Die vorliegende Hausarbeit behandelt zwei Denkmäler aus Sicht der politischen Ikonografie. Hierbei handelt es sich um das Nationaldenkmal (1897 – 1950) und das sich in der Bauvorbereitung befindende Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin. Beide Denkmäler verkörpern und repräsentieren die Geschichte der deutschen Nation und dienen gleichzeitig dazu, politische Entscheidungsprozesse über mehrere Jahrzehnte und Regierungen hinweg zu betrachten. Der Autor prüft, inwiefern Kunstwerke eine politische Landschaft prägen und politische Institutionen, Persönlichkeiten und Geschehnisse die Wahrnehmung von Kunst beeinflussen könnten.
Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Zunächst widmet sich der Autor dem Standort der Denkmäler. Das Umfeld spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle und sollte bei der Betrachtung und Analyse der Werke grundsätzlich einbezogen werden. Aspekte wie das Zusammenspiel zwischen Denkmal und umliegenden Bauwerken, sowie deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind dabei von besonderer Bedeutung. Danach wendet er sich dem Nationaldenkmal zu und erläutert die Entstehung, Gestaltung sowie Zerstörung des Denkmals, vor allem im Hinblick auf die Herrscherfigur Kaiser Wilhelm I., dessen Reiterstandbild im Zentrum des Denkmals steht. Der dritte Teil befasst sich mit dem geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmal, das in den letzten Jahren Gegenstand zahlreicher Debatten war und gleichzeitig eine neue Diskussion um das Denkmal im Allgemeinen und auch Deutschlands historische Vergangenheit angestoßen hat. Auf Grundlage dieser Ansatzpunkte überprüft der Autor, inwiefern Kunstwerke eine politische Landschaft prägen und politische Institutionen, Persönlichkeiten und Geschehnisse die Wahrnehmung von Kunst beeinflussen könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Standort und seine Bedeutung
3. Das Nationaldenkmal
3.1. Zu der Entstehung des Denkmals
3.2. Aufbau und Details des Denkmals
3.3. Zerstörung des Denkmals
4. Das Freiheits- und Einheitsdenkmal
4.1. Die Idee zu dem Denkmal
4.2. Umsetzung und Kritik
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Denkmalslandschaft am Berliner Stadtschloss aus der Perspektive der politischen Ikonographie. Dabei wird analysiert, wie das ehemalige Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. und das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal als politische Instrumente zur Repräsentation nationaler Identität und Macht dienen, wie sich ihre Standortwahl auf ihre Rezeption auswirkt und welche gesellschaftspolitischen Diskurse durch die Projekte ausgelöst wurden.
- Analyse der politischen Ikonographie an Berliner Denkmälern
- Untersuchung der Bedeutung der Standortwahl für die Wahrnehmung von Denkmälern
- Vergleich der Entstehung und Zerstörung des Nationaldenkmals mit der Planung des Freiheits- und Einheitsdenkmals
- Untersuchung von Machtausübung durch monumentale Kunst im öffentlichen Raum
- Erörterung des gesellschaftlichen Spannungsfeldes zwischen historischer Tradition und modernem Diskurs
Auszug aus dem Buch
3.2. Aufbau und Details des Denkmals
Bei genauerer Betrachtung der Details und Ausführungen des Denkmals gewinnt man den Eindruck, dass das Abbild einer Nation im Wandel angestrebt wurde und es darum ging, den damaligen Zeitgeist auszudrücken. Gleichzeitig aber sollte das Bild einer „preußisch-konservativen Grundhaltung“ 20 beibehalten werden. (Abb. 4) zeigt die filigrane Fülle an unterschiedlichen Bestandteilen des Denkmals. Gleichzeitig wird dem Betrachter erneut die Kolonnadenhalle in der Rolle des Rahmens vor Augen geführt. Auf den Bürgersteig ragt der Sockel des Reiterstandbildes hinaus. Dieser Sockel ist mit weiteren Figuren aus dem Tier- und Mythenreich versehen. Gut erkennbar ist auch der den Kaiser begleitende weibliche „Genius des Friedens“21 wobei es sich um eine Schutzgöttin handelt. Auffällig ist hierbei vor allem mit Blick auf die Hände des Genius, dass eine Hand den Palmwedel trägt und die andere das Pferd führt, dem Kaiser also sozusagen die Zügel aus der Hand genommen werden, was eine enorme politische Aussagekraft hat. „Die absolute Herrschergewalt des Kaisers war dadurch relativiert“22 (Abb. 5) Peter Stephan zieht einen Vergleich zwischen dem Abbild des Kaisers auf dem Nationaldenkmal in Berlin (Abb. 5) und dem gleichnamigen Denkmal auf dem Deutschen Eck in Koblenz (Abb. 6). Dabei fällt bei dem Berliner Reiterstandbild vor allem die Zurückhaltung im Hinblick auf militärische Erkennungszeichen auf:
„Statt Paradeuniform, wallendem Hermelinmantel mit aufgestelltem Kragen und Prunkhelm mit wehendem Federschmuck trug Wilhelm eine gewöhnliche Uniform. Statt auf einer weit herabfallenden Decke saß er auf einem gewöhnlichen Sattel. Auch das Pferd wirkte einfacher.“23
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der politischen Ikonographie anhand zweier Berliner Denkmäler ein und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. Der Standort und seine Bedeutung: Hier wird die zentrale Rolle des Standorts vor dem Berliner Schloss für die symbolische Wirkung und Rezeption der Denkmäler analysiert.
3. Das Nationaldenkmal: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehung, dem Aufbau und der politisch motivierten Zerstörung des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals.
3.1. Zu der Entstehung des Denkmals: Der Fokus liegt auf dem von Kaiser Wilhelm II. initiierten Wettbewerb und der Auswahl des Bildhauers Reinhold Begas.
3.2. Aufbau und Details des Denkmals: Es wird die monumentale Gestaltung des Denkmals und deren ikonographische Bedeutung für die wilhelminische Zeit untersucht.
3.3. Zerstörung des Denkmals: Das Kapitel beschreibt den Abriss des Denkmals im Jahr 1950 durch das DDR-Regime zur Schaffung eines Aufmarschplatzes.
4. Das Freiheits- und Einheitsdenkmal: Die Entstehung und die gesellschaftliche Debatte um das neue Denkmal am historischen Standort werden hier beleuchtet.
4.1. Die Idee zu dem Denkmal: Hier werden die Initiatoren und die Zielsetzung für ein Denkmal zur Erinnerung an die Wiedervereinigung dargelegt.
4.2. Umsetzung und Kritik: Das Kapitel befasst sich mit den Wettbewerbsverfahren sowie der anhaltenden Kritik und den Verzögerungen bei der Umsetzung.
5. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, wie beide Denkmäler als Spiegel politischer Verhältnisse fungieren und trotz ihrer Zerstörung bzw. Kontroversen das gesellschaftliche Engagement prägen.
Schlüsselwörter
Politische Ikonographie, Nationaldenkmal, Freiheits- und Einheitsdenkmal, Berlin, Schlossfreiheit, Kaiser Wilhelm I., Reinhold Begas, Denkmal, Denkmalkultur, Wiedervereinigung, Monumentalität, SED, Erinnerungskultur, Machtrepräsentation, Öffentlicher Raum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht zwei Berliner Denkmäler – das ehemalige Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. und das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal – unter den Gesichtspunkten der politischen Ikonographie und ihrer Bedeutung im städtischen Raum.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Text?
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen monarchischer Repräsentation und demokratischer Erinnerungskultur, die Bedeutung der Standortwahl für Kunstwerke sowie die politisch motivierte Instrumentalisierung von Denkmälern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu überprüfen, inwiefern Kunstwerke eine politische Landschaft prägen können und wie politische Institutionen oder historische Ereignisse die Wahrnehmung und das Schicksal solcher Denkmäler beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Hausarbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der politischen Ikonographie, um Denkmäler als visuelle Zeugnisse sozialer und politischer Konflikte bzw. Identitäten zu analysieren und in ihren jeweiligen historischen Kontext einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Standortanalyse, die historische Untersuchung des Nationaldenkmals einschließlich seiner Zerstörung sowie die Analyse des Freiheits- und Einheitsdenkmals hinsichtlich seiner Konzeption und der damit verbundenen öffentlichen Kontroversen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Politische Ikonographie, Nationaldenkmal, Freiheits- und Einheitsdenkmal, Schlossfreiheit, Machtrepräsentation und Erinnerungskultur.
Warum spielt die Schlossfreiheit eine so wichtige Rolle für das Denkmalprojekt?
Die Schlossfreiheit gilt als geschichtsträchtiger Ort, der durch Zäsuren wie die Märzrevolution 1848, die Reichseinheit 1871 und den Mauerfall 1989 geprägt ist. Sie wird von den Initiatoren des neuen Denkmals als idealer Ort für die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart angesehen.
Inwiefern unterscheidet sich das Freiheits- und Einheitsdenkmal gestalterisch vom ehemaligen Nationaldenkmal?
Während das ehemalige Nationaldenkmal auf monumentale Machtdemonstration durch den Neubarock setzte, zeichnet sich das neue Freiheits- und Einheitsdenkmal durch eine moderne, schlichte Gestaltung in Form einer begehbaren Schale aus, die zur Interaktion mit den Besuchern einlädt.
- Citation du texte
- Philipp Mathes (Auteur), 2019, Monarchie und Demokratie. Denkmäler vor dem Berliner Stadtschloss im Kontext der politischen Ikonographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/910232