- Historische Entwicklung des Patriotismusbegriffs über verschiedene Epochen.
- Die begriffliche und inhaltliche Abgrenzung von Patriotismus zu Nationalismus.
- Analyse des Konzepts des Verfassungspatriotismus nach Dolf Sternberger.
- Die Rolle des bürgerlichen Engagements als moderne Ausdrucksform von Patriotismus.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Entstehung und Wandel in der Antike
Der Patriotismus entstand in der frühen Antiken zusammen mit den ‚polis’, den Stadtstaaten. Allerdings gab es damals noch keine Nationen, sondern nur politische Gemeinschaften mit einem gemeinsamen Versammlungsort. „Auch im antiken Griechenland hatte der ‚Patriotismus’ ursprünglich nichts mit einem Vaterland im Sinne eines Territoriums zu tun, sondern bezog sich ebenfalls auf Personengemeinschaften – allerdings, anders als in der neuzeitlichen Bürgergesellschaft, auf eine Elite, auf eine kleine Zahl von ‚Bürgern’, die polites.“
In Rom gab es dann die ‚patria civitatis’. Diese stand für jene politische Idee, die alle Individuen, die das römische Bürgerrecht besaßen, zu einer Gemeinschaft, dem römischen Staat, verband. Hier im Römischen Reich entstand der Sprung vom Patrioten der unmittelbaren Gemeinschaft zum Patrioten als jemanden, der für das Recht und die Verfassung aller Bürger einsteht. Es gab jedoch nicht mehr den völkischen Aspekt, denn im Römischen Reich lebten sehr viele Völker und die meisten Provinzbewohner erhielten das Bürgerrecht. Ein Imperium vieler Völker lässt sich besser regieren, wenn alle den gleichen Gesetzen bzw. der gleichen Verfassung unterstehen. Dieser bürgerliche Patriotismus, welcher sich auf eine Verfassung und eine Republik berief, sollte in der frühen Neuzeit wiederauferstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Patriotismus in Deutschland oft negativ assoziiert wird, und stellt die These auf, dass er primär als moralische Grundeinstellung zum Gemeinwohl zu verstehen ist.
2. Entwicklung des Patriotismus: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese des Begriffs von der Antike über die Aufklärung bis zum Nationalsozialismus und der deutschen Nachkriegszeit nach.
2.1. Durch die Epochen: Der Unterpunkt beleuchtet chronologisch die unterschiedlichen Manifestationen patriotischen Denkens und dessen Wandel durch die Geschichte.
2.1.1. Entstehung und Wandel in der Antike: Hier wird der Ursprung in den antiken Stadtstaaten und die Transformation des Konzepts im Römischen Reich beschrieben.
2.1.2. Aufklärung und 18. Jahrhundert: Der Fokus liegt auf der Etablierung des Patriotismus als Idealbild des aufgeklärten, guten Bürgers.
2.1.3. Unterdrückung im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel analysiert die Instrumentalisierung von Begriffen durch die Nationalsozialisten und die Schwierigkeiten für Patrioten in dieser Zeit.
2.1.4. Nachkriegszeit und geteiltes Deutschland bis zum Verfassungspatriotismus: Es wird die Suche nach einem neuen patriotischen Selbstverständnis im geteilten Deutschland thematisiert.
2.2. Abgrenzung zum Nationalismus: Dieser Abschnitt arbeitet die essenziellen Unterschiede zwischen dem inklusiven Patriotismus und dem exklusiven, völkisch geprägten Nationalismus heraus.
2.3. Verfassungspatriotismus: Das Kapitel stellt das von Dolf Sternberger geprägte Konzept als zeitgemäße, auf das Grundgesetz fokussierte Alternative vor.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bekräftigt die Bedeutung von sozialem Engagement.
3.1. Methodenbewertung: Der Autor reflektiert das gewählte Vorgehen der historischen Epochenbetrachtung zur Begründung seiner Argumentation.
3.2. Schlussfolgerung: Die Arbeit schließt mit der These, dass bürgerliches Engagement die heutige, moderne Form des Patriotismus darstellt, die den Fokus vom Territorium zur Verfassung verschiebt.
Schlüsselwörter
Patriotismus, Verfassungspatriotismus, Nationalismus, Dolf Sternberger, Bürgergesellschaft, Gemeinwohl, Aufklärung, Grundgesetz, Geschichte, Deutschland, politische Kultur, bürgerliches Engagement, Identität, Rechtsstaat, politische Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung und dem Wandel des Begriffs Patriotismus in Deutschland unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und moderner politischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Genese des Patriotismusbegriffs, die Abgrenzung zum Nationalismus sowie die Etablierung des Konzepts des Verfassungspatriotismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Patriotismus von nationalistischen Fehlinterpretationen zu lösen und als moralische Basis für bürgerliches Engagement in der modernen Gesellschaft neu zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er den Begriff Patriotismus in vier aufeinanderfolgenden Epochen untersucht und durch Literaturarbeit untermauert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die antiken Ursprünge, die Zeit der Aufklärung, die Unterdrückung im Nationalsozialismus sowie die Entwicklung bis zum Verfassungspatriotismus im geteilten Deutschland detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Patriotismus, Verfassungspatriotismus, Nationalismus, Gemeinwohl, Aufklärung und Bürgergesellschaft.
Warum wird der Begriff Patriotismus in Deutschland oft problematisch wahrgenommen?
Aufgrund der historischen Verstrickungen mit dem Nationalismus und der Chauvinismus-Nähe wird der Begriff oft als unbenutzbar empfunden, da viele Deutsche ihn mit der dunklen Vergangenheit gleichsetzen.
Wie definiert der Autor das bürgerliche Engagement im Fazit?
Der Autor sieht in jedem, der sich sozial oder politisch zum Wohl der Gesellschaft einbringt – sei es im Beruf, im Ehrenamt oder in der Nachbarschaftshilfe – einen Patrioten im ursprünglichen Sinne.
Welche Rolle spielt die Verfassung für den heutigen Patriotismus?
Die Verfassung (das Grundgesetz) dient als identitätsstiftender Ankerpunkt, der den Patriotismus weg von einer völkischen Definition hin zu einem friedlichen, freiheitlichen und demokratischen Zusammenleben lenkt.
Was unterscheidet den Patriotismus vom Nationalismus nach Hannah Arendt?
Während der Nationalismus an eine völkisch-territoriale Identität gebunden ist, ermöglicht der Patriotismus eine inklusivere politische Teilhabe, die auf Gleichheit vor dem Gesetz basiert.
- Citation du texte
- Joram Deckert (Auteur), 2019, Vaterlandsliebe und Patriotismus in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/910091